| Wallfahrt: | Marienwallfahrt zu "Unsere Liebe Frau im Moos" mit Wetterbittgängen. |
| Status: | Historischer regionaler Wallfahrtsort mit gut belegter Ablass- und Bittgangstradition. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Strahlenkranzmadonna mit dem Jesuskind im Hochaltar. |
| Besonderheit: | Päpstlicher Ablass und gemeinschaftliche Wetterbittgänge prägen die Wallfahrtsgeschichte. |
| Ort: | Asch bei Anras. |
| Bezirk: | Lienz / Osttirol. |
| Bundesland: | Tirol. |
| • | Lage: neben Asch 51, 9912 Anras. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Osttirol/Bezirk Lienz |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Anras - SR Abfaltersbach-Anras-Strassen |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Am oberen Rand des Dorfes Asch steht eine ungewöhnlich reich ausgestattete Marienkirche, deren Wallfahrt weniger durch eine spektakuläre Gründungslegende als durch ein spätgotisches Gnadenbild, einen päpstlichen Ablass und große gemeinschaftliche Wetterbittgänge geprägt wurde.
Der erste Kirchenbau entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts in gotischer Form. Von ihm blieb beim späteren Umbau der ältere Kern erhalten. In den Jahren 1764 und 1765 erweiterte und barockisierte der Lienzer Baumeister Thomas Mayr das Gotteshaus. Die Gewölbemalereien entstanden 1765 und werden Josef Anton Zoller zugeschrieben, der in dieser Zeit mehrere Kirchen und Kapellen Osttirols ausmalte.
Der barocke Ausbau dürfte nicht nur dem Zeitgeschmack entsprochen haben. Die Größe und reiche Ausstattung lassen sich auch als Reaktion auf den bestehenden Wallfahrtsbetrieb verstehen. Eine kleine Dorfkirche musste nun größere Gruppen von Bittgängern aufnehmen und dem Gnadenbild einen würdigen architektonischen Rahmen geben.
Rechts neben dem Eingang befindet sich der Gedenkstein für Jörg Waldauf, den Vater des späteren Ritters Florian Waldauf von Waldenstein. Florian Waldauf stand im Dienst Kaiser Maximilians I. und war ein bedeutender Reliquiensammler und Stifter. Für die Ascher Kirche erreichte er einen päpstlichen Ablass, der ihren Besuch religiös aufwertete und wesentlich zur Ausbildung der Wallfahrt beigetragen haben dürfte.
Im Mittelpunkt des Hochaltars steht eine spätmittelalterliche beziehungsweise spätgotische Strahlenkranzmadonna mit dem Jesuskind, die als Gnadenbild verehrt wird. In einer neueren örtlichen Darstellung trägt sie den Namen:
"Unsere Liebe Frau im Moos"
Eine ältere landeskundliche Beschreibung datierte die Muttergottesfigur noch an das Ende des 14. Jahrhunderts; die heutige örtliche Darstellung bezeichnet sie vorsichtiger allgemein als spätgotisch. Ohne eine aktuelle kunsthistorische Einzeluntersuchung würde ich deshalb auf eine genaue Jahreszahl verzichten.
Die Madonna erscheint innerhalb eines Strahlenkranzes als Himmelskönigin und zugleich als mütterliche Trägerin des Kindes. Das Bild verbindet damit zwei Vorstellungen: Maria ist erhöht und dem Himmel zugehörig, bleibt aber durch das Kind den Menschen nahe. Diese Verbindung passt besonders gut zum Patrozinium Mariä Himmelfahrt.
Der Beiname "im Moos" ist volkskundlich reizvoll, wird in den zugänglichen Quellen jedoch nicht erklärt. Es lässt sich derzeit nicht sicher feststellen, ob er auf einen älteren Aufstellungsort, einen Flurnamen oder eine lokale Überlieferung zurückgeht. Eine Geschichte vom Fund der Madonna in einem Moor oder feuchten Gelände sollte daher ohne zusätzlichen Nachweis nicht erzählt werden.
Überhaupt konnte ich für Asch keine belastbare klassische Gründungslegende – etwa vom Auffinden, Zurückkehren oder wunderbaren Überleben des Bildes – nachweisen. Die Wallfahrt scheint historisch stärker durch das bereits verehrte Marienbild, den Ablass und die gemeinschaftlichen Bittgänge gewachsen zu sein.
Der Kirchenbau verbindet den gotischen Ursprung mit einer festlichen barocken Umgestaltung. Der Turm mit seiner Zwiebelhaube beherrscht das Ortsbild von Asch; das Langhaus öffnet sich zu einem hellen, reich gegliederten Innenraum.
Hochaltar, Seitenaltäre und Gewölbemalereien bilden ein geschlossenes marianisches Programm. Die spätgotische Madonna wurde dabei nicht durch ein barockes Altarbild ersetzt, sondern als älteres Kultzentrum in die neue Ausstattung aufgenommen. Der Barockaltar wirkt deshalb wie eine große Schaubühne für das wesentlich ältere Gnadenbild.
Die Deckenmalereien Josef Anton Zollers begleiten die Verehrung Mariens mit einer bewegten, lichten Bildwelt. Architektur, Malerei und Altäre lenken den Blick auf jene himmlische Erhöhung, die bereits im Patrozinium Mariä Himmelfahrt zum Ausdruck kommt. Die barocke Ausstattung verwandelt den vergleichsweise kleinen Dorfraum dadurch in einen ausgesprochen festlichen Wallfahrtsraum.
Das volkskundlich wichtigste Merkmal der Ascher Wallfahrt waren offenbar die großen Wetterbitten bei anhaltender Trockenheit. Nach der Gemeindegeschichte kamen dazu wiederholt mehr als tausend Menschen aus Anras und den umliegenden Pfarren.
In einer bäuerlich geprägten Region konnte ausbleibender Regen die gesamte Lebensgrundlage bedrohen. Heu, Getreide, Weideflächen und Viehhaltung hingen unmittelbar von der Witterung ab. Eine längere Trockenperiode war deshalb nicht nur ein privates Problem einzelner Bauern, sondern eine Gefahr für das ganze Dorf und die benachbarten Gemeinden.
Der Bittgang machte diese kollektive Not sichtbar. Die Menschen verließen ihre Pfarren, gingen gemeinsam nach Asch und brachten die Sorge vor das Gnadenbild. Prozessionskreuz, Fahnen, Glocken, Rosenkranz und Litaneien verwandelten die wirtschaftliche Bedrohung in eine geordnete religiöse Handlung.
Volkskundlich erfüllte die Wetterwallfahrt mehrere Funktionen:
Dabei darf die Wallfahrt nicht als bloßer Versuch verstanden werden, das Wetter magisch zu erzwingen. Im kirchlichen Sinn bat man um göttliche Hilfe und bekannte zugleich die menschliche Abhängigkeit von Natur und Schöpfung.
Für Asch ist der päpstliche Ablass besonders bedeutsam. Ein Ablass war kein Versprechen auf ein Wunder und auch keine automatische Sündenvergebung. Er war an bestimmte religiöse Handlungen gebunden, etwa Kirchenbesuch, Gebet, Beichte, Kommunion oder eine Gabe für das Gotteshaus.
Für einen kleinen Ort konnte ein solcher Ablass den entscheidenden Anstoß zur Wallfahrt geben. Er setzte einen kirchlich anerkannten Besuchsanreiz, brachte Menschen aus einem größeren Einzugsgebiet zusammen und verlieh dem Gnadenort überregionale Bekanntheit.
Asch zeigt daher eine andere Entstehungsform als jene Wallfahrtsorte, die sich auf eine Marienerscheinung oder ein spektakuläres Mirakel berufen. Hier wirkten offenbar mehrere Faktoren zusammen:
Das Patrozinium wird am 15. August, dem Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel, gefeiert. Mit diesem Fest ist im Alpenraum traditionell die Segnung von Kräuterbüscheln verbunden. Ob und in welcher konkreten Form die Kräuterweihe in Asch historisch gepflegt wurde, konnte ich in den verfügbaren örtlichen Quellen allerdings nicht feststellen.
Für die Deutung des Gnadenbildes ist das Fest dennoch wichtig. Die Strahlenkranzmadonna erscheint bereits als jene Frau, die über die irdische Welt erhöht und von himmlischem Licht umgeben ist. Patrozinium, Bildtypus und barocke Ausstattung greifen daher eng ineinander.
Die besondere Bedeutung von Asch liegt in der Verbindung von persönlicher Marienverehrung und gemeinschaftlicher Krisenbewältigung.
Vor dem Gnadenbild konnten einzelne Menschen mit Krankheiten, familiären Sorgen oder persönlichen Bitten erscheinen. Die großen Wetterwallfahrten richteten sich hingegen auf eine Gefahr, die alle betraf. Maria wurde damit sowohl als persönliche Helferin als auch als Beschützerin einer ganzen bäuerlichen Region angerufen.
Auch der Name "Unsere Liebe Frau im Moos" zeigt eine vertraute, ortsgebundene Form der Marienverehrung. Nicht eine abstrakte Himmelskönigin wurde angerufen, sondern "unsere" Frau an einem bestimmten Platz. Der lokale Beiname machte das allgemein katholische Marienbild zum eigenen Gnadenbild der Bevölkerung.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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