| Wallfahrt: | Kramsach, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariathal |
| Status: | Lebendiger Wallfahrts- und Andachtsort. |
| Kultzentrum: | Von Gewissensnot bedrängt, irrte Berthold in den Wäldern am Ausgang des Brandenberger Tales umher und fand dort an einem Baum das Bild der Schmerzhaften Muttergottes. |
| Ort: | Kramsach |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Mariatal 17, 6233 Kramsach. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Wallfahrtskirche Mariathal |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber bis zum Gitter täglich geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Wallfahrtskirche Mariathal, Dia 1972:
im Vordergrund die Brandenberger Ache.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
•
Wallfahrtskirche Mariathal, Leinwandbild zur Gründungssage:
Inschrift:
"Ritter Berthold von Freundsberg betet vor dem Bilde
der schmerzhaften Gottesmutter. Maria hilft ihm."
Dazu die Gründungssage:
Ein gewisser Ritter Berthold von Fruntsperg wollte seinen Bruder zur gemeinsamen Jagd wecken. Zu diesem Zwecke spannte der seinen Bogen und zielte auf das Schlafkammerfenster. Unglücklicherweise öffnete just in diesem Moment der Bruder sein Fenster und stürzte - vom Pfeile tödlich getroffen - vom Balkon. Von Gewissensnot durchdrungen irrte Berthold in den unbesiedelten Wäldern am Ausgang des Brandenberger Tales umher. Plötzlich fand er an einem Baume das Bild der schmerzhaften Muttergottes. Genau an dieser Stelle ließ Berthold das Kloster Mariathal errichten. Das wundertätige Marienbild wird noch heute in der Gnadenkapelle der Pfarrkirche verehrt. (Text: wallfahrtskirche-mariathal.at)
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Wallfahrtskirche Mariathal - Gnadenkapelle:
Die Gnadenkapelle ist eine Marienkirche in der Kirche mit dem Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes, zwei Leuchterengel an den Seiten und über dem Altar die Halbfigur eines schützenden Gottvaters.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Wallfahrtskirche Mariathal - Gnadenbild:
Das Gnadenbild in der Wallfahrtsbasilika Mariathal im Ort Mariathal am Eingang in das Brandenberger Tal in der Gemeinde Kramsach, Tirol.
Eine geschnitzte, spätgotische Pietà aus der Zeit um 1500.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Wallfahrtskirche Mariathal - Wallfahrtsandenken:
"Andenken an Maria Thal"
nicht datiert (vermutlich 1910 - 1920)
Abmessungen: 5,5 x 4 cm
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariathal steht im Kramsacher Ortsteil Mariatal, am Eingang in das Brandenberger Tal, nahe der Brandenberger Ache. Sie ist dem heiligen Dominikus geweiht und gehört zur Erzdiözese Salzburg. 2008 wurde Mariathal von Papst Benedikt XVI. zur Basilica minor erhoben; damit ist die Kirche als besonderer Wallfahrtsort ausgezeichnet.
Die historische Gründung führt in das Jahr 1267 zurück. Die Ritter Konrad und Friedrich von Fruntsberg/Freundsberg stifteten Kirche und Kloster als Begräbnisstätte ihres Geschlechts und holten Dominikanerinnen aus Altenhohenau beziehungsweise Hochenau in Bayern nach Mariathal. Die Schwestern sollten die Kirche betreuen und für das Seelenheil der verstorbenen Freundsberger beten; die Gruft des Rittergeschlechtes befindet sich bis heute im Altarraum.
Neben dieser urkundlich fassbaren Stiftung steht die volkstümliche Gründungslegende. Sie erzählt von Ritter Berthold von Fruntsperg, der seinen Bruder zur Jagd wecken wollte und dabei mit einem Pfeil unglücklich tödlich traf. Von Gewissensnot bedrängt, irrte Berthold in den Wäldern am Ausgang des Brandenberger Tales umher und fand dort an einem Baum das Bild der Schmerzhaften Muttergottes. Genau an dieser Stelle soll er das Kloster Mariathal errichtet haben; das Marienbild wird bis heute in der Gnadenkapelle verehrt.
Im 15. Jahrhundert wanderten die Freundsberger nach Schwaben beziehungsweise Mindelheim ab, und Kloster und Besitz gingen in den alleinigen Besitz der Dominikanerinnen über. Die Kirche und das Kloster erlebten danach sehr unterschiedliche Zeiten: Blüte, Niedergang, personelle Krisen und schließlich Wiederbesiedlung. Ein schwerer Brand zerstörte um 1680/1682 große Teile des Gotteshauses; danach wurde die Kirche unter Verwendung älterer Bausubstanz frühbarock erneuert.
Das Innere von Mariathal ist stark vom dominikanischen Erbe geprägt. Die schwarz-goldene Ausstattung verweist auf den Orden, und auch das ikonographische Programm — etwa der heilige Dominikus, die Rosenkranzfrömmigkeit und Ordensheilige — erinnert an die jahrhundertelange Betreuung durch Dominikanerinnen. Kunstgeschichtlich bemerkenswert sind die barocken Altäre, die Kanzel im Knorpelstil und das Hochaltarbild von Christoph Anton Mayr aus dem Jahr 1738.
Der eigentliche Mittelpunkt der Wallfahrt ist die Gnadenkapelle mit dem Bild der Schmerzhaften Muttergottes. Das Gnadenbild ist eine geschnitzte spätgotische Pietà aus der Zeit um 1500 und wurde besonders als Trostbild in Leid, Krankheit, Schuld und persönlicher Not verstanden. Gerade diese Verbindung von Schmerz-Mariens-Verehrung und der Legende vom schuldgeplagten Ritter gibt Mariathal eine sehr eigene, ernste Frömmigkeitsfarbe.
Volkskundlich besonders wichtig ist auch das Fieberkreuz, eine spätromanische Holzplastik aus der Klostergründungszeit. Es wurde bis ins 19. Jahrhundert von Menschen aufgesucht, die am sogenannten Sumpffieber litten, das in den feuchten Auen um Kramsach vorkam. Damit besitzt Mariathal neben der Marienwallfahrt auch eine deutliche Heil- und Krankheitsdimension: Die Menschen kamen nicht nur allgemein zur Andacht, sondern mit ganz konkreten körperlichen Nöten.
Einen weiteren Aufschwung als Wallfahrtsort erhielt Mariathal durch die Reliquien der heiligen Privata, einer römischen Katakombenheiligen, die der Kirche im 17. Jahrhundert gestiftet wurden. Solche Heiligenleiber waren in der Barockzeit wichtige Anziehungspunkte: Sie machten die Kirche zu einem Ort sichtbarer Heiligkeit und stärkten die Wallfahrt durch Reliquienverehrung, Andacht und Festfrömmigkeit.
Unter Kaiser Joseph II. wurde das Dominikanerinnenkloster 1782 aufgehoben; die Kirche blieb jedoch erhalten und wurde später zur Pfarrkirche. Im 19. Jahrhundert kehrten wieder Ordensschwestern in die Gebäude zurück, diesmal Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, die dort soziale und schulische Aufgaben übernahmen. Diese spätere Geschichte zeigt, dass Mariathal nicht nur Wallfahrtsort, sondern über lange Zeit auch ein Ort weiblicher Ordensgeschichte, Erziehung und Fürsorge war.
Zur besonderen Ausstattung gehört außerdem das Heilige Grab von Mariathal, das um 1750 entstand und Christoph Anton Mayr zugeschrieben wird. Es ist nicht wie vielerorts ein nur zeitweise vor den Altar gestelltes Schaugerüst, sondern fest in den Hochaltar eingebaut, wobei der schwarz-goldene Altaraufbau sichtbar bleibt. Auch das macht Mariathal für die Tiroler Passions- und Osterfrömmigkeit interessant.
Bis heute lebt die Wallfahrt in Mariathal weiter. Jeden 13. des Monats findet in den Wintermonaten von November bis April eine Wallfahrt mit Lichterprozession statt; außerdem führt ein Kreuzweg an den alten Klostermauern entlang hinauf zum Kalvarienberg. Nach Angaben der Erzdiözese Salzburg besuchen jährlich etwa 5.000 Pilgerinnen und Pilger das Heiligtum an der Brandenberger Ache.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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