Hainzenberg, Filial- und Wallfahrtskirche Maria Rast am Hainzenberg

Schnellüberblick
Wallfahrt:Hainzenberg, Filial- und Wallfahrtskirche Maria Rast am Hainzenberg
Status:Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland.
Kultzentrum:Das Gnadenbild soll eine Bauersfrau in einer Esche gefunden haben.
Ort:Hainzenberg
Region:Tiroler Unterland
Bundesland:Tirol
Lage und Besuch
•Lage: Unterberg 50, 6278 Hainzenberg.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarre Zell am Ziller
•Öffnungszeiten: ganztägig und frei zugänglich.
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•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

• Wallfahrtskirche Maria Rast am Hainzenberg bei Zell am Ziller - mit beiden Türmen vor 1914:

Wallfahrtskirche Maria Rast am Hainzenberg bei Zell am Ziller - mit beiden Türmen vor 1914

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Wallfahrtskirche Maria Rast am Hainzenberg:

Wallfahrtskirche Maria Rast am Hainzenberg, Zillertal

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Gnadenbild Wallfahrtskirche Maria Rast am Hainzenberg:

Gnadenbild Wallfahrtskirche Maria Rast am Hainzenberg, Zillertal

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Kirche liegt oberhalb von Zell am Ziller auf dem Gemeindegebiet von Hainzenberg, im ehemaligen Goldbergbaurevier und nahe dem alten Weg über den Gerlospass. Nach der Pfarrüberlieferung bestand dort bereits im späten Mittelalter eine kleine gotische Kapelle, die von Einheimischen und Reisenden als Andachts- und Raststätte aufgesucht wurde. Sicher belegt ist, dass der Zeller Dekan Christoph Balthasar Merl im Jahr 1658 vom Salzburger Konsistorium die Erlaubnis erhielt, auf dem Hainzenberg eine Marienkapelle zu errichten. Der Bau wurde 1659 ausgeführt; Merl gilt damit als Begründer der Wallfahrt Maria Rast.

Daneben gibt es eine zweite Überlieferung, nach der Maria Rast ursprünglich eine Knappenkapelle der Bergleute des Hainzenberger Goldbergwerks gewesen sei. Das Gnadenbild soll eine Bauersfrau in einer Esche gefunden haben. Die Bergknappen suchten die Kapelle vor ihrer gefährlichen Arbeit auf und baten die Gottesmutter um Schutz. Historisch sicher ist diese Gründungserzählung nicht in allen Einzelheiten, sie zeigt aber, wie eng die Wallfahrt im örtlichen Gedächtnis mit dem Bergbau verbunden ist.

Der Wallfahrtsort wurde bald so stark besucht, dass die kleine Kapelle nicht mehr ausreichte. Die Predigten mussten zeitweise im Freien von einer steinernen Kanzel gehalten werden. Deshalb begann man 1738 mit dem Bau der heutigen größeren Wallfahrtskirche. Die Erzdiözese Salzburg bestätigt ausdrücklich, dass der große Pilgerzustrom den Neubau notwendig machte.

Mit der Wahl des heutigen Bauplatzes verbindet sich eine typische Wallfahrtslegende. Ein Zimmermann soll sich bei den Bauarbeiten verletzt haben; Tauben hätten die blutigen Holzspäne vom zunächst vorgesehenen Standort an den Felsenrand über dem Goldbergwerk getragen. Dies wurde als himmlisches Zeichen verstanden, und man errichtete die Kirche an dieser Stelle. Eine andere Sage erzählt, dass drei weiße Raben ein aufgefundenes Marienbild an den späteren Bauplatz trugen. Beide Fassungen gehören zum bekannten Motiv des Gnadenbildes oder Zeichens, das seinen heiligen Ort selbst bestimmt.

Im Mittelpunkt der Kirche steht das Gnadenbild "Unsere Liebe Frau von Maria Rast". Es handelt sich um eine geschnitzte und bekleidete Muttergottesstatue mit dem Jesuskind, die 1739 in die neue Kirche übertragen wurde. Der prunkvolle Rokokohochaltar wurde 1748 vom Innsbrucker Bildhauer Stefan Föger geschaffen und 1756 zusammen mit der Kirche feierlich eingeweiht. Das Gewand der Gnadenfigur wird entsprechend den kirchlichen Festzeiten gewechselt.

Zur barocken Ausstattung gehören zwei Seitenaltäre: Der linke ist dem hl. Josef, der rechte der hl. Notburga geweiht. Auf dem Notburgaaltar stehen auch die heiligen Katharina und Barbara; Barbara verweist wiederum deutlich auf das bergmännische Umfeld. Außerdem befinden sich in der Kirche eine Darstellung des leidenden Heilands von der Wies, Statuen der Heiligen Blasius und Christophorus sowie zahlreiche Kreuzwegdarstellungen.

Besonders bedeutend ist das Deckengemälde von Josef Michael Schmutzer aus Wessobrunn aus dem Jahr 1741. Es zeigt mehrere Szenen aus dem Leben Mariens, darunter die Heimsuchung, die Anbetung der Hirten, die Darstellung Mariens im Tempel und die Huldigung der Heiligen Drei Könige. Das Patrozinium wird am 2. Juli, dem Fest Mariä Heimsuchung, gefeiert.

Die exponierte Lage über dem ehemaligen Bergwerk wurde der Kirche später beinahe zum Verhängnis. Durch die bergbaulich und geologisch geschwächte Felslage kam es 1914 zu einem schweren Felssturz. Ein Turm und weitere talseitige Bauteile mussten abgetragen werden; die Kirche wurde in den folgenden Jahren gesichert und wiederhergestellt. Noch heute ragt ein Teil des Baues über den Felsen hinaus, was Maria Rast ihr besonders eindrucksvolles Erscheinungsbild verleiht.

Die Wallfahrt ist keineswegs nur historisch. In Maria Rast wird regelmäßig am Samstag eine Marienmesse gefeiert, mittwochs findet ein Rosenkranzgebet statt, und am Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit führt eine Prozession von Zell am Ziller zur Wallfahrtskirche. Besonders wichtig sind die "Goldenen Samstage", die drei Samstage nach dem Fest des Erzengels Michael am 29. September. Dann werden bereits um vier, fünf und acht Uhr früh Gottesdienste gefeiert und Beichtgelegenheit angeboten. Diese Termine werden auch von Gläubigen aus den umliegenden Pfarren besucht.

Von Zell am Ziller führt ein Wallfahrtsweg mit 14 Kreuzwegstationen, einer Lourdesgrotte und einer Ölbergdarstellung zur Kirche hinauf. Der Weg macht den Aufstieg selbst zu einem Teil der Andacht und verbindet Maria Rast mit mehreren Schichten katholischer Frömmigkeit: Marienwallfahrt, Kreuzweg, Lourdesverehrung und Passionsandacht.

Volkskundlich ist Maria Rast besonders interessant, weil hier mehrere Traditionen zusammenkommen: Bergknappenfrömmigkeit, Schutzbitten vor gefährlicher Arbeit, marianische Bildverehrung, Gründungslegenden mit wundersamer Ortswahl und bäuerliche Jahresbräuche der Goldenen Samstage. Der Name "Maria Rast" besitzt dabei eine doppelte Bedeutung: Rast für Reisende am alten Passweg und geistige Ruhe bei der Gottesmutter. Die Pfarre deutet das Heiligtum noch heute ausdrücklich als Ort, an dem Menschen in Unruhe und seelischer Not Frieden finden sollen.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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