Landeck, Zappenhofkapelle

Schnellüberblick
Wallfahrt:Landeck: Zappenhofkapelle, Mutter der Barmherzigkeit, spätgotische Marienstatue, Rosenkranz aus Gewehrkugeln und Heimkehrerfrömmigkeit.
Status:Kleiner lebendiger Gnadenort mit Rosenkranzandachten und lokaler Wallfahrtstradition.
Kultzentrum:Spätgotische "Mutter von der Barmherzigkeit" um 1470 mit Rosenkranz aus Gewehrkugeln.
Ort:Landeck / Zappenhof
Landesteil:Tiroler Oberland
Bundesland:Tirol
Lage und Besuch
•Lage: Perfuchsberg 7, 6500 Landeck.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarre Landeck-Bruggen
•Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich.
Direkt zum Inhalt
•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.

Foto von Wallfahrtskirche einsenden

Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.

Ausführliche Beschreibung

Die Zappenhofkapelle liegt in Landeck, im Waldgebiet zwischen Perfuchsberg und Tobadill, beim Zappenhof. Sie gehört nicht zu den großen bekannten Tiroler Wallfahrtskirchen, sondern zu jenen kleinen, stillen Gnadenorten, die gerade durch ihre Abgeschiedenheit und lokale Bindung wichtig sind. Es handelt sich um eine Kapelle, die sogar in alten Wallfahrtsbüchern als eigene Wallfahrt genannt wurde.

Die genaue Entstehungszeit der alten Kapelle ist nicht bekannt. Die Pfarre schreibt, sie sei "seit alters her" eine kleine Kapelle gewesen; ursprünglich handelte es sich offenbar um eine Holzkapelle. Als diese stark baufällig geworden war, wurde die spätgotische Muttergottesstatue zeitweise in die Burschlkirche gebracht. 1992 entschloss sich die Besitzerfamilie Ennemoser, eine neue Kapelle zu errichten.

Im Mittelpunkt der Verehrung steht die Gottesmutter unter dem Patronat "Mutter von der Barmherzigkeit"; ihr Fest wird am 4. Juni genannt. Besonders bemerkenswert ist die überlebensgroße, spätgotische Marienstatue: Sie ist etwa 1,85 Meter hoch und wird aufgrund neuerer Restaurierungserkenntnisse um 1470 datiert. Damit besitzt dieser kleine Waldort ein erstaunlich altes und bedeutendes Gnadenbild.

Über die Frage, wie diese große Statue überhaupt in die Kapelle am Zappenhof kam, sind nach Angabe der Pfarre verschiedene Legenden im Umlauf. Gerade das passt gut zu solchen kleinen Wallfahrtsorten: Das Gnadenbild ist nicht nur Kunstwerk, sondern Anlass von Erzählungen, Vermutungen und lokaler Erinnerung. Die Kapelle wirkt dadurch wie ein Ort, an dem Geschichte, Sage und persönliche Frömmigkeit ineinander übergehen.

Volkskundlich besonders stark ist der Rosenkranz aus Gewehrkugeln, den die Muttergottes in Händen trägt. Er wurde von einem Landecker Soldaten aus Dank für die Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg beziehungsweise aus Kriegsgefangenschaft gefertigt. Dadurch bekommt die Zappenhofkapelle eine deutliche Kriegs- und Heimkehrerfrömmigkeit: Maria wird hier als Helferin in Not, Gefahr, Krieg und Todesangst angerufen.

Die Pfarre erwähnt ausdrücklich, dass die Wallfahrt zur Mutter der Barmherzigkeit besonders in und nach Kriegszeiten gepflegt wurde. Das zugehörige Gebet bittet Maria um Hilfe, wenn menschliche Hilfe versagt, und schließt auch das Gedenken an die im Krieg Gefallenen ein. Damit ist die Zappenhofkapelle nicht nur ein Marienort, sondern auch ein kleiner Erinnerungsort für Kriegserfahrung, Heimkehr, Dankbarkeit und Totengedenken.

Heute wird die Kapelle wieder von Betern aufgesucht; die Familie Ennemoser bietet nach Angaben der Pfarre regelmäßige Rosenkranzandachten an. Das ist für einen so kleinen Gnadenort besonders wichtig: Die Zappenhofkapelle lebt nicht durch touristische Bekanntheit, sondern durch stille, örtliche Andacht und private Pflege weiter.

Literatur zur Wallfahrt

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at