Бахчисарайський Свято-Успенський монастир
Bachtschyssaraj – Höhlenkloster Mariä Himmelfahrt

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historisch eindeutig belegte orthodoxe Marienwallfahrt. Eine als wundertätig bezeichnete Gottesmutterikone ist spätestens 1681 sicher nachweisbar; Votivgaben und die Anrufung Mariens bei Kinderwunsch sind für 1795/96 beschrieben. Im 19. Jahrhundert kamen zum Fest der Entschlafung der Gottesmutter Pilger aus der ganzen Krim; zeitgenössische Berichte nennen Tausende, einzelne Quellen bis zu 15.000 oder 20.000 Teilnehmer.
Status: Aktiver orthodoxer Wallfahrtsort und Männerkloster. Die Mariä-Himmelfahrt-Höhlenkirche ist seit 1596/1598 sicher belegt. Eine durchgehende Klostertradition seit dem 8. Jahrhundert lässt sich quellenmäßig nicht nachweisen; die neuzeitliche Mönchsgemeinschaft wurde 1850 als Skit gegründet und seit 1993 wiederbelebt.
Kultzentrum: Mariä Himmelfahrt; Bachtschyssarajer beziehungsweise Mariupoler Gottesmutterikone vom Typ Hodegetria und ihre späteren Kopien; Höhlenkirche im Felsen; Erscheinungsüberlieferung, Votivgaben, Kinderwunsch und mehrtägige Festwallfahrt.
Ort:Bachtschyssaraj / Bakhchysarai (Бахчисарай), Mariam-Dere, Krim.
Region:Krim.
Land:Ukraine.
Lage und Besuch
•Höhlenkloster Mariä Himmelfahrt, Mariam-Dere, Bachtschyssaraj, Krim, Ukraine. GPS: 44.745354, 33.910661.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte in der Ukraine
• Ansicht in Street View (Luftbild)
•Zugang, Gottesdienstbetrieb und Besuchsmöglichkeiten können sich aufgrund örtlicher Sicherheits- und Verwaltungsbedingungen ändern und sollten vor einer Reise aktuell geprüft werden. Die Krim gehört nach international anerkannten Grenzen zur Ukraine und steht seit 2014 unter russischer Besetzung.
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Besonders gesucht sind Aufnahmen der Mariä-Himmelfahrt-Höhlenkirche im Felsen des Mariam-Dere, des Aufgangs und der Felstreppen, der heutigen Ikonenverehrung, historischer oder moderner Kopien der Bachtschyssarajer Gottesmutterikone, der ehemaligen Pilgerbereiche, des Friedhofs und der Klosteranlagen sowie von Pilgern und Prozessionen zum Fest der Entschlafung der Gottesmutter.

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Ausführliche Beschreibung

Das Marienheiligtum im Mariam-Dere

Das Mariä-Himmelfahrt-Höhlenkloster von Bachtschyssaraj liegt im engen Mariam-Dere, dem „Mariental“, südöstlich des historischen Stadtzentrums und unterhalb des Weges nach Tschufut-Kale. Die Hauptkirche ist hoch in die steile Kalksteinwand eingeschnitten; Treppen und Galerien verbinden den Talboden mit dem Felsenheiligtum. Diese Lage ist nicht bloß architektonische Besonderheit, sondern Bestandteil der religiösen Wahrnehmung des Ortes. Der Pilger verlässt das bewohnte Tal, nähert sich der senkrechten Felswand und steigt zu einem Kirchenraum empor, der teilweise im natürlichen Gestein liegt. Seit Jahrhunderten werden Fels, Höhle, Marienbild und Festtag miteinander verbunden. Für die Geschichte des Wallfahrtsortes ist jedoch zwischen der sicher belegten Mariä-Entschlafens-Kirche, der späteren Klosterinstitution und den wesentlich älter angesetzten Gründungslegenden zu unterscheiden.

Die Anfänge bleiben unbekannt

Kirchliche und ältere lokalgeschichtliche Darstellungen setzen die Entstehung des Heiligtums häufig bereits in das 8. oder 9. Jahrhundert und verbinden sie mit byzantinischen Mönchen, die während des Bilderstreites Zuflucht auf der Krim gesucht hätten. Eine solche Erklärung begegnet bei mehreren Höhlenklöstern der Halbinsel, ist für Bachtschyssaraj jedoch nicht durch zeitgenössische Schriftquellen gesichert. Die erhaltenen Nachrichten setzen wesentlich später ein. Auch die Felsarchitektur erlaubt keine so genaue Frühdatierung, dass daraus eine kontinuierliche Klostergeschichte seit der Zeit des Ikonoklasmus abgeleitet werden könnte. Die wissenschaftlich tragfähige Darstellung beginnt deshalb nicht mit einem angeblichen Gründungsjahr, sondern mit dem Befund, dass Ursprung und frühe Entwicklung des Heiligtums unbekannt sind und eine ältere christliche Nutzung möglich, aber nicht in jener geschlossenen Form beweisbar ist, die spätere Klosterchroniken voraussetzen.

1596 und 1598: die ersten sicheren Nachrichten

Die ersten belastbaren schriftlichen Nachrichten stammen vom Ende des 16. Jahrhunderts. 1596 wird in einer Moskauer Urkunde eine der Gottesmutter geweihte Einrichtung in Salačik genannt, dem damaligen Ort unmittelbar östlich von Bachtschyssaraj; 1598 ist die dortige Mariä-Entschlafens-Kirche erneut belegt, als Zar Boris Godunow unter anderem eine Gottesmutterikone und weitere Gaben dorthin senden ließ. Die Terminologie der einzelnen Schriftstücke ist nicht völlig einheitlich. Eine Urkunde verwendet eine Klosterbezeichnung, doch andere zeitgenössische und spätere Nachrichten bis zum Ende des Krim-Khanats sprechen von Kirche und Priestern, ohne eine kontinuierliche Mönchsgemeinschaft, Äbte oder eine feste Klosterorganisation zu belegen. Neuere quellenkritische Forschung unterscheidet deshalb mit gutem Grund zwischen dem alten Marienheiligtum und dem erst 1850 sicher gegründeten neuzeitlichen Skit.

Die Höhlenkirche unter dem Krim-Khanat

Eine frühe anschauliche Beschreibung hinterließ 1634 Emiddio Dortelli d'Ascoli. Er schilderte eine in den Felsen gearbeitete Kirche und den ungewöhnlichen Zugang über Stufen, die teilweise in den Stein eingetieft waren. Das Heiligtum bestand also während der Herrschaft des Krim-Khanats als christlicher Kultort fort. Seine Umgebung war religiös und ethnisch vielfältig: In Bachtschyssaraj und Salačik lebten Muslime, orthodoxe Griechen, Armenier, Karäer und weitere Gruppen in räumlicher Nähe. Spätere Darstellungen berichten von besonderer Achtung, die auch Angehörige des muslimischen Umfeldes dem Marienheiligtum entgegengebracht hätten; solche Aussagen beruhen überwiegend auf jüngeren Überlieferungen und sollten nicht ungeprüft auf das gesamte Khanat zurückprojiziert werden. Sicher ist dagegen, dass die orthodoxe Kirche über lange Zeit innerhalb dieser politischen und religiösen Ordnung bestehen konnte.

1681: die wundertätige Gottesmutterikone

Für die Wallfahrtsgeschichte ist das Jahr 1681 von besonderer Bedeutung. Russische Gesandte beteten damals vor einer Gottesmutterikone des Heiligtums, die in der Überlieferung ausdrücklich als wundertätig bezeichnet wurde, und verehrten sie durch den Kuss. Wenige Monate später bezeichnete auch der Kirchenvorsteher das Bild in einer Eingabe als wundertätig. Damit ist die Existenz eines anerkannten marianischen Kultbildes im 17. Jahrhundert unmittelbar belegt. Ob es sich dabei um dieselbe Ikone handelte, die 1598 auf Anordnung Boris Godunows nach Salačik gesandt worden war, lässt sich nicht beweisen. Die Möglichkeit besteht, doch zwischen beiden Nachrichten fehlt der lückenlose Objektnachweis. Für den Wallfahrtsstatus genügt bereits der sichere Befund, dass spätestens 1681 ein als wundertätig verehrtes Marienbild vorhanden war.

Die Bachtschyssarajer oder Mariupoler Gottesmutterikone und ihre komplizierte Objektgeschichte

Das später berühmte Kultbild wird als Bachtschyssarajer beziehungsweise Mariupoler Gottesmutterikone bezeichnet. Bemerkenswert ist, dass es sich nach den überlieferten Beschreibungen nicht um eine Darstellung der Entschlafung Mariens handelte, obwohl Kirche und Hauptfest diesem Ereignis gewidmet waren. Das Bild gehörte vielmehr zum Typ der Hodegetria, der „Wegweiserin“: Die Gottesmutter trägt das Christuskind und weist in der ikonographischen Grundidee auf Christus hin. Die Malerei war im 19. Jahrhundert bereits stark beschädigt; Nikolaj Kondakow datierte das Bild nach einem Foto ungefähr in das 14. Jahrhundert. Eine ältere silberne Verkleidung trug eine griechische Stifterinschrift von 1774. Diese Inschrift beweist die Verehrung des Bildes unmittelbar vor seiner Überführung nach Mariupol, nicht aber seine legendäre Herkunft oder seine Identität mit der 1598 genannten Ikone.

Die Überlieferung wird dadurch erschwert, dass im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts mehrere Marienbilder miteinander verbunden wurden. Neben der nach Mariupol übertragenen Hodegetria gab es in Bachtschyssaraj eine beziehungsweise mehrere Kopien, eine 1781 gestiftete Entschlafensikone und ein auf oder über dem Felsen angebrachtes Marienbild. Spätere Autoren behandelten diese Objekte nicht immer sauber getrennt und übertrugen Eigenschaften des einen Bildes auf das andere. So wurde aus der Hodegetria gelegentlich eine Entschlafensikone, während die Erscheinungslegende wiederum mit einem Bild am Felsen verbunden wurde. Für die Geschichte des Kultes ist diese Vermischung selbst aufschlussreich: Wallfahrtsüberlieferung bewahrt nicht notwendig die materielle Biographie eines einzelnen Kunstwerkes, sondern kann verschiedene Bilder unter derselben Orts- und Wundertradition zusammenführen.

Erscheinungslegenden: Hirte, Rückkehr des Bildes und Drache

Die bekannteste Gründungslegende erzählt von einem Hirten, der an einer schwer zugänglichen Stelle der Felswand ein Marienbild entdeckte. Nachdem man die Ikone herabgeholt und in ein Haus gebracht hatte, sei sie auf wunderbare Weise an ihren Fundort zurückgekehrt; auch wiederholte Versuche hätten daran nichts geändert. Darauf habe man im Felsen eine Kirche eingerichtet. Eine andere Überlieferungsform erzählt von einer gewaltigen Schlange oder einem Drachen, der Menschen und Vieh bedrohte. Nach Gebeten zur Gottesmutter habe man ein Licht am Felsen, die Ikone und darunter das getötete Ungeheuer gefunden. Die ältesten heute bekannten schriftlichen Fassungen dieser Legenden sind jedoch deutlich jünger als die Kirche. Eine Hirtenüberlieferung ist im frühen 19. Jahrhundert greifbar, die ausführliche Rückkehrerzählung wurde 1849 niedergeschrieben. Ein mittelalterliches Alter der Legende lässt sich daraus nicht beweisen.

1778: Umsiedlung der Krimgriechen und Überführung der Ikone

Ein tiefer Einschnitt erfolgte 1778, als die russische Regierung einen großen Teil der christlichen Bevölkerung des Krim-Khanats in das nördliche Asowsche Gebiet umsiedeln ließ. Mit den griechischen Auswanderern gelangte auch die verehrte Gottesmutterikone aus Bachtschyssaraj nach Mariupol. Damit trennten sich Kultbild und Herkunftsort. Das Bild erhielt in Mariupol ein neues Heiligtum und eine neue lokale Kultgeschichte, während die Felsenkirche im Mariam-Dere bestehen blieb. Gerade diese Trennung ist religionsgeschichtlich bemerkenswert: Eine Wallfahrt kann ihren zentralen Gegenstand verlieren und dennoch am ursprünglichen Ort fortbestehen, während dasselbe Kultbild an einem neuen Ort erneut zum Wallfahrtsmittelpunkt wird. Die oft wiederholte Behauptung, ein seit Jahrhunderten bestehendes Kloster habe die Umsiedlung organisiert oder sei damals geschlossen worden, ist dagegen quellenmäßig erheblich unsicherer.

Das zweite Wallfahrtsleben der Ikone in Mariupol

In Mariupol wurde die ehemalige Krim-Ikone weiterhin als wundertätig verehrt und schließlich in einer eigenen Mariä-Entschlafens-Kirche aufgestellt. Kirchliche Überlieferungen verbinden mit ihr Hilfe während der Choleraepidemie von 1848 und während der kriegerischen Ereignisse von 1855. 1887 kam das Bild in einen neuen steinernen Kirchenbau und erhielt einen eigenen Schrein. Die originale Malerei war zu dieser Zeit bereits stark beschädigt. Nach den Wirren des frühen 20. Jahrhunderts verliert sich ihre Spur; ihr Verbleib ist nach 1918 unbekannt. Die Bachtschyssarajer beziehungsweise Mariupoler Ikone besitzt damit eine ungewöhnliche Objektbiographie: Herkunft und frühe Verehrung auf der Krim, Translation mit einer migrierenden Bevölkerung, erneute Kultbildung in Mariupol und schließlich Verlust des Originals.

Fortdauernde Wallfahrt nach 1778: Münzvotive und die Wiege einer kinderlosen Frau

Obwohl das berühmte Kultbild 1778 den Ort verlassen hatte, brach die Marienverehrung im Mariam-Dere nicht ab. Ein griechischer Priester betreute die verbliebenen orthodoxen Christen; in der Höhlenkirche standen andere Marienbilder und später auch eine Kopie der nach Mariupol übertragenen Ikone. Reisende des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts trafen weiterhin auf einen religiös genutzten Ort. Die Kontinuität lag damit weniger in einem unveränderten Kultobjekt oder einer lückenlosen Mönchsgemeinschaft als in der fortbestehenden Heiligkeit des Felsens, der Kirche und des Festes. Der Ort selbst war zum Träger der Erinnerung geworden. Gerade deshalb konnte die Wallfahrt weiterleben, obwohl sich Bevölkerung, kirchliche Organisation und Ausstattung mehrfach verändert hatten.

Einen außergewöhnlich anschaulichen Einblick in die Wallfahrtspraxis gibt Maria Guthrie, die 1795 die Krim bereiste. In der Felsenkapelle sah sie ein Marienbild, an dem alte Münzen als Gaben frommer Besucher befestigt waren. Besonders fiel ihr eine kleine Wiege auf, die an der Wand hing. Nach der ihr gegebenen Erklärung hatte eine lange kinderlos gebliebene Frau am Heiligtum um die Fürbitte Mariens gebeten und mehrere Tage dort verbracht, damit für sie gebetet werde. Nach der Geburt eines Sohnes habe sie die kleine Wiege als Dankgabe zurückgebracht. Sie wurde sorgsam aufbewahrt und sollte anderen Frauen mit Kinderwunsch Mut machen, ebenfalls die Gottesmutter anzurufen. Unabhängig davon, wie die wunderhafte Deutung beurteilt wird, dokumentiert der Bericht sehr konkret Votivpraxis, Kinderwunsch, längeren Aufenthalt und die sichtbare Erinnerung an eine als erhört verstandene Bitte.

Entschlafensfest, barfüßige Pilger und Festmahl im Tal

Schon vor der Errichtung des neuzeitlichen Skites war das Fest der Entschlafung der Gottesmutter am 15. August nach dem damals in der orthodoxen Kirche verwendeten julianischen Kalender der große Wallfahrtstermin. Reiseberichte der 1820er und 1830er Jahre schildern Pilger aus allen Teilen der Krim, von denen manche den Weg barfuß zurücklegten. Nach dem Gottesdienst lagerten Gruppen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft im Tal und hielten ihre Mahlzeiten. Die sonst stille Schlucht verwandelte sich dadurch zeitweise in einen dicht bevölkerten Festplatz. Die Wallfahrt bestand also aus mehr als der kurzen Verehrung eines Bildes: Anreise, körperlicher Aufstieg, Liturgie, Aufenthalt im Tal, gemeinsame Mahlzeit und Rückweg bildeten ein mehrteiliges Ritualgeschehen.

Wallfahrt und Jahrmarkt

Mit der Festwallfahrt war spätestens im 19. Jahrhundert auch ein Jahrmarkt verbunden. Erzbischof Innokenti beschrieb 1849 den starken Zustrom zum Entschlafensfest und erwähnte ausdrücklich eine Art Markt, der während der mehrtägigen Festzeit fortdauerte. Andere Nachrichten sprechen von Pilgern, die vom Vorfest bis zum Abschluss der Festoktav beziehungsweise bis zum 23. August in Bachtschyssaraj blieben. Eine 1849 aufgezeichnete Darstellung nennt bei günstiger Witterung bis zu 15.000 und mehr Wallfahrer; Reiseautoren der 1840er und 1850er Jahre nannten sogar Zahlen um 20.000, die jedoch weniger sicher zu überprüfen sind. Unabhängig von der exakten Höchstzahl ist der Umfang der Wallfahrt eindeutig: Das Mariam-Dere war ein überörtliches Pilgerzentrum, dessen Fest religiöse, soziale und wirtschaftliche Funktionen miteinander verband.

1850: Die bestehende Wallfahrt erhält einen Skit

Die Gründung des neuzeitlichen Klosters ging nicht der Wallfahrt voraus, sondern folgte ihr. 1849 baten Bewohner verschiedener Orte der Krim um die Einrichtung einer Mönchsgemeinschaft und verwiesen dabei ausdrücklich auf die große Verehrung des Heiligtums und den jährlichen Pilgerzustrom. Erzbischof Innokenti Borissow nahm den Ort in sein Programm zur Wiederbelebung alter christlicher Heiligtümer der Krim auf. Am 4. Mai 1850 wurde die Errichtung eines gemeinschaftlich lebenden Skites genehmigt. Am 15. August desselben Jahres fand die feierliche Eröffnung statt. Nach einem Gottesdienst in Bachtschyssaraj zog eine Prozession zur Uspenska-Felswand; mitgeführt wurde eine von der Kyjiwer Höhlenlavra gestiftete Entschlafensikone. Wegen der Enge der Höhlenkirche mussten Teile der Feier im Freien stattfinden. Damit wurde eine bereits lebendige Volkswallfahrt monastisch organisiert und dauerhaft betreut.

Ausbau zur klösterlichen Pilgerlandschaft

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs aus der einzelnen Felsenkirche ein mehrgeschossiger Klosterkomplex. Mönchszellen wurden im und unter dem Felsen eingerichtet, weitere Kirchen entstanden, darunter Gotteshäuser der heiligen Konstantin und Helena sowie des Evangelisten Markus. Hinzu kamen Glockenturm, Abtshaus, Refektorium, Wirtschaftsgebäude, Brunnen, Gartenanlagen und Unterkünfte für Besucher. Die räumliche Organisation verteilte sich auf mehrere Ebenen des Talhanges und verband Höhlenräume mit neu errichteter Architektur. Für Pilger wurde der Aufenthalt dadurch geordneter und länger möglich. Die Felsenkirche blieb jedoch der historische und symbolische Mittelpunkt: Der Ausbau sollte den alten Kultplatz nicht ersetzen, sondern seine religiöse Bedeutung räumlich und institutionell verstärken.

Krimkrieg, Lazarett und Soldatenfriedhof

Wenige Jahre nach der Gründung des Skites geriet Bachtschyssaraj in den Krimkrieg von 1853 bis 1856. Im Kloster wurde ein Lazarett eingerichtet, in dem Verwundete versorgt wurden. Auf dem Klosterfriedhof fanden zahlreiche Soldaten und Offiziere ihre letzte Ruhestätte, darunter Gefallene der Kämpfe an der Tschorna im Jahr 1855. Dadurch trat neben die ältere Marienwallfahrt eine neue Erinnerungsschicht. Das Heiligtum wurde zugleich Gebetsort, Lazarett und Begräbnisstätte. Wie in anderen Krimklöstern verband sich die religiöse Landschaft des 19. Jahrhunderts dadurch mit dem Gedächtnis militärischer Ereignisse, ohne dass der marianische Charakter des Ortes verlorenging.

Das 19. Jahrhundert als Blütezeit der organisierten Wallfahrt

Nach dem Krimkrieg entwickelte sich der Skit weiter zu einem stark besuchten Pilgerzentrum. Pilgerunterkünfte und Versorgungsmöglichkeiten wurden ausgebaut; die jährliche Entschlafenswallfahrt blieb der Höhepunkt. Zeitgenössische Reiseberichte erwähnen Griechen, Armenier, Frauen, Männer und Kinder, die das Tal füllten. Die Zahlenangaben schwanken und sind nicht immer unabhängig voneinander, doch der wiederholt beschriebene Massenandrang steht außer Zweifel. Neben der großen Festwallfahrt kamen Einzelpilger während des Jahres, um in der Höhlenkirche zu beten, vor den Marienbildern Kerzen zu entzünden oder Gelübde zu erfüllen. Auch Angehörige des Kaiserhauses besuchten den Ort wiederholt. Die Bedeutung des Heiligtums beruhte dabei nicht allein auf seiner ungewöhnlichen Architektur, sondern auf der Verbindung von wundertätiger Ikonentradition, Felsenkirche und überliefertem Festbrauch.

Die Marienbilder des erneuerten Skites

Da das ursprüngliche nach Mariupol übertragene Kultbild nicht mehr in Bachtschyssaraj vorhanden war, musste der erneuerte Skit seine marianische Kontinuität durch andere Bilder darstellen. Verehrt wurde insbesondere eine Kopie der Bachtschyssarajer beziehungsweise Mariupoler Gottesmutterikone; daneben besaß die Entschlafensikone, die 1850 von der Kyjiwer Höhlenlavra zur Eröffnung des Skites gestiftet worden war, große Bedeutung. Weitere Marienbilder kamen hinzu. Für Pilger war die Unterscheidung zwischen Original, Kopie, Festikone und Erscheinungsbild nicht immer entscheidend. Kultisch verbanden sich die unterschiedlichen Bilder mit demselben heiligen Ort. Für die wissenschaftliche Darstellung ist es hingegen wichtig, die Objektgeschichten auseinanderzuhalten und nicht jedes im Skit verehrte Marienbild mit der verlorenen Hodegetria gleichzusetzen.

Sowjetische Schließung und das Entschlafensfest von 1927

Nach der Errichtung der sowjetischen Herrschaft wurde der Skit 1921 aufgehoben und sein Besitz beschlagnahmt. Die Anlage diente unter anderem als Arbeits- beziehungsweise Invalidenkolonie; mehrere Kirchen wurden geschlossen und teilweise ausgeplündert. Die Wallfahrtstradition verschwand jedoch nicht sofort. Am Fest der Entschlafung, dem 15./28. August 1927, versammelten sich nach archivgestützten Forschungen etwa 1500 Gläubige am ehemaligen Kloster. Sie versuchten, verschlossene Kirchen zu öffnen beziehungsweise gewaltsam wieder in Besitz zu nehmen; die Miliz löste die Versammlung auf und nahm Teilnehmer fest. 1928 wurden mehrere Kirchen und der Glockenturm abgetragen, während die Höhlenkirche erhalten blieb. Das Ereignis von 1927 ist ein besonders deutlicher Beleg dafür, dass der Wallfahrtstag auch Jahre nach der institutionellen Auflösung des Klosters seine religiöse Bindekraft behalten hatte.

Erhaltung der Höhlenkirche und Wiederbelebung seit 1993

In sowjetischer Zeit überdauerte die historische Höhlenkirche trotz Verlusten und Zweckentfremdungen als Baudenkmal. In den 1960er Jahren fanden Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen statt. Nach dem Ende der Sowjetunion wurde die religiöse Nutzung wieder aufgenommen. Am 8. Juni 1993 billigte der Rat für Religionsangelegenheiten beim Ministerkabinett der Ukraine die Wiederherstellung des Klosters; im selben Jahr wurde die kirchliche Gemeinschaft neu organisiert. Danach begann eine intensive Bau- und Restaurierungstätigkeit, die den Komplex stark veränderte und zahlreiche verlorene oder neu konzipierte Gebäude ergänzte. Die Wallfahrt konnte damit an den historischen Ort zurückkehren. Sie knüpft heute an die Entschlafenskirche und die marianische Kulttradition an, auch wenn die bauliche Gestalt des gegenwärtigen Klosters zu großen Teilen Ergebnis der Wiederherstellung seit den 1990er Jahren ist.

Wallfahrtsstatus und quellenkritische Einordnung

Der Wallfahrtsstatus von Bachtschyssaraj ist historisch eindeutig und wesentlich besser belegt als die populäre frühe Klosterchronologie. Die Mariä-Entschlafens-Kirche erscheint sicher seit 1596/1598; 1681 ist eine wundertätige Gottesmutterikone ausdrücklich bezeugt; 1795/96 werden Votivmünzen, Kinderwunsch und eine als Dankopfer gestiftete Wiege beschrieben; im frühen 19. Jahrhundert berichten mehrere Reisende von großen Pilgermengen aus der ganzen Krim. Der Skit von 1850 institutionalisierte somit einen bereits bestehenden Wallfahrtsort. Nicht gesichert ist dagegen eine ununterbrochene Mönchstradition seit dem 8. Jahrhundert. Ebenso müssen die verschiedenen Marienbilder und Erscheinungslegenden auseinandergehalten werden. Gerade diese quellenkritische Differenzierung macht die religiöse Geschichte des Ortes deutlicher, statt sie zu verkleinern.

Volkskundliche Bedeutung

Für die Volkskunde vereinigt Bachtschyssaraj eine ungewöhnlich dichte Folge von Wallfahrtsphänomenen: die Lage eines Heiligtums im Felsen, die Erzählung von einem gefundenen und an seinen Erscheinungsort zurückkehrenden Marienbild, eine Drachenlegende, die Vorstellung wundertätiger Ikonen, Votivmünzen, eine Wiege als Dankgabe nach erfülltem Kinderwunsch, barfüßige Pilger, mehrtägigen Aufenthalt, Festmahl, Jahrmarkt, Prozession und Pilgerunterkunft. Hinzu kommt die geteilte Biographie des Kultbildes zwischen Krim und Mariupol sowie die erstaunliche Beharrungskraft des Entschlafensfestes bis in die sowjetische Zeit. Die Krim gehört nach international anerkannten Grenzen zur Ukraine und steht seit 2014 unter russischer Besetzung. Der heutige Kultbetrieb bildet damit die jüngste Schicht eines Ortes, dessen religiöse Bedeutung über mehrere politische Systeme, Bevölkerungsverschiebungen und institutionelle Brüche hinweg immer wieder neu hergestellt wurde.

Quellen und Literatur

- Mykola I. Scharkych: „Bachčysarajs'ka Uspens'ka skelja“. Umfangreiche quellenkritische Monographie mit Chronik der Belege, Untersuchungen zur Frühgeschichte, zu Legenden, Ikonen, Pilgerwesen, Skitgründung, sowjetischer Zeit und Wiederbelebung.

- Mykola I. Scharkych: „Bachčysarajs'kyj Svjato-Uspens'kyj monastyr“. Enzyklopädie der Geschichte der Ukraine, Ergänzungsband 1, Kyjiw 2021. Grundlegend zu den ersten sicheren Erwähnungen 1596/1598, zur Quellenlage vor 1783, zur Skitgründung 1850 und zur neueren Geschichte.

- Emiddio Dortelli d'Ascoli: Reise- und Landesbeschreibung der Krim, 1634. Frühe Beschreibung der Mariä-Entschlafens-Höhlenkirche und ihres in den Felsen gearbeiteten Zugangs.

- Maria Guthrie: „A Tour, Performed in the Years 1795–6, through the Taurida, or Crimea“. London 1802, S. 87–88. Augenzeugenbericht zu Marienbild, Münzvotiven, Wiege als Dankopfer nach Kinderwunsch und Nutzung der Felsenräume.

- Charles Boileau Elliott: „Travels in the Three Great Empires of Austria, Russia, and Turkey“. London 1838. Zur Entschlafenswallfahrt, barfüßigen Pilgern und Festmahl im Tal.

- Frédéric Dubois de Montpéreux: „Voyage autour du Caucase, chez les Tcherkesses et les Abkhases, en Colchide, en Géorgie, en Arménie et en Crimée“. Paris 1839–1843. Beschreibung von Felsenkirche, Höhlenanlage und Entschlafensfest.

- Xavier Hommaire de Hell: Reisebeschreibung der Krim, 1840er Jahre. Zum großen Pilgerzustrom im August; die von ihm genannte Zahl von über 20.000 Pilgern ist als zeitgenössische Schätzung zu behandeln.

- Michail Rodionow: „Nachrichten über die Mariä-Entschlafens-Kirche von Bachtschyssaraj im Felsen“. In: Mitteilungen der Taurischen wissenschaftlichen Archivkommission, Nr. 9, 1890. Aufzeichnung von 1849 zur Erscheinungslegende, zum Fest, Jahrmarkt und Pilgerzustrom.

- Orthodoxe Enzyklopädie: Artikel zum Bachtschyssarajer Mariä-Entschlafens-Männerkloster. Zur kirchlichen Überlieferung, Skitgründung 1850, Ausbau, Krimkrieg und Kultobjekten des 19. Jahrhunderts.

- N. W. Piwowarowa: „Bachtschyssarajer [Mariupoler] Gottesmutterikone“. Orthodoxe Enzyklopädie, Bd. 4, Moskau 2002. Zur Ikonographie, Datierung, Translation nach Mariupol und späteren Überlieferung des Kultbildes.

- Monastyrskyj visnyk Ukrajiny / kirchliche Dokumentation des Mariä-Entschlafens-Klosters von Bachtschyssaraj. Zur gegenwärtigen Bezeichnung, Lage und GPS-Koordinaten 44.745354, 33.910661.

 

Ergänzungen: Wolfgang Morscher