Längenfeld, Kaplanei- und Wallfahrtskirche Maria Hilf in Gries im Sulztal

Schnellüberblick
Wallfahrt:Gries im Sulztal bei Längenfeld: Wallfahrtskirche Maria Hilf, Cranach-Gnadenbild, Gründungslegende, Wetterfrömmigkeit und Votivbilder.
Status:Historischer und weiterhin religiös genutzter Mariengnadenort im Sulztal.
Kultzentrum:Mariahilf-Gnadenbild am Hochaltar, eine Kopie des berühmten Cranach-Bildes.
Ort:Längenfeld / Gries im Sulztal
Landesteil:Tiroler Oberland
Bundesland:Tirol
Lage und Besuch
•Lage: gegenüber Gries 4, Gries im Sulztal, 6444 Längenfeld.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland
•Ansicht in Street View
•Web: Seelsorgeraum Längenfeld-Huben-Gries
•Öffnungszeiten: täglich von 8:00 - 18:00.
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Wallfahrtskirche Maria Hilf in Gries im Sulztal, Längenfeld, Tirol

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Mariahilf-Bild am Hauptaltar Kirche Maria Hilf in Gries im Sulztal:

Mariahilf-Bild am Hauptaltar Kirche Maria Hilf in Gries im Sulztal

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Kaplanei- und Wallfahrtskirche Maria Hilf in Gries steht in Gries im Sulztal, einer hochgelegenen Fraktion der Gemeinde Längenfeld im Ötztal. Sie ist dem Fest Maria Hilf geweiht und gehört zum Dekanat Silz der Diözese Innsbruck; Kirche und Friedhof stehen unter Denkmalschutz. Durch ihre Lage im engen, hochalpinen Sulztal wirkt sie nicht wie eine große Dorfkirche im Talboden, sondern wie ein marianischer Schutz- und Zufluchtsort in einer von Wetter, Schnee, Muren und Bergwegen geprägten Landschaft.

Die Kirche wurde 1655 wohl vom Baumeister Georg Keil errichtet, 1703 erweitert und 1724 durch die Erhöhung des Turmes weiter ausgestaltet. Der barocke Bau ist von einem Friedhof umgeben; der Chor schließt polygonal, der Turm trägt einen Zwiebelhelm. Im Inneren besitzt die Kirche ein dreijochiges Langhaus mit Stichkappentonnengewölbe und frühbarocker Pilastergliederung. Die Gewölbemalereien mit Dreifaltigkeit, Mariä Heimsuchung und den vier Evangelisten schuf Josef Anton Puellacher im Jahr 1792.

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht das Mariahilf-Gnadenbild am Hochaltar, eine Kopie des berühmten Mariahilfbildes von Lucas Cranach. Der Hochaltar stammt im Kern von 1703 und wurde 1927 verändert; seitlich stehen die Heiligen Ingenuin und Albuin. Die Ausstattung zeigt, dass Gries nicht nur eine Kaplaneikirche war, sondern ein wirklicher Gnadenort: Die meisten erhaltenen Votivbilder stammen aus dem 19. Jahrhundert, eines nennt bereits das Jahr 1793.

Besonders schön ist die Gründungslegende. Nach der Überlieferung kam einst ein Pilger nach Gries und mahnte die Bewohner, sie sollten der Muttergottes ein Kirchlein bauen, "weil Maria Hilf allda gerne rasten möcht". Danach verschwand der Pilger wieder. Die Grieser erbauten daraufhin der Muttergottes zu Ehren eine Kirche und ließen auch eine große Glocke gießen.

An diese Glocke knüpft eine zweite, sehr volkskundliche Erzählung an. Die Längenfelder sollen die neue Glocke zunächst für sich beansprucht und in ihren eigenen Kirchturm gehängt haben; dort schlug sie aber nicht an. Erst als eine Stimme verkündete, sie heiße Anna Maria, vertreibe alle Wetter und wolle im Grieser Kirchturm bleiben, wurde die Glocke nach Gries zurückgebracht. Als vom Ferner her ein schweres Gewitter kam, konnten die "Murenhexen" wegen der schreienden Grieser Glocke ihr Unheil nicht ausführen.

Damit ist die Wallfahrt nach Gries ganz deutlich mit Wetter-, Muren- und Schutzfrömmigkeit verbunden. Das passt zur Lage im Sulztal: In einer alpinen Siedlung waren Unwetter, Lawinen, Wasser und Muren keine abstrakten Gefahren, sondern reale Bedrohungen. Die Glockensage macht diese Erfahrung religiös erzählbar: Maria Hilf und ihre Glocke schützen Tal, Häuser, Menschen und Vieh vor Unheil.

Eine weitere Sage erzählt von einer Kröte auf der Wallfahrt. Ein Mann, der nach Gries wallfahrtete, stieß eine Kröte in die Schlucht; sieben Jahre später begegnete er ihr wieder, und sie erklärte, sie müsse als Strafe eine versprochene, aber nicht eingehaltene Wallfahrt nach Gries vollziehen. Diese Erzählung ist volkskundlich sehr aufschlussreich: Eine Wallfahrt war nicht bloß ein frommer Spaziergang, sondern ein Gelübde, das man ernst nehmen musste. Wer sein Versprechen nicht erfüllte, blieb in der Schuld.

Auch heute ist die Kirche in eine kleine Wallfahrts- und Andachtslandschaft eingebunden. Von der Wallfahrtskirche Maria Hilf geht ein Besinnungsweg durch Wiesen und Wälder von Gries aus; er führt an Kreuzwegstationen vorbei und macht den Weg selbst zum Teil der religiösen Erfahrung. Damit bleibt der alte Charakter erhalten: Nicht nur das Gnadenbild in der Kirche ist wichtig, sondern auch das Hinaufgehen, Innehalten, Schauen, Beten und Zurückkehren in die Berglandschaft.

Literatur zur Wallfahrt

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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