Brand, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marienwallfahrt im Brandnertal.
Status:Kirchlich überlieferter Wallfahrtsort; Umfang und konkrete Formen der historischen Wallfahrt sind heute nur teilweise greifbar.
Kultzentrum:Gnadenbild Maria mit Kind aus dem Jahr 1667, verbunden mit einer Rosenkranzbruderschaft.
Ort:Brand
Bezirk:Bludenz
Bundesland:Vorarlberg
Lage und Besuch
Lage: Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Gufer 34, 6708 Brand bei Bludenz.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Vorarlberg
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Brand
Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Brand im Brandnertal gehört zu den historischen Marienwallfahrtsorten Vorarlbergs. Ihr Wallfahrtscharakter ist kirchlich überliefert und wird auch von der Diözese Feldkirch ausdrücklich angeführt. Im Unterschied zu den großen Wallfahrtszentren des Landes lässt sich für Brand jedoch keine umfangreiche überregionale Pilgerbewegung nachweisen. Von besonderer Bedeutung ist vielmehr ein Gnadenbild Maria mit Kind aus dem Jahr 1667, das mit einer Rosenkranzbruderschaft verbunden war und einen wichtigen Hinweis auf die ältere Wallfahrtsfrömmigkeit gibt.

Die Geschichte der Kirche reicht jedoch wesentlich weiter zurück. Sie ist eng mit der Besiedlung des Brandnertales durch die Walser und mit den besonderen Lebensbedingungen einer abgelegenen alpinen Gemeinde verbunden.

Die Walser und der schwierige Kirchweg

Brand wurde seit dem frühen 14. Jahrhundert von Walsern besiedelt. Die Bewohner des Tales verfügten zunächst über kein eigenes Gotteshaus und waren kirchlich nach Bürs orientiert. Der Weg zur dortigen Pfarrkirche war lang und unter den Bedingungen eines alpinen Tales keineswegs zu jeder Jahreszeit gefahrlos.

Besonders im Winter konnten Schnee und Lawinen die Verbindung erschweren oder zeitweise ganz unterbrechen. Die große Entfernung wirkte sich unmittelbar auf das religiöse Leben aus. Taufen, Gottesdienstbesuche und insbesondere Begräbnisse waren mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden; nach örtlicher Überlieferung konnten Verstorbene bei ungünstigen Witterungsverhältnissen nicht immer unmittelbar zur Bestattung nach Bürs gebracht werden.

Die Errichtung einer eigenen Kirche war deshalb nicht allein Ausdruck eines Wunsches nach größerer kirchlicher Selbständigkeit, sondern eine unmittelbare Notwendigkeit innerhalb der Lebenswelt einer abgelegenen Berggemeinde.

Die erste Marienkapelle

Im Jahr 1410 begannen die Brandner mit dem Bau einer eigenen Kapelle zu Ehren Unserer Lieben Frau.

Eine wesentliche wirtschaftliche Grundlage dafür bildete eine Stiftung von Hensli Alamann und dessen Sohn Jösli. Beide werden in der örtlichen Überlieferung als schwer krank beziehungsweise aussätzig bezeichnet und hatten keine Nachkommen. Sie übergaben einen Teil ihres Besitzes zugunsten der religiösen Gemeinschaft und trugen damit wesentlich zur Finanzierung des kirchlichen Lebens in Brand bei.

Die Verbindung von Krankheit, Kinderlosigkeit und Stiftung ist für die religiöse Mentalität des Spätmittelalters bemerkenswert. Besitz konnte durch eine fromme Stiftung in eine dauerhafte religiöse Leistung überführt werden; zugleich sicherte eine solche Gabe das Gebetsgedenken an die Stifter über deren Tod hinaus.

Die fertiggestellte Kapelle wurde 1423 durch einen Weihbischof des Bistums Chur der Gottesmutter geweiht. Zugleich wurde ein eigener Friedhof angelegt. Damit erhielten die Brandner erstmals nicht nur einen Gottesdienstraum, sondern auch die Möglichkeit, ihre Verstorbenen im eigenen Ort zu bestatten.

Vom Kapellenbau zur eigenen Pfarre

Ein ständig in Brand wirkender Geistlicher stand zunächst weiterhin nicht zur Verfügung. Erst 1476 wurde die Einrichtung einer eigenen Kaplanstelle bewilligt. Die neue Seelsorgestelle blieb allerdings weiterhin vom Pfarrer von Bürs abhängig.

Wenig später wurde die ältere Kapelle durch ein größeres Gotteshaus ersetzt. Der Neubau erhielt mehrere Altäre und einen Taufstein und wurde 1507 feierlich geweiht. Wesentliche Teile dieser spätgotischen Kirche sind bis heute erhalten und bilden den historischen Kern des heutigen Gotteshauses.

Der Weg zur vollständigen pfarrlichen Selbständigkeit dauerte noch mehrere Generationen. Erst im Laufe des 17. und frühen 18. Jahrhunderts löste sich Brand endgültig aus der kirchlichen Abhängigkeit von Bürs; die vollständige rechtliche Verselbständigung wurde 1727 bestätigt.

Die Entwicklung von der kleinen Marienkapelle zur selbständigen Pfarrkirche spiegelt damit zugleich die gesellschaftliche und wirtschaftliche Festigung der Walsergemeinde wider.

Das Gnadenbild von 1667

Für die Wallfahrtsgeschichte von Brand ist ein Gnadenbild Maria mit Kind aus dem Jahr 1667 besonders wichtig. Das Bild wird ausdrücklich mit einer Rosenkranzbruderschaft in Verbindung gebracht und befindet sich heute nicht mehr regulär im Kirchenraum, sondern wird verwahrt.

Damit ist ein konkretes Objekt fassbar, das über die allgemeine Marienverehrung einer Pfarrkirche hinausweist. Über den Umfang der mit diesem Gnadenbild verbundenen Wallfahrt, über Gebetserhörungen, Votivgaben oder regelmäßige Pilgertermine geben die bislang bekannten Quellen jedoch nur unzureichend Auskunft.

Die Verbindung von Gnadenbild und Rosenkranzbruderschaft weist jedenfalls in die für das 17. Jahrhundert charakteristische barocke Marienfrömmigkeit. Gerade nach dem Konzil von Trient erfuhren Rosenkranzbruderschaften einen starken Aufschwung. Sie verbanden gemeinschaftliches Gebet, Marienverehrung und soziale Gemeinschaft und konnten auch zur Ausbildung kleinerer regionaler Wallfahrten beitragen.

Für Brand ist deshalb von einer historischen Marienwallfahrt auszugehen, deren genaue räumliche Reichweite und konkrete Formen heute nur noch teilweise greifbar sind.

Rosenkranzfrömmigkeit und Bruderschaft

Rosenkranzbruderschaften gehörten zu den wichtigsten religiösen Gemeinschaftsformen der frühen Neuzeit. Ihre Mitglieder verpflichteten sich zu regelmäßigen Gebeten und nahmen an bestimmten Gottesdiensten, Prozessionen und Festen teil.

Das Rosenkranzgebet machte die Heilsgeschichte in einer leicht memorierbaren Form zugänglich und konnte sowohl gemeinschaftlich als auch im privaten Bereich verrichtet werden. Gerade in ländlichen Regionen besaßen solche Bruderschaften deshalb eine große Bedeutung für die religiöse Alltagskultur.

Das Brandner Gnadenbild von 1667 ist in diesem Zusammenhang zu verstehen. Ob die Rosenkranzbruderschaft zugleich Trägerin einer regelmäßigen Wallfahrt war oder ob der Wallfahrtskult eher durch einzelne Pilger und regionale Bittgänge geprägt wurde, lässt sich derzeit nicht sicher bestimmen. Die ausdrückliche Bezeichnung des Marienbildes als Gnadenbild und die kirchliche Überlieferung Brands als Wallfahrtsort machen jedoch deutlich, dass die Kirche zeitweise über die Funktion einer gewöhnlichen Pfarrkirche hinausging.

Spätgotische Wandmalereien

Von erheblicher kunst- und religionsgeschichtlicher Bedeutung sind die spätgotischen Wandmalereien der Kirche, die im 20. Jahrhundert wieder freigelegt wurden. Die um 1500 entstandenen Fresken zeigen unter anderem die heiligen Margaretha, Barbara und Katharina, die heilige Anna mit Maria, Verkündigungsszenen, Christus in der Vorhölle, den auferstandenen Christus mit Maria Magdalena sowie Darstellungen von Nothelfern.

Dieses Bildprogramm gibt einen unmittelbaren Einblick in die religiöse Vorstellungswelt der spätmittelalterlichen Bevölkerung. Die Drei heiligen Jungfrauen Barbara, Margaretha und Katharina zählten zu den besonders häufig angerufenen Fürsprecherinnen. Sie wurden bei Krankheit, Geburt, Todesgefahr und anderen existentiellen Nöten verehrt.

Auch die Nothelfer standen für ein breites System himmlischer Fürsprache. In einer alpinen Lebenswelt, in der Krankheit, Unfälle, Lawinen, Unwetter und schwierige Geburten ständig gegenwärtige Gefahren darstellten, besaßen solche Schutzheiligen eine sehr konkrete Bedeutung.

Die Malereien sind daher nicht nur kunsthistorischer Schmuck, sondern wichtige Zeugnisse spätmittelalterlicher Volksfrömmigkeit.

Mehrere Marienbilder

Bei der Beschreibung der Kirche ist zwischen mehreren Marienbildern zu unterscheiden.

Neben dem Gnadenbild der Rosenkranzbruderschaft aus dem Jahr 1667 befindet sich eine Maria mit Kind um 1500 in der Kirche, die ursprünglich aus der ehemaligen Daleukapelle stammt. Diese spätgotische Madonna darf nicht mit dem Wallfahrtsgnadenbild gleichgesetzt werden.

Auch der heute vorhandene spätgotische Flügelaltar ist für die Entstehung der Wallfahrt nicht maßgeblich, da er erst im 20. Jahrhundert nach Brand gelangte. Er stammt ursprünglich aus dem Kapuzinerkloster Feldkirch und enthält unter anderem eine Anna-selbdritt-Gruppe sowie Darstellungen verschiedener Heiliger.

Gerade bei einem mehrfach veränderten Kirchenraum ist die Unterscheidung zwischen ursprünglicher Wallfahrtsausstattung und später hinzugekommenen Kunstwerken wesentlich.

Erweiterung der Kirche im 20. Jahrhundert

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die spätgotische Kirche für die angewachsene Bevölkerung zu klein. Nachdem frühere Erweiterungspläne nicht verwirklicht werden konnten, entstand schließlich in den 1960er Jahren ein größerer Kirchenraum.

Das Besondere der Lösung bestand darin, die historische Kirche nicht abzubrechen. Stattdessen wurde ein moderner Kirchenbau quer zum alten Langhaus angeordnet und mit dem spätgotischen Bestand verbunden.

Dadurch entstand ein ungewöhnliches Ensemble, in dem mehrere Jahrhunderte Kirchenbau unmittelbar nebeneinander sichtbar bleiben. Der spätgotische Sakralraum wurde nicht zu einem musealen Rest, sondern in das weiterhin genutzte Gotteshaus integriert.

Die heutige Pfarrkirche dokumentiert daher nicht nur spätmittelalterliche und barocke Frömmigkeit, sondern auch den Umgang der Nachkriegszeit mit einem historischen Sakralbau.

Die Barbara-Glocke und die Totenkultur

Auch die Geschichte der Kirchenglocken ist eng mit der jüngeren Ortsgeschichte verbunden.

Im Ersten Weltkrieg mussten mehrere Glocken für Rüstungszwecke abgegeben werden. Das nach dem Krieg erneuerte Geläut erlitt im Zweiten Weltkrieg erneut dasselbe Schicksal. Im April 1942 wurden wiederum mehrere Glocken abgeliefert.

Erhalten blieb die kleine Barbara-Glocke. Nach örtlicher Überlieferung wird sie beim Tod eines Gemeindemitgliedes geläutet.

Damit besitzt die Glocke bis heute eine konkrete Funktion innerhalb der dörflichen Sterbe- und Totenkultur. Das Läuten informiert nicht nur über einen Todesfall, sondern bindet den Verstorbenen symbolisch noch einmal in die Gemeinschaft ein und fordert zugleich zum Gebet auf.

Solche Sterbeglocken gehörten über Jahrhunderte zu den wichtigsten akustischen Zeichen einer Dorfgemeinschaft. Ihr Klang machte Tod öffentlich wahrnehmbar und verwandelte ein individuelles Ereignis in eine gemeinschaftlich getragene religiöse Erfahrung.

Wallfahrt und Volkskunde

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Brand ist ein Beispiel dafür, dass Wallfahrtsgeschichte nicht immer mit großen Pilgerströmen, berühmten Mirakelbüchern oder einer umfangreichen Votivsammlung verbunden sein muss.

Der Wallfahrtsstatus der Kirche ist kirchlich überliefert, während die konkreten historischen Formen der Wallfahrt nur teilweise dokumentiert sind. Ein wichtiger Hinweis ist das Gnadenbild Maria mit Kind von 1667, das mit der Rosenkranzbruderschaft verbunden war. Eine große überregionale Wallfahrt lässt sich dagegen bislang nicht nachweisen.

Volkskundlich mindestens ebenso bedeutend ist die Entstehungsgeschichte der Kirche selbst. Sie führt unmittelbar in die Lebenswelt der Walser: Der lange und im Winter gefährliche Kirchweg nach Bürs, die Schwierigkeiten bei Taufe und Bestattung sowie die Notwendigkeit eines eigenen Friedhofes führten zur Errichtung einer ersten Marienkapelle.

Die Kirche wurde damit zu einem religiösen Mittelpunkt, der zugleich eine praktische Antwort auf die besonderen Bedingungen des Lebens in einem abgelegenen Alpental darstellte.

In den folgenden Jahrhunderten überlagerten sich unterschiedliche Formen religiöser Kultur: spätmittelalterliche Heiligen- und Nothelferverehrung, Rosenkranzbruderschaft, Marienwallfahrt, kirchliche Selbständigkeit und dörfliche Sterbekultur.

Brand zeigt dadurch besonders anschaulich, wie eng Religion, Landschaft und alltägliche Lebensbedingungen miteinander verbunden waren. Der Sakralraum entstand nicht unabhängig von seiner Umgebung, sondern gerade aus den Anforderungen und Gefahren des Lebens in dieser Landschaft.

• Literatur zur Wallfahrt:

- Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Vorarlberg. Verlag Anton Schroll, Wien 1983, Brand, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, S. 53–54.

- Gemeinde Brand: Orts- und Kirchengeschichte zur Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, nach den Arbeiten von Manfred Beck.

- Diözese Feldkirch: Verzeichnis der Wallfahrtsorte in Vorarlberg.

- Örtliche Überlieferungen und kirchengeschichtliche Dokumentationen zur Rosenkranzbruderschaft, zum Gnadenbild von 1667 und zur Baugeschichte der Pfarrkirche.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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