| Wallfahrt: | Westendorf, Wallfahrtskirche St. Johannes auf der Hohen Salve (Salvenkirchl) |
| Status: | Lebendiger Wallfahrts- und Andachtsort. |
| Kultzentrum: | Siehe ausführliche Beschreibung. |
| Ort: | Westendorf |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Gipfel Hohe Salve, 6361 Hopfgarten im Brixental und/oder: Salvenberg, 6363 Westendorf |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Brixen im Thale |
| • | Öffnungszeiten: Mitte Mai bis Ende Oktober täglich von 8:45 - 17:00. Im Winter geschlossen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die Wallfahrtskirche St. Johannes auf der Hohen Salve, meist Salvenkirchl, Salvenkirchlein oder Johanneskapelle genannt, ist ein historisch eindeutig belegter und bis heute kirchlich genutzter Wallfahrtsort. Das Land Tirol führt sie ausdrücklich als Wallfahrtskirche Hohe Salve; regionale und kirchliche Darstellungen bezeichnen sie als eine der eindrucksvollsten Wallfahrtsstätten Tirols. Sie gilt aufgrund ihrer Lage auf etwa 1.829 Metern Seehöhe allgemein als die höchstgelegene Wallfahrtskirche Österreichs.
Bei der Bezeichnung ist eine kleine geografische Besonderheit zu beachten: Das Kirchlein steht auf dem Gipfel der Hohen Salve im Gemeindegebiet von Westendorf, gehört kirchlich jedoch als Filialkirche zur Pfarr- und Dekanatskirche Brixen im Thale. In Ortsverzeichnissen lässt es sich daher unter Westendorf führen; in kirchlichen und historischen Quellen erscheint es häufig bei Brixen im Thale.
Die älteste schriftliche Erwähnung des Gotteshauses stammt aus dem Jahr 1589. Nach der überlieferten Gründungsgeschichte ließ der Brixner Bauer Andreas Schwender auf dem Gipfel eine Kapelle errichten, nachdem er von einer schweren Krankheit genesen war. Die Kapelle war damit ursprünglich eine persönliche Dankesstiftung. Schon bald kamen jedoch Menschen aus den umliegenden Tälern auf die Hohe Salve, sodass sich aus der privaten Stiftung eine eigentliche Wallfahrt entwickelte.
Als besonderes Wallfahrtsanliegen werden Kopfkrankheiten und Kopfschmerzen genannt. Der Zusammenhang erklärt sich aus dem Patrozinium: Johannes der Täufer wurde enthauptet, weshalb sein Haupt in der Volksfrömmigkeit als Sinnbild und Fürsprecher bei Beschwerden des Kopfes galt. Eine solche Übertragung der Leidensgeschichte eines Heiligen auf bestimmte körperliche Krankheiten ist für die frühneuzeitliche Wallfahrtsfrömmigkeit typisch. Die Menschen pilgerten daher nicht nur allgemein um Schutz und Hilfe auf die Salve, sondern offenbar besonders bei Leiden des Kopfes.
Bereits 1617 wurde in der Kapelle die erste nachweisbare heilige Messe gefeiert. Der Pilgerzustrom war bald so groß, dass das Gotteshaus erweitert werden musste. Für das Jahr 1625 werden sogar zwei Erweiterungen genannt. Der Wallfahrtsort erhielt außerdem Unterstützung durch kirchliche Würdenträger: Der Chiemseer Bischof Erenfried Graf von Khuenburg stiftete 1618 einen größeren Geldbetrag, und für den auf dem Berg diensttuenden Geistlichen wurde ein eigenes Unterkunftshaus errichtet.
Mit der frühen Wallfahrt werden auch Heilungserzählungen verbunden. Ein Salzburger Ehepaar, Widmer und Elisabeth Elslerin, soll nach einer schweren Krankheit und einem Besuch des Wallfahrtsortes genesen sein und aus Dankbarkeit einen Altar gestiftet haben. Unabhängig davon, wie diese Überlieferung historisch zu bewerten ist, zeigt sie das typische Muster einer Wallfahrtsentwicklung: Genesung, Gelübde, Dankesgabe und öffentliche Weitergabe des Wunders verstärken den Ruf des Gnadenortes.
Besonders aussagekräftig ist der wirtschaftliche Aufstieg der Kapelle. Ihr Vermögen wuchs durch Opferstockgelder und zahlreiche Wachsvotive rasch an. Für das Jahr 1641 wird ein Vermögen von 1.851 Gulden genannt – für ein kleines Kirchlein auf einem Berggipfel eine beachtliche Summe. Die Wachsvotive dürften Körperteile, Tiere oder andere Anliegen dargestellt haben und dienten als sichtbare Zeichen erbetener oder erfahrener Hilfe.
Die erste Kapelle wurde mehrfach durch Blitzschlag und Brand beschädigt. Nach einem neuerlichen Brand entstand 1641 der Bau, der im Kern bis heute erhalten ist. Die außergewöhnliche Gipfellage machte das Kirchlein besonders anfällig für Gewitter: Zwischen 1619 und 1819 sollen mehr als zwanzig Brand- beziehungsweise Blitzschäden eingetreten sein. Diese Zahl ist wohl aus der örtlichen Chronik überliefert und zeigt jedenfalls, dass Feuer und Gewitter die Geschichte des Heiligtums dauerhaft bestimmten.
Der heutige Bau ist eine kleine, gemauerte Kirche mit zweijochigem Langhaus, eingezogener Rundapsis und seitlich stehendem Turm. Der Innenraum besitzt eine leichte Spitztonne mit Stichkappen. Im Jahr 1972 wurde nach Plänen des Tiroler Architekten Clemens Holzmeister ein hölzerner Vorbau angefügt. Dieser bietet zusätzlichen Schutz vor der extremen Witterung und erweitert zugleich den sehr kleinen Eingangsbereich.
Den kunsthistorischen Mittelpunkt bildet der frühbarocke Hochaltar von 1666. Das Altarblatt zeigt die Taufe Jesu im Jordan, also die zentrale biblische Handlung Johannes des Täufers. Seitlich stehen Figuren des hl. Johannes und des hl. Bartholomäus. Der Altar verbindet damit Kirchenpatrozinium und Heilsgeschichte unmittelbar miteinander.
Für die ältere Wallfahrt war offenbar ein geschnitztes Haupt des hl. Johannes besonders wichtig. Bei den Festlichkeiten trugen die Wallfahrer dieses Haupt um den Altar. Der Brauch vergegenwärtigte einerseits das Martyrium des Heiligen, andererseits dürfte das Bildwerk unmittelbar mit den Wallfahrtsbitten bei Kopfleiden verbunden gewesen sein. Eine plastische Darstellung des Hauptes konnte berührt, umtragen oder in persönliche Andachtsformen einbezogen werden und war damit mehr als nur Kirchenschmuck.
Die wichtigsten Wallfahrtstage waren ursprünglich der Johannestag am 24. Juni, der Annatag am 26. Juli und der Bartholomäustag am 24. August. Das Hauptpatrozinium liegt auf dem Johannestag, der zugleich in die Nähe der Sommersonnenwende fällt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges konzentrieren sich die größeren Feierlichkeiten offenbar vor allem auf den Annatag.
Gerade die Verbindung des hl. Johannes mit der Sonnenwende ist volkskundlich bemerkenswert. Sein Fest am 24. Juni liegt wenige Tage nach dem astronomischen Höchststand der Sonne. Johannes wird in der christlichen Überlieferung mit dem Satz verbunden, Christus müsse wachsen, er selbst aber abnehmen; nach dem Johannestag beginnen die Tage wieder kürzer zu werden. Auf einem weithin sichtbaren Gipfel, von dem aus sich Sonnenaufgang, Sonnenuntergang und der gesamte Horizont besonders eindrucksvoll erleben lassen, gewinnt dieses Patrozinium eine starke landschaftliche Symbolik. Eine direkte vorchristliche Kultkontinuität lässt sich daraus allerdings nicht beweisen.
Auch die zahlreichen Blitzschläge führten zu besonderen Schutzmaßnahmen. Eine Schauer- und Wetterglocke sollte Gewitter abwehren. Im 18. Jahrhundert wurde empfohlen, ein sogenanntes Loretoglöcklein zu gießen, weil solchen Glocken im Volksglauben eine besondere Wirkung gegen Unwetter zugeschrieben wurde. 1784 ließ der St. Johanner Dechant Wishofer schließlich einen Blitzableiter anbringen. Die Geschichte des Kirchleins verbindet damit praktische Gefahrenabwehr und religiösen Wetterschutz auf anschauliche Weise.
Volkskundlich gehört das Salvenkirchl zu den besonders charakteristischen Berg- und Höhenwallfahrten Tirols. Schon der Aufstieg war ursprünglich ein wesentlicher Bestandteil der Wallfahrt. Die Pilger kamen aus verschiedenen Richtungen – aus dem Brixental, von Hopfgarten, Söll und den umliegenden Gemeinden – und trafen erst am weithin sichtbaren Gipfelheiligtum zusammen. Die körperliche Anstrengung, das Verlassen des Siedlungsraums und die Annäherung an den Himmel verliehen der Wallfahrt eine eigene Dramaturgie.
Die Hohe Salve ist aufgrund ihrer freistehenden Form und ihrer zentralen Lage ein außergewöhnlicher Aussichtsberg. Das Kirchlein ist von zahlreichen Tälern aus sichtbar und wirkt dadurch selbst wie ein religiöses Landschaftszeichen. Umgekehrt eröffnet sich vom Gipfel ein weiter Rundblick über die Kitzbüheler Alpen, den Wilden Kaiser und große Teile der Tiroler Bergwelt. Die Wallfahrt verbindet deshalb religiöse Andacht und intensive Landschaftserfahrung in besonderer Weise.
Heute ist der Gipfel durch Bergbahnen von Hopfgarten (Salvenbahn I und II) und Söll (Hexenwasser-Gondelbahn und anschließend Hohe Salve Bahn) leicht erreichbar. Dadurch hat sich der Charakter des Ortes verändert: Neben Wallfahrern kommen Wanderer, Wintersportler und Ausflugsgäste. Dennoch wird das Kirchlein weiterhin für Gottesdienste und besondere Bergmessen genutzt. Das Rupertusblatt bezeichnet es noch heute als beliebtes Ziel für Gläubige aus nah und fern.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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