| Wallfahrt: | Kitzbühel, Liebfrauenkirche |
| Status: | Lebendiger Wallfahrts- und Andachtsort. |
| Kultzentrum: | Zur Wallfahrtskirche wurde die Liebfrauenkirche vor allem durch das Gnadenbild am Hochaltar. |
| Ort: | Kitzbühel |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: bei Pfarrau 2, 6370 Kitzbühel |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrverband Kitzbühel |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die Liebfrauenkirche in Kitzbühel, auch Kirche Unserer Lieben Frau genannt, steht unmittelbar neben der Stadtpfarrkirche St. Andreas auf dem alten Kitzbüheler Kirchhügel. Beide Kirchen prägen zusammen mit dem Friedhof das historische Stadtbild; die Liebfrauenkirche fällt besonders durch ihren im Verhältnis zum kleinen Kirchenbau mächtigen Turm auf. Die Kirche wurde 1373 erstmals urkundlich erwähnt und dürfte kurz davor als gotische Friedhofskapelle vollendet worden sein. Im Untergeschoß befindet sich der Karner, also das Beinhaus, wodurch die Kirche von Anfang an eng mit Tod, Totengedenken und Friedhofsfrömmigkeit verbunden war.
Eine Besonderheit ist der große Turm. Ursprünglich besaß die Liebfrauenkirche nur ein kleines Türmchen; 1566 bis 1569 setzte Meister Wilhelm Egarter über dem westlichen Teil der Kapelle einen 48 Meter hohen Glockenturm auf. Der Grund war ganz praktisch: Die große Glocke der benachbarten Pfarrkirche passte nicht in deren schlanken alten Turm. Dadurch wurde die kleine Liebfrauenkirche zum Träger des großen Kitzbüheler Stadtgeläutes. Bis heute hängen dort die großen Glocken, darunter die berühmte Kaiserglocke, die als besonders klangschön gilt und für Kitzbühel eine starke identitätsstiftende Bedeutung besitzt.
Zur Wallfahrtskirche wurde die Liebfrauenkirche vor allem durch das Gnadenbild am Hochaltar. Es handelt sich um eine um 1630 entstandene Kopie des bekannten Innsbrucker Mariahilfbildes von Lucas Cranach. Der barocke Hochaltar von Georg Faistenberger aus dem Jahr 1702 bildet den festlichen Rahmen für dieses Bild; flankiert wird es von den Figuren der heiligen Joachim und Anna, den Eltern Mariens. Damit steht die Kitzbüheler Liebfrauenkirche in der weit verbreiteten Tiroler Mariahilf-Frömmigkeit, die Maria als Helferin in Krankheit, Gefahr, Familiennot und persönlicher Bedrängnis anruft.
Volkskundlich besonders wichtig sind die Votivbilder im Turmgeschoß beziehungsweise Vorraum der Kirche. Sie erinnern an Wallfahrten, Gebetserhörungen und persönliche Danksagungen; die ältesten Zeugnisse für Gebetserhörungen reichen nach den Kirchenführer-Angaben bis 1732 zurück. Gerade diese Votivtafeln zeigen, dass die Liebfrauenkirche nicht nur eine schöne Nebenkirche neben der Pfarrkirche war, sondern ein wirklicher Gnadenort: Menschen kamen mit konkreten Bitten, Krankheiten, Gefahren und Sorgen zur Muttergottes und hinterließen nach erfahrener Hilfe sichtbare Dankzeichen.
Im 18. Jahrhundert erhielt die Kirche ihre reiche barocke Innenausstattung. 1738 bis 1740 gestalteten der Schwazer Baumeister Jakob Singer, der Stuckateur Hans Singer und der Maler Simon Benedikt Faistenberger den Raum neu. Die Fresken zeigen unter anderem die Glorie der Gottesmutter, König David mit der Harfe, den heiligen Andreas als Fürsprecher der Stadt sowie leidende Menschen, die die Hilfe Mariens erbitten. Dadurch wird im Kirchenraum selbst sichtbar, worum es bei dieser Wallfahrt ging: Maria sollte für die Stadt, für die Kranken und für die Bedrängten Fürsprecherin sein.
Auch das schmiedeeiserne Rosengitter von Franz Witting aus dem Jahr 1778, das den Hochaltar abschließt, unterstreicht den kostbaren Charakter des Gnadenbildes. Bemerkenswert sind außerdem das geschnitzte Kirchengestühl, das Orgelpositiv und die sogenannten Knappenstühle mit Löwenköpfen, die an die bergmännische Welt des Kitzbüheler Raumes erinnern. So verbindet die Liebfrauenkirche städtische Repräsentation, Bergbaukultur, Friedhofsfrömmigkeit und Mariahilf-Wallfahrt in einem kleinen Raum.
Es handelt sich daher um eine kleine, aber sehr dichte Tiroler Mariahilf-Wallfahrtskirche im alten Kitzbüheler Friedhof: entstanden als gotische Friedhofskapelle mit Karner, später durch den riesigen Glockenturm zum Wahrzeichen der Stadt geworden, barock ausgeschmückt und durch das Mariahilf-Gnadenbild sowie die Votivbilder als Ort persönlicher Bitte und Danksagung geprägt. Ihre Bedeutung liegt weniger in einer großen Ursprungssage als in der stillen, dauerhaften Verehrung der Gottesmutter und in der Verbindung von Stadtgeschichte, Totengedenken, Glockenklang und Wallfahrt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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