| Wallfahrt: | Landeck: Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Gnadenbild Maria im finsteren Walde, Rosenkranzbruderschaft, Wallfahrt und Kirchenbausage. |
| Status: | Historische Marienwallfahrt; Gnadenbild und Wallfahrtstradition sind in der heutigen Pfarrkirche erhalten. |
| Kultzentrum: | Gnadenbild "Maria im finsteren Walde", Marienstatue aus dem frühen 14. Jahrhundert. |
| Ort: | Landeck |
| Landesteil: | Tiroler Oberland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: gegenüber Schulhausplatz 4, 6500 Landeck. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Landeck Maria Himmelfahrt |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Außenansicht Pfarrkirche Unsere Liebe Frau Mariae Himmelfahrt in Landeck, Tirol:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landeck, auch Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt genannt, steht erhöht am Südostrand der Stadt und ist vom Friedhof umgeben. Sie gehört heute zum Dekanat Zams in der Diözese Innsbruck und ist auf Unsere Liebe Frau Mariä Himmelfahrt geweiht. Schon ihre Lage ist für Landeck prägend: Die Kirche steht nicht versteckt im Talboden, sondern als weithin sichtbarer Sakralbau über der Stadt, nahe den alten Verkehrswegen des Oberinntales, wo sich Wege Richtung Reschen, Arlberg und Inntal kreuzen.
Die älteste urkundliche Erwähnung führt in das Jahr 1270 zurück. Die Pfarre Landeck nennt damals eine Kapelle zu "Unserer Lieben Frau vom finsteren Walde"; diese alte Bezeichnung ist für die Wallfahrtsgeschichte besonders wichtig, weil sie auf eine frühe Marienverehrung an einem damals wohl noch waldnahen oder einsameren Ort verweist. Die heutige Stadtpfarrkirche und ihre Vorgängerinnen waren nach eigener Darstellung der Pfarre in früheren Zeiten beliebte Wallfahrtskirchen.
Baugeschichtlich ist die Kirche außerordentlich bedeutend. Die romanische Vorgängerkirche dürfte bald zu klein geworden sein; die heutige spätgotische Kirche war 1471 im Bau, das Langhaus wurde 1493, der Chor 1521 geweiht. Als Meister der Landecker Bauhütte werden Hans Schedler, Meister Balthasar und Christian Frey genannt. Besonders bemerkenswert ist, dass die Kirche als einzige erhaltene basilikale gotische Anlage Nordtirols gilt: Sie besitzt niedrigere Seitenschiffe und ein höheres Mittelschiff, also eine für Tirol ungewöhnliche dreischiffige Raumform.
Im Zentrum der Wallfahrtsbedeutung steht das Gnadenbild "Maria im finsteren Walde". Nach Angaben der Pfarre stammt diese Marienstatue nachweislich aus dem frühen 14. Jahrhundert und befindet sich heute am Hochaltar. Damit beruht die Landecker Wallfahrt nicht auf einer spätbarocken Mode oder einer neuzeitlichen Erscheinung, sondern auf einer sehr alten Marienfigur, deren Verehrung tief in die mittelalterliche Geschichte des Ortes zurückreicht.
Besonders wichtig wurde Landeck als Ort der Rosenkranzbruderschaft. 1575 errichtete der Zammer Pfarrer Erasmus Stainer hier die erste Rosenkranzbruderschaft der Diözese Brixen; das ist bemerkenswert, weil Landeck damals rechtlich noch zur Mutterpfarre Zams gehörte und erst 1623 Kuratie sowie 1891 eigenständige Pfarre wurde. Die Bruderschaft gilt bis heute als seit 1575 bestehend und wurde 2018 feierlich neu errichtet beziehungsweise neu belebt.
Volkskundlich ist diese Rosenkranzbruderschaft sehr wichtig. Rosenkranzbruderschaften waren Laiengemeinschaften, die das Rosenkranzgebet pflegten, Bruderschaftsgottesdienste feierten, Altäre stifteten und durch Prozessionen, Gebetsgemeinschaft und Andachtsbilder die Marienverehrung im Alltag verankerten. Für Landeck bedeutet das: Die Wallfahrt war nicht nur ein einzelnes Gnadenbild, sondern auch ein organisierter Gebets- und Gemeinschaftszusammenhang, der über Jahrhunderte weiterwirkte.
Ein besonders anschauliches Ereignis war der Jubiläums-"Rosari-Umgang" von 1766, bei dem das Gnadenbild "Maria im finsteren Walde" feierlich vom rechten Seitenaltar zum Hochaltar übertragen wurde. Die Pfarre vermutet, dass daran auch die Mitglieder der Rosenkranzbruderschaft beteiligt waren. Solche Umgänge sind volkskundlich sehr wertvoll, weil sie zeigen, wie ein Gnadenbild nicht nur im Kirchenraum verehrt, sondern auch durch Prozession und gemeinsames Schauen in das religiöse Gedächtnis der Gemeinde eingeschrieben wurde.
Zur Ausstattung gehört der bedeutende Schrofensteinaltar, ein spätgotischer Flügelaltar um 1520, der mit Ritter Oswald von Schrofenstein verbunden ist. In der Kirche befindet sich auch seine Gruftplatte; bei jüngeren Grabungen wurde im vermutlichen Grab des Stifters ein Betkranz aus Holzringen und Hohlperlen gefunden, eine Art Vorläufer des Rosenkranzes. Das passt erstaunlich gut zur späteren Rosenkranzfrömmigkeit und macht die Kirche auch für die Geschichte privater Andacht und Gebetspraxis interessant.
Die Kirchenbausage von Landeck: Nach der Überlieferung wurde der begonnene Kirchenbau nachts immer wieder von Teufeln zerstört. Erst als Riesen durch das Land kamen und den Bauleuten halfen, konnten die Teufel abgewehrt werden; am Ende setzten die Riesen den Hahn der Wachsamkeit auf die Kirchturmspitze. Diese Sage erklärt den Kirchenbau nicht historisch, sondern mythisch: Ein heiliger Bau entsteht gegen dämonischen Widerstand, mit Hilfe übermenschlicher Kräfte.
Auch eine andere örtliche Überlieferung wird mit der Kirche verbunden: Es gibt eine Legende von geraubten Kindern einer Familie, die von einem Wolf und einem Bären zurückgebracht wurden und in der Pfarrkirche dargestellt ist. Solche Tier- und Rettungsmotive passen gut in das volkskundliche Umfeld eines alten Gnadenortes, an dem Schutz, Bewahrung und göttliche Hilfe anschaulich erzählt wurden.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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