| Wallfahrt: | Stans, Wallfahrts- und Klosterkirche St. Georgenberg |
| Status: | Lebendiger Wallfahrts- und Andachtsort. |
| Kultzentrum: | Jahrhunderts Georgsreliquien, wodurch die Wallfahrt weiteren Aufschwung erhielt. |
| Ort: | Stans |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: St. Georgenberg 181, 6135 Stans |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: St. Georgenberg |
| • | Öffnungszeiten: täglich geöffnet, kein Eintritt. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Kloster Georgenberg, Kirche Maria unter der Linde (später Hl. Dreifaltigkeit) in Georgenberg, Gemeinde Stans, im ehemaligen Friedhof.
Urkundlich erwähnt um 1240, Neubau 1475, Turm 1515.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• St. Georgenberg, vermutlich um 1870:
Aus dem fotografischen Atelier Kaspar Angerer, Schwaz, Tirol.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Wallfahrts- und Klosterkirche St. Georgenberg liegt hoch über dem Inntal auf einem steil aufragenden Felsen über dem Stallental, oberhalb von Stans und in enger historischer Verbindung mit Fiecht und Vomp.
Das alte Bergkloster St. Georgenberg war der Ursprung, das spätere Stift Fiecht im Tal gehörte über drei Jahrhunderte zur Geschichte derselben Benediktinerabtei. St. Georgenberg gilt als ältestes Wallfahrtsheiligtum Tirols; nach kirchlicher Darstellung errichtete Rathold von Aibling hier vor mehr als tausend Jahren die erste Klosterzelle. 1138 wurde die Gemeinschaft als Benediktinerabtei bestätigt.
Die Lage ist für das Verständnis der Wallfahrt entscheidend. St. Georgenberg ist kein bequem erreichbarer Stadt- oder Dorfwallfahrtsort, sondern ein Felsenheiligtum im Karwendel. Der Weg hinauf gehört bis heute zur Erfahrung des Ortes: Man gelangt entweder vom Parkplatz Weng über den alten Pilgerweg hinauf oder von Stans durch die Wolfsklamm, vorbei an Wasserfällen, engen Felsen und steilen Holzstegen. Der eigentliche Zugang zum Kloster führt über die Hohe Brücke, eine gedeckte Holzbrücke, die den Georgenbach in etwa 40 Metern Höhe überspannt und den Übergang zum Felsenkloster bildet.
Die Anfänge sind von Legende und Geschichte überlagert. Nach der klösterlichen Tradition lebte Rathold zunächst als Einsiedler in einer Höhle, bevor sich ihm Gefährten anschlossen. Eine überlieferte Gründungssage erzählt von Bauleuten, denen am zunächst vorgesehenen Bauplatz immer wieder Unglück widerfuhr; zwei weiße Tauben hätten blutige Späne fortgetragen und auf dem spitzen Felsen in Kapellenform niedergelegt. Daraus erkannte man den göttlich gewiesenen Bauplatz. Diese Sage ist volkskundlich sehr schön, weil sie den ungewöhnlichen, mühsamen Standort nicht praktisch, sondern religiös erklärt: Der Felsen wurde nicht gewählt, weil er bequem war, sondern weil er als erwählter Ort galt.
Schon früh entwickelte sich St. Georgenberg zu einem wichtigen Pilgerziel. Zunächst stand wohl die Verehrung des heiligen Georg im Vordergrund; Kaiser Heinrich IV. brachte beziehungsweise schenkte dem Kloster Ende des 11. Jahrhunderts Georgsreliquien, wodurch die Wallfahrt weiteren Aufschwung erhielt. Später kamen zwei weitere starke Wallfahrtsmittelpunkte hinzu: die Heilig-Blut-Reliquie und das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes. Die heutige Klosterkirche selbst nennt diese drei Zeichen ausdrücklich als die großen Wallfahrtszeichen des Georgenbergs: Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter, Blutreliquie und Reliquie des heiligen Georg.
Besonders wichtig ist das sogenannte Blutwunder. Um 1310 soll ein Priester während der Messe an der Wandlung gezweifelt haben; daraufhin habe der gewandelte Wein Farbe, Geruch und Geschmack von Blut angenommen. Nach der späteren Klosterüberlieferung blieb dieses "Blut Christi" erhalten und wurde 1480 in ein Glasröhrchen gefüllt. Die Reliquie wird in einer besonderen Monstranz gezeigt. Damit wurde St. Georgenberg nicht nur Georgs- und Marienwallfahrt, sondern auch eine eucharistische Heilig-Blut-Wallfahrt — ein sehr starker Wallfahrtstypus des Mittelalters, bei dem Zweifel, Wunder, Reliquie und sichtbares Heiligtum zusammenkommen.
Im Mittelpunkt der heutigen Volksfrömmigkeit steht aber besonders die Schmerzhafte Muttergottes. Das berühmte gotische Vesperbild, eine Pietà um 1415, zeigt Maria mit dem Leichnam Christi auf dem Schoß. Es war ursprünglich mit der Lindenkirche verbunden und wurde später zum wichtigsten Gnadenbild der Wallfahrt. Gerade diese Pietà macht St. Georgenberg zu einem Ort, an dem Leid, Krankheit, Tod, Trauer und Trost religiös gedeutet wurden. Wer zur Schmerzhaften Mutter auf den Berg ging, brachte nicht nur allgemeine Frömmigkeit mit, sondern oft ganz konkrete persönliche Not.
Die Lindenkirche, etwas oberhalb des Klosters, gehört ebenfalls zur religiösen Landschaft des Georgenbergs. Sie wird vom Kloster als eine der ältesten Kirchen Tirols beschrieben und ist "Maria unter der Linde" geweiht. Die Linde als Schutzbaum, die Marienverehrung und die Lage oberhalb des Hauptklosters ergeben zusammen eine sehr alte, fast archaisch wirkende Wallfahrtsatmosphäre: Hauptkirche, Lindenkirche, Felsen, Brücke, Wald und Klamm bilden einen ganzen heiligen Raum, nicht bloß ein einzelnes Gebäude.
Die Geschichte des Klosters war von schweren Katastrophen geprägt. Mehrfach zerstörten Brände die Anlage, unter anderem 1284, 1448, 1637 und 1705; dazu kamen Pest, Lawinen, Plünderungen und wirtschaftliche Not. Nach dem Brand von 1705 wurde der Sitz der Benediktiner ins Tal nach Fiecht verlegt, wo ab 1706 das neue Kloster entstand und 1708 bezogen werden konnte. St. Georgenberg blieb aber weiterhin Wallfahrtsort; die heutige barocke Hauptkirche auf dem Berg wurde 1735 geweiht.
Gerade diese Verlegung nach Fiecht und die spätere Rückkehr machen den Ort zusätzlich interessant. Über 300 Jahre lang lebte die Gemeinschaft im Tal, während der Georgenberg als Ursprung und Wallfahrtsort bestehen blieb. 2019 kehrten die Benediktiner nach Sanierung und Neubeginn auf den Georgenberg zurück; seither ist der Felsen wieder nicht nur Wallfahrtsziel, sondern auch Wohn- und Gebetsort der Mönche. Das verleiht dem Ort heute eine besondere Spannung: Er ist zugleich uralter Gnadenort und gegenwärtig wieder belebtes Kloster.
Volkskundlich ist St. Georgenberg außerordentlich reich. Die Wallfahrt ist nicht auf ein einziges Motiv reduzierbar: Sie umfasst den beschwerlichen Weg, die Felslandschaft, die Hohe Brücke, die Einsiedler- und Taubensage, Georg als Ritterheiliger, die Heilig-Blut-Reliquie, die Schmerzensmutter, die Lindenkirche und die lange Benediktinertradition. Auch ältere Beschreibungen zeigen den Weg hinauf ausdrücklich als Erfahrung von Natur, Stille, Mühe, Aussicht und religiöser Stimmung; genau dieses Zusammenspiel macht den Georgenberg so stark.
Die Bedeutung liegt nicht nur in der Klostergeschichte, sondern in der ganzen Wallfahrtslandschaft: Wer nach St. Georgenberg geht, überschreitet Felsen, Wasser, Wald und Brücke — und tritt damit sichtbar aus dem Alltag heraus in einen alten, bis heute lebendigen Gnadenraum.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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