| Wallfahrt: | Wildschönau, Burgstallstein bei Niederau |
| Status: | Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland. |
| Kultzentrum: | Die frühe Wallfahrt richtete sich daher wahrscheinlich weniger auf ein kunsthistorisch bedeutendes Gnadenbild als auf den als heilig empfundenen Ort selbst. |
| Ort: | Wildschönau |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: 6311 Wildschönau. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarrverband Wildschönau |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Bedeutung des Burgstallstein bei Niederau liegt in einer seit dem 19. Jahrhundert nachweisbaren Volkswallfahrt zu einer abgelegenen Andachtsstätte auf einem bewaldeten Felskegel. Die heutige Kapelle wurde erst 2005 errichtet und ersetzt beziehungsweise überbaut den älteren Andachtsplatz.
Der Burgstallstein liegt südwestlich beziehungsweise oberhalb von Niederau auf einem isolierten, dicht bewaldeten Felsen. Vom Bereich der Burgstallhöfe führt ein kurzer Weg durch einen Buchenwald hinauf. Der letzte Abschnitt ist heute als Kreuzweg gestaltet. Der Felskegel erreicht etwa 837 Meter Höhe; vom Ausgangspunkt beträgt der Aufstieg nur rund eine halbe Stunde.
Besonders wichtig für die Beurteilung als Wallfahrtsort ist eine historische Quelle aus dem Jahr 1856. Damals verfasste der Niederauer Vikar Johann Baptist Rieder einen Bericht über seinen Seelsorgebezirk. Er behauptete zwar, dass im Vikariat keine Kapellen bestünden; ein späterer Kommentar zur Quelle weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass damals die:
Wallfahrten zu den Andachtsstätten auf dem Burgstallstein und auf dem Hohen Stein am Niederauer Sonnberg
geradezu "blühten". Das zeigt, dass der Burgstallstein bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein bekanntes Ziel örtlicher Wallfahrten war, obwohl dort offenbar noch keine Kapelle im kirchenrechtlichen oder baulichen Sinn bestand.
Der ursprüngliche Wallfahrtsort dürfte somit eine einfache Andachtsstätte mit einem religiösen Bild oder Kleindenkmal gewesen sein. Das passt gut zu den Bildern des heutigen Weges: Neben der neueren Kapelle stehen kleine überdachte Bildstationen und ein Kreuzweg. Die frühe Wallfahrt richtete sich daher wahrscheinlich weniger auf ein kunsthistorisch bedeutendes Gnadenbild als auf den als heilig empfundenen Ort selbst.
Das genaue Alter, die ursprüngliche Darstellung und eine mögliche Gründungslegende sind unklar. Hier wäre Vorsicht angebracht: Die historische Wallfahrt ist belegt, die Einzelheiten ihrer Entstehung sind dagegen noch nicht klar.
Die heutige Burgstallkapelle wurde von der Jungbauernschaft Niederau errichtet. Am 16. Oktober 2005 nahm der Salzburger Prälat Sebastian Manzl die Weihe vor. Die große Beteiligung der Bevölkerung wird im damaligen Gemeindeblatt als Zeichen der fortdauernden Verbundenheit mit der alten Andachtsstätte beschrieben.
Der Pfarrverband bezeichnet den Neubau ausdrücklich als Wallfahrtskapelle und erklärt, dass der Burgstallstein besonders bei persönlichen Leiden und Anliegen aufgesucht werde. Damit besitzt die Wallfahrt offenbar kein eng begrenztes Spezialanliegen wie Augenkrankheiten, Viehseuchen oder Unwetter. Der Ort dient vielmehr als allgemeiner Bitt-, Trost- und Zufluchtsort für Menschen in persönlichen Nöten.
Volkskundlich ist der Burgstallstein besonders interessant, weil sich hier eine Wallfahrt ohne große kirchliche Institutionalisierung erhalten hat. Noch 1856 wurde der Ort vom zuständigen Geistlichen nicht einmal als Kapelle erwähnt, während die Bevölkerung offenbar zahlreich dorthin pilgerte. Das zeigt einen typischen Unterschied zwischen amtlicher Kirchenbeschreibung und gelebter Volksfrömmigkeit: Ein Platz konnte für die Menschen ein bedeutender Gnaden- und Wallfahrtsort sein, auch wenn er kirchenrechtlich lediglich als kleine Andachtsstätte galt.
Auch die Lage trägt zur religiösen Wirkung bei. Der abgeschiedene Felskegel, der Aufstieg durch den Wald und der heutige Kreuzweg schaffen einen Übergang vom besiedelten Raum in einen stillen, abgesonderten Andachtsbereich. Der Weg selbst wird dadurch zu einem Teil der Wallfahrt.
Josef Riedmann, Die Kapelle auf dem Burgstallstein, Beilage zum Wildschönauer Gemeindeblatt, Ausgabe Dezember 2005; online bei Pfarre Niederau, Kapellen in Niederau.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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