| Wallfahrt: | Kufstein, Sparchen, Loretokapelle |
| Status: | Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland. |
| Kultzentrum: | In einer Nische der Rückwand steht die Madonna von Loreto, die eigentliche Gnadenfigur der Kapelle. |
| Ort: | Kufstein |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: bei Obere Sparchen 19, 6330 Kufstein. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Kufstein St. Josef |
| • | Öffnungszeiten: nur über Pfarrbüro! |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Loretokapelle in Sparchen liegt nordöstlich der heutigen Pfarrkirche St. Josef, leicht erhöht hinter dem ehemaligen Tiroler Hof. Sie ist eines der ältesten Sakralgebäude des Kufsteiner Stadtteils Sparchen und war bis zum Bau der heutigen Pfarrkirche im Jahr 1954 das einzige kirchliche Gotteshaus des Ortes. Damit bildete sie über Jahrhunderte das geistliche Zentrum der bäuerlichen Siedlung.
Die Kapelle entstand gegen Ende des 17. Jahrhunderts, gewöhnlich wird 1690 als Baujahr angegeben. Bereits 1727 bis 1729 wurde sie erheblich erweitert. Gleichzeitig bestand unmittelbar daneben bis 1782 eine Einsiedelei, deren Bewohner die Kapelle betreuten. Diese Verbindung von Wallfahrtskapelle und Eremitage begegnet uns mehrfach bei Tiroler Wallfahrtsorten – etwa in Brixlegg-Mariahilf oder Maria Waldrast – und ist ein deutlicher Hinweis auf die frühere Bedeutung des Ortes.
Der Name verweist auf die berühmte italienische Santa Casa von Loreto, einen der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte Europas. Wie viele Tiroler Loretokapellen entstand auch jene in Sparchen im Geist der Gegenreformation als kleine Nachbildung beziehungsweise Erinnerung an das Heilige Haus Mariens. Bemerkenswert ist deshalb, dass die Kapelle – ganz nach italienischem Vorbild – keine Seitenfenster besitzt. Das Innere sollte den geschlossenen Charakter der Santa Casa nachahmen.
Im Mittelpunkt des Innenraumes befindet sich ein barocker Altar, der von einer Kreuzigungsgruppe bekrönt wird. In einer Nische der Rückwand steht die Madonna von Loreto, die eigentliche Gnadenfigur der Kapelle. Sie knüpft unmittelbar an die Loretoverehrung an und macht deutlich, dass die Kapelle nicht einfach nur Marienkapelle, sondern bewusst als Loretoheiligtum geschaffen wurde.
Eine Besonderheit stellt das um 1750 entstandene Gemälde der heiligen Apollonia dar. Es zeigt in ungewöhnlich realistischer Weise eine Zahnextraktion. Da Apollonia als Schutzpatronin gegen Zahnschmerzen verehrt wird, verweist dieses Bild auf ein sehr konkretes volksreligiöses Anliegen. Ob daraus eine eigentliche Zahnwallfahrt entstand, lässt sich zwar nicht nachweisen, doch zeigt das Gemälde eindrucksvoll, wie eng alltägliche Sorgen und Heiligenverehrung miteinander verbunden waren.
Für den Wallfahrtscharakter besonders wichtig ist die Überlieferung der Bittgänge. Die Pfarre berichtet ausdrücklich, dass Bauern aus Morsbach und Schwoich regelmäßig zur Loretokapelle pilgerten. Das bedeutet, dass die Kapelle nicht nur der Ortsbevölkerung diente, sondern ein überörtliches Einzugsgebiet besaß. Solche Bittgänge gehören zu den klassischen Erscheinungsformen kleiner Tiroler Wallfahrten. Es handelte sich vermutlich um Flur- und Wetterbittgänge sowie um Gelübdewallfahrten im Zusammenhang mit Landwirtschaft und Viehzucht.
Mit den josephinischen Reformen endete 1782 die Einsiedelei. Die Kapelle blieb zwar bestehen, verlor aber im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung und verfiel. Erst 1995 gründete sich ein Förderverein, der die Restaurierung in Angriff nahm. Dank der Unterstützung der Bevölkerung konnte das Bauwerk umfassend saniert werden und präsentiert sich heute wieder als eines der schönsten kleinen Barockheiligtümer im Raum Kufstein.
Volkskundlich ist die Loretokapelle besonders interessant, weil sie mehrere typische Merkmale der Tiroler Barockfrömmigkeit vereint:
Sie gehört damit zu jener Gruppe kleiner Tiroler Loretowallfahrten, die zwar nie die Ausstrahlung von Maria Waldrast oder Absam erreichten, im regionalen Wallfahrtswesen aber eine wichtige Rolle spielten.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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