| Wallfahrt: | Eben am Achensee, Pfarr- und Wallfahrtskirche zur hl. Notburga |
| Status: | Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland. |
| Kultzentrum: | 1738 wurde der Neubau geweiht und die gefasste Ganzkörperreliquie auf dem Hochaltar aufgestellt. |
| Ort: | Eben am Achensee |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Ebener Straße 100, 6212 Eben am Achensee. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Seelsorgeraum Achental |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Eben am Achensee mit der Pfarr- und Wallfahrtskirche zur hl. Notburga:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
• Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zur hl. Notburga in Eben am Achensee:
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• Portal der Pfarr- und Wallfahrtskirche zur hl. Notburga in Eben am Achensee mit drei Mosaikbildern. Die St. Notburga und zwei Engel mit Blumenkranz und Lilie aus der Innsbrucker Mosaikanstalt Pfefferle aus dem Jahr 1903.
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• Der Kirchenraum der Pfarr- und Wallfahrtskirche zur hl. Notburga in Eben am Achensee.
Der Innenraum ist eine saalartige, gewölbte Halle, deren Gestaltung entweder dem Hofachitekten Georg Anton Gumpp oder Georg Philipp Apeller, ebenfalls Hofbaumeister in Innsbruck, zugeschrieben wird.
Die Stuckaturen gehören der früheren Wessobrunner Art an (F. X. Feichtmeier).
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• Die Reliquie der Hl. Notburga am Hochaltar in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Eben am Achensee.
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• Detailaufnahme der Reliquie der Hl. Notburga am Hochaltar in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Eben am Achensee.
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• Sonderbriefmarke der Österreichschen Post 2008, Hl. Notburga, Volksheilige Tirol, 55 Cent, M. Schulz, R. Trsek:

Bildquelle: Bildarchiv SAGEN.at
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zur hl. Notburga in Eben am Achensee ist das wichtigste Zentrum der Verehrung der hl. Notburga von Rattenberg. Die Diözese Innsbruck bezeichnet Notburga als Tirols einzige Heilige; ihre Gebeine werden in Eben am Hochaltar verehrt.
Am Ort bestand zunächst ein dem hl. Rupert geweihtes Kirchlein. Der früheste sichere Nachweis der Notburgaverehrung stammt aus dem Jahr 1434: In der Weiheurkunde nach einer Erweiterung wird der Bau bereits als "Kapelle zur hl. Notburga" bezeichnet. 1482 erhielten jene einen Ablass, die zum Bau der "Kapelle St. Notpurgis" beitrugen. Nach 1508 wurden Chor und Turm spätgotisch erneuert; 1515 erfolgte die Weihe der Kirche mit drei Altären.
Den entscheidenden Aufschwung nahm die Wallfahrt im frühen 18. Jahrhundert. Im Jahr 1718 wurden die als Gebeine Notburgas verehrten sterblichen Überreste aufgefunden und erhoben. 1735 erteilte der Bischof die Erlaubnis zu ihrer öffentlichen Verehrung. Wegen des wachsenden Pilgerzulaufs wurde von 1736 bis 1738 die heutige barocke Kirche errichtet, wobei der spätgotische Turm und Teile des Presbyteriums erhalten blieben. 1738 wurde der Neubau geweiht und die gefasste Ganzkörperreliquie auf dem Hochaltar aufgestellt.
Äußerlich wirkt die Kirche verhältnismäßig schlicht. Im Inneren entfaltet sich jedoch ein reich ausgestatteter spätbarocker Raum mit kräftigen Pilastern, kuppelartigen Gewölben, feinem Stuck im Übergang vom Barock zum Rokoko und Deckenbildern aus dem Leben Notburgas. Die Fresken zeigen dabei nicht nur Heiligenszenen, sondern auch bäuerliche Arbeit und Landschaften aus der Umgebung von Eben. Gerade dadurch verbindet sich die hohe barocke Kunst unmittelbar mit der ländlichen Lebenswelt, aus der Notburgas Verehrung hervorgegangen ist.
Den Mittelpunkt bildet der monumentale Hochaltar, der wie ein großer Reliquienschrein gestaltet ist. In einer verglasten Nische steht die bekleidete Ganzkörperreliquie der Heiligen aufrecht. Diese ungewöhnliche Präsentation macht deutlich, dass nicht nur ein Bild oder eine Statue, sondern das Grab beziehungsweise die körperliche Gegenwart Notburgas das eigentliche Ziel der Wallfahrt bildet. Der Hochaltar wurde um 1740 geschaffen und später durch Figuren ergänzt, die teilweise Franz Xaver Nißl zugeschrieben werden.
Notburga soll um 1265 in Rattenberg geboren worden und 1313 gestorben sein. Der historische Kern ihres Lebens ist nur schwer zu fassen; ihre Bedeutung beruht wesentlich auf der über Jahrhunderte gewachsenen Legende. Danach diente sie zunächst auf Schloss Rottenburg und versorgte Arme mit Speiseresten. Als sie dabei überrascht wurde, verwandelten sich die Speisen in ihrer Schürze zu Hobelspänen. Später arbeitete sie als Bauernmagd in Eben und bestand darauf, nach dem Abendläuten die Feldarbeit zu beenden. Als der Bauer sie dennoch zum Weiterarbeiten zwingen wollte, soll sie ihre Sichel in die Luft geworfen haben, wo diese an einem Sonnenstrahl hängen blieb.
Auch ihre Bestattung ist sagenhaft ausgeschmückt. Notburga habe verfügt, ihren Leichnam auf einen von Ochsen gezogenen Wagen zu legen und die Tiere frei gehen zu lassen. Das Gespann habe sie über den Inn bis zum Rupertuskirchlein in Eben gebracht, wo sie begraben worden sei. Archäologische Untersuchungen von 1990 ergaben immerhin, dass ein Grab aus der Zeit um 1313 beim mittelalterlichen Vorgängerbau möglich ist; damit wurde die traditionelle Datierung nicht widerlegt.
Volkskundlich ist die Notburgawallfahrt besonders bedeutend, weil hier eine Dienstmagd und bäuerliche Arbeitsheilige verehrt wird. Notburga gilt als Patronin der Dienstboten, Bauern, Armen und der Sonntags- beziehungsweise Feierabendruhe. Das Sichelwunder bringt ein zentrales sozialgeschichtliches Thema zum Ausdruck: Auch abhängige Arbeitskräfte besitzen ein Recht auf Ruhe, Gebet und menschliche Würde. Das Hobelspanwunder wiederum stellt die Versorgung der Armen über die wirtschaftlichen Interessen der Herrschaft. In Notburga verehrten ländliche Unterschichten daher keine fürstliche oder klösterliche Gestalt, sondern eine Frau aus ihrer eigenen Lebens- und Arbeitswelt.
Die Wallfahrt ist bis heute lebendig. Rund um den Gedenktag im September werden in Eben ein Festgottesdienst, die traditionelle Söllerpredigt vom Balkon des Mesnerhauses und eine Prozession gefeiert. Die kirchliche Verehrung wurde 1862 durch Papst Pius IX. offiziell bestätigt. Neben der Kirche befindet sich im ehemaligen barocken Pfarrhaus das Notburga-Museum, das die Geschichte der Heiligen und ihres Kultes dokumentiert.
Die besondere volkskundliche Bedeutung der hl. Notburga liegt in der Verbindung von Dienstbotenfrömmigkeit, bäuerlicher Arbeitswelt, Armenfürsorge, Feierabendrecht und einer bis heute lebendigen lokalen Wallfahrtstradition.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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