| Wallfahrt: | Kirchberg in Tirol, Wallfahrtskapelle Mariä Heimsuchung am Harlaßanger |
| Status: | Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland. |
| Kultzentrum: | Im Inneren befindet sich das Gnadenbild über dem Altar in einem Schrein von Michael Lengauer. |
| Ort: | Kirchberg in Tirol |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: bei Gaisberg 16, 6365 Kirchberg in Tirol |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Kirchberg in Tirol |
| • | Öffnungszeiten: täglich geöffnet, kein Eintritt. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Wallfahrtskapelle Mariä Heimsuchung am Harlaßanger liegt oberhalb von Kirchberg in Tirol, im Almgebiet zwischen Kirchberg, Aschau und Brixen im Thale, nahe der Kobingerhütte. Auch Harlaßangerkapelle Maria Heimsuchung auf 1533 Metern Seehöhe; sie gehört zum Gemeindegebiet Kirchberg in Tirol, liegt aber in einer ausgesprochenen Alm- und Wanderlandschaft. Gerade diese Lage ist für den Charakter des Ortes wesentlich: Man kommt nicht zufällig vorbei wie bei einer Dorfkirche, sondern muss den Weg auf den Berg bewusst auf sich nehmen.
Der Ursprung der Wallfahrt führt in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Der Bauer Michael Lackner aus der Kitzbüheler Gegend kaufte 1659 die "Harlachanger Albm"; ein Jahr später brachte er an einem Baum ein Bildnis der Gottesmutter und des heiligen Antonius von Padua an. Nach anderer Überlieferung fand er dieses Bild bereits im Almgebiet und befestigte es an dem Baum. Bald wurde das Bild verehrt, und es begann eine Wallfahrt auf die Alm. Lackner gelobte daraufhin, eine Kapelle zu bauen, musste dafür aber erst die nötigen Mittel aufbringen.
Die erste Kapelle war ein kleines hölzernes Kirchlein. In ihr wurden drei geschnitzte Bilder verehrt: die Jungfrau Maria, der heilige Antonius und der heilige Wendelin. Dass neben Maria auch Antonius und Wendelin genannt werden, ist volkskundlich sehr aufschlussreich: Antonius wurde unter anderem als Helfer in verlorenen Dingen und als Viehpatron angerufen, Wendelin ist einer der klassischen Hirten- und Viehheiligen. Für eine Almkapelle ist diese Heiligenwahl daher sehr passend — sie verbindet Marienfrömmigkeit mit bäuerlicher Sorge um Herden, Almwirtschaft und Schutz des Viehs.
Um 1689 wurde die kleine Kapelle durch eine Schneelawine zerstört und anschließend von Peter Ager am selben Platz wieder aufgebaut. Da die Wallfahrt weiter bestand und die Bevölkerung offenbar eine größere Kapelle wünschte, wurde 1715 unter Maurermeister Alexander Kurz und Zimmermeister Matthias Pichler ein gemauertes Kirchlein errichtet. 1749 kam ein hölzerner Vorbau, die sogenannte "Obst’n", mit Glockentürmchen dazu. Das heutige Kirchlein besteht daher aus einem gemauerten Hauptbau mit halbrundem Schluss und einem hölzernen Vorbau; das Dach ist schindelgedeckt.
Im Inneren befindet sich das Gnadenbild über dem Altar in einem Schrein von Michael Lengauer. Es zeigt die Gottesmutter in weißem Kleid und blauem Mantel, auf dem linken Arm das Jesuskind; beide tragen Kronen und Zepter, das Kind hält eine Weltkugel. Am flachen Gewölbe sind neubarocke Fresken des Kirchberger Kirchenmalers Michael Lackner I. aus dem Jahr 1879 zu sehen, die die Mariä Heimsuchung darstellen. Damit ist die Kapelle nicht nur ein schlichter Alm-Andachtsort, sondern besitzt auch eine bemerkenswerte lokale Ausstattungsgeschichte.
Besonders wertvoll für eine volkskundliche Beschreibung ist die Obst’n im Vorraum. Dort befindet sich eine umfangreiche Sammlung von Andenkenbildchen. Solche Andenkenbilder sind keine klassischen Votivtafeln im engeren Sinn, zeigen aber doch, wie stark persönliche Erinnerung, Gebet, Todengedächtnis und Kapellenfrömmigkeit miteinander verbunden sein können. Die Kapelle ist also nicht nur Ziel einer Wallfahrt, sondern auch ein kleiner Erinnerungsraum für Menschen aus der Umgebung.
Ein besonderer Wallfahrtstag ist der 2. Juli, das Fest Mariä Heimsuchung. Nach Angaben der Kitzbüheler Alpen pilgern Menschen aus Westendorf und Brixen noch heute jedes Jahr am 2. Juli zur Harlaßangerkapelle. Auch für den 2. Juli 1840 ist ein eindrucksvolles Ereignis überliefert: Der Salzburger Fürsterzbischof Friedrich von Schwarzenberg kam nach einer kanonischen Visitation in Aschau auf den Berg und feierte mit Priestern und einer großen Menschenmenge beim Kirchlein die heilige Messe.
Eine volkstümliche Deutung des Namens Harlaßanger erzählt, auf diesem Almgebiet hätten einst zwei verfeindete Hexengruppen miteinander gestritten und dabei "arg Haare lassen" müssen. Solche Namenssagen sind historisch mit Vorsicht zu behandeln, aber volkskundlich reizvoll: Sie zeigen, dass die Alm nicht nur als Wirtschaftsfläche, sondern auch als erzählter, geheimnisvoller Raum wahrgenommen wurde. Neben der kirchlichen Marienwallfahrt steht hier also noch eine ältere Sagenschicht, die den Ort in der lokalen Vorstellung zusätzlich auflädt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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