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Die kleine Wallfahrtskapelle Unsere Liebe Frau im Walde liegt auf dem Berggut beziehungsweise Vorsäß Berngat oberhalb von Au im Bregenzerwald. Mittelpunkt der Verehrung ist eine Schwarze Madonna nach dem Vorbild des Gnadenbildes von Einsiedeln. Die Kapelle gehört zu jenen kleinen, landschaftlich abgelegenen Wallfahrtsstätten Vorarlbergs, deren Bedeutung weniger in großen überregionalen Pilgerzügen als in einer über Generationen getragenen örtlichen und regionalen Marienverehrung lag. Auch die Diözese Feldkirch führt die Kapelle ausdrücklich unter den Wallfahrtsorten Vorarlbergs. Lage und VorsäßlandschaftBerngat gehört zur traditionellen Kulturlandschaft des Bregenzerwaldes, in der die bäuerliche Wirtschaftsweise durch den jahreszeitlichen Wechsel zwischen Tal, Vorsäß und Alpe geprägt wurde. Ein Vorsäß war dabei nicht lediglich Wirtschaftsfläche, sondern während bestimmter Zeiten des Jahres auch Wohn- und Lebensraum einer zeitweilig zusammenkommenden Gemeinschaft. Kapellen an solchen Orten erfüllten deshalb eine doppelte Funktion: Sie dienten der religiösen Versorgung der dort arbeitenden und wohnenden Bevölkerung und konnten zugleich zu Zielpunkten örtlicher Bittgänge und Wallfahrten werden. Die Berngater Kapelle steht damit in enger Beziehung zu einer bäuerlichen Kulturlandschaft, in der religiöses Leben und saisonale Wirtschaftsformen über Jahrhunderte miteinander verbunden waren. Geschichte der KapelleEine Kapelle in Berngat bestand nachweislich bereits vor der Mitte des 20. Jahrhunderts. Historische Fotografien im Bildarchiv der Vorarlberger Landesbibliothek zeigen die Kapelle schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine weitere Bildserie dokumentiert eine Einweihung im Jahr 1948 und zeigt dabei auch die auf dem Vorsäß versammelte Bevölkerung. Welche bauliche Veränderung dieser Einweihung unmittelbar vorausging, lässt sich aus den bislang zugänglichen Quellen nicht eindeutig feststellen. Da Fotografien bereits eine ältere Kapelle belegen, kann es sich 1948 jedenfalls nicht um die erstmalige Errichtung eines Sakralbaues an diesem Ort gehandelt haben; denkbar sind ein Neubau, eine Wiederherstellung oder eine umfassende Erneuerung eines älteren Gebäudes. Nur wenige Jahre später wurde die Kapelle Opfer einer der schwersten Naturkatastrophen der jüngeren Vorarlberger Geschichte. Im Lawinenwinter 1954 wurde sie im Jänner von einer Lawine weggerissen. Auf einen Wiederaufbau am gefährdeten alten Standort wurde verzichtet; die Wallfahrtskapelle wurde vielmehr an einer lawinensichereren Stelle neu errichtet und um 1955 wieder ihrer religiösen Bestimmung übergeben. Die Verlegung des Sakralbaues ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich religiöse Traditionen in alpinen Landschaften an die Erfahrungen mit Naturgefahren anpassen mussten. Der Kultort wurde nicht aufgegeben, sondern an einen geschützteren Platz übertragen und damit in seiner Funktion bewahrt. Das GnadenbildIn der Kapelle wird eine Schwarze Madonna verehrt, die als Nachbildung des berühmten Gnadenbildes von Maria Einsiedeln anzusehen ist. Das Einsiedler Gnadenbild gehört zu den bedeutendsten Marienbildern des Alpenraumes und wurde seit der frühen Neuzeit in zahlreichen Kopien und Nachbildungen verbreitet. Solche Übertragungen ermöglichten es, Anteil an der besonderen Heiligkeit und Wirkmächtigkeit eines weit entfernten Wallfahrtsortes zu gewinnen, ohne selbst dorthin reisen zu müssen. Die Berngater Madonna gehört damit in die weitverzweigte Kulttradition von Einsiedeln. Die Übernahme eines weithin verehrten Gnadenbildtypus in eine kleine Kapelle des Bregenzerwaldes zeigt zugleich, wie überregionale Wallfahrtskulte in lokale religiöse Landschaften aufgenommen und dort eigenständig weitergeführt wurden. Eine historische Beziehung zwischen Au und dem Kloster Einsiedeln bestand auch durch den aus Au stammenden bedeutenden Barockbaumeister Caspar Moosbrugger, der als Benediktiner in Einsiedeln wirkte und die dortige Klosteranlage entscheidend mitgestaltete. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Moosbrugger und der Entstehung der Berngater Madonna ist jedoch nicht nachgewiesen. Wallfahrt und religiöse BedeutungDie Bezeichnung als Wallfahrtskapelle ist nicht lediglich aus dem Marienpatrozinium abzuleiten, sondern wird auch durch die kirchliche Überlieferung bestätigt. Die Diözese Feldkirch führt Berngat ausdrücklich als Wallfahrtsort. Im Unterschied zu den großen Vorarlberger Wallfahrtszentren dürfte Berngat vor allem den Charakter einer örtlichen und regionalen Nahwallfahrt getragen haben. Solche kleineren Wallfahrten waren tief in das religiöse Alltagsleben eingebunden und standen häufig in Verbindung mit der bäuerlichen Arbeitswelt, mit Bittgängen, persönlichen Gelübden sowie dem Wunsch nach Schutz vor Krankheit, Unwetter und anderen Gefahren. Die Kapelle war darüber hinaus Sakralraum für die auf dem Vorsäß lebende Bevölkerung. Besonders anschaulich wird dies durch die Fotografien der Einweihung von 1948, auf denen ausdrücklich das versammelte "Vorsäßvolk" dokumentiert ist. Hier begegnet die Kapelle nicht als isoliertes Kunstdenkmal, sondern als religiöser Mittelpunkt einer saisonalen Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft. Auch nach dem Wiederaufbau blieb die Kapelle liturgisch genutzt. Eine regelmäßig stattfindende größere Wallfahrt lässt sich für die Gegenwart bislang nicht eindeutig nachweisen; die kirchliche Einordnung als Wallfahrtsort besteht jedoch fort. Volkskundliche BedeutungVolkskundlich besitzt die Wallfahrtskapelle Unsere Liebe Frau im Walde besondere Bedeutung durch die Verbindung mehrerer für den alpinen Raum charakteristischer Elemente. Die Kapelle steht innerhalb einer Vorsäßlandschaft, sie beherbergt die Nachbildung eines weit entfernten und berühmten Gnadenbildes, sie diente einer zeitweise abgeschiedenen bäuerlichen Gemeinschaft als religiöser Mittelpunkt und ihre jüngere Geschichte wurde entscheidend durch die Erfahrung einer Lawinenkatastrophe geprägt. Die Zerstörung von 1954 und der anschließende Wiederaufbau zeigen zugleich die hohe symbolische Bedeutung des Ortes. Nach dem Verlust der Kapelle wurde die religiöse Tradition nicht beendet; vielmehr übertrug man sie auf einen neuen, sichereren Standort. Der Kult war damit nicht unwiderruflich an ein bestimmtes Bauwerk gebunden, sondern konnte mit dem Gnadenbild und der gemeinschaftlichen Erinnerung weitergegeben werden. Auch die Verehrung einer Kopie der Einsiedler Madonna ist volkskundlich aufschlussreich. Die religiöse Wirkkraft eines berühmten Wallfahrtsortes konnte in der traditionellen Vorstellung durch die getreue Nachbildung seines Gnadenbildes gewissermaßen räumlich übertragen werden. Auf diese Weise entstanden zahlreiche kleine Tochter- und Nebenwallfahrten, die große Wallfahrtszentren wie Einsiedeln mit weit entfernten lokalen Kultlandschaften verbanden. Berngat ist damit ein charakteristisches Beispiel einer kleinen alpinen Marienwallfahrt, deren Bedeutung sich nicht aus Monumentalität oder überregionalem Pilgeraufkommen, sondern aus der engen Verbindung von Landschaft, bäuerlichem Alltag, Marienverehrung und gemeinschaftlicher religiöser Erinnerung erklärt. |
| | Lage: Berngat, 6883 Au im Bregenzerwald. |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Vorarlberg |
| | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| | Web: Pfarre Au |
| | Geöffnet: tagsüber frei zugänglich. |
| | Außenansicht: |
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| | Gnadenbild in der Kapelle: |
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| | Gnadenbild in der Kapelle: |
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| | Gnadenbild in der Kapelle: |
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| | Gnadenbild in der Kapelle, eine Kopie der Schwarzen Madonna in Einsiedeln: |
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| | Wir bedanken uns bei Christel und Hermann Rüf für die Zusendung der Fotos! |
| | Literatur zur Wallfahrt:
- Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Vorarlberg. Verlag Anton Schroll, Wien 1983. - Vorarlberger Landesbibliothek, Bildarchiv volare: Historische Fotografien "Au, Berggut Berngat, Kapelle", darunter Aufnahmen der älteren Kapelle sowie der Einweihung von 1948. - Diözese Feldkirch: Verzeichnis der Wallfahrtsorte in Vorarlberg, Eintrag Au – "Wallfahrtskirche zu unserer Lieben Frau im Walde". - Pfarrliche und örtliche Überlieferung zur Kapelle Berngat und zum Wiederaufbau nach dem Lawinenwinter 1954. |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |