Hinterriß, Expositurkirche Mariä Heimsuchung (Maria zur Schmelz)

Schnellüberblick
Wallfahrt:Hinterriß, Expositurkirche Mariä Heimsuchung (Maria zur Schmelz)
Status:Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland.
Kultzentrum:Das Innere wird vom Gnadenbild der Gottesmutter mit dem Jesuskind beherrscht, einer qualitätvollen Schnitzfigur aus dem 17.
Ort:Hinterriß
Region:Tiroler Unterland
Bundesland:Tirol
Lage und Besuch
•Lage: Hinterriß, 6215 Achenkirch.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarre Achental
•Öffnungszeiten:
Direkt zum Inhalt
•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

• Wallfahrtskirche Hinterriß, Mariä Heimsuchung:

Wallfahrtskirche Hinterriß, Mariä Heimsuchung

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Expositur- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung, meist Maria zur Schmelz genannt, steht in Hinterriß im Karwendel, heute einem Ortsteil der Marktgemeinde Vomp. Sie zählt zu den ungewöhnlichsten Wallfahrtsorten Tirols, weil ihre Entstehung unmittelbar mit dem Eisenbergbau und der Eisenverhüttung im Rißtal verbunden ist. Während des 16. Jahrhunderts betrieben Bergleute hier eine Schmelzhütte und errichteten daneben eine kleine Kapelle, die bald den Namen "Maria zur Schmelz" erhielt. Schon nach kurzer Zeit entwickelte sie sich zu einem vielbesuchten Wallfahrtsziel, insbesondere für Gläubige aus dem benachbarten Bayern.

Die erste Kapelle genügte dem Pilgerzustrom bald nicht mehr. Deshalb wurde zwischen 1754 und 1759 die heutige barocke Kirche erbaut. Im Jahr 1840 verlängerte man das Langhaus, 1844 erhielt die Fassade ihren charakteristischen Turm. Trotz dieser Erweiterungen bewahrte die Kirche ihren schlichten Charakter, der gut zur abgeschiedenen Tallage im Karwendel passt.

Das Innere wird vom Gnadenbild der Gottesmutter mit dem Jesuskind beherrscht, einer qualitätvollen Schnitzfigur aus dem 17. Jahrhundert, die im Hochaltar aufgestellt ist. Dieses Gnadenbild bildet seit Jahrhunderten das eigentliche Ziel der Wallfahrt. Die heutige neuromanische Altaranlage entstand 1856; flankiert wird das Gnadenbild von den Figuren der heiligen Isidor und Notburga, zwei für die bäuerliche Bevölkerung besonders wichtigen Schutzheiligen. Die Seitenaltäre sind dem hl. Antonius von Padua und Johannes dem Täufer geweiht.

Von besonderem Interesse ist die kirchengeschichtliche Entwicklung des Ortes. Hinterriß gehörte ursprünglich kirchlich zur Diözese Freising und kam erst 1822 zur Diözese Brixen. Wegen der abgeschiedenen Lage übernahmen ab 1831 Franziskaner aus dem Kloster Schwaz die Seelsorge. Neben der Kirche entstand ein kleines Franziskanerklösterlein, das bis 1891 bestand. Dadurch erhielt der Wallfahrtsort zusätzlich den Charakter eines klösterlich betreuten Pilgerheiligtums.

Volkskundlich ist Maria zur Schmelz besonders bemerkenswert, weil hier Bergbau, Waldwirtschaft und Marienwallfahrt miteinander verschmelzen. Die ersten Wallfahrer waren vermutlich Bergknappen und Hüttenarbeiter, die den Schutz der Gottesmutter für ihre gefährliche Arbeit erbaten. Mit dem Niedergang des Erzbergbaus blieb die Wallfahrt jedoch bestehen und wurde zunehmend von Bauern, Jägern, Holzknechten und Reisenden übernommen. Gerade die Lage im abgelegenen Rißtal machte die Kirche zu einem geistlichen Zufluchtsort für Menschen, die im Karwendel arbeiteten oder die Grenze zwischen Tirol und Bayern überschritten.

Bemerkenswert ist auch die starke bayerische Beteiligung an der Wallfahrt. Das Rißtal war stets stärker nach Bayern als zum Inntal orientiert. Dadurch entwickelte sich Maria zur Schmelz zu einem grenzüberschreitenden Wallfahrtsort, der Gläubige aus beiden Ländern anzog. Diese überregionale Ausstrahlung unterscheidet Hinterriß von vielen kleineren Tiroler Bergwallfahrten.

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at