Hart im Zillertal, Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Reinigung

Schnellüberblick
Wallfahrt:Hart im Zillertal, Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Reinigung
Status:Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland.
Kultzentrum:Im Zentrum der örtlichen Überlieferung steht jedoch weniger ein bestimmtes Gnadenbild als der heilige Ort selbst, insbesondere das sogenannte Kapellbachl neben der Kirche.
Ort:Hart im Zillertal
Region:Tiroler Unterland
Bundesland:Tirol
Lage und Besuch
•Lage: südlich Kapellstraße 18, 6265 Hart im Zillertal.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarre Hart im Zillertal
•Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich.
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•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

• Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal (von Norden):

Wallfahrtskirche Mariä Reinigung von Norden, Hart im Zillertal

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal (von Süden):

Wallfahrtskirche Mariä Reinigung von Süden, Hart im Zillertal

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• Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal - Hauptaltar mit Gnadenbild:

Gnadenbild Wallfahrtskirche Mariä Reinigung von Süden, Hart im Zillertal

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• Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal - Votivbild mit Gründungslegende:

Votivbild mit Gründungslegende - Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal

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• Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal - Votivbild mit Gründungslegende:
Inschrift:
"1 Gott dem Allmächtigen und Maria zu Lob und
Ehr ist diese Kapelle anfänglich von unmündigen Kindern
so paarweise dahin gekommen geehrt worden.
2 Habens die Nachbarn demnach größer von Holz erbaut"

Votivbild mit Gründungslegende - Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal

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• Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal - Votivbild mit Gründungslegende:
Inschrift:
"3 Ist Silvesteri schwer krank liegend solches zu erweitern
im Schlaf ermahnt worden, was er auch gethan.
4 Havens die Nachbarb noch etwas größer gemacht."

Votivbild mit Gründungslegende - Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal

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• Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal - Votivbild mit Gründungslegende:
Inschrift:
"1 Gott dem Allmächtigen und Maria zu Lob und
Ehr ist diese Kapelle anfänglich von unmündigen Kindern
so paarweise dahin gekommen geehrt worden.
2 Habens die Nachbarn demnach größer von Holz erbaut
3 Ist Silvesteri schwer krank liegend solches zu erweitern
im Schlaf ermahnt worden, was er auch gethan.
4 Havens die Nachbarb noch etwas größer gemacht.
5 Ist demnach vorhinan etwas gemauert worden -
es ist anno 1632 erbauet und hernach einge-
weiht worden 1726. Revovirtt den 8. August 1843"

Votivbild mit Gründungslegende - Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal

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• Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal - Votivbilder:

Votivbilder - Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, Hart im Zillertal

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Ausführliche Beschreibung

Die Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Reinigung, meist Harter Kapelle, St. Maria am Harterberg oder einfach Harter Kapell’ genannt, steht oberhalb von Hart im Zillertal in etwa 900 Metern Höhe.

Die Anfänge der Wallfahrt reichen in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Eine Kapelle wird erstmals 1652 urkundlich erwähnt. Eine historische Votivtafel in der Kirche erzählt die Entstehung noch genauer: Zunächst hätten unmündige Kinder den Platz paarweise aufgesucht und verehrt. Daraufhin errichteten die Nachbarn eine kleine hölzerne Kapelle. Der schwer erkrankte Kapellenprobst und Schanderbauer Silvester Flörl sei im Schlaf aufgefordert worden, die Kapelle zu vergrößern. Nach mehreren Erweiterungen wurde schließlich 1653 ein gemauerter Teil angefügt und die Kapelle geweiht.

Diese Überlieferung ist volkskundlich besonders bemerkenswert. Wallfahrtsgründungen durch Kinder sind vergleichsweise selten. Die Kinder erscheinen hier als erste, die die Heiligkeit des Ortes wahrnehmen, bevor die Erwachsenen den Kult übernehmen und baulich festigen. Daneben tritt das verbreitete Motiv des Traumauftrags auf: Ein Kranker erhält im Traum den Auftrag, ein Heiligtum zu errichten oder zu erweitern, und wird dadurch zum Förderer der Wallfahrt.

Die kleine Anlage wurde bald zu eng. Von 1671 bis 1677 entstand daher ein größerer barocker Neubau. Im Jahr 1845 wurde die Kirche nochmals erweitert. Der heutige Bau ist ein barocker Saalbau mit dreijochigem Langhaus, eingezogenem Chor und einem achteckigen Turm. Der Hochaltar stammt im Wesentlichen aus der Zeit um 1850. Mehrere Votivbilder, darunter Stücke aus dem 17. Jahrhundert, erinnern noch an die ältere Wallfahrt.

Die Umbauten des 19. Jahrhunderts bedeuteten allerdings auch einen schweren Verlust. Damals wurden zahlreiche ältere Votivtafeln, Wachsvotive, Krücken und andere Opfergaben entfernt und verbrannt. Gerade die Krücken waren klassische Zeichen einer Heilungswallfahrt: Geheilte Pilger ließen sie als sichtbaren Beweis ihrer Genesung am Gnadenort zurück. Mit der Vernichtung dieser Gegenstände ging ein erheblicher Teil der volkskundlichen Überlieferung verloren, und die Wallfahrt verlor offenbar an Anziehungskraft.

Die Kirche trägt das Patrozinium Mariä Reinigung, das frühere Fest der Darstellung Jesu im Tempel am 2. Februar. Im Zentrum der örtlichen Überlieferung steht jedoch weniger ein bestimmtes Gnadenbild als der heilige Ort selbst, insbesondere das sogenannte Kapellbachl neben der Kirche. Dort soll die Gottesmutter wiederholt gesehen worden sein, wie sie auf einem großen Naturstein kniete und die Windeln des Jesuskindes wusch.

Dem Wasser des Baches wurde deshalb besondere Heilkraft bei Augenleiden zugeschrieben. Die Pilger wuschen ihre Augen mit dem Wasser oder nahmen es mit nach Hause. Damit gehört Hart zu den Tiroler Quell- und Wasserwallfahrten, bei denen Marienverehrung, Heilwasser und eine lokale Erscheinungsüberlieferung miteinander verbunden sind. Die Vorstellung, Maria habe Windeln gewaschen, verleiht der Gottesmutter zugleich ausgesprochen menschliche und mütterliche Züge: Sie erscheint nicht als ferne Himmelskönigin, sondern bei einer alltäglichen häuslichen Arbeit.

Mit der Wallfahrt war der sogenannte Kapellkirchtag verbunden. Die Bezeichnung zeigt, dass die Kapelle nicht nur als individuelles Pilgerziel, sondern auch als Mittelpunkt eines örtlichen Festtages diente. Solche Kapellkirchtage verbanden Gottesdienst, Gelübde, familiäre Wallfahrt, Begegnung und weltliche Unterhaltung. Sie waren damit zugleich religiöse und gesellschaftliche Höhepunkte im bäuerlichen Jahreslauf. Die überlieferte Bezeichnung "Harter Kapell’" verweist auf die starke Verankerung des Heiligtums in der örtlichen Bevölkerung.

Die Umgebung der Kirche wurde 1979 als geschützter Landschaftsteil ausgewiesen. Das Land Tirol begründet dies ausdrücklich mit der Bedeutung der denkmalgeschützten Wallfahrtskirche für das Landschaftsbild. Die Kirche steht in einer offenen Wiesenlandschaft mit Gehölzen und Waldflächen und bildet dadurch einen weithin sichtbaren sakralen Orientierungspunkt oberhalb des Tales.

Ihre volkskundliche Besonderheit liegt in der Verbindung von Kinderfrömmigkeit, Traumoffenbarung, Heilwasser, Augenheilung, marianischer Alltagsnähe und reichem Votivwesen.

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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