| Wallfahrt: | Historisch eindeutig belegter orthodoxer Wallfahrtsort. Regelmäßige Verehrungsbesuche örtlicher Griechen und Armenier mit Kerzen und Weihrauch sind für das 17. Jahrhundert ausdrücklich überliefert. Seit der Wiederbelebung des Klosters ab 1850 wurde Inkerman als Klemensheiligtum mit Reliquien, Quelle, Festtag, Prozessionen und Pilgerunterkunft ausgebaut. |
| Status: | Aktives orthodoxes Männerkloster und historischer Wallfahrtsort. Der mittelalterliche Höhlenkomplex ist archäologisch fassbar; seine ursprüngliche Hauptkirche war dem hl. Georg geweiht. Die unmittelbare Verbindung des Ortes mit Verbannung, Steinbrucharbeit und Martyrium des hl. Klemens von Rom gehört zur kirchlichen Überlieferung und ist für Inkerman historisch nicht nachweisbar. |
| Kultzentrum: | Hl. Klemens von Rom; Höhlenkirche des hl. Klemens, Reliquienpartikel des Heiligen, historische Klemensquelle, mittelalterliche Höhlenkirchen und Reliquienverehrung; Erinnerung an die Klemenslegende von Cherson. |
| Ort: | Inkerman bei Sewastopol (Севастополь), Krim. |
| Region: | Stadt Sewastopol; Krim. |
| Land: | Ukraine. |
| • | Klemenskloster von Inkerman, Monastyrska skelja / Klosterfelsen, Inkerman, Stadt Sewastopol, Krim, Ukraine. GPS: 44.603878, 33.607583. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte in der Ukraine |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Zugang, Gottesdienstbetrieb und Besuchsmöglichkeiten können sich aufgrund örtlicher Sicherheits- und Verwaltungsbedingungen ändern und sollten vor einer Reise aktuell geprüft werden. Die Krim einschließlich Sewastopol gehört nach international anerkannten Grenzen zur Ukraine und steht seit 2014 unter russischer Besetzung. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders gesucht sind Aufnahmen des Klemensklosters am Klosterfelsen, der Höhlenkirche des hl. Klemens, der Kirchen des hl. Andreas und des hl. Martin, des Zugangs durch die Felsgänge, der Klemensquelle beziehungsweise ihres historischen Standortes, der Reliquienverehrung, des Plateaus mit der Festung Kalamita sowie von Pilgern und Prozessionen am Klemensfest.
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Das Klemenskloster von Inkerman liegt am rechten Ufer des Flusses Tschorna beziehungsweise Čorna unterhalb der mittelalterlichen Festung Kalamita und gehört zu den vielschichtigsten christlichen Erinnerungs- und Wallfahrtsorten der südwestlichen Krim. Der heutige Klosterkomplex verbindet in den Kalkfelsen geschlagene mittelalterliche Kirchen, Zellen, Gänge, Grablegen und Nebenräume mit Bauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Seine religiöse Identität ist eng mit dem hl. Klemens von Rom verbunden, dessen Verbannung und Martyrium in der Gegend von Cherson seit dem späten Altertum beziehungsweise frühen Mittelalter überliefert werden. Die Geschichte des konkreten Inkermaner Klosters verläuft jedoch nicht geradlinig aus dieser Legende heraus. Archäologie und schriftliche Quellen weisen vielmehr auf ein mittelalterliches Kloster hin, dessen Hauptkirche ursprünglich dem hl. Georg geweiht war und das erst bei seiner Wiederbelebung im 19. Jahrhundert ausdrücklich zum Klemensheiligtum wurde. Gerade diese Überlagerung von Legende, älterem Klemenskult, mittelalterlichem Kloster und neuer Wallfahrt prägt den Ort.
Klemens von Rom gehört zu den frühesten namentlich greifbaren Gestalten des nachapostolischen Christentums. Der unter seinem Namen überlieferte Brief an die Gemeinde von Korinth entstand gegen Ende des 1. Jahrhunderts und bezeugt die Autorität der römischen Gemeinde in einer frühen Phase der Kirchengeschichte. Über das Ende seines Lebens besitzen die zeitnahen Quellen dagegen keine sicheren Nachrichten. Die spätere Märtyrerüberlieferung erzählt, Klemens sei unter Kaiser Trajan wegen seines christlichen Wirkens nach Cherson auf der Krim verbannt worden. Dort habe er in Steinbrüchen unter zahlreichen christlichen Zwangsarbeitern gelebt, gepredigt, getauft und schließlich den Märtyrertod erlitten. Diese Erzählung gehört nicht zum zeitgenössisch belegten Lebenslauf des Klemens, sondern zu einer hagiographischen Tradition, deren ausführliche Form erst Jahrhunderte nach dem angeblichen Ereignis fassbar wird. Für die Geschichte des Kultes ist sie dennoch grundlegend, weil sie Cherson und die südwestliche Krim dauerhaft mit dem römischen Bischof verband.
Die Klemenslegende verbindet mehrere Motive, die später auch in Inkerman räumlich gedeutet wurden. Klemens soll in der Verbannung auf Christen gestoßen sein, die in den Steinbrüchen arbeiten mussten und unter Wassermangel litten. Nach seinem Gebet sei ihm ein Lamm erschienen und habe den Ort angezeigt, an dem Wasser zu finden sei; Klemens habe dort in den Fels geschlagen, worauf eine Quelle hervorbrach. Seine erfolgreiche Mission unter Gefangenen und Einheimischen habe schließlich zur Hinrichtung geführt. Der Heilige sei mit einem Anker um den Hals ins Meer geworfen worden. Das Wasserwunder begründet in der späteren Frömmigkeit die Verehrung einer Klemensquelle, während der Anker zum charakteristischen Attribut des Heiligen wurde. Für Inkerman ist wichtig, dass diese Motive zunächst zur allgemeinen Chersoner Klemensüberlieferung gehören und erst später auf die konkrete Landschaft des Klosterfelsens und seiner Steinbrüche bezogen wurden.
Eine weitere Schicht der Legende berichtet, die Gebeine des Klemens seien im Meer nicht verloren gegangen. Nach dem Gebet seiner Schüler habe sich das Wasser zurückgezogen und einen marmornen Schrein beziehungsweise einen wunderbaren Tempel freigegeben, in dem der Märtyrer bestattet lag. Jährlich zum Gedächtnistag des Heiligen habe sich dieses Wunder wiederholt, sodass die Gläubigen trockenen Fußes zum Grab gelangen konnten; mit dem Heiligtum wurden Heilungen und andere Wunder verbunden. Diese Erzählung ist religionsgeschichtlich besonders bedeutend, weil sie bereits eine periodische Pilgerbewegung voraussetzt: Nicht nur ein heiliger Ort, sondern ein jährlich wiederkehrender Zugang zu ihm strukturiert die religiöse Zeit. In der schriftlichen Überlieferung des frühen Mittelalters erscheint tatsächlich ein Klemensheiligtum bei Cherson, doch seine genaue Lage und die Entstehung der dazugehörigen Tradition sind Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion.
Ein Bericht des Diakons Theodosius aus dem frühen 6. Jahrhundert erwähnt ein Fest am Grab des hl. Klemens bei Cherson, wobei die Echtheit beziehungsweise ursprüngliche Zugehörigkeit dieser Passage zum Text in der Forschung diskutiert wird. Sicherer greifbar wird der Klemenskult im 9. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war die Verbindung des Heiligen mit Cherson so etabliert, dass sein Grab gesucht, seine Reliquien feierlich erhoben und liturgisch verehrt wurden. Daraus folgt ein wichtiger Unterschied: Ein alter Klemenskult im weiteren Raum von Cherson ist gut fassbar, doch daraus lässt sich nicht ableiten, dass das heutige Höhlenkloster von Inkerman bereits damals Klemens geweiht gewesen wäre oder gar auf den Heiligen selbst zurückginge. Die Geschichte des Kultes und die Geschichte des Inkermaner Klosterkomplexes überschneiden sich erst in späterer Zeit eindeutig.
Besondere Bedeutung besitzt die Reliquienauffindung von 861. Konstantin der Philosoph, der spätere hl. Kyrill, hielt sich auf seiner Reise zu den Chasaren in Cherson auf und beteiligte sich an der Suche nach den Gebeinen des hl. Klemens. Nach der Überlieferung wurden die Reliquien am 30. Januar 861 auf einer nahe gelegenen Insel aufgefunden und unter großer Beteiligung von Klerus und Bevölkerung feierlich nach Cherson gebracht. Ein Teil gelangte später über Konstantinopel nach Rom und trug wesentlich zur internationalen Ausstrahlung des Klemenskultes bei. Die Reliquiengeschichte verbindet Cherson zudem mit der späteren Christianisierung der Rus, weil auch altrussische Quellen Klemensreliquien in Korsun kennen. Für Inkerman ist dieser Komplex insofern wichtig, als das im 19. Jahrhundert wiederbelebte Kloster seine Klemensidentität auf die große ältere Kulttradition der südwestlichen Krim bezog; das Reliquienheiligtum von 861 lässt sich jedoch nicht sicher am heutigen Klosterfelsen lokalisieren.
Die Forschung hat das in den mittelalterlichen Texten erwähnte Grab beziehungsweise Inselheiligtum des Klemens eher im Küstenbereich bei Chersones als im Inneren der Inkermaner Bucht gesucht. Archäologische Befunde bei der Kosakenbucht westlich von Chersones, darunter ein kleiner Kirchenkomplex mit unterirdischem Grabraum, wurden mit dieser Tradition in Verbindung gebracht. Die Identifizierung ist nicht in jeder Einzelheit gesichert, macht aber deutlich, dass frühmittelalterlicher Klemenskult und Inkermaner Höhlenkloster nicht ohne weiteres gleichgesetzt werden dürfen. Das heutige Kloster bewahrt daher nicht nachweislich den Ort der Reliquienauffindung von 861. Seine Bedeutung entwickelte sich aus einer anderen mittelalterlichen Klostertradition, die später bewusst in die Klemensüberlieferung der Krim hineingestellt wurde.
Inkerman besitzt eine außergewöhnlich dichte Konzentration mittelalterlicher Felskirchen und Höhlenkomplexe. Neben dem heutigen Kloster am Klosterfelsen liegen beziehungsweise lagen weitere Kirchen- und Klosteranlagen an den Hängen der Inkermaner Täler, darunter der Komplex der hl. Sophia, mehrere kleinere Skiten sowie Höhlenkirchen mit Grablegen, Baptisterien und Fresken. Die Datierung dieser Anlagen ist schwierig, weil viele Räume mehrfach verändert, in späterer Zeit erneut genutzt oder ohne systematische archäologische Grabung freigelegt wurden. Ältere Forschung brachte die Höhlenklöster häufig mit ikonophilen Mönchen des 8. und 9. Jahrhunderts in Verbindung, die während des byzantinischen Bilderstreites auf die Krim geflohen seien. Neuere Untersuchungen beurteilen diese Erklärung zurückhaltender. Für das Hauptkloster am Klosterfelsen sprechen architektonische und liturgische Merkmale eher für eine Entstehung beziehungsweise wesentliche Ausbauphase im hohen und späten Mittelalter.
Die genaue Entstehungszeit des Inkermaner Höhlenklosters ist nicht abschließend geklärt. Neuere Übersichten setzen die Entstehung der Inkermaner Höhlenklöster allgemein frühestens in das 10. oder 11. Jahrhundert, während die Hauptkirche des heutigen Klemensklosters nach architektonisch-liturgischen Kriterien meist in das 13. bis 15. Jahrhundert datiert wird. Die dreischiffige, in den Fels geschlagene Basilika besitzt Altarapsis, Synthronon, einen ehemaligen Reliquienraum im Altarbereich, Narthex beziehungsweise Zugangskorridor sowie in den Boden gehauene Ossuarien. An ihrer Nordseite liegt eine kleinere Felskirche, die heute dem Apostel Andreas geweiht ist und ebenfalls mittelalterliche liturgische Formen bewahrt. Die wissenschaftliche Datierung widerspricht damit der im 19. und 20. Jahrhundert verbreiteten Vorstellung, diese Räume seien bereits in den ersten christlichen Jahrhunderten von Klemens selbst eingerichtet worden.
Für die Geschichte des konkreten Klosters ist von besonderer Bedeutung, dass seine Hauptkirche im Mittelalter nicht Klemens, sondern dem hl. Georg geweiht war. Der Priester Jakow Lyslow nennt sie im 17. Jahrhundert ausdrücklich Kirche des hl. Georg; auch andere Quellen und spätere Forschungen stützen diese Zuordnung. Die mittelalterliche Klosteridentität war somit eine andere als die heutige. Erst bei der Wiederherstellung im 19. Jahrhundert wurde die große Felskirche dem hl. Klemens geweiht und dadurch zum Mittelpunkt der modernen Klemenswallfahrt. Diese Patroziniengeschichte zeigt besonders deutlich, dass der Wallfahrtsort nicht einfach als unverändertes frühchristliches Klemensheiligtum beschrieben werden kann. Die ältere Georgstradition ist vielmehr eine eigenständige Kultschicht, die unter der später dominierenden Klemensdeutung teilweise zurücktrat.
Über dem Kloster erhebt sich die Festung Kalamita, deren Geschichte eng mit dem Hafen am Ende der Sewastopoler Bucht und dem Fürstentum Theodoro verbunden war. Der Platz kontrollierte Verkehrswege zwischen Küste, Chersones und dem südwestlichen Hinterland der Krim. Im 14. und 15. Jahrhundert entwickelte sich Kalamita zu einem wichtigen befestigten Hafenplatz; 1475 gelangte die Festung mit der osmanischen Eroberung in türkische Hand und erhielt den Namen Inkerman. Die politischen Umbrüche wirkten unmittelbar auf das Klosterleben. Teile der christlichen Anlagen verfielen, andere blieben in beschränkter Form in Gebrauch. Dass das Höhlenkloster trotz wechselnder Herrschaft nicht völlig aus dem religiösen Gedächtnis verschwand, belegt gerade die spätere Wallfahrt einheimischer Christen zu seinen Reliquien.
Der stärkste frühe Nachweis für Inkerman als tatsächlichen Wallfahrtsort stammt aus dem 17. Jahrhundert. Der russische Priester Jakow Lyslow besuchte 1634 den damals verwahrlosten Höhlenkomplex und hinterließ eine ausführliche Beschreibung seiner Räume, Wandmalereien, Gräber und Gebeine. Er bezeichnete die Hauptkirche als Georgskirche und berichtete zugleich, dass örtliche Christen, besonders Griechen und Armenier, mit ihren Familien regelmäßig freitags und sonntags nach Inkerman kamen, um die dort verehrten Reliquien aufzusuchen. Sie brachten Kerzen und Weihrauch mit und vollzogen damit eine wiederkehrende Kultfahrt zu einem Heiligtum, das institutionell bereits stark geschwächt war. Dieser Bericht ist für den Wallfahrtsstatus entscheidend: Er belegt eine lebendige, regelmäßige Verehrung lange bevor das Kloster im 19. Jahrhundert zum Klemensheiligtum umgestaltet wurde.
Lyslow überliefert außerdem eine bemerkenswerte Legende zur Ortsgebundenheit der Reliquien. Ein Pilger habe versucht, Gebeine aus Inkerman fortzubringen. Darauf sei ihm im Traum ein Heiliger erschienen und habe streng untersagt, seine Überreste aus der muslimisch beherrschten Krim wegzuführen. Die Erzählung gehört zu einem weit verbreiteten hagiographischen Motivkreis, in dem der Heilige selbst über den Standort seiner Reliquien verfügt und durch Traum, Krankheit oder Wunder eine unerlaubte Translation verhindert. Für Inkerman ist die Geschichte besonders aufschlussreich, weil sie das verfallene Heiligtum nicht als verlassenen Rest, sondern als weiterhin vom Heiligen beanspruchten Raum deutet. Die politische Herrschaft konnte wechseln und das Kloster institutionell geschwächt sein; in der religiösen Vorstellung blieb der Ort dennoch dem Kult zugeordnet.
Nach der osmanischen Eroberung der Krim und besonders nach der großen Umsiedlung christlicher Bevölkerung im Jahr 1778 verlor Inkerman einen erheblichen Teil seines traditionellen orthodoxen Umfeldes. Reisende des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts beschrieben den Höhlenkomplex überwiegend als verlassene oder halbverfallene historische Anlage. Gleichzeitig wuchs das antiquarische und archäologische Interesse. Karten, Reiseberichte und frühe Vermessungen hielten Kirchenräume und Felsarchitektur fest, lange bevor moderne archäologische Methoden zur Verfügung standen. In dieser Phase begann sich eine neue Wahrnehmung auszubilden: Die alten Höhlen wurden nicht nur als Reste einer untergegangenen christlichen Kultur gesehen, sondern zunehmend mit den großen Heiligentraditionen der Krim verbunden. Daraus entwickelte sich die Voraussetzung für die kirchliche Wiederbelebung des 19. Jahrhunderts.
Wie in Chersones spielte Erzbischof Innokenti Borissow von Cherson und Taurien die entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung. Er entwarf ein Programm zur Wiederbelebung alter christlicher Heiligtümer der Krim und sprach von einem „Russischen Athos“, in dem historische Höhlenkirchen, Klöster und Erinnerungsorte erneut mit monastischem Leben erfüllt werden sollten. Am 15. April 1850 wurde die Inkermaner Kinowie mit staatlicher Genehmigung in die Reihe der wiederherzustellenden alten Heiligtümer aufgenommen und ausdrücklich dem hl. Klemens geweiht. Am 15. November 1852 begann nach der Weihe der ehemaligen Georgskirche als Klemenskirche der regelmäßige Gottesdienst. Damit erhielt das mittelalterliche Kloster seine heutige kultische Identität. Die Verbindung mit Klemens war nun nicht mehr nur eine gelehrte oder lokale Deutung, sondern wurde durch Patrozinium, Liturgie, Bildausstattung und spätere Reliquienverehrung dauerhaft institutionalisiert.
Im Zuge der Wiederherstellung wurden die alten Felsräume gereinigt, verändert und liturgisch neu eingerichtet. Die große ehemalige Georgsbasilika wurde zur Klemenskirche, die nördlich anschließende kleine Felskirche dem Apostel Andreas geweiht; ein weiterer Raum wurde im 19. Jahrhundert als Kirche des hl. Martin des Bekenners eingerichtet. 1867 erfolgten umfangreiche Restaurierungen durch Dmitri Strukow, der die Höhlenkirchen im damaligen Verständnis historischer Sakralarchitektur neu ausstattete. Dabei verschwammen mitunter Restaurierung und Rekonstruktion, doch gerade diese Arbeiten prägten das Erscheinungsbild des modernen Wallfahrtsortes. Die Pilger betraten nun keine unveränderten mittelalterlichen Räume, sondern ein Ensemble, in dem alte Felsarchitektur und religiöse Erneuerung des 19. Jahrhunderts ineinandergriffen.
Ein besonders wichtiges Kultobjekt war die Quelle des hl. Klemens am Klosterfelsen. Im 19. Jahrhundert wurde sie architektonisch gefasst und ausdrücklich mit dem hagiographischen Wasserwunder des Heiligen verbunden: An dieser Stelle, so die Überlieferung, habe sich das göttliche Lamm gezeigt und Klemens den Ort des Wassers erkennen lassen. Zeitgenössische Angaben heben hervor, dass die Quelle nicht nur von orthodoxen Christen, sondern auch von muslimischen Krimtataren verehrt wurde. Sie lieferte nach damaligen Angaben täglich bis zu etwa 1600 Liter Wasser. In den späten 1960er Jahren wurde bei Kalksteinabbau die wasserführende Schicht angeschnitten, worauf die Quelle versiegte. Ihre Geschichte ist dennoch ein wichtiger Bestandteil des Wallfahrtsortes, weil hier christliche Heiligenlegende, Naturort, Heilserwartung und konfessionsübergreifende Praxis zusammentrafen.
Nur wenige Jahre nach der Wiederbelebung geriet das Kloster in die Kämpfe des Krimkrieges. Während der Schlacht von Inkerman am 24. Oktober 1854 wurden Festung und Kloster von britisch-französischer Artillerie beschossen; Geschosse trafen auch die Höhlenkirchen. Nach Kriegsende setzte eine neuerliche Wiederherstellung ein. Gleichzeitig entstand neben dem älteren Heiligen- und Reliquiengedächtnis eine militärische Erinnerungsschicht. Über einem Massengrab gefallener Soldaten wurde später eine Kapelle errichtet, zu der die Klosterbruderschaft jährlich am Jahrestag der Schlacht in Prozession zog. Inkerman verband damit Klemensverehrung, mittelalterliche Klostertradition und Kriegsgedenken in derselben Landschaft. Die Wallfahrt wurde dadurch nicht ersetzt, sondern um eine weitere Form des kollektiven Gedächtnisses erweitert.
Nach dem Krimkrieg wurde das Kloster erheblich erweitert. 1867 entstand die Dreifaltigkeitskirche im neuen Klostergebäude, die Höhlenkirchen wurden neu ausgestattet und die Klemensquelle baulich gefasst. Die 1875 eröffnete Eisenbahnlinie Sewastopol–Losowa führte unmittelbar am Kloster vorbei und erleichterte den Zugang für Pilger und Reisende erheblich. 1896 wurde am Fuß des Klosterfelsens ein zweigeschossiges Pilger- und Gästehaus mit 24 Plätzen errichtet. Weitere Kirchen entstanden, darunter die halb in den Fels gesetzte Panteleimonkirche. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Inkerman ein ausgedehntes Klosterensemble mit mehreren Höhlen- und Oberkirchen, Wohnbauten und Einrichtungen für Besucher. Der Ausbau zeigt, dass die Wallfahrt nicht nur ideell gefördert, sondern infrastrukturell organisiert wurde.
Das Patrozinium des hl. Klemens strukturierte den liturgischen Jahreslauf des erneuerten Klosters. Zum Fest des Heiligen kamen Gläubige nach Inkerman, verehrten die Höhlenkirche, die Quelle und später auch Klemensreliquien. Prozessionen verbanden Kloster, Stadt und weitere Gedächtnisorte. Besonders aufschlussreich ist, dass diese Praxis selbst nach der institutionellen Aufhebung des Klosters nicht sofort endete. Am 8. Dezember 1927, dem damaligen bürgerlichen Datum des Klemensfestes, führte noch eine Prozession mit einer Klemensikone von der Pokrowski-Kathedrale in Sewastopol nach Inkerman und wieder zurück. Der Wallfahrtsbrauch überdauerte damit den Beginn der sowjetischen Klosterauflösung und zeigt, dass der Kult längst über die Mönchsgemeinschaft hinaus in der städtischen und regionalen Frömmigkeit verankert war.
Seit den frühen 1920er Jahren wurden Besitz und kirchliche Nutzung des Klosters zunehmend eingeschränkt. 1926 wurde die Klostergemeinschaft formell aufgehoben; einzelne Kirchen blieben vorübergehend als Gemeindekirchen in Gebrauch. Nach dem Krim-Erdbeben von 1927 wurden weitere Bauten geschlossen oder abgetragen. Die Klemenskirche hielt sich am längsten und wurde erst am 15. Dezember 1931 endgültig geschlossen. Teile des Inventars gelangten in museale Verwahrung, andere gingen verloren. In einzelnen Höhlen wurden zeitweilig Ausstellungen, technische Einrichtungen oder andere Nutzungen untergebracht. Damit brach die öffentliche Wallfahrt ab, während die Felskirchen als historische Monumente bestehen blieben. Wie bei mehreren Krimheiligtümern wurde der sakrale Raum in sowjetischer Zeit nicht vollständig zerstört, aber seiner institutionellen religiösen Funktion beraubt.
Während der Kämpfe um Sewastopol 1941/42 und 1944 erhielten die Höhlenanlagen erneut eine militärische Funktion. In Räumen des ehemaligen Klosters befand sich der Gefechtsstand der 25. Tschapajew-Schützendivision der sowjetischen Küstenarmee. Mehrere Klostergebäude, darunter oberirdische Kirchen und Wohnbauten, wurden beschädigt oder zerstört; nach dem Krieg verschwanden weitere Ruinen durch Abtragung. Die Nutzung der Höhlen als geschützter militärischer Raum knüpfte unbeabsichtigt an ihre topographische Besonderheit an, ohne ihre frühere sakrale Bedeutung fortzuführen. Die Landschaft von Inkerman trägt deshalb bis heute mehrere Erinnerungsschichten, die von mittelalterlichem Mönchtum über Heiligenkult und Krimkrieg bis zum Zweiten Weltkrieg reichen.
Seit 1991 begann die erneute kirchliche Nutzung der alten Höhlenkirchen, und am 4. März 1993 wurde das Klemenskloster offiziell wieder registriert. In den folgenden Jahren wurden Kirchen und Klostergebäude restauriert beziehungsweise wiederhergestellt. Von besonderer Bedeutung für die Wallfahrt war die Übertragung einer Reliquienpartikel des hl. Klemens aus der Kyjiwer Höhlenlavra in den 1990er Jahren. Sie wird in einem Reliquienschrein in der Klemenskirche verehrt und gibt dem modernen Pilgerort ein materielles Kultzentrum, das mit der großen Reliquiengeschichte des Heiligen verbunden wird. Damit wiederholt sich in veränderter Form ein älteres Muster: Die Erinnerung an Klemens wird durch einen konkret verehrbaren Gegenstand, durch liturgischen Raum und durch die wiederaufgenommene monastische Gemeinschaft räumlich verdichtet.
Inkerman ist historisch eindeutig als Wallfahrtsort zu beurteilen, doch sein Wallfahrtsstatus beruht auf mehreren zeitlich unterschiedlichen Kultschichten. Die Verbindung des hl. Klemens mit Cherson gehört zu einer alten hagiographischen Tradition; ein Klemenskult im Raum Cherson ist im frühen Mittelalter sicher nachweisbar. Das heutige Höhlenkloster entstand dagegen wesentlich später und war zunächst dem hl. Georg geweiht. Unabhängig von dieser späteren Klemensidentität ist regelmäßige Wallfahrt nach Inkerman bereits für das 17. Jahrhundert belegt, als Griechen und Armenier die dortigen Reliquien verehrten. Seit 1850 wurde diese ältere Pilgertradition bewusst mit dem Klemenskult verbunden und durch Patrozinium, Quelle, Prozessionen, Pilgerhaus und schließlich eine Klemensreliquie ausgebaut. Wissenschaftlich sauber ist deshalb weder eine Ablehnung der Wallfahrt noch die Behauptung einer ununterbrochenen Klemensklostertradition seit dem 1. Jahrhundert, sondern die Darstellung der verschiedenen historischen Schichten, aus denen das heutige Heiligtum entstand.
Für die Volkskunde ist Inkerman besonders ergiebig, weil sich hier unterschiedliche Mechanismen sakraler Ortsbildung beobachten lassen. Eine spätantike Märtyrerlegende verbindet Heiligenbiographie mit Steinbruch, Wasser, Meer und Reliquien; ein mittelalterliches Höhlenkloster entwickelt unabhängig davon eigene Patrozinien und Gräber; im 17. Jahrhundert bleibt der verfallene Ort durch regelmäßige Reliquienbesuche von Griechen und Armeniern lebendig; eine Traumvision sichert die Ortsgebundenheit der Gebeine; im 19. Jahrhundert wird der Komplex unter Berufung auf die Klemensüberlieferung neu benannt und liturgisch umgeformt; eine Quelle erhält die Funktion des legendären Wasserwunders; Eisenbahn und Pilgerhaus erleichtern die Massenwallfahrt; sowjetische Aufhebung unterbricht den Kult, ohne die materielle Landschaft auszulöschen; nach 1991 werden Kloster, Reliquienverehrung und Pilgerpraxis erneut aktiviert. Inkerman zeigt damit besonders deutlich, dass Wallfahrtsorte nicht notwendig aus einer einzigen ungebrochenen Überlieferung hervorgehen, sondern durch das fortgesetzte Deuten, Erinnern und Wiederaneignen einer Landschaft entstehen können.
- Orthodoxe Enzyklopädie: Artikel zum Klemenskloster von Inkerman. Grundlegend zu Archäologie, Datierung, mittelalterlichem Georgspatrozinium, Jakow Lyslow, Wiederbelebung ab 1850, Klemensquelle, Krimkrieg, Pilgerwesen, sowjetischer Aufhebung und Wiederbelebung seit 1991.
- Orthodoxe Enzyklopädie: Artikel zum hl. Klemens von Rom. Zur historischen Gestalt des Klemens, zur Entwicklung seiner Märtyrerüberlieferung und zur quellenkritischen Einordnung von Verbannung, Steinbrucharbeit und Martyrium in Cherson.
- Orthodoxe Enzyklopädie: Artikel zur Krim. Zum frühen Klemenskult im Raum Cherson, zum Bericht des Diakons Theodosius, zur Diskussion seiner Textüberlieferung und zur Reliquienauffindung des Jahres 861.
- Orthodoxe Enzyklopädie: Artikel zu Kyrill. Zur Auffindung und Translation der Klemensreliquien durch Konstantin-Kyrill 860/861 und zur Überlieferung der damit verbundenen Texte.
- Priester Jakow Lyslow: „Über unbekannte Reliquien“, überliefert und veröffentlicht von M. A. Obolenski in den Schriften der Odessaer Gesellschaft für Geschichte und Altertümer, Bd. 2, 1848/1850. Wichtige Quelle zum Zustand des Inkermaner Georgsklosters, zu Reliquien, Wallfahrtsbesuchen von Griechen und Armeniern und zur Traumlegende.
- Alexander L. Berthier-Delagarde: „Überreste alter Bauwerke in der Umgebung von Sewastopol und die Höhlenstädte der Krim“. Odessa 1886. Grundlegende Untersuchung der Höhlenkirchen und mittelalterlichen Anlagen von Inkerman.
- Jurij M. Mogaričev: „Die Höhlenkirchen der Tauris“. Simferopol 1997. Zur Typologie und Datierung der Höhlenkirchen von Inkerman.
- A. Ju. Vinogradov, N. E. Gajdukov, M. S. Želtov: „Die Höhlenkirchen der Tauris: zur Frage von Typologie und Chronologie“. Russische Archäologie 2005, Nr. 1, S. 72-80. Zur architektonisch-liturgischen Datierung der Inkermaner Felskirchen.
- T. A. Bobrovskij, E. E. Čueva: Arbeiten zu den Höhlenkomplexen des Inkermaner Tales und zu den mittelalterlichen Fresken der Zagajtan-Felsen.
- Monastyrskyj visnyk Ukrajiny / Synodalkommission für Klöster der Ukrainischen Orthodoxen Kirche: Klemenskloster Inkerman. Zur offiziellen Bezeichnung, gegenwärtigen kirchlichen Zuordnung und GPS-Koordinaten 44.603878, 33.607583.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher