| Wallfahrt: | Ebbs, Wallfahrtskirche hl. Nikolaus |
| Status: | Historischer Wallfahrts- und Andachtsort im Tiroler Unterland. |
| Kultzentrum: | Siehe ausführliche Beschreibung. |
| Ort: | Ebbs |
| Region: | Tiroler Unterland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Buchberg 811/2, 6341 Ebbs. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Unterland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Ebbs |
| • | Öffnungszeiten: täglich von 8:00 - 20:00. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die Filial- und Wallfahrtskirche hl. Nikolaus, meist St. Nikolaus am Buchberg oder St. Nikolausberg genannt, steht auf einer weithin sichtbaren Anhöhe nordöstlich von Ebbs im Bezirk Kufstein, Tirol.
Die Kirche steht im Bereich der abgegangenen Burg Ebbs, dem ursprünglichen Sitz der Herren von Ebbs. Die genaue Beziehung zwischen Burg und Kirche ist allerdings vorsichtig zu formulieren. Wahrscheinlich ging der Sakralbau aus einer ehemaligen Burgkapelle hervor oder wurde nach dem Verfall der Burg an deren Stelle errichtet. Die Gemeinde Ebbs fasst die Überlieferung dahingehend zusammen, dass die Burg zum heutigen gotischen Wallfahrtskirchlein umgebaut worden sei. Sicher ist jedenfalls, dass die Kirche der letzte weithin sichtbare Zeuge der einstigen Burganlage auf dem Buchberg ist.
Der heutige Kirchenbau stammt im Wesentlichen aus der Spätgotik und wird gewöhnlich um 1490 beziehungsweise um 1500 datiert. Er besteht aus einem einschiffigen Langhaus, einem eingezogenen Chor und einem hohen, an der Nordseite stehenden Turm mit spitzem Helm. Durch ihre beherrschende Lage über dem Inntal wirkt die kleine Kirche trotz ihrer bescheidenen Größe ausgesprochen monumental.
Das Innere ist besonders wegen seiner weitgehend erhaltenen spätgotischen Raumwirkung bemerkenswert. Chor und Langhaus besitzen ein Rippengewölbe mit figürlich bemalten Schlusssteinen, dazu kommen ornamentale Rankenmalereien und spätgotische Wandmalereien aus dem frühen 16. Jahrhundert. Diese Ausmalung zeigt, dass St. Nikolaus nicht bloß eine einfache ländliche Kapelle war, sondern bereits bei ihrer Errichtung einen hohen religiösen und repräsentativen Rang besaß.
Den Mittelpunkt der Ausstattung bildet der spätgotische Flügel- beziehungsweise Schnitzaltar aus der Zeit um 1500. In seiner Mitte steht der heilige Nikolaus von Myra, der zugleich Patron und Gnadenfigur der Wallfahrt ist. Die Kirche gehört damit nicht zu den in Tirol häufigen Marienwallfahrten; Ziel der Verehrung ist vielmehr ein Heiliger, dessen Schutzbereich traditionell Wasser, Schifffahrt, Reisende, Kinder und Menschen in Not umfasst.
Die Wallfahrt nach St. Nikolaus war früher im unteren Inntal stärker verbreitet, besitzt heute aber überwiegend örtliche und regionale Bedeutung. Als besonderes Wallfahrtsanliegen werden Wassernöte genannt. Gemeint sein können sowohl Gefahren durch Hochwasser und Überschwemmungen als auch Wassermangel und Trockenheit. Gerade in Ebbs, wo das Leben über Jahrhunderte vom Inn, von seinen Überschwemmungsflächen und von der Landwirtschaft geprägt war, ist eine solche Nikolausverehrung gut verständlich.
Volkskundlich ist diese Verbindung besonders aufschlussreich. Der heilige Nikolaus gilt zwar vor allem als Patron der Schiffer und Seefahrer, sein Schutz wurde jedoch auch im Binnenland bei Gefahren durch Flüsse, Hochwasser und Unwetter angerufen. In Ebbs wurde aus diesem allgemeinen Heiligenattribut offenbar ein konkreter regionaler Wallfahrtsbrauch: Die Bevölkerung suchte den erhöht gelegenen Nikolausberg auf, um Schutz vor den zerstörerischen oder ausbleibenden Kräften des Wassers zu erbitten.
Die Lage auf dem ehemaligen Burgberg dürfte die Wirkung des Ortes zusätzlich verstärkt haben. Wallfahrtsstätten auf Anhöhen sind schon durch den beschwerlichen Aufstieg, ihre Absonderung vom Siedlungsraum und den weiten Blick religiös besonders geprägt. In Ebbs verbindet sich diese Höhenlage mit der Erinnerung an die verschwundene Burg, der spätgotischen Kirche und der Schutzfunktion des heiligen Nikolaus. Der Wallfahrtsort besitzt damit zugleich Züge eines Herrschaftsortes, Schutzheiligtums und landschaftlichen Orientierungspunktes.
Dass die Wallfahrt nicht nur historisch war, zeigt ein belegter Bittgang der Ebbser Jungbauernschaft: Dabei führte der Weg von der Pfarrkirche hinauf nach St. Nikolaus und endete mit einem Gottesdienst. Solche örtlichen Bittgänge bilden vermutlich die heutige Fortsetzung der einst wesentlich größeren Wallfahrtstradition.
Die Wallfahrt galt besonders dem Schutz bei Wassernöten und wird heute in örtlichen Bittgängen weitergeführt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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