Wallfahrtskirche Mariastein

Schloss und Wallfahrtskirche Mariastein zwischen Wörgl und Kufstein in Tirol.
Der Wohnturm der ehemaligen Burg ist 42 Meter hoch und ist über 150 Stufen zu ersteigen. Heute ein bedeutender und stark besuchter Wallfahrtsort in Tirol.
In Stein gehauene ehemalige Schlosskapelle im Untergeschoss, darüber in der ehemaligen Rüstkammer eine Tiroler Krippe und ein heiliges Grab. Im nächsten Stock der frühere Rittersaal, darüber die Kreuzkapelle und die Gnadenkapelle im obersten Geschoß.
Das Kultbild, die thronende Madonna mit Kind dürfte aus den Jahren 1450 - 1470 stammen. Der Beginn der Wallfahrt ist unklar, ab 1540 ist enormer Pilgerandrang dokumentiert.
Von den drei Mirakelbüchern sind zwei Exemplare in den 1930er Jahren verschwunden, der erhaltene Band ist eine unschätzbar wertvolle historische Quelle zur Kulturgeschichte, vgl. Hanns Bachmann, Das Mirakelbuch der Wallfahrtskirche Mariastein in Tirol als Quelle zur Kulturgeschichte (1678-1742), Innsbruck 1973.

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Mariasten bei Angath
Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau

Der bedeutendste Wallfahrtsort im Nordtiroler Unterland: "lapis adjutorii" (Stein der Hilfe), wie Mariastein gerne in alten Chroniken genannt wird, liegt etwas abseits vom großen Verkehrsstrom.

Das Schloss Mariastein erhebt sich auf dem Boden des alten Landgerichtes Kufstein, das im 14. Jahrhundert mehrfach zwischen Bayern und Tirol wechselte. Um 1360 erbauten die Herrn von Freundsberg zur Sicherung der Straße über den Angerberg und wohl auch ihrer alten Besitzrechte in diesem Gebiet dieses Schloss: einen sechseckigen Wohnturm, der sich in seinem Grundriss dem steil aufragenden Felsen anpasst. 1448 erwarben die Herren von Ebbs diese Burg und stifteten vermutlich das heute noch verehrte Marienbild dorthin.

Stilistisch lässt sich die Figur in das letzte Viertel des 15. Jh. datieren, leider ist ihre Oberfläche
weitgehend verändert worden, die heutige lüstrierte Fassung stammt von 1971. Der gebrochene
Faltenaufstoss, der hochsitzende Gürtel, unter dem sich das Kleid Mariens in der Schoßpartie
fältelt, sind Merkmale der späten Gotik. Der Kopf der Mutter ist leicht abgewinkelt, das
unter der hohen (nachempfundenen) Krone hervorquellende Haar fällt über die Schultern herab. Mit ihrer Linken zeigt sie dem unbekleideten Kind, das auf ihrem rechten Knie sitzt, einen Apfel, während das Jesuskind seine Rechte segnend erhebt. Damit ist ein in dieser Epoche häufig anzutreffendes
Motiv, die Adam/Christus- bzw. Eva/Maria-Typologie, aufgegriffen: Maria, die neue Eva, zeigt ihrem Sohn, der als Erlöser der neue Stammvater der Menschheit werden sollte, den Paradiesesapfel. So ist in dem scheinbar so heiteren, holdselig lächelnden Bild von Mutter und Kind schon das harte Leiden der Passion Jesu angesprochen.

Die Herren von Ebbs ließen sehr bald schon im obersten Geschoß des Turmes einen Sakralraum ausgestalten, der diese kostbare Figur beherbergen sollte. Wir wissen nichts über den sicheren Beginn der Wallfahrt, die erste Nachricht besagt lediglich, dass der Schlossinhaber Christoph Graf Liechtenstein zwischen 1539 und 1550 des enormen Pilgerandranges wegen das Geschoß unterhalb der Kapelle — die heutige Beicht- oder Kreuzkapelle - zu einem weiteren Gottesdienstraum umgestalten ließ.

Einen großen Aufschwung nahm die Wallfahrt dann noch unter dem nachfolgenden Besitzer Karl Freiherr von Schurff, Obersthofmeister Erzherzog Ferdinands von Tirol, der auch der Burg äußerlich ihre heutige Gestalt gab. Auch der Name Mariastein wurde damals gebräuchlich (um 1600). Das kostbarste Kleinod der Schatzkammer, den Erzherzoghut des Landes Tirol, stiftete der Deutschmeister Erzherzog Maximilian (Landesfürst von Tirol von 1612 bis 1618) dorthin.

Von dem alltäglichen Leben an diesem Wallfahrtsort geben zwei Quellen von historisch unschätzbarem Wert Kunde. Die eine stellt der mehr als 200 Stück umfassende Altbestand von Votivtafeln dar. Es ist nach Mara Kirchenthal der zweitgrößte in der Erzdiözese Salzburg überhaupt. Die älteste Darstellung einer wunderbaren Heilung stammt aus dem Jahre 1606; der bedeutende in Rattenberg ansässige Pariser Maler Hilarus Duvivier hat sie mit fünf weiteren verfertigt.

Ein noch viel anschaulicheres Bild vermitteln aber die in dem Mirakelbuch aufgezeichneten Gebetserhörungen, die sich vor dem Gnadenbild ereignet haben. Der einzig erhaltene von den ursprünglich drei Bänden liegt nun in einer vorbildlichen Veröffentlichung Hans Bachmanns vor.

Die dem Zeitraum von 1678 bis 1742 entstammenden Berichte geben ein ungemein lebensnahes Bild von den vielfachen Nöten und Sorgen der Menschen von damals. Auf dem Hintergrund der sozialen, wirtschaftlichen, wie vor allem der medizinisch-sanitären Verhältnisse wird es verständlich, dass der Mensch übernatürliche Hilfe besonders in seinen körperlichen Gebrechen als wunderbar erlebt hat. Der Hauptstrom der Pilger, der sich für den angegebenen Zeitraum auf etwa 20 000 jährlich ermitteln lässt, kam hauptsächlich aus dem Unterinntal. Als entfernteste Orte, aus denen sich Pilger in das Mirakelbuch eintragen ließen, sind Zell am See, Weilheim (Oberbayern) und Fließ (Oberinntal) festgehalten. Erst die wallfahrtsfeindlichen Bestimmungen Kaiser Josephs II. führten auch hier wie überall zum starken Rückgang des Pilgerstromes.

Hilfe in Geburtsnöten und Heilung von Leibsgebrechen, Bruch, infektiösen Krankheiten, seltenen
Gliederschmerzen mit offenen Wunden, langanhaltenden fieberhaften Infekten, sehr häufige auch bei Epilepsie und Geisteskrankheiten werden von der Gnadenmutter erbeten.

Zum Dank verlobte man sich, im "Hämmat" (d.h. m Büßerhemd) nach Mariastein zu pilgern. Als lebende Opfer wurden noch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts Hühner und Lämmer dargebracht; bei Heilung von Zahn- oder Mundleiden spendet man hölzerne und beinerne Löffel. Frauen opferten ihren Brautschleier, damit die Ehe glücklich werde; auch Haaropfer kommen vor. In allen Inventaren sind reiche Wachsvotivgaben verzeichnet: zentnerschwere Kerzen oder Gewichtsopfer aus Wachs, die das Gewicht des Geheilten hatten und entweder ihn in ganzer Figur oder einzelne Gliedmaßen seines Körpers darstellten. Gerne nahmen sich die Pilger auch das als heilkräftig geschätzte Öl aus der Ewig-Licht-Ampel vor dem Gnadenaltar im Fläschchen mit nach Hause.

Eine Besonderheit in den Mariasteiner Wallfahrtsgebräuchen stellt auch das "Stiegenabbeten" dar. Der Geheilte versprach zum Dank die (damals) 165 Stufen der Kapelle auf den Knien hinaufzurutschen und dabei auf jeder Stufe ein Ave Maria zu beten. Auch spielen auffallende visuelle und akustische Phänomene in zahlreichen Heilungsberichten eine große Rolle: Die Gnadenmutter von Mariastein erscheint dem in akuter Not Befindlichen und veranlasst ihn, hierher zu pilgern.

In welch herrlichem gotischen Schrein mag das Gnadenbild ursprünglich gestanden sein? Wir wissen nichts von ihm. Leider sind aber auch von der barocken Ausstattung der Kirche und der Schatzkammer nur mehr Reste vorhanden. Nicht Brand oder Plünderung haben sie derart verringert, sondern das Unverständnis einer Epoche, die ihren eigenen Stil allein schätzte und alle Leistungen früherer Generationen als Geschmacksverirrung verachtete. So wurde bei der großen "Entrümpelung" um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die gesamte 1682 ff. vom Kufsteiner Tischler Johann Edenhofer gelieferte Einrichtung beseitigt. Einzig die vom selben Meister in reichem Knorpelwerk geschnitzten Beichtstühle und die Kirchenbänke in der unteren Kapelle haben sich erhalten. Auch in der Sakristei steht noch ein prachtvoller doppelflügeliger Schrank aus seiner Werkstatt. Die Kassettendecke in der Beichtkapelle ließ Christoph Graf Liechtenstein um
1540 anfertigen. Von der Barockausstattung unter Karl Schurff haben sich nur die beiden Altarbilder
von Johannes dem Täufer und Antonius von Padua erhalten. Sie wurden 1695 von einem unbekannten Künstler geschaffen und 1959 wieder an ihrem alten Platz angebracht. Das reiche Abschlussgitter lieferte 1696 der Kunstschmied Hans Mössner aus Wörgl.

Das Schloss Mariastein, das nach argem Verfall 1835 der Erzbischof von Salzburg erwarb und neu
umgestalten ließ, ist heute Schauplatz der größten religiösen Kundgebungen, die das Nordtiroler
Unterland kennt. Schon in der Not des 1. Weltkrieges gelobten Soldaten 1914 in Serbien (Orlowitza)
jährlich nach Mariastein zu pilgern. Mehr als 100 000 Pilger kommen einzeln oder in Gruppen, vor allem aus den benachbarten Gemeinden, aus dem salzburgischen, aber auch dem oberbayerischen Raum hierher. Der Höhepunkt ist ohne Zweifel die Unterländer Katholikenwallfahrt jeweils am 1. Sonntag im September, die stets zu einer großen Glaubens- und Treuebezeugung im Schlosshof gestaltet wird. Aber auch die ungezählten Hochzeitspaare, die sich hier das Ja fürs Leben geben, lassen deutlich werden, wie sehr dieser Wallfahrtsort an der Autobahn zur Wegweisung ihres Daseins geworden ist. So erlebt Mariastein, getragen von Engagement eines gläubigen Volkes, in unserem Jahrhundert eine noch nie gekannte Blüte.
(Quelle: Johannes Neuhardt, Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, Zürich 1982, S. 138 - 140)

Lage: auf der Terrasse des Angerberges, nordwestlich von Wörgl. Burg auf einem Felskopf.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland
Ansicht in Street View
Web: https://www.pfarre-angath.at/wallfahrt-mariastein/wallfahrtskirche/
Geöffnet: täglich geöffnet, freier Eintritt.
Außenansicht:

Wallfahrtskirche Mariastein

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Außenansicht, Ansichtskarte gelaufen am 1. Juli 1923:

Wallfahrtskirche Mariastein, Ansichtskarte 1923

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Außenansicht, Ansichtskarte gelaufen am 1. Juli 1933:

Wallfahrtskirche Mariastein, Ansichtskarte 1933

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Wallfahrtskirche Mariastein, Asylrecht:
Erzherzog Maximilian der Deutschmeister hat 1603 der Herrschaft Mariasteins den Asylrechtsbrief ausgestellt. Zum Zeichen hierfür bekrönte, wie es eine Darstellung in der Asylrechtsurkunde zeigt, die im 19. Jahrhundert demolierte Toreinfahrt die Hand mit dem Richtschwert.
Die Toreinfahrt wird im Jahr 2004 neu errichtet und mit einer Kopie des Asylrechtszeichens versehen. (Text nach Kirchenführer).

Wallfahrtskirche Mariastein, Asylrecht

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Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein

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Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein

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Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein

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Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein

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Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein

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Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein

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Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein

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Kerzenkapelle Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein - Kerzenkapelle

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Sterbebilder Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein - Sterbebilder

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Reliquiensteine Wallfahrtskirche Mariastein:

Wallfahrtskirche Mariastein - Reliquiensteine

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Andenken an die Wallfahrt Mariastein 1903:

Wallfahrtskirche Mariastein - Andenken an die Wallfahrt 1903

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Andenken an die Wallfahrt Mariastein um 1889:
Verlag von Gregor Fischer in Innsbruck

Wallfahrtskirche Mariastein - Andenken an die Wallfahrt um 1889

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Andenken an MariaStein:
nicht datiert
Abmessungen: 7,3 x 5 cm
Verlag: Franz Schemm, Nürnberg.

Wallfahrtskirche Mariastein - Andenken an die Wallfahrt

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Wallfahrtskirche Mariastein, Votivbilder und Votivgaben:

Wallfahrtskirche Mariastein - Votivbilder und Votivgaben

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Literatur zur Wallfahrt:
- Hanns Bachmann, Das Mirakelbuch der Wallfahrtskirche Mariastein in Tirol als Quelle zur Kulturgeschichte (1678-1742). Innsbruck 1973.
- Ignaz Vinzenz Zingerle, Mariastein auf SAGEN.at
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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