| Wallfahrt: | St. Ulrich am Pillersee, Wallfahrtskirche St. Adolari |
| Status: | Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland. |
| Kultzentrum: | 1747 wurde sie durch eine bekleidete Loreto-Madonna mit dem Jesuskind ersetzt. |
| Ort: | St. Ulrich am Pillersee |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Niedersee, 6393 St. Ulrich am Pillersee. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre St. Ulrich am Pillersee |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Ansicht der Wallfahrtskirche St. Adolari in St. Ulrich am Pillersee:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Wallfahrtskirche St. Adolari in St. Ulrich am Pillersee - Altarraum und Gnadenbild:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Wallfahrtskirche St. Adolari in St. Ulrich am Pillersee - St. Adolari Brunnen:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Filial- und Wallfahrtskirche St. Adolari liegt am nördlichen Ende des Pillersees in der Gemeinde St. Ulrich am Pillersee.
Die Kirche zählt zu den ältesten Sakralbauten des Pillerseetales und gilt kunstgeschichtlich als eine der ältesten gotischen Kirchen Tirols. Die Ursprünge reichen mindestens in das 11. Jahrhundert zurück; urkundlich wird eine Kirche bereits 1073 erwähnt. Archäologische Grabungen in den 1990er-Jahren brachten sogar Reste eines frühgotischen Vorgängerbaues aus der Zeit um 1200 ans Licht. Der heutige gotische Bau entstand 1407 und wurde um 1500 erweitert. Gleichzeitig erhielt die Kirche besondere Ablässe für Wallfahrer, was den Beginn ihrer großen Wallfahrtszeit markiert.
Die Kirche ist dem heiligen Adolar (Adalhar) geweiht, einem Gefährten des hl. Bonifatius, der im Jahr 754 als Missionar den Märtyrertod erlitt. Wahrscheinlich brachten die Benediktinermönche des Klosters Rott am Inn, dem das Pillerseetal jahrhundertelang gehörte, seine Verehrung nach Tirol. Adolar entwickelte sich hier zum Patron des Viehs, weshalb Bauern aus dem gesamten Pillerseetal seine Fürsprache für gesunde Herden suchten.
Der Kirchenraum wirkt außen schlicht, birgt jedoch einen der größten kunsthistorischen Schätze Nordtirols. Berühmt ist vor allem der größte gotische Marienzyklus Nordtirols, der das Netzrippengewölbe des Chores schmückt. Die um 1407 entstandenen Fresken mit 35 Szenen aus dem Leben Mariens wurden 1957 freigelegt und restauriert. Sie gehören zu den bedeutendsten spätgotischen Wandmalereien Tirols und machen St. Adolari weit über seine Wallfahrt hinaus zu einem kunstgeschichtlich herausragenden Denkmal. Daneben wurden 1976 weitere spätgotische Fresken mit der Grablegung und Auferstehung Christi entdeckt.
Auch der Hochaltar erzählt die Geschichte der Wallfahrt. Ursprünglich stand dort eine Figur des hl. Adolar. 1747 wurde sie durch eine bekleidete Loreto-Madonna mit dem Jesuskind ersetzt. Diese Verbindung eines Heiligenpatroziniums mit einer Marienverehrung ist bemerkenswert: Während der Kirchenpatron weiterhin Adolar blieb, gewann die Marienfrömmigkeit im Barock deutlich an Bedeutung. Die bekleidete Madonna zählt zu den seltenen Tiroler Gnadenfiguren dieses Typs.
Die josephinischen Reformen bedeuteten einen tiefen Einschnitt. 1788 wurde die Wallfahrtskirche als "überflüssig" aufgehoben, versteigert und geschlossen. Doch die Bevölkerung hielt an ihrem Wallfahrtsort fest. Vor allem die Bauern wollten weiterhin zum Schutzpatron ihrer Herden pilgern. Bereits 1832 konnte die Kirche wieder eröffnet und der Gottesdienst aufgenommen werden – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie stark die Volksfrömmigkeit selbst staatliche Eingriffe überdauerte.
Volkskundlich nimmt St. Adolari eine besondere Stellung ein. Während die meisten Tiroler Wallfahrten Marienwallfahrten sind, handelt es sich hier um eine Heiligenwallfahrt, deren Mittelpunkt der Schutz des Viehs und der bäuerlichen Existenz war. Die Bauern baten den hl. Adolar um Bewahrung ihrer Rinder vor Krankheiten und Seuchen. Damit gehört St. Adolari zu den klassischen Viehwallfahrten des Alpenraumes.
Diese Tradition lebt bis heute fort. Alljährlich findet Anfang Mai der Adolari-Bittgang statt. Sternförmig ziehen Pilger aus Hochfilzen, Fieberbrunn, St. Jakob in Haus, Waidring und St. Ulrich zur Wallfahrtskirche, wo gemeinsam Gottesdienst gefeiert wird. Der Brauch war zeitweise fast erloschen, wurde aber vor rund einem Vierteljahrhundert wiederbelebt und erfreut sich heute erneut großer Beteiligung.
Bemerkenswert ist auch die Lage der Kirche am alten Verkehrsweg durch das Pillerseetal. Sie war nicht nur Ziel von Wallfahrern, sondern zugleich Rastplatz für Fuhrleute, Händler und Reisende. Der benachbarte Adolariwirt, dessen Geschichte bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, war über Jahrhunderte eng mit der Betreuung der Pilger verbunden.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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