Wildschönau, Wallfahrtskapelle zum hl. Antonius in Oberau

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Wallfahrt:Wildschönau, Wallfahrtskapelle zum hl. Antonius in Oberau
Status:Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland.
Kultzentrum:Die Form der Präsentation mit Engeln und Strahlenkranz hebt das Bild ausdrücklich als Gnadenbild hervor.
Ort:Wildschönau
Region:Tiroler Unterland
Bundesland:Tirol
Lage und Besuch
•Lage: Heachgasse, bei Oberau 148, 6311 Wildschönau.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarrverband Wildschönau
•Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich.
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Antoniuskapelle Oberau, Wildschönau:

Antoniuskapelle Oberau, Wildschönau

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Wallfahrtskapelle zum hl. Antonius von Padua in Oberau steht etwa 200 Meter von der Pfarrkirche entfernt am Rand des Dorfes. Die Pfarre bezeichnet sie heute meist schlicht als Antoniuskapelle; kunst- und volkskundlich ist jedoch eine bedeutende historische Wallfahrt zum heiligen Antonius belegt.

Die heutige Kapelle wurde von 1706 bis 1708 durch den Maurermeister Hans Hueber aus Breitenbach errichtet. Sie ersetzte eine ältere hölzerne Kapelle, die nach dem kirchlichen Kunstführer bereits 1675 bestanden hatte. Grund und Kapital für den ersten Bau stellte der Oberauer Wirt Balthasar Dengg, auch Tengg geschrieben, zur Verfügung.

Architektonisch handelt es sich um einen auffälligen achteckigen barocken Zentralbau mit einem kuppelartigen Dach und einer kleinen Laterne. Als mögliches Vorbild wird die ebenfalls dem hl. Antonius geweihte Kapelle in St. Johann in Tirol genannt. Der Zentralbau unterscheidet sich deutlich von den üblichen rechteckigen Dorf- und Wegkapellen und zeigt, dass hier von Anfang an ein anspruchsvoller Sakralraum geschaffen werden sollte.

Der Mittelpunkt des Innenraumes ist der prunkvolle barocke Hochaltar. Er entstand als Gemeinschaftsarbeit des Brixlegger Bildhauers Johann Michael Mayr und des Kitzbüheler Tischlers Franz Lanner. In der Mitte tragen zwei Engel ein kleines verehrtes Antoniusbild, das vermutlich vom Kufsteiner Maler Michael Waginger stammt. Die Form der Präsentation mit Engeln und Strahlenkranz hebt das Bild ausdrücklich als Gnadenbild hervor.

Seitlich des Hochaltares stehen bemalte Prospekttüren von Johann Georg Lochgrueber. Sie gehören bereits dem bäuerlichen Frührokoko an. Weitere Altäre beziehungsweise Bildwerke sind dem hl. Sebastian und anderen Schutzheiligen gewidmet. Die Kuppelmalereien zeigen Begebenheiten aus dem Leben und der Wunderüberlieferung des hl. Antonius.

Eine Besonderheit bildet das sogenannte Albertibild beziehungsweise ein Bild des gegeißelten Heilands in einem reich geschnitzten Rokokorahmen. Solche Andachtsbilder erweiterten das religiöse Angebot der Kapelle über die eigentliche Antoniusverehrung hinaus und konnten ihrerseits Gegenstand privater Gebete und Gelübde werden. Eine Gemeindepublikation hebt dieses Bild ausdrücklich als bemerkenswertes Ausstattungsstück hervor.

Der hl. Antonius von Padua erlebte im Tirol des späten 17. Jahrhunderts einen außerordentlichen Aufschwung. Er wurde besonders bei verlorenen Sachen, Krankheiten, wirtschaftlichen Sorgen, Ehe- und Familienproblemen sowie in nahezu allen persönlichen Nöten angerufen. Sein Ruf als rascher und zuverlässiger Helfer machte Antoniuskapellen häufig zu stark besuchten lokalen Wallfahrtsstätten. In Oberau entwickelte sich die Kapelle zu einer der bedeutenderen Antoniuswallfahrten des Tiroler Unterinntales.

Votivgaben, Gebetsbilder und die aufwendige Fassung des kleinen Antoniusbildes weisen darauf hin, dass die Gläubigen hier nicht nur allgemein zum Heiligen beteten, sondern konkrete Hilfe erwarteten und für erhörte Bitten dankten. Die Kapelle war damit keine bloße Stiftung eines Wirtes, sondern wurde zu einem regionalen Gnaden- und Bittort.

Die Antoniusverehrung ist in Oberau bis heute nicht völlig erloschen. Am 13. Juni, dem Festtag des Heiligen, wird in der Kapelle Gottesdienst gefeiert. Damit besteht zumindest eine örtliche liturgische Kontinuität fort, auch wenn die großen historischen Pilgerströme zurückgegangen sind.

Volkskundlich ist die Kapelle besonders als Beispiel für den starken Antoniuskult des Barock interessant. Der Kult richtete sich weniger auf ein einziges festgelegtes Wallfahrtsanliegen als auf die umfassende Rolle des Heiligen als Helfer in den alltäglichen Sorgen der Bevölkerung. Gerade diese Offenheit erklärt seine große Beliebtheit: Bauern, Dienstboten, Handwerker und Familien konnten sich mit ganz unterschiedlichen Anliegen an denselben Heiligen wenden.

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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