| Wallfahrt: | Kramsach, Kloster- und Wallfahrtskirche "Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel" auf dem Hilariberg |
| Status: | Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland. |
| Kultzentrum: | In der Mitte der Kirche befindet sich das Gnadenbild unter einem Baldachin. |
| Ort: | Kramsach |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Am Bergl 22, 6233 Kramsach |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Kloster Hilariberg |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Kloster- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel liegt auf dem Hilaribergl in Kramsach, am Pletzachfelssturz oberhalb des Inntales. Der Ort ist nicht so groß und bekannt wie Mariathal, aber volkskundlich sehr interessant, weil er aus einer Einsiedelei und einer kleinen Marienkapelle hervorging. Im Jahr 1689 errichtete der Karmeliterterziar und Einsiedler Frater Hilarion a Sancto Sebastiano auf dem später nach ihm benannten Hilariberg eine Marienkapelle mit Eremitage; damals wurde der Ort auch "Frauenbergl" genannt. Bald folgten weitere Einsiedler, und aus der stillen Wald- und Bergandacht entwickelte sich ein Marienwallfahrtsort.
Schon 1692 erhielt der Einsiedler die Erlaubnis, in der Umgebung von Rattenberg milde Gaben für seinen eigenen Unterhalt und für das Kirchlein zu sammeln. Das ist für die Entstehung sehr aufschlussreich: Hilariberg war zunächst kein großes Klosterprojekt, sondern ein bescheidener, von Einsiedlern und Almosen getragener Gnadenort. Weil die Kapelle bald zu klein wurde, ließ der damalige Breitenbacher Pfarrer Sebastian Mayr ab 1746 eine größere Kirche errichten; der Neubau von Kirche und Einsiedelei wird für die Jahre 1746 bis 1758 genannt. In der Mitte der Kirche befindet sich das Gnadenbild unter einem Baldachin.
Das Gnadenbild wird in der Bevölkerung liebevoll "Berglmutter" genannt. Zu ihr bringen, wie die örtliche Beschreibung schön sagt, auch heute noch Menschen "Freud und Leid, Dank und Bitte, Sorgen und Nöte". Gerade diese Formulierung trifft den Charakter des Ortes sehr gut: Hilariberg ist weniger eine dramatische Wunderwallfahrt mit großer Ursprungssage, sondern ein stiller marianischer Trost- und Bittort. Das Gnadenbild "Maria vom Berge Karmel" beziehungsweise "Mariahilf auf dem Hilariberg" wird als Kopie eines Gnadenbildes aus Santa Maria della Bruna in Neapel beschrieben.
Die Widmung an Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel verweist auf die Spiritualität des Karmeliterordens. Der Karmel führt seine Ursprünge auf Einsiedler am Berg Karmel im Heiligen Land zurück, die unter dem Schutz Mariens lebten; das Hochfest Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel wird am 16. Juli gefeiert und ist eng mit der Skapulierfrömmigkeit verbunden. Für Hilariberg passt diese Tradition besonders gut: Ein Einsiedler gründet im Wald eine Marienkapelle, der Ort wächst aus Gebet, Rückzug und marianischer Schutzvorstellung heraus.
Im 18. Jahrhundert war Hilariberg bereits ein anerkannter Wallfahrtsort. 1777 verlieh Papst Pius VI. der Wallfahrtskirche einen vollkommenen Ablass; die Familie Aschauer stiftete außerdem eine regelmäßige Wochenmesse. Unter Kaiser Joseph II. wurde der Ort 1787 aufgehoben, und die Wochenmesse wurde nach Mariathal verlegt. Schon 1788 wurden Kirche und Einsiedelei versteigert; die Familie Schreyer erwarb den Besitz, holte das Gnadenbild zurück und erhielt den Wallfahrtsort rund 120 Jahre lang.
Im frühen 20. Jahrhundert kam Hilariberg noch einmal in eine neue religiöse Bewegung hinein. 1907 erwarb der Priester Sigbert Gerzabek, als Karmeliterterziar Fr. Laurentius a Spiritu Sancto, Kirche und Einsiedelei und richtete dort eine Zentrale für die Wiedervereinigung der orientalischen Kirchen mit Rom ein. 1908 wurde das Gelände erweitert, ein "Marien-Hospiz" mit 20 Zimmern geschaffen, die Kirche restauriert, ein Vorbau angefügt, Seitenaltäre und ein neuer Glockenturm errichtet. Diese Phase ist eigenartig und interessant, weil der kleine Tiroler Wallfahrtsort kurzzeitig mit einer größeren kirchlichen Unionsidee verbunden wurde.
Ab 1913 prägten die Kamillianer den Hilariberg. Sie erwarben das Anwesen und richteten eine Wallfahrtsseelsorge mit regelmäßigen Gottesdiensten ein; das Haus diente zeitweise als Noviziat, Studienheim und Erholungsheim. Von 1971 bis 2001 war das Anwesen an Dominikanerinnen verpachtet, später wurde es wieder von den Kamillianern verwaltet. 2015 kaufte die Erzdiözese Salzburg das Kloster Hilariberg, und seit 2016 wirken dort die Brüder Samariter der Flamme der Liebe des Unbefleckten Herzens Mariens; heute gibt es wieder regelmäßige Gottesdienste, Rosenkranz und eucharistische Anbetung.
Volkskundlich ist Hilariberg vor allem als Einsiedler-, Berg- und Marienwallfahrt bedeutsam. Der Ort verbindet die Vorstellung vom "Frauenbergl", die Verehrung der "Berglmutter", Karmel- und Skapulierfrömmigkeit, Almosensammeln, Ablass, Josephinische Aufhebung, private Wiederherstellung und spätere Ordensseelsorge.
Hilariberg ist ein kleiner, aber vielschichtigen Tiroler Mariengnadenort am Pletzachfelssturz: entstanden aus einer Einsiedelei, getragen von der Verehrung Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, unterbrochen durch den Josephinismus, gerettet durch private Frömmigkeit und bis heute als stiller Ort von Bitte, Dank, Einkehr und Gebet lebendig.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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