|
Die Wallfahrtskirche Maria Klobenstein liegt nördlich von Kössen, im Durchbruchstal der Großache beziehungsweise Tiroler Ache, unmittelbar nahe der Grenze zwischen Tirol und Bayern. Die Anlage steht in einer wildromantischen Schluchtlandschaft, oberhalb eines alten Schmugglerweges und nahe der Entenlochklamm; schon diese Lage macht den Ort zu einem besonderen Wallfahrtsplatz zwischen Natur, Weg und Grenze. Der Name "Klobenstein" kommt von den "geklobenen", also gespaltenen Felsen, die unterhalb beziehungsweise neben der Kirche stehen und bis heute das Wahrzeichen des Ortes bilden. Der Ursprung der Wallfahrt wird in mehreren Überlieferungen erzählt. Nach einer bekannten Sage wurde eine alte Bäuerin am Klobenstein von einer Mure oder einem herabstürzenden Felsblock bedroht. In höchster Not betete sie zur Muttergottes; daraufhin soll sich der Felsen unmittelbar vor ihr gespalten haben, sodass sie unversehrt blieb. Aus Dankbarkeit sei an dieser Stelle eine Kapelle mit einer Schwarzen Madonna errichtet worden. Diese Sage erklärt nicht nur den Namen, sondern auch den Brauch, durch den gespaltenen Stein hindurchzugehen. Eine ältere, historisch etwas anders gefasste Ursprungserzählung berichtet, dass ein Kössener und ein Grabenstätter Bauer nach schwerer Krankheit im Jahr 1664 gemeinsam eine Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria errichten wollten. Gesichert ist vor allem, dass in den 1660er Jahren an einer Quelle ein Maria-Hilf-Bild aufgestellt wurde. Reisende und Pilger rasteten dort, tranken vom Wasser und legten Opfergaben nieder; 1673 entstand ein kleines gemauertes Marterl mit Opferstock, 1692 eine hölzerne Brunnenkapelle. Schon daraus erkennt man, dass die Wallfahrt aus Quelle, Rastplatz, Marienbild und Dankfrömmigkeit herausgewachsen ist. Im Jahr 1698 wurde zur Betreuung des Ortes ein Eremit angesiedelt, was für die weitere Entwicklung der Wallfahrt wichtig war. 1701 entstand die Loretokapelle, später folgte die größere Mariahilfkapelle beziehungsweise Gnadenkapelle, die 1731 bis 1733 errichtet wurde. Seit 1890 sind Loreto- und Mariahilfkapelle baulich miteinander verbunden. Unterhalb des gespaltenen Felsens steht zusätzlich die 1886 erbaute Brunnen- oder Wasserkapelle, die später als Lourdeskapelle verstanden wurde. Im Mittelpunkt der Verehrung stand zunächst das Maria-Hilf-Bild, später eine hölzerne Madonnenfigur, die 1733 in die neu errichtete Gnadenkapelle übertragen wurde. Damit besitzt Maria Klobenstein mehrere übereinanderliegende marianische Schichten: Maria Hilf, Loreto-Madonna, Gnadenstatue und Lourdesfrömmigkeit. Gerade diese Mehrschichtigkeit macht den Ort volkskundlich so interessant, weil sich hier Frömmigkeitsformen des 17., 18. und 19. Jahrhunderts an einem einzigen Platz verdichten. Eine besondere Rolle spielt das Wasser. In der Lourdeskapelle sprudelt Quellwasser aus einem kleinen Brunnen, dem besonders Hilfe bei Augenleiden zugeschrieben wurde. Wasserholen, Trinken und Mitnehmen des Wassers gehören daher ebenso zum Wallfahrtscharakter wie das Gebet vor dem Gnadenbild. Der Ort ist damit nicht nur Marienwallfahrt, sondern auch Quell- und Heilwallfahrt. Volkskundlich besonders reizvoll ist auch der Brauch des Durchschlupfens durch den gespaltenen Felsen. Wer den engen Spalt durchquert, ohne die Felswände zu berühren, soll nach heutiger Überlieferung einen Wunsch erfüllt bekommen; dieser Wunsch darf nicht ausgesprochen werden und soll nicht materiell sein. Besonders Brautpaare verbinden damit den Wunsch nach einer dauerhaften Ehe. Solche Bräuche zeigen, wie stark Naturform, Sage und persönliche Hoffnung an diesem Ort ineinandergreifen. Zu den älteren Wallfahrtsbräuchen zählten auch das Umschreiten der Kirche mit einem Holzkreuz und das Opfern gefasster Münzen. Besonderen Zulauf hatten traditionell die drei Goldenen Samstage nach Michaeli, die auch heute noch Wallfahrer nach Maria Klobenstein führen. Damit steht der Ort nicht nur für stille Einzelandacht, sondern auch für feste, im Jahreslauf verankerte Wallfahrtstage. Bis heute bleibt Maria Klobenstein ein grenzüberschreitender Wallfahrtsort zwischen Tirol und Bayern. Wallfahrer kommen sowohl von Kössen als auch von Schleching; der Weg über den Schmugglerweg, die Ache, die Hängebrücke, der Abstieg zur Kirche, der gespaltene Stein, die Quelle und das Gasthaus bilden zusammen eine ganze Wallfahrtslandschaft. Noch in neuerer Zeit wird von gemeinsamen Wallfahrten aus Tirol und Bayern mit Fahnenabordnungen, Kreuzwegstationen und Gottesdienst berichtet.
|
| | Lage: Klobensteiner Str. 583, 6345 Kössen |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: |
| | Geöffnet: |
| | Außenansicht auf einer Ansichtskarte gelaufen am 27. September 1927: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
|
| | Klobenstein mit Lourdes Kapelle: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
|
| | Pietà Klobenstein aus dem Jahr 1740: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
|
| | Das Votivbild zur Wallfahrt Klobenstein: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
|
| | Literatur zur Wallfahrt: |
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt im Tiroler Unterland | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt | |
| Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen. |
|
Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |