Nauders, Filialkirche Mariahilf

Die Filialkirche Mariahilf befindet sich im Zentrum von Nauders. Sie ist ein Kapellenbau aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, geweiht 1659.

Ein schlichter Außenbau mit nordseitigem Turm 4geschossig gegliedert, barocke Fenster und Blendfelder, hohe geschweifte Schallfenster, Dreieckgiebel, Laterne und Pyramidenhelm. An der Westfassade Eckpilaster, Portal mit Kämpfergesimsen und Keilstein.

Langhaus 3jochig, Gurtbogentonne über Gesimse, Pilastergliederung; eingezogener Triumphbogen. Chor annähernd quadratisch, Platzlgewölbe, Gesims mit Stuckdekor. Rechteckfenster und Achteck-Oberlichte. Vierpaßförmige Stuckfelder Mitte 17. Jahrhundert in Langhaus und Chor. Hölzerne Empore. (Dehio-Tirol)

Die Mariahilf-Kirche an der alten Hauptstraße durch das Dorf ist ein großer frühbarocker Kapellenbau aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Sie wurde 2. Juli 1659 geweiht. Der schlichte Bau hat einen nordseitigen, viergeschossig gegliederten Turm mit Pyramidenhelm. Das Langhaus ist dreijochig und ist mit einem annähernd quadratischen Chor abgeschlossen. Bau und Einrichtung bilden eine stilistische Einheit und bestechen durch ihre schlichte, aber gediegene Ausführung. Der reich vergoldete barocke Hochaltar, entstanden um 1730/40, hat ein Altarblatt mit einer Darstellung des von Engeln getragenen Mariahilf-Bildes. Seitlich stehen Statuen des hl. Martin mit der Gans und des hl. Antonius des Einsiedlers. An der Nordwand hängt ein Bild der hl. Notburga im Gebet, bezeichnet P I G (Philipp Jakob Greil?), 1772, im barocken Schnitzrahmen. Nach der Überlieferung stammt das Notburgabild aus der Kapelle des Norbertshofes auf Lawerz, der in der Zeit der Franzosenkriege, 1810, abgebrochen werden musste. An der Südwand befindet sich ein Bild mit der hl. Dreifaltigkeit mit der Stifterfamilie. Der Nauderer Freisasse Ulrich Pinggera stiftete die Mariahilf-Kirche zum Dank für die Errettung aus Mörderhand und aus Feuer- und Wassergefahr. Er ließ die Kirche in seinem Frühgarten bauen. Im Turm hängt eine Glocke von Hans Christoph Löffler, gegossen 1571.
Die Kirche wurde beim großen Brand 1880 arg verwüstet und wieder hergerichtet. Pfarrer Franz Senn ließ die Kirche wieder "hübsch decorieren" (Tinkhauser, Beschreibung der Diözese Brixen). Jährlich wurden in der Mariahilf-Kirche mehrere Stiftämter und Messen gelesen. Heute finden nur mehr fallweise Gottesdienste statt.

Rechts neben der Kirche steht seit 1980 ein Denkmal für Pfarrer Franz Senn, den Mitbegründer des deutschen und österreichischen Alpenvereins. Er war von 1872 bis 1881 Pfarrer in Nauders. Als Kurat von Vent im Ötztal setzte sich Pfarrer Senn sehr für den Ausbau eines bescheidenen Tourismus und für das Bergführerwesen ein ("Gletscherpfarrer von Vent"). Pfarrer Franz Sonn starb 1884 in Neustift. (schreibmaschinenschriftlicher Aushang in der Kirche)

Lage: Dr.-Tschiggfrey-Straße (ca. Nr. 33), 6543 Nauders.
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Ansicht in Street View
Web: Pfarre Nauders
Geöffnet: meist untertags geöffnet.
Außenansicht Nauders Filialkirche Mariahilf:

Nauders, Filialkirche Mariahilf - Kirchenraum

Bildquelle: SAGEN.at

Mariahilf-Darstellung am Portal der Kirche über dem Eingang:

Nauders, Filialkirche Mariahilf - Kirchenraum

Bildquelle: SAGEN.at

Kirchenraum:

Nauders, Filialkirche Mariahilf - Kirchenraum

Bildquelle: SAGEN.at

Hochaltar mit Gnadenbild Mariahilf:

Barocker Hochaltar um 1730/40, Altarblatt mit Darstellung des von Engeln getragenen Mariahilf-Bildes, seitlich Statuen Hll. Martin und Antonius Eremit. (Dehio-Tirol)

Nauders, Filialkirche Mariahilf - Kirchenraum

Bildquelle: SAGEN.at

Detailaufnahme Gnadenbild Mariahilf:

Nauders, Filialkirche Mariahilf - Kirchenraum

Bildquelle: SAGEN.at

Votivbild des Ulrich Pinggera, Stifter der Kirche aus der Mitte des 17. Jahrhunderts:

Darstellung des Mariahilf-Bildes zwischen den Hll. Martin und Antonius, der Hl. Dreifaltigkeit und der Stifterfamilie.

Inschrift:

"Dem allmächtigen Gott zum höchsten Lob, Ehr, Preis und Dank, dass er mich, Ulrich Pinggera, Inhaber der Freysässen zu Nauders, dermaßen (ebenso) zu
Schlanders, große, reichliche Gaben und Guden (Anm: Gutes?) mitgeteilt, und das Alter von 65 Jahren erleben lassen hat.
Auch dass ich in solcher Zeit durch Fürbitte der heiligen Jungfrau Maria Hilfe, auch von den Feuers- und Viehpatronen St. Martin und St. Anton, vor vielen
und höchsten Gefahren des Leibes und Lebens erhalten habe, als:
1. ist zweimal das Feuer in meinen Häusern ausgebrochen,
2. im Kriegswesen Tag und Nacht,
3. bin ich dreimal - einmal in den Inn unter Häfing (Anm: vermutlich Halfing im Raum Chiemsee), zweimal
auf Plauser-Moos in die Etsch, jedesmal vom Pferd gestürzt.
4. bin ich unter die Mörder gekommen: ob Bozen unter St. Gossmann, in der Latschander unter Latsch auf der stiebenden Rain ob Rabland und mittern See
beim Kalchofen, gegen welchen ich mich samt meinen Knechten zur Gegenwehr gestellt und
5. von den Banditen eine halbe Tagreis von Verona gefangen und ausgeplündert worden.

Habe ich diese Kirche hierher in meinen schönen Frühgarten mit der Hilfe Gottes erbaut, fundiert und dotiert, auch dabei sonderbare Stiftungen aufgerichtet. Alles um meiner und der meinigen Seelenheil willen, auch zum Gedächtnis meiner lieben Eltern und Nachkommen.
So wollen alle diejenigen, welche dieses Gotteshaus aus Andacht zu besonderer Hilf heimsuchen, hoffentlich nicht ungetröstet gelassen werden, inmaßen
dann schon viele große Wunderzeichen allda geschehen sind.
Gott wolle allen den Deinigen wie obgemelt, hier ein zeitlich seliges Ende und dort die ewige kindliche Freud mitteilen und verleihen. Amen!"

Nauders, Filialkirche Mariahilf - Votivbild des Ulrich Pinggera

Bildquelle: SAGEN.at

Leinwandbild der hl. Notburga im Gebet:

bezeichnet P I G (Philipp Jakob Greil?), 1772 mit barockem Schnitzrahmen.

Nauders, Filialkirche Mariahilf - Kirchenraum

Bildquelle: SAGEN.at


Pestkreuz Ende 17. Jahrhundert:

Nauders, Filialkirche Mariahilf - Kirchenraum

Bildquelle: SAGEN.at

Literatur zur Wallfahrt:
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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