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Die Wallfahrtskapelle Maria Tax wurde 1667 errichtet. Sie ist mit einer Einsiedelei verbundenen. Die Kapelle ist ein architektonisch schlichter Bau auf langrechteckigem Grundriss, mit einfacher Fassadengestaltung, einem Dachreiter und geradem Chorschluss. Die szenischen Darstellungen auf der Stichkappentonne stammen von Christoph Anton Mayr. 2007 wurde der lange deponierte Altar des Alpbacher Altarbauers Bartlmä Bletzacher aus der Zeit um 1760 restauriert und wieder aufgestellt. 2010 wurde der Dachstuhl in traditioneller Zimmermannstechnik erneuert und mit geklobenen Lärchenschindeln gedeckt. (Reinhard Rampold: Wallfahrtskapelle Maria Tax. In: Kulturberichte aus Tirol 2012) |
| | Lage: Maria Tax, Heubergstraße, 6135 Stans. |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| | Ansicht in Street View (von hier 30 Minuten Aufstieg) |
| | Web: Pfarramt Stans |
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Die Gründungsgeschichte der Wallfahrt Maria-Tax bei Stans Von Walther Obrist (1933).
Der fromme Sinn des Tiroler Volkes liebt es, schöne Stellen droben im Gebirge oder auf freier Höhe mit dem Zauber religiöser Romantik zu umgeben. In den Bergen betet es sich leichter und freier als drunten tief im Tale, denn dort oben klingen Glaube und Natur in eins zusammen. Zumeist ist die Entstehung solcher Stätten an eine himmlische Erscheinung geknüpft. Gewöhnlich ist es die Mutter Gottes, mitunter ein Heiliger, der dem Sterblichen erscheint oder ihm in einem Traumgesichte den Auftrag erteilt, an jener Stelle seine Andacht zu verrichten. Der Mann, der die Vision hatte, steigt nun oft hinauf, um dort zu beten und sein Herz auszuschütten. Er hängt ein Madonnenbild an den Baum, um ein sichtbares Zeichen seiner Verehrung zu haben. Bald spricht sich die Sache herum. Andere Leute kommen, die elend und kummerbeladen sind, tragen unter Gebeten ihr Leid vor und hoffen auf Erfüllung ihrer Bitten. Zeichen und Wunder geschehen, Kranke werden gesund, Lahme gehend. Man erbaut zuerst eine Bretterhütte um das gnadenreiche Bild, dann eine Kapelle aus Mauerwerk mit einem Altar, die Wände füllen sich mit Votivtafeln und anderen frommen Geschenken. Messen werden gestiftet und einmal im Jahr gibt es sogar eine Prozession. So ungefähr entstanden die Wallfahrten, entstanden Georgenberg, Maria-Waldrast, Locherboden und viele andere. Herrlich schildert die große Dichterin E. v. Handel-Mazetti in ihrem Roman „Jesse und Maria" die Entstehung der vielbesuchten Wallfahrt Maria-Taferl bei Pöchlarn. Und gerade der Mariendienst ist es, der unausrottbar in den Herzen der Tiroler wurzelt. Sie, die Heilige, die Reine, soll Fürsprecherin sein bei ihrem Sohn, soll helfen gegen die Leiden und Kümmernisse des armseligen Lebens. Der Aufgeklärte lächelt, zieht spöttisch die Lippen kraus und spricht von Aberglauben. Er tut Unrecht. Je mehr man daran rührt, desto inniger hält das Volk an seinem frommen Glauben fest. Durch nichts, zum Beispiel, hat sich der große Volkskaiser Josef II., der stets das Gute wollte, aber sich oft in den Mitteln vergriff, so sehr den Hass der Tiroler zugezogen, wie durch die Aufhebung der Wallfahrten. Nun, sie haben ihn überdauert. Man soll eben nicht mit rauher Hand an das greifen, was dem Volke heilig ist. Ich wenigstens möchte es nicht. Mir geht immer das Herz auf, wenn ich eine solche einsame Waldkapelle finde, wo Andachtsstimmung und Schönheit der Natur zu reiner Harmonie zusammenklingen.—
Holzschnitt Maria Tax bei Stans von A. K. Schwärzler, Kramsach Auf die gleiche Weise entstand vor mehr als dreihundert Jahren die kleine, aber vielbesuchte Wallfahrt Maria-Tax im Bergwalde hoch ober Stans. Norbert Stadler erzählt uns ihre Gründungsgeschichte in seiner Chronik von Stans, Seite 19 bis 22 (Chronik des Dorfes Stans, Bezirk Schwaz, zusammengestellt von Norbert Stadler, Lehrer, Organist und Mesner alldort, derzeit Gemeindeausschuss und Gemeindeschreiber. 1880. Mit Anschluss seit 1870 von Josef Steinlechner sen. und jun. Gemeindesekretäre (von S. 78 an), reicht bis 1929. 107 Folioseiten). Er muss ein recht tüchtiger und kenntnisreicher Mann gewesen sein, der Stadler, der sein ganzes Leben — er wurde 88 Jahre alt — seiner Gemeinde und seiner Familie in der uneigennützigsten Weise widmete. Als Sohn eines Bauern zu Stans geboren, besuchte er die Dorfschule und einen Kurs Pädagogium und half schon mit 16 Jahren seinem Vater, dem Dorfschullehrer, beim Unterricht. Dann wurde er selbst Lehrer und blieb es durch mehrere Jahrzehnte. Viele ältere Stanser (das Volk sagt „Staner") Bauern sprechen heute noch mit Hochachtung und Dankbarkeit von ihm. Musikalisch begabt, war er Organist, Kapellmeister der Dorfmusik und Komponist, außerdem Mesner und Gemeindesekretär. Für all diese Tätigkeit bekam er ein Jahresgehalt von 260 Gulden; erst viel später wurde ihm dieser Betrag um 36 Gulden jährlich erhöht. Er verdingte sich jeden Sommer als Sagschneider an das Kloster Fiecht, um seine vielen Kinder ehrlich durch die Welt zu bringen. Seine Chronik läuft von der Römerzeit bis zum Jahre 1870, ist in schöner, fehlerfreier Schrift und in gutem Deutsch geschrieben und beruht durchwegs auf Akten und Urkunden, von denen viele durch Brand und Unachtsamkeit zugrunde gegangen sind, ist also sehr wertvoll. Die beiden Nachfolger (1870 bis 1929) fallen stilistisch und inhaltlich sehr gegen ihn ab. — Er erzählt uns nun über Maria-Tax folgendes (Seite 18 und 19): „Im Jahre 1667 ließ Abt Nikolaus v. Kraus in Georgenberg das Kirchlein Maria-Tax, auch Maria-Stein genannt, erbauen. Die Veranlassung zu diesem Baue war folgende: Alte Männer in Stans sagten aus, vom Georg Nockner, Besitzer des Bichlgutes daselbst, vernommen zu haben, dass die Himmelskönigin Maria bei dem großen Stein, die Rastbank genannt, um das Jahr 1616 ihm erschienen sei, wo er dann häufig seine Andacht verrichtet habe und in seinen Bitten erhört worden sei. Noch zu Nockners Lebzeiten hing P. Maurus Hochwieser, welcher von St. Georgenberg aus den Gottesdienst zu Stans verrichtete, an einem Taxbaum bei dem Stein eine Tafel auf, ein Bild der seligsten Jungfrau Maria mit dem heiligen Jakob und dem heiligen Maurus zu beiden Seiten. Gar manche Wallfahrer, welche nach St. Georgenberg oder von dort zurück vorübergingen, verweilten da, um in dieser stillen Waldeinsamkeit ihre Andacht zur Himmelskönigin vor diesem Bilde zu verrichten. Im August 1627 kam P. Jakob Hett, der damals die Seelsorge in Stans zu versehen hatte, in Begleitung eines Jünglings, welcher in den Orden ausgenommen, aber noch nicht eingekleidet war, hieher: er machte seinen Begleiter aufmerksam auf den Stein und das Bild am Baum, das bereits ein Gegenstand vielfältiger Verehrung geworden war. Sogleich fasste der Jüngling den Entschluss, zur Erbauung einer kleinen Kapelle aus seinem Vermögen 500 Gulden zu spenden; allein P. Jakob suchte ihm die Sache auszureden. Bald darauf wurde jedoch von einem ganz armen Inwohner des Dorfes, Hans Tuftner, eine kleine Kapelle von Brettern errichtet, welche dann von Andächtigen häufig besucht wurde. Im Jahre 1667 am Palmabend wurde Abt Nikolaus — er war jener Jüngling, der vor vierzig Jahren zur Ehre der Himmelskönigin an Stelle ihrer Erscheinung eine Kapelle bauen lassen wollte — in einem Traumgesichte erinnert, sein damaliges Vorhaben nun in Ausführung zu bringen. Ohne Verzug legte er Hand ans Werk und im Einverständnis mit seinem Konvent und mit bischöflicher Genehmigung ließ er noch im nämlichen Jahre für die bretterne Kapelle ein kleines Kirchlein über den Stein samt einer Einsiedlerwohnung bauen. Der Besuch dieses Kirchleins - Maria-Stein oder -Tax — nahm dann mit jedem Jahre zu. Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl von Brixen weihte dasselbe zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria am 24. Juni 1721. Das Wasser zur Einsiedelei wurde vom Heuberg heruntergeleitet."— So erzählt uns die Chronik. Zu ergänzen ist, dass der Schwazer Maler Christoph Anton Mayr, vulgo „Stockinger", das Kirchlein im Jahre 1757 mit reizenden Fresken schmückte, die ihm heute noch zur Zierde gereichen. Dann fährt Stadler in den Fußnoten fort: „In Mitte des 18. Jahrhunderts kam ein Einsiedler aus Vögelsberg bei Wattens, dann war über hundert Jahre die Einsiedlerwohnung vakant. 1858 bis 1859 kam ein Einsiedler aus Thaur, welcher früher eine Pilgerreise nach Jerusalem gemacht; er hieß Felix Zimmerling. Sein Eigensinn war die Ursache, dass er wieder nach Thaur zurückkehrte. 1860 bis Frühjahr 1861 war Einsiedler Albert Heroller aus Gratz, welcher als untauglich entlassen wurde. Der bis dato letzte Einsiedler war Franz Steger, gebürtig aus Eben. Dieser stiftete zwei heilige Messen und starb 1862 eines seligen Todes." Das Kirchlein wurde wiederholt von Katastrophen heimgesucht. Schon 1668 riss eine große Lawine ein Stück weg, doch wurde der Schaden bald behoben. In dem Schreckenswinter 1689 brach am 3. Februar nachts eine Riesenlawine, über eine Stunde breit, vom Stanser Joch nieder, zertrümmerte ganze Wälder, vernichtete die drei Berghöfe Rossweid, Heuberg und Durach und verschüttete den ganzen nördlichen Teil von Stans. Das Mädchen Luzia Payerl, Bergknappenstochter, lag sechs Tage und fünf Nächte unter der Lawine, bis sie gerettet wurde. Damals „wurde auch das Kirchlein Maria-Tax zum größten Teil zerstört, doch blieben Altar, Stein, Marienbild und das Türmlein mit den zwei kleinen Glocken verschont". Die frommen Patres vom hochgelegenen St. Georgenberg sahen den wachsenden Besuch von Maria-Tax, das auf dem Wege zu ihrem Kloster hinauf liegt, immer unlieber. Denn viele Pilger, die ursprünglich nach Georgenberg wollten, verrichteten ihre Andacht in Maria-Tax und ersparten sich den langen und steilen Schinder hinauf in die Schluchten. Ein Abt ließ sogar das Gnadenbild in die Kirche nach Stans übertragen. Trotzdem besuchten viele Pilger nach wie vor das verwaiste Kirchlein. Kurz vor seinem Tod sah der Abt seinen Missgriff ein und ließ das Bild wieder auf den alten Platz bringen.
Holzschnitt Maria Tax bei Stans von A. K. Schwärzler, Kramsach Heute steht das Kirchlein schmuck und sauber da und hat reichen Besuch. Darum steig nur hinauf, lieber Leser, vorüber an der Pension „Tirolerheim" der Frau Prinz und durch den rauschenden Bergwald! Du wirst es nicht bereuen. Ich bin oft oben und freue mich stets an der Andacht der Waller sowie an dem unvergleichlich schönen Blick ins Inntal. Gerne betrachte ich das reichgeschmückte Innere und steige dann froh zur Tiefe nieder, meine Verse im Herzen:
Quelle: Walter Obrist, Die Gründungsgeschichte der Wallfahrt Maria-Tax bei Stans, in: Tiroler Heimatblätter, 11. Jahrgang 1933, S. 89 - 93. |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |