Vomp, Wallfahrtskapelle zur Schmerzhaften Muttergottes am Kreuzbichl

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Wallfahrt:Vomp, Wallfahrtskapelle zur Schmerzhaften Muttergottes am Kreuzbichl
Status:Lebendiger Wallfahrts- und Andachtsort.
Kultzentrum:Die Wallfahrtskapelle zur Schmerzhaften Muttergottes am Kreuzbichl in Vomp, meist kurz Kreuzbichlkapelle oder Kreuzbühelkapelle genannt, ist als echter Wallfahrtsort kirchlich ausdrücklich belegt.
Ort:Vomp
Region:Tiroler Unterland
Bundesland:Tirol
Lage und Besuch
•Lage: in der Nähe Gröben 24, 6134 Vomp.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland
•Ansicht in Street View (Luftbild)
•Web: Pfarramt Vomp
•Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich.
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Ausführliche Beschreibung

Die Wallfahrtskapelle zur Schmerzhaften Muttergottes am Kreuzbichl in Vomp, meist kurz Kreuzbichlkapelle oder Kreuzbühelkapelle genannt, ist als echter Wallfahrtsort kirchlich ausdrücklich belegt.

Die Kapelle steht auf einem kleinen, frei aufragenden Hügel westlich beziehungsweise oberhalb des Vomper Ortsgebietes. Der Name Kreuzbichl beschreibt die Lage sehr genau: "Bichl" ist die im Tiroler Raum verbreitete Bezeichnung für einen kleinen Hügel. Die erhöht gelegene Kapelle ist bereits aus einiger Entfernung sichtbar und wird über einen ansteigenden Weg erreicht. Gerade diese Absonderung vom Siedlungsraum verleiht dem Ort bis heute den Charakter eines kleinen Wallfahrtsberges.

Die Kreuzbichlkapelle wurde 1705 erbaut und der Schmerzhaften Muttergottes geweiht. Im Mittelpunkt der Verehrung stand eine Pietà, also Maria mit dem vom Kreuz abgenommenen Leichnam Christi auf dem Schoß. Die Pfarre bezeichnet diese Figur ausdrücklich als den Grund dafür, dass die Kapelle über lange Zeit als beliebtes Wallfahrtsziel aufgesucht wurde.

Damit gehört der Kreuzbichl nicht zu den typischen Tiroler Mariahilf- oder Erscheinungswallfahrten, sondern zum Typus der Schmerzensmutterwallfahrt. Der religiöse Schwerpunkt liegt auf dem Mitleiden Mariens am Tod ihres Sohnes. Solche Pietàbilder wurden besonders von Menschen aufgesucht, die selbst Krankheit, Trauer, Tod, familiäres Unglück oder andere schwere Belastungen erfahren hatten. Maria erschien ihnen nicht nur als himmlische Fürsprecherin, sondern als Mutter, die menschliches Leiden aus eigener Erfahrung kannte.

Neben der Pietà befinden sich in der Kapelle Figuren des hl. Petrus und der hl. Maria Magdalena. Ihre Anwesenheit fügt sich in das Passionsprogramm ein: Maria Magdalena gehört nach der biblischen Überlieferung zu den Frauen unter dem Kreuz und zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung; Petrus steht für Schuld, Reue und die Rückkehr zu Christus. Zusammen mit der Schmerzensmutter bilden sie ein religiöses Bildprogramm von Leiden, Trauer, Umkehr und Hoffnung.

Die Fassade ist ebenfalls stark auf das Passionsgeschehen ausgerichtet. Über dem Eingang erhebt sich eine großformatige Kreuzigungsdarstellung; seitlich davon stehen beziehungsweise erscheinen Heiligenfiguren. Dadurch wird bereits vor dem Betreten der Kapelle deutlich, dass das Heiligtum nicht einer allgemein gehaltenen Marienverehrung, sondern dem Leiden Christi und dem Mitleiden Mariens gewidmet ist.

Über die unmittelbare Entstehung der Wallfahrt – etwa eine Gründungslegende, ein Gelübde, eine wunderbare Auffindung der Pietà oder frühe Mirakelberichte – ist in den derzeit zugänglichen Quellen nichts Sicheres festzustellen. Auch ein Mirakelbuch oder ein größerer erhaltener Votivbestand ist nicht dokumentiert. Die kirchliche Aussage, die Pietà habe die Kapelle lange zu einer beliebten Wallfahrtsstätte gemacht, ist jedoch eindeutig genug, um ihren Wallfahrtscharakter zweifelsfrei zu bestätigen.

Die heutige liturgische Nutzung zeigt, dass der Kult nicht völlig erloschen ist. Jedes Jahr wird am 15. September, dem Fest Gedächtnis der Schmerzen Mariens, ein Festgottesdienst gefeiert. Außerdem findet an einem Tag vor Christi Himmelfahrt ein Bittgottesdienst in der Kapelle statt. Der erste Termin knüpft unmittelbar an das Patrozinium an, der zweite gehört in den Zusammenhang der traditionellen Bitttage, an denen um Schutz für Felder, Ernte, Menschen und Vieh gebetet wurde.

Damit besitzt der Kreuzbichl zwei unterschiedliche, aber miteinander verbundene Frömmigkeitsschichten:

Diese Verbindung ist für kleine ländliche Wallfahrtsstätten typisch. Ein Heiligtum konnte einerseits wegen eines verehrten Bildes aufgesucht werden und andererseits als Ziel gemeindlicher Bittgänge dienen.

Besonders interessant ist der heutige Zugang zur Kapelle. Im Jahr 1994 schuf die Vomper Künstlerin Irmgard Pellengahr einen neuen Kreuzweg, der von der tiefer gelegenen Lourdeskapelle hinauf zur Kreuzbichlkapelle führt. Dadurch wird der Aufstieg religiös gegliedert: Die Gläubigen folgen den Stationen der Passion Christi und erreichen am Ende die Kapelle mit der Pietà. Weg, Bildfolge und Zielheiligtum bilden somit eine geschlossene Passionslandschaft.

Die Lourdeskapelle am Fuß des Hügels entstand erst um 1900 und gehört einer jüngeren marianischen Frömmigkeitsschicht an. Sie ist nicht mit der historischen Wallfahrt zur Pietà zu verwechseln. Dennoch schafft sie heute gemeinsam mit dem Kreuzweg und der Kreuzbichlkapelle einen zusammenhängenden sakralen Bereich: unten Lourdes, am Weg die Passion Christi und oben die Schmerzhafte Muttergottes.

Von 1987 bis 1990 wurden Dach und Außenfassade der Kreuzbichlkapelle umfassend saniert. Die Pflege liegt bei der Familie Kometer, vulgo Nusser. Diese familiäre Betreuung ist für kleine Tiroler Wallfahrtskapellen von großer Bedeutung. Solche Heiligtümer überdauerten häufig nicht allein durch amtliche kirchliche Strukturen, sondern durch einzelne Familien, Nachbarschaften und lokale Gemeinschaften, die sich über Generationen um Öffnung, Schmuck, Reinigung und bauliche Erhaltung kümmerten.

Volkskundlich gehört die Kreuzbichlkapelle zu den kleinen regionalen Pietà- und Leidenswallfahrten. Ihr Kult richtete sich nicht auf einen weit entfernten, triumphierenden Himmel, sondern auf ein zutiefst menschliches Bild: eine Mutter mit ihrem toten Sohn. Gerade in einer ländlichen Gesellschaft, in der Krankheit, früher Tod, Unfälle, Kindbettsterblichkeit und familiäre Verluste zum Alltag gehörten, konnte diese Darstellung eine besonders starke tröstende Wirkung entfalten.

Auch die Höhenlage ist nicht nebensächlich. Der Aufstieg auf den Bichl löst den Wallfahrer aus dem Dorf und zwingt zu einer kurzen körperlichen Anstrengung. Mit dem später angelegten Kreuzweg wurde dieser Weg ausdrücklich zu einem religiösen Vollzug. Am Gipfel steht die Pietà als bildliches Ende der Passion: Christus ist vom Kreuz genommen, Maria hält ihn im Schoß, und die Klage geht bereits in die Erwartung der Auferstehung über.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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