| | Lage: Pass-Thurn-Straße 20, 6373 Jochberg. |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: Pfarre Jochberg |
| | Geöffnet: |
Der Ursprung der Wallfahrt Jochbergwald Beim Durchstöbern alter vergilbter Schriften in der Urkundenkammer des Kitzbüheler Rathauses kam auch ein sogenanntes "Fliegendes Blatt" zum Vorschein, das bei der damaligen lithographischen Anstalt Kravogl in Innsbruck gedruckt wurde und eine genaue Darstellung des Ursprunges der Wallfahrt Jochbergwald enthält. Das Titelbild stellt eine Abbildung der Wallfahrtskirche und des Wirtshauses Jochbergwald dar. Über der Landschaft schwebt, eingehüllt von Wolken und umgeben von zwei Englein, die Schmerzhafte Muttergottes, das Haupt durchstoßen von einem türkischen Krummsäbel. Das Blatt bringt dann als Gebet eine "Empfehlung in den Schutz der schmerzhaften Muttergottes" und schließt daran die Geschichte über die Entstehung der Wallfahrtskirche Jochbergwald, die heute wie einst immer noch, auf einer grünen Waldblöße mitten im Tannendunkel des Pass-Thurn-Forstes gelegen, empfindsame Wallfahrer und Wanderer in ihren Bann zieht. Es wäre unrecht, den Wortlaut des Fliegenden Blattes abzuändern oder dessen Inhalt neuzeitlich neu zu erzählen; deshalb sei er ungekürzt in seiner ursprünglichen kraftvollen Sprache und Darstellungsweise wiedergegeben:
"Schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts war zu Neukirchen im Ober-Böhmerwald, im Zwickauer Kreise in Sachsen, eine von nah und fern häufig besuchte Wallfahrt. Ein durch viele und große Wunder berühmtes Gnadenbild war der Gegenstand der Verehrung. Dieses Bild stellte die seligste Jungfrau dar, wie sie, das Jesu Kindlein haltend, den frommen Besucher freundlich anblickt. Man nannte dieses Gnadenbild allgemein die Wallfahrt "Zum heiligen Blute". Ein, wie es heißt, ketzerischer Soldat (vermutlich ein Hussit), raubte das Bild und warf es ins Wasser; aber am andern Tag fand es sich ganz wohlerhalten und unbeschädigt wieder an seiner alten Stelle. Doch der Soldat, anstatt dadurch gebessert, war nur noch trotziger und wütender und versuchte ein zweites und drittes Mal das nämliche. Doch jedes Mal kam das Bild wunderbarerweise wieder an seinen Ort. Dadurch, statt von der Gnade ergriffen zu werden, wurde er nur so sehr erbittert, dass er mit seinem Schwert auf den Kopf des Bildes einhieb. Aber o Wunder! — Er konnte mit aller Anstrengung das Schwert nicht mehr aus der Wunde herausbringen, aus welcher das Blut sichtbarlich hervorquoll und über das Haupt herabfloss. Da endlich zerschmolz die harte Rinde seines Herzens und bittere Reue über seine begangenen Frevel erwachte in seinem Herzen. Er bekehrte sich und wurde von da an ein eifriger Verehrer Mariens. Das Schwert, welches er nicht aus der Wunde herausbringen konnte, blieb auch nachher in derselben stecken und noch lange konnte man das Blut herausfließen sehen. Dies geschah im Jahre 1400 und ist der Grund, warum das Gnadenbild ein Schwert im Kopfe stecken hat, und weswegen man es die Wallfahrt "Zum heiligen Blute" nannte. Zu eben dieser Wallfahrt nun reiste im 17. Jahrhundert ein Bürger von Kitzbühel, Albrecht Hofbauer mit Namen, ein frommer und glaubenseifriger Mann, seines Gewerbes ein Lebzelter. Als er auf der Reise dahin in eine große Lebensgefahr geriet, gelobte er, für den Fall, dass er aus derselben gerettet würde, eine Kapelle mit dem Bilde des Wallfahrtsortes "Zum heiligen Blute" zu erbauen. Und siehe! Auf eine wunderbare Weise erfolgte allzu gleich seine Rettung. Er ließ also, am Wallfahrtsort angelangt, eine Kopie des Gnadenbildes anfertigen und gelangte damit wohlbehalten in seiner Vaterstadt an. Es wurde nun schnell mit dem Bau der Kapelle begonnen. Am sogenannten Fiderialboden in Jochbergwald, ungefähr eineinhalb Stunden von der Jochberger Seelsorgkirche, an der Vizinalstraße in das Pinzgau, wurde um das Jahr 1671 ein rundes Kirchlein erbaut und die Kopie des Gnadenbildes "Zum heiligen Blute" beigesetzt. Nicht lange dauerte es, bis auch hier die Fürbitte Mariens sich wunderbar erwies. Ihrer mächtigen, allvermögenden Fürbitte hatte manches betrübte Herz süßen Trost, mancher Hilflose und Verlassene wunderbare Hilfe und Rettung zu verdanken. In unzähligen Gefahren und Nöten der Seele und des Leibes zeigte sich Maria auch an diesem Ort in Wahrheit als die allvermögende Helferin der Christen. Darum vermehrte sich der Zulauf frommer Wallfahrer immer mehr und es wurde das Bedürfnis, dass an diesem Gnadenort auch heilige Opfer dargebracht werden, immer dringender, bis endlich demselben durch eine Urkunde am 4. Mai 1739 abgeholfen wurde, laut welcher der damalige Bischof von Chiemsee die Erlaubnis erteilte, in dem Kirchlein die heilige Messe zu lesen. Da geschah es nun gleich am 3. Juni desselben Jahres, als Se. Gnaden der hochwürdige Herr Martin Riester, Dekan in St. Johann, das erste Lobamt hielt, dass während der heiligen Wandlung ein am linken Fuß lahmer Jüngling nach Anrufung der heiligen Jungfrau wunderbar geheilt wurde, so dass er ganz gerade in seine Heimat zurückgehen konnte. Unter Wiederholung solcher wunderbaren Gnadenerweisungen kam der Wallfahrtsort Jochbergwald nunmehr in Ruf, und aus nah und fern kamen zahlreiche fromme Wallfahrer herbei. Um den Anforderungen der zahlreichen Besucher zu genügen, sowie zur Bewachung und Bedienung des Kirchleins wurde auch daneben eine Einsiedelei errichtet. Das Kirchlein selbst erhielt den Namen "Maria Heimsuchung", weil schon seit Jahren vermöge einer Stiftung an dem Fest Maria Heimsuchung das jährliche Patrozinium mit Predigt und feierlichem Amt gefeiert wurde. Nachdem nun dieses Kirchlein 164 Jahre lang (von 1671 bis 1835) gestanden und das Ziel unzähliger trost- und hilfsbedürftiger, frommer Christen gewesen war, begann im Jahre 1835 ein neuer Straßenbau, durch welchen dasselbe eine Viertelstunde von der Straße abseits zu liegen kam. Und weil es zugleich bei Auflassung der alten Straße im Winter nicht mehr zugänglich und ohnedies schon seit langem für zu klein befunden wurde, so entschloss man sich, an der neuen Straße eine Stunde von Jochberg, eine neue, etwas größere Kapelle zu erbauen. Schon im Jahre 1841 begann der Bau. Die feierliche Grundsteinlegung geschah in Anwesenheit Sr. Eminenz des hochwürdigsten durchlauchtigsten Herrn Friedrich, Kardinals und Erzbischofs von Salzburg, und noch vieler anderer geistlicher und weltlicher Würdenträger. Im Jahr darauf, 1842, wurde das Kirchlein schon vollendet und am 25. Juni das Gnadenbild auf die feierlichste Weife auf den neuen Sitz übertragen. Die festlich geschmückte Schuljugend der umliegenden Gemeinden, ein langer Zug prangender Jungfrauen, eine Schützenkompagnie und eine große Zahl von Geistlichen sowie eine zahllose Volksmenge begleiteten prozessionsweise das Bild, welches von Jungfrauen getragen wurde. Vor der Wegnahme des Gnadenbildes aus der alten Kapelle wurden in derselben mehrere heilige Messen gelesen und ein rührendes Abschiedslied gesungen. Als der Zug mit dem Bilde im neuen Kirchlein ankam, sang man ein ergreifendes Empfangslied, während zugleich auch die Böller ihre lauten Salven gaben. Der damalige Vikar von Jochberg, der hochwürdige Herr Josef Flatscher, hielt hierauf das heilige Amt, und so war das neue Kirchlein in Jochbergwald dem zahlreichen Besuch frommer Wallfahrer eröffnet." |
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
| - Otto Zimmeter, Der Ursprung der Wallfahrt Jochbergwald, in: Tiroler Heimatblätter, 13. Jahrg., Heft 7/8, Juli/August 1935, S. 250 - 253. (siehe oben). | |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |