Pill, Kreuzkirchl

Das Kreuzkirchl in Pill, die Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz, steht im Ortsteil Heiligkreuz an der Straße zwischen Schwaz und Innsbruck, nahe dem Inn. Es ist keine Marienwallfahrt, sondern eine Kreuzwallfahrt, deren Ursprung unmittelbar mit der Tiroler Geschichte des frühen 18. Jahrhunderts verbunden ist. Im Zuge des sogenannten Bayerischen Rummels während des Spanischen Erbfolgekrieges wurde am 25. Juli 1703 die Zirler Innbrücke in Brand gesetzt; dabei fiel das Brückenkreuz in den Inn, blieb der Überlieferung nach aber unversehrt. Unterhalb von Pill, beim Heiligkreuzstollen, wurde das Kreuz von Tiroler Schützen beziehungsweise einer Feldwache unter Kaspar Norer aus dem Wasser geborgen.

Dieses aus dem 17. Jahrhundert stammende Kruzifix wurde zunächst in einer einfachen Holzkapelle aufgestellt. Bald galt es als wundertätig, und die kleine Kapelle entwickelte sich rasch zu einem Wallfahrtsziel. Volkskundlich ist gerade diese Entstehung bemerkenswert: Nicht eine Erscheinung oder eine Quelle steht am Anfang, sondern ein gerettetes Kreuz, das Krieg, Feuer und Wasser überstanden hatte. Dadurch wurde das Kreuz als Zeichen göttlichen Schutzes und als sichtbare Erinnerung an eine gefährliche Zeit verstanden.

Als die Wallfahrt zunahm, ließ Kurat Bernhard Kiechl in den Jahren 1764 bis 1766 eine größere gemauerte Kirche errichten. Die Pläne stammen von Franz de Paula Penz, einem der bedeutendsten Tiroler Kirchenbaumeister des 18. Jahrhunderts; am 25. Juli 1766 wurde die Kirche vom Brixner Bischof Leopold Graf Spaur geweiht. Damit wurde aus der ursprünglichen Not- und Gedächtniskapelle ein barocker Wallfahrtsbau von erstaunlicher künstlerischer Qualität.

Die Bauform ist für den Inhalt besonders passend: Das Kreuzkirchl ist als Zentralbau über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes angelegt. Architektur und Wallfahrtsmotiv gehören hier also unmittelbar zusammen — das verehrte Kruzifix bestimmt nicht nur den Altar, sondern gewissermaßen die ganze Gestalt des Kirchenraumes. Museum With No Frontiers hebt hervor, dass es sich um den einzigen echten Zentralbau Franz de Paula Penz’ handelt und dass Form und Aussage hier besonders eng ineinandergreifen.

Im Inneren steht am Hochaltar das verehrte Kreuz, der sogenannte "Zirler Herrgott". Vor dem Kruzifix befinden sich Figuren von Maria und Johannes sowie Engel mit Leidenswerkzeugen. Der Innenraum wurde 1767 von Christoph Anton Mayr ausgemalt; seine Fresken behandeln die Kreuzesverehrung und Kreuzeslegende, darunter die eherne Schlange, die Auffindung und Erhöhung des Kreuzes sowie die Verehrung des Kreuzes durch die Märtyrer. Über dem Hochaltar findet sich außerdem eine seltene Darstellung des Herzens Jesu, das von Kirche und Maria um Erlösung gebeten wird.

Für die Wallfahrt ist auch die bildliche Erinnerung an den Ursprung wichtig: In der Kirche befindet sich eine Darstellung der Auffindungslegende, also jenes Augenblicks, in dem das Kreuz aus dem Inn geborgen wurde. Damit wird die Entstehung der Wallfahrt nicht nur erzählt, sondern im Kirchenraum selbst sichtbar gemacht. Wer das Kreuzkirchl besucht, sieht also nicht nur das Gnadenbild, sondern auch die Geschichte seiner Rettung aus dem Fluss.

Eine moderne Besonderheit gehört ebenfalls zur Geschichte des Ortes. Weil die Kirche unmittelbar an der stark befahrenen Straße stand und durch Feuchtigkeit, Streusalz und Abgase gefährdet war, wurde sie bei der Restaurierung 1981 bis 1985 technisch aufwendig angehoben und rund fünf Meter vom Straßenrand zurückversetzt. Gerade diese Maßnahme zeigt, welchen Wert man dem kleinen Wallfahrtsbau beimaß: Man begnügte sich nicht mit einer einfachen Sanierung, sondern versetzte das ganze Bauwerk, um es zu erhalten.

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Am Annatag, den 26. Juli 1707 (andere Angaben: Bayrischer Rummel 1703, es brannte die Brücke bis auf das Kreuz) stürzte bei Kriegshandlungen auf einem Gefecht auf der Innbrücke bei Zirl ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Kruzifix in den Inn. Eine Feldwache unter Kasper Norer fischte es in Pill aus dem Inn heraus.
Durch dieses Kreuz wurde die kleine Kapelle schnell zum Wallfahrtsort.
1764-66 entstand der heutige Kapellenbau nach Plänen von Franz de Paula Penz.
1767 wurde der Innenraum von Christoph Anton Mayr ausgemalt.
1981-85 wurde im Zuge von aufwendigen Restaurierungen das Kreuzkirchl um 1,4 Meter angehoben und 5 Meter gegen den Berg hin versetzt. (Quelle: Schild bei der Kirche)

Lage: Heiligkreuz, 6136 Pill.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Pill
Geöffnet:
Außenansicht:

Pill, Kreuzkirchl

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Kirchenraum:

Pill, Kreuzkirchl

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Das Gnadenbild am Hochaltar, das Kreuz das ungefähr am Ort der Kapelle aus dem Inn gefischt wurde:

Pill, Kreuzkirchl - Gnadenbild

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Deckengemälde:

Pill, Kreuzkirchl - Deckengemälde

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Über dem Hochaltar findet sich eine seltene Darstellung des Herzen Jesu, das von der Kirche und Maria um Erlösung gebeten wird:

Pill, Kreuzkirchl - Herz Jesu

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Darstellung der Auffindungslegende in der Wallfahrtskirche Kreuzkirchl, Pill:

Pill, Kreuzkirchl - Auffindungslegende

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Darstellung der Kirchenweihe auf einem Deckengemälde in der Wallfahrtskirche Kreuzkirchl, Pill:

Pill, Kreuzkirchl - Kirchenweihe

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Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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