| Wallfahrt: | Historische Heiligenwallfahrt zur Pfarrkirche St. Bartholomäus im Montafon. |
| Status: | Historisch überlieferter Wallfahrtsort; eine eigenständige heutige Wallfahrt ist weniger deutlich fassbar. |
| Kultzentrum: | Verehrung des hl. Bartholomäus und die besondere religiöse Bedeutung des alten Pfarrortes; kein einzelnes Gnadenbild ist als eindeutiger Kultmittelpunkt nachweisbar. |
| Ort: | Bartholomäberg |
| Bezirk: | Bludenz |
| Bundesland: | Vorarlberg |
| • | Lage: Pfarr- und Wallfahrtskirche hl. Bartholomäus, Dorf 8, 6780 Bartholomäberg. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Vorarlberg |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Hl. Bartholomäus |
| • | Öffnungszeiten: täglich von ca. 08:00 bis 18:00 Uhr frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Hoch über dem Montafon liegt die weithin sichtbare Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Bartholomäus von Bartholomäberg. Sie gehört zu den ältesten kirchlichen Zentren des Tales und steht zugleich in einer Landschaft, deren Geschichte über Jahrhunderte vom Bergbau geprägt wurde. Der Wallfahrtscharakter der Kirche ist historisch überliefert und wird auch in der älteren Literatur ausdrücklich hervorgehoben; anders als bei vielen Marienwallfahrten lässt sich jedoch kein einzelnes Gnadenbild als eindeutiger Mittelpunkt des Kultes feststellen. Die Wallfahrt dürfte vielmehr wesentlich mit der Verehrung des Kirchenpatrons, des heiligen Bartholomäus, und mit der besonderen religiösen Bedeutung dieses alten Pfarrortes verbunden gewesen sein.
Bartholomäberg gehört zu den ältesten Siedlungs- und Kulturlandschaften des Montafons. Die Geschichte des Ortes ist eng mit dem mittelalterlichen Bergbau verbunden, der insbesondere auf Silber, Kupfer und Eisen gerichtet war und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Tales nachhaltig beeinflusste.
Auch die kirchliche Tradition reicht weit zurück. Bartholomäberg gilt als älteste Pfarre des Montafons. Eine frühe Seelsorgestelle dürfte bereits im Hochmittelalter bestanden haben; im 14. Jahrhundert wird die Pfarre sicher fassbar. Im Jahr 1383 erfolgte ihre kirchenrechtliche Verselbständigung gegenüber Bludenz.
Von besonderem Interesse für die spätere Bedeutung als Wallfahrtsort ist ein Ablassbrief aus dem Jahr 1418, der während des Konzils von Konstanz von mehreren Kardinälen für die Kirche von Bartholomäberg ausgestellt wurde. Ablässe bildeten im Spätmittelalter ein wesentliches Mittel zur Förderung des Besuches bestimmter Kirchen und ihrer Festtage und konnten damit wesentlich zur Ausbildung eines über den eigentlichen Pfarrbezirk hinausreichenden Kultes beitragen.
Eine weitere Kirchweihe ist für 1503 überliefert. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war das ältere Gotteshaus für die inzwischen angewachsene Bevölkerung zu klein und zudem baufällig geworden. Ein Visitationsbericht von 1721 beklagte ausdrücklich den schlechten Zustand der Kirche. Am 26. Mai 1729 wurde daraufhin der Grundstein für den barocken Neubau gelegt, der den älteren Kirchenbau ersetzte. Die feierliche Weihe der neuen Kirche erfolgte am 6. Juni 1743.
Die Kirche wird in der Literatur ausdrücklich als Pfarr- und Wallfahrtskirche zum heiligen Bartholomäus bezeichnet. Ein eigenständiges wundertätiges Gnadenbild oder eine für den Wallfahrtskult zentrale Mirakellegende ist bislang nicht nachweisbar. Die Wallfahrt dürfte daher in erster Linie auf den Kirchenpatron selbst sowie auf die überregionale religiöse Bedeutung des alten Pfarrortes ausgerichtet gewesen sein.
Der Apostel Bartholomäus wurde im Alpenraum vielfach als Schutzheiliger angerufen. Nach seiner Legende erlitt er das Martyrium durch Abziehen der Haut, weshalb das Messer zu seinem charakteristischen Attribut wurde. Seine Verehrung gewann in Bartholomäberg zusätzlich Bedeutung durch die enge Verbindung der örtlichen Bevölkerung mit dem Bergbau. In einer Arbeitswelt, die von schweren körperlichen Belastungen, Unfallgefahren und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt war, besaßen Heiligenverehrung, Fürbitte und religiöse Schutzvorstellungen besondere Bedeutung.
Der bereits im frühen 15. Jahrhundert gewährte Ablass dürfte den Besuch der Kirche zusätzlich gefördert haben. Damit steht Bartholomäberg beispielhaft für jene Wallfahrtsorte, deren Bedeutung nicht aus einem einzelnen wundertätigen Objekt hervorging, sondern aus dem Zusammenwirken eines alten Heiligenkultes, kirchlicher Privilegien, lokaler Tradition und der Stellung des Gotteshauses als religiösem Mittelpunkt einer ganzen Landschaft.
Zu den bedeutendsten Ausstattungsstücken der Kirche gehört der um 1525 entstandene spätgotische St.-Anna-Altar, der aufgrund seines Bildprogramms auch als Knappenaltar bezeichnet wird. Er ist ein herausragendes Zeugnis für die Verbindung von Bergbau und religiöser Kultur im Montafon.
Die heilige Anna besaß um 1500 eine außerordentlich große Popularität und erscheint in Bartholomäberg als zweite Patronin der Kirche. Neben ihr begegnen auf dem Altar Heilige, deren Attribute und Schutzfunktionen unmittelbar mit der Lebenswelt der Bergleute verbunden werden konnten. Besonders deutlich wird dies beim heiligen Eligius, der mit Erzstufe und Steinhammer dargestellt ist. Auch die heilige Agatha und der besonders im alpinen Raum verehrte heilige Theodul gehören in dieses Umfeld religiöser Schutzvorstellungen.
Der Knappenaltar ist damit nicht lediglich ein bedeutendes spätgotisches Kunstwerk, sondern zugleich eine Quelle für die Mentalitätsgeschichte der Montafoner Bergleute. Die gefährliche Arbeit unter Tage, Unfälle, Krankheiten und die Unsicherheit des wirtschaftlichen Erfolges ließen ein dichtes Netz religiöser Schutzmechanismen entstehen. Die Anrufung bestimmter Heiliger, Stiftungen, Altäre und Bruderschaften gehörten ebenso dazu wie Prozessionen, Gelübde und gemeinschaftliche Gottesdienste.
Von außerordentlicher kunsthistorischer Bedeutung ist das sogenannte romanische Vortragekreuz von Bartholomäberg, eine kostbare Limoges-Arbeit. Ältere Veröffentlichungen datierten das Kreuz teilweise noch in die Zeit um 1150; neuere kunsthistorische Untersuchungen setzen seine Entstehung dagegen in das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts, etwa zwischen 1225 und 1250.
Das Kreuz besitzt einen Holzkern, der mit vergoldeten Kupferplatten und Emailarbeiten versehen ist, und gehört damit zu jener Gruppe kostbarer Sakralgeräte, für deren Herstellung die Werkstätten von Limoges im französischen Limousin im Hochmittelalter europaweit berühmt waren.
Die ältere Vorstellung, das kostbare Kreuz müsse unmittelbar durch den Reichtum des mittelalterlichen Bergbaus nach Bartholomäberg gelangt sein, ist quellenkritisch mit Vorsicht zu betrachten. Limoges-Arbeiten wurden weit verbreitet, und es ist bislang nicht bekannt, zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Umständen das Kreuz tatsächlich in die Kirche gelangte. Sein Vorhandensein kann daher nicht ohne weiteres als unmittelbarer Beweis für den Wohlstand des frühen Montafoner Bergbaus gelten.
Der heutige Kirchenraum wird wesentlich durch seine barocke Ausstattung geprägt. Der mächtige Hochaltar entstand 1737. Sein Altarbild des Konstanzer Malers Jacob Carl Stauder zeigt den Kirchenpatron Bartholomäus vor Maria mit dem Jesuskind sowie die heiligen Anna und Joachim. Die plastische Ausstattung entstand unter wesentlicher Beteiligung des Bildhauers Andreas Kölle und seiner Werkstatt; auch Georg Senn war als Tischler und Bildhauer an der Altarausstattung beteiligt.
Die 1732 von Michael Lorünser ausgeführte Bemalung der Langhausdecke zeigt unter anderem die Vierzehn Nothelfer. Ihre Darstellung ist für die religiöse Mentalität des 18. Jahrhunderts besonders charakteristisch. Die Vierzehn Nothelfer wurden gemeinschaftlich gegen Krankheit, körperliche Gefahren und unterschiedlichste existentielle Nöte angerufen und bildeten damit ein universelles System himmlischer Fürsprache.
In Bartholomäberg tritt so neben die Verehrung des Kirchenpatrons und der bergbaubezogenen Heiligen am Knappenaltar eine weitere Schicht religiöser Schutzvorstellungen.
Eine zusätzliche Ebene der lokalen Frömmigkeitsgeschichte bildete eine im 17. Jahrhundert errichtete Pestkapelle bei der Pfarrkirche. Sie entstand um 1630 beziehungsweise 1640 und erinnerte an jene Zeit, in der Seuchen nicht nur als medizinische Katastrophen, sondern zugleich innerhalb eines religiösen Deutungssystems verstanden wurden.
Die Pestkapelle musste 1936 dem Straßenbau weichen. Teile ihrer Ausstattung und Bausubstanz wurden jedoch bewahrt; ein Altar gelangte in die Pfarrkirche, während anderes Material für die Kriegergedächtnisstätte vor dem Westportal verwendet wurde.
Die ehemalige Pestkapelle verweist damit auf einen weiteren Bereich historischer Volksfrömmigkeit, in dem Gelübde, Heiligenverehrung und die Errichtung sakraler Denkmäler als Antworten auf kollektive Bedrohungen verstanden wurden.
Eine außergewöhnliche Gestalt der Bartholomäberger Religionsgeschichte war der Pfarrer Luzius Hauser (1594–1668). Seine Tätigkeit reicht weit über das gewöhnliche Bild eines frühneuzeitlichen Dorfgeistlichen hinaus. Zeitgenössische Quellen zeigen ihn als weitum bekannten Heiler und Hellseher, der von Menschen auch aus anderen Orten aufgesucht wurde.
Hauser behandelte Kranke, gab Heil- und Schutzmittel aus und wurde um Hilfe gebeten, wenn Krankheiten oder andere Unglücksfälle auf vermeintlichen Schadenzauber zurückgeführt wurden. Von ihm erwartete man auch Auskunft darüber, wer einen solchen Zauber verursacht haben könnte.
Seine Tätigkeit bewegte sich damit in einem für die frühe Neuzeit charakteristischen Grenzbereich zwischen kirchlicher Seelsorge, Volksmedizin, magisch-religiösen Praktiken und den damaligen Vorstellungen von Hexerei und Schadenzauber. Gerade dass ein katholischer Geistlicher solche Funktionen ausübte, zeigt, wie wenig scharf die Grenzen zwischen kirchlich anerkannter Religiosität und volkstümlichen magischen Vorstellungen im Alltag gezogen werden konnten.
Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Hausers Tätigkeit und der Wallfahrt zur Pfarrkirche ist nicht nachgewiesen. Für die Volkskunde Bartholomäbergs besitzt seine Person dennoch außerordentliche Bedeutung, da sie einen selten gut dokumentierten Einblick in die religiöse Vorstellungswelt der Montafoner Bevölkerung des 17. Jahrhunderts ermöglicht.
Bartholomäberg unterscheidet sich von vielen klassischen Wallfahrtsorten dadurch, dass die religiöse Bedeutung nicht auf ein einzelnes Gnadenbild oder ein bestimmtes Mirakel konzentriert ist. Vielmehr überlagern sich hier zahlreiche historische Formen religiöser Kultur.
Die Verehrung des heiligen Bartholomäus, der mittelalterliche Ablass, die Frömmigkeit der Bergknappen, der spätgotische St.-Anna-Altar, die Verehrung bergbaubezogener Schutzheiliger, die Vierzehn Nothelfer, die Pestfrömmigkeit und schließlich die magisch-religiöse Tätigkeit des Pfarrers Luzius Hauser bilden gemeinsam eine ungewöhnlich dichte Sakrallandschaft.
Besonders deutlich zeigt sich dabei, dass Religion in einer vormodernen Bergbaugemeinschaft nicht von der alltäglichen Lebens- und Arbeitswelt getrennt werden kann. Krankheit, Unfallgefahr, Naturereignisse, wirtschaftliche Unsicherheit und der Tod waren Erfahrungen, denen nicht allein praktisch, sondern zugleich religiös begegnet wurde. Heilige und Altäre, Gelübde und Wallfahrten, Segnungen und Schutzmittel bildeten ein System, mit dessen Hilfe die als bedrohlich und unberechenbar empfundene Umwelt religiös bewältigt werden konnte.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Bartholomäus ist deshalb nicht nur eines der bedeutenden historischen Gotteshäuser des Montafons, sondern zugleich ein außergewöhnliches Zeugnis für die religiöse Kultur einer alten alpinen Bergbaulandschaft.
• Literatur zur Wallfahrt:
- Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Vorarlberg. Verlag Anton Schroll, Wien 1983, S. 13–15.
- Scheibenstock, Emil: Bartholomäberg. Pfarr- und Wallfahrtskirche im Montafon. Schnell & Steiner, München 1957; später mehrfach überarbeitet, zuletzt als 4. überarbeitete Auflage in der Reihe Christliche Kunststätten Österreichs, Salzburg 2014.
- Rudigier, Andreas; Zamora, Beatrice (Hrsg.): Das spätromanische Vortragekreuz von Bartholomäberg (aus Limoges). Heimatschutzverein im Tale Montafon, Schruns 2002.
- Neuhauser, Georg: "Religion und Bergbau im Montafon – der Bartholomäberger Knappenaltar, St. Agatha und die Dreifaltigkeitsbruderschaft am Kristberg". In: Rüdiger Krause (Hrsg.): Mittelalterlicher Bergbau auf dem Kristberg im Montafon, Vorarlberg (Österreich). Frankfurter Archäologische Schriften 22, Bonn 2013, S. 31–43.
- Tschaikner, Manfred: Pfarrer Luzius Hauser, der Heiler und Hellseher vom Bartholomäberg (1594–1668). Innsbruck 2022.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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