| Wallfahrt: | Die Heilig-Blut-Kapelle befindet sich im Zisterzienserstift Stams im Tiroler Oberland. |
| Status: | Historischer Wallfahrtsraum im Stift Stams. |
| Kultzentrum: | Heilig-Blut-Reliquie und barocke Verehrung Mariens als Mutter vom Guten Rat. |
| Ort: | Stams |
| Landesteil: | Tiroler Oberland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Stiftshof 1, 6422 Stams. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Stift Stams – Zisterzienserabtei Stift Stams |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Heilig-Blut-Kapelle befindet sich im Zisterzienserstift Stams im Tiroler Oberland. Das Stift selbst wurde 1273 von Graf Meinhard II. von Görz-Tirol gegründet und war als Grablege der Tiroler Landesfürsten gedacht; damit gehört Stams zu den bedeutenden geistlichen und landesgeschichtlichen Orten Tirols. Die Heilig-Blut-Kapelle ist innerhalb dieses großen Stiftskomplexes ein eigener Wallfahrtsraum, dessen Bedeutung aus zwei Verehrungen erwuchs: aus der mittelalterlichen Verehrung einer Heilig-Blut-Reliquie und aus der barocken Wallfahrt zu Maria, Mutter vom Guten Rat.
Der ältere Ursprung führt in das frühe 14. Jahrhundert. Um 1300 stiftete der Adelige Rupert Milser dem Kloster mehrere Güter und ließ als Begräbnisstätte für sich und seine Nachkommen eine Kapelle an die Stiftskirche anbauen. Diese Kapelle wurde 1306 zur Ehre des Heiligen Altarsakraments geweiht. Um dieselbe Zeit kam auch die Reliquie des kostbaren Blutes nach Stams: Nach der Überlieferung handelte es sich um Erde aus dem Heiligen Land, die mit dem Blut Christi befeuchtet gewesen sein soll.
Diese Reliquie wurde zunächst sehr verehrt, geriet später aber in Vergessenheit. Erst im 17. Jahrhundert wurde sie wieder stärker beachtet: Beim Ordnen alter Urkunden fand P. Wolfgang Lebersorg ein Mirakelbuch mit einem Hinweis auf die Reliquie, worauf sie wiedergefunden und 1630 in einer besonders feierlichen Prozession in die Blutskapelle eingesetzt wurde. Damit erhielt die ältere Heilig-Blut-Verehrung neuen Auftrieb. Seit 1718 besteht zudem eine Bruderschaft zum Heiligen Blut.
Die heutige Heilig-Blut-Kapelle entstand in den Jahren 1715 bis 1717 anstelle der älteren Oswald-Milser-Kapelle. Der Neubau wurde nach Plänen von Georg Anton Gumpp errichtet; der Raum besitzt ein zweijochiges Langhaus und einen erhöhten Kuppelraum. Die Kapelle wurde 1716/17 von Mathias Pussjäger aus Meran ausgemalt, später 1800/01 durch Joseph Schöpf aus Telfs neu ausgemalt. Der Mittelpunkt blieb die Heilig-Blut-Reliquie, die in einer kostbaren Monstranz aufbewahrt wird.
Zur Heilig-Blut-Wallfahrt kam im Barock die Verehrung von Maria, Mutter vom Guten Rat hinzu. Im Mai 1757 erhielt die Kapelle eine Kopie des Gnadenbildes von Genazzano bei Rom; es handelte sich um eine sogenannte Berührungsreliquie, also um ein Bild, das mit dem verehrten Original in Berührung gebracht worden war. Unter Abt Rogerius Sailer wurde dieses Gnadenbild in Stams eingeführt und machte die Kapelle zu einer "doppelten Wallfahrt": zum Kostbaren Blut Christi und zur Mutter vom Guten Rat.
Die 1757 gegründete Marienbruderschaft zur Mutter vom Guten Rat soll bis zu 8.000 eingeschriebene Mitglieder gezählt haben. Von Stams aus verbreiteten sich weitere Kopien dieses Gnadenbildes in zahlreiche Klöster, Kirchen und Kapellen in Nordtirol, Südtirol und der Innerschweiz. Das zeigt, dass Stams nicht nur ein Ort der Aufnahme eines fremden Gnadenbildes war, sondern selbst zu einem Ausstrahlungszentrum der Guten-Rat-Verehrung wurde.
Volkskundlich besonders aufschlussreich sind die überlieferten Heilungs- und Gebetserhörungsberichte. Eine ältere fromme Sammlung berichtet etwa von Kranken, die sich zur Mutter vom Guten Rat nach Stams verlobten, vom Öl der Lampe vor dem Gnadenbild Gebrauch machten oder nach einer Messe und einem Gelübde Hilfe erfuhren. Genannt werden Halsleiden, Fieber, Blindheit, schwere Stürze, Geburtsnot und sogar Viehseuchen. Solche Berichte zeigen sehr deutlich, dass die Wallfahrt nicht nur theologisch verstanden wurde, sondern in den Alltag der Menschen hineinwirkte: Krankheit, Angst, Geburt, Viehbestand und Familiennot wurden vor das Gnadenbild getragen.
Auch Wallfahrtsmedaillen belegen die doppelte Verehrung in Stams. Eine Medaille aus dem 18. Jahrhundert zeigt auf der Vorderseite das Gnadenbild der Mutter vom Guten Rat in Stams, auf der Rückseite das Heilig-Blut-Reliquiar. Das ist volkskundlich sehr schön, weil solche Medaillen Wallfahrt im Kleinen weitertrugen: Wer sie besaß, nahm ein sichtbares Andenken an den Gnadenort mit nach Hause.
Bis heute besitzt die Heilig-Blut-Kapelle eine liturgische Bedeutung. Das Stift Stams nennt als jährlichen Brauch den feierlichen Umzug mit der Heilig-Blut-Reliquie durch das ganze Dorf am ersten Sonntag im Mai. Die Kapelle dient außerdem weiterhin für Eucharistiefeiern, Taufen, Hochzeiten und Andachten. Damit ist der Ort nicht nur historisches Denkmal, sondern ein weiterhin genutzter Sakralraum.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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