| Wallfahrt: | Thiersee, Landl, Mariahilf-Kapelle |
| Status: | Lebendiger Wallfahrts- und Andachtsort. |
| Kultzentrum: | Gerade dieses Gnadenbild wurde zum Ausgangspunkt der eigentlichen Wallfahrt. |
| Ort: | Thiersee |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: südwestlich Landl 7, 6335 Thiersee. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrverband Thiersee - Landl |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Mariahilfkapelle in Landl (Gemeinde Thiersee). Interessanterweise war nicht die heutige Pfarrkirche, sondern die ältere Mariahilfkapelle am Klausbach der eigentliche Wallfahrtsort. Die Pfarrkirche von 1794/95 übernahm später lediglich ihr Patrozinium.
Die Mariahilfkapelle liegt südöstlich der heutigen Pfarrkirche, unmittelbar am Klausbach. Sie entstand 1685/1686. Nach einer bis heute überlieferten Gründungssage geriet Graf Fieger von Hirschberg an dieser Stelle mit seinem Pferd in Lebensgefahr. Er gelobte der Gottesmutter den Bau einer Kapelle, sollte er gerettet werden. Da die beauftragten Handwerker an seiner Zahlungsfähigkeit zweifelten, errichteten sie zunächst nur eine kleine Kapelle. Diese Anekdote gehört zu den charmanten lokalen Überlieferungen des Thierseetales und verbindet ein klassisches Gelübde mit einem augenzwinkernden volkskundlichen Motiv.
Bereits 1731 wurde die Kapelle erheblich erweitert. In diesem Jahr ließ der damalige Thierseer Vikar Johann Käffl ein Mariahilf-Bild am Hochaltar aufstellen. Gerade dieses Gnadenbild wurde zum Ausgangspunkt der eigentlichen Wallfahrt. Die Verehrung nahm in den folgenden Jahrzehnten so stark zu, dass der kleine Bau den Pilgerandrang nicht mehr aufnehmen konnte. Deshalb wurde der Kapelle ein hölzerner Vorbau angefügt, um den zahlreichen Wallfahrern Platz zu bieten. Diese Nachricht ist besonders wichtig, weil sie den Wallfahrtscharakter unmittelbar belegt.
Die Entwicklung ging schließlich so weit, dass die kleine Kapelle den religiösen Bedürfnissen der Bevölkerung dauerhaft nicht mehr genügte. Deshalb errichtete man 1794/1795 die heutige Pfarrkirche Mariahilf in Landl. Bis zur Fertigstellung wurden die Gottesdienste weiterhin in der Mariahilfkapelle gefeiert. Die neue Kirche übernahm bewusst das gleiche Patrozinium, wodurch die Kontinuität der Wallfahrt gewahrt blieb. Nach dem Bau der größeren Kirche wurde der hölzerne Anbau der alten Kapelle wieder entfernt.
Der Mittelpunkt der Kapelle ist bis heute das Mariahilf-Gnadenbild am Hochaltar. Seitlich stehen Figuren des hl. Johannes Nepomuk und des hl. Antonius von Padua. Wie bei vielen Mariahilfwallfahrten des 18. Jahrhunderts ist anzunehmen, dass das Gnadenbild eine Kopie des berühmten Innsbrucker beziehungsweise letztlich auf Lucas Cranach zurückgehenden Mariahilfbildes darstellt. Damit gehört Landl zur großen Familie der barocken Mariahilf-Bildwallfahrten, die sich seit dem 17. Jahrhundert über Tirol verbreiteten.
Von besonderer Bedeutung sind die ehemals zahlreichen Votivtafeln. Der Kirchenführer berichtet ausdrücklich, dass die Wände der Kapelle früher mit Votivbildern bedeckt waren und daneben zahlreiche Krücken aufgehängt wurden. Beide zusammen sind ein außergewöhnlich deutlicher Hinweis auf eine Wallfahrt mit konkreten Heilungsbitten. Krücken wurden häufig nach einer als wundersam empfundenen Genesung zurückgelassen; sie gehören zu den eindrucksvollsten materiellen Zeugnissen historischer Wallfahrten. Leider ist heute nur noch ein kleiner Teil dieser Ausstattung erhalten.
Gerade dieser Hinweis auf die Krücken ist volkskundlich besonders wertvoll. Er zeigt, dass die Wallfahrt nicht bloß aus Bittgängen bestand, sondern offenbar auch als Heilungswallfahrt verstanden wurde. Solche zurückgelassenen Gehhilfen begegnen in Tirol nur an wenigen bedeutenderen Gnadenorten. Sie dokumentieren die Hoffnung auf körperliche Genesung ebenso wie den Dank für erfahrene Hilfe.
Mit dem Bau der Pfarrkirche verlagerte sich das kirchliche Leben zunehmend dorthin. Dadurch verlor die alte Kapelle ihre frühere zentrale Bedeutung. Laut Kirchenführer finden heute nur noch einzelne lokale Bittgänge zur Mariahilfkapelle statt. Die große Wallfahrt des 18. Jahrhunderts ist also weitgehend erloschen, die örtliche Verehrung besteht jedoch fort.
Volkskundlich ist Landl ein ausgesprochen typischer Vertreter der kleinen barocken Mariahilfwallfahrten Tirols. Ausgangspunkt war ein Gelübde, das durch die Aufstellung eines Mariahilfbildes eine neue Dynamik erhielt. Die zahlreichen Votivbilder und Krücken zeigen, dass der Ort bald als Gnadenstätte für Kranke und Hilfesuchende galt. Der Bau der großen Pfarrkirche ist letztlich selbst eine Folge des Wallfahrtserfolges.
Bemerkenswert ist außerdem die klare Entwicklung in drei Stufen:
Diese Entwicklung lässt sich ungewöhnlich gut nachvollziehen und macht Landl zu einem besonders instruktiven Beispiel für die Entstehung einer Tiroler Dorfwallfahrt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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