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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Ulrich steht auf dem Lavanter Kirchbichl bei Lienz in Osttirol. Der Kirchbichl ist ein außergewöhnlicher Sakral- und Siedlungsplatz: Hier befinden sich neben St. Ulrich auch die Kirche St. Peter und Paul, Reste einer spätantiken Höhensiedlung, die freigelegten Mauern einer frühchristlichen Bischofskirche und ein Kreuzweg mit 17 Bildstöcken. Damit ist Lavant nicht nur ein Wallfahrtsort, sondern auch einer der bedeutenden kirchengeschichtlichen Plätze Osttirols. Unter der heutigen St.-Ulrichs-Kirche wurden Reste einer frühchristlichen Vorgängerkirche festgestellt, die in das 5. Jahrhundert datiert wird. Westlich der heutigen Kirche liegen außerdem die Reste einer frühchristlichen Bischofskirche, die wohl schon im 4. oder frühen 5. Jahrhundert errichtet wurde; sie besaß eine Gemeindekirche, eine Taufkapelle und einen eigenen Bereich für Reliquienverehrung. Um 600 dürften Kirche und Siedlung durch herabstürzende Felsbrocken zerstört worden sein. Die heutige Kirche geht in ihrem Kern auf mittelalterliche Vorgängerbauten zurück. Um 1500 wurde sie gotisch erweitert und erneuert; der Turmbau begann 1660 und zog sich etwa drei Jahrzehnte hin. Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt St. Ulrich um 1770 durch eine großzügige barocke Erneuerung unter Thomas Mayr, vulgo "Hatzer", vom Rindermarkt in Lienz. Erhalten blieb dabei auch das gotische Spitzbogenportal, das an die ältere Baugeschichte erinnert. Im Inneren zeigt sich die Kirche deutlich reicher, als die schlichte Außenwirkung zunächst erwarten lässt. Hochaltar, Seitenaltäre und Kanzel sind barock geprägt; die drei Altäre stammen im Kern aus dem Jahr 1668 und wurden in den späteren Kirchenbau übernommen. Die Deckenfresken zeigen unter anderem die Himmelfahrt Mariens, ein Engelskonzert, die Kardinaltugenden und den Kirchenpatron Ulrich als Fürsprecher der Menschheit. Für die Wallfahrt ist besonders das Mariengnadenbild wichtig, weshalb St. Ulrich auch als Wallfahrtskirche "Maria Lavant" verstanden wird. Die Ursprungserzählung der Wallfahrt berichtet von Hirten, die ihre Schafe auf dem Kirchbichl suchten und sie kniend vor einem Marienbild fanden. Als das Bild in den Ort gebracht wurde, sei es am nächsten Tag verschwunden und wieder am ursprünglichen Platz auf dem Kirchbichl gefunden worden. Daraus wurde gedeutet, dass die Gottesmutter gerade an diesem Ort verehrt werden wollte. Solche Erzählungen von einem "selbstgewählten" Gnadenort gehören zu den klassischen Motiven der Wallfahrtsüberlieferung. Volkskundlich besonders bedeutsam ist die Verbindung mit dem Virgentaler Opferwidder. Um 1635 gelobten Virgen und Prägraten während der Pestzeit eine jährliche Prozession nach Lavant, bei der ein weißer Widder mitgeführt und nach dem Gottesdienst zugunsten der Kirche versteigert wurde. Bis nach dem Ersten Weltkrieg führte diese Wallfahrt zum Lavanter Kirchbichl; seit 1920 ist Obermauern das Ziel des Brauches, der 2015 in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. An diese Wallfahrtskultur erinnert in Lavant auch der steinerne Opfertisch, der sogenannte Wurftisch, seitlich des Portals. Zudem wurde der Brauch in Lavant selbst wieder aufgenommen: Am Lavanter Kirchtag, dem zweiten Sonntag nach Ostern, wird ein Widder zur Wallfahrtskirche gebracht, geweiht und verlost. Auch die Dekanatswallfahrt nach Maria Lavant am 1. Mai und weitere Wallfahrten in den Sommermonaten zeigen, dass der Ort bis heute nicht nur historisch, sondern auch religiös lebendig ist. |
| | Lage: Lavant 840, 9906 Lavant. |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Osttirol/Bezirk Lienz |
| | Ansicht in Street View |
| | Web: Pfarre Lavant |
| | Geöffnet: |
| | Außenansicht: |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie |
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |