Wallfahrtskirche Kaltenbrunn

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Kaltenbrunn liegt am Eingang des Kaunertales, auf einem steilen Waldhang in etwa 1260 Metern Höhe, rund sechs Kilometer von Prutz entfernt. Schon die abgeschiedene Lage oberhalb des Talweges macht den Ort zu einem eindrucksvollen Wallfahrtsplatz: Kaltenbrunn ist keine große Ortskirche im Dorfkern, sondern eine Gnadenstätte im Wald, verbunden mit Quelle, Legende, Pilgerweg und Einkehr. Die Pfarre selbst beschreibt den Ursprung nicht als Marienerscheinung, sondern als aus dem Volksglauben gewachsene Gebetsstätte zur Himmelskönigin Maria.

Die Ursprungserzählung führt weit in das Mittelalter zurück. Nach der frommen Legende fanden Hirten in einer Geröllhalde auf einem tischgroßen Stein eine Muttergottesstatue; um sie wuchsen Roggen und Weizen, die vom weidenden Vieh nicht angerührt wurden. Zugleich entsprang an dieser Stelle eine frische Quelle aus dem Berg — der "kalte Brunnen", der dem Ort seinen Namen gab. Die Hirten verehrten das Marienbild und schützten es im Winter mit Fichtenzweigen; bald kamen auch Menschen aus der Umgebung hierher, um vor dem Bild zu beten.

Eine zweite wichtige Legende erzählt vom Ritter von Schenkenberg, der nach einer Tötung bei einem Turnier in Mailand Buße tun wollte. Im Gefängnis habe er die Gottesmutter angerufen, sei von seinen Ketten befreit worden und nach Kaltenbrunn gezogen, um dort als Einsiedler zu leben. Um 1272 soll er hier Wohnung genommen und anstelle der hölzernen Kapelle eine steinerne Kapelle errichtet haben; die Weihe wird in der Überlieferung mit 1285 verbunden. Historisch vorsichtig formuliert: Der Ritter gehört vor allem zur Gründungslegende, aber gerade diese Legende war für das Selbstverständnis der Wallfahrt sehr wichtig.

Nach einem Brand der alten Gnadenkapelle im Jahr 1438 begann der Aufschwung der Wallfahrt im 15. Jahrhundert. Der Einsiedler Johann Stab wurde zu einem wichtigen Förderer; Bischof Georg von Brixen gewährte 1438 einen Ablass für Almosenspender zugunsten der Kapelle, und weitere Sammelbriefe und Privilegien folgten. Unter habsburgischer Förderung konnte schließlich der spätgotische Neubau entstehen: Das Presbyterium wurde 1502 geweiht, das Langhaus 1592. Seit 1627 ist ein eigener Priester in Kaltenbrunn belegt.

Im Zentrum der Kirche steht die Gnadenkapelle "Unsere Liebe Frau von Kaltenbrunn", die innerhalb des Langhauses den Platz des ursprünglichen Fundortes markiert. Diese ovale Kapelle wurde von Gallus Gratl aus Inzing errichtet; über dem Eingang finden sich Wappen von Bayern, Habsburg und der Diözese Brixen. Das eigentliche Gnadenbild ist eine kleine, um 1400 entstandene Muttergottes mit dem Jesuskind, später kostbar bekleidet und gekrönt. Nach älterer Überlieferung blieb die Statue beim Brand von 1438 unversehrt; der Stein, auf dem sie gefunden worden sein soll, wurde als Altarstein verwendet.

Kunstgeschichtlich ist Kaltenbrunn vor allem durch seine spätbarocke Ausstattung bedeutend. Die Kirche ist im Kern spätgotisch, wurde aber im 17. und 18. Jahrhundert barockisiert; besonders prägend ist die Ausstattung um 1720/30. Die Deckenfresken stammen von Franz Laukas aus Prutz, der Stuck wird Anton und Augustin Gigl zugeschrieben. Der Freskenzyklus erzählt Szenen aus dem Leben Mariens und aus der Entstehung der Wallfahrt; dadurch wird die Kirchenraum selbst zu einem gemalten Wallfahrtsbuch.

Volkskundlich besonders aufschlussreich ist die Verbindung von Marienverehrung, Quelle und Mirakelüberlieferung. SAGEN.at verweist nach Gugitz auf die Benützung des Wassers als Heilquelle und auf ein Mirakelbuch mit frühen Fällen seit 1513. Genannt werden Krankheiten, Unglücksfälle, seelische Nöte, Versprechen einer Wallfahrt auf Knien, Votivbilder, Krücken, eiserne Reifen, Ketten und Bänder. Auch der Brauch, tot geborene Kinder nach Kaltenbrunn zu bringen, um sie nach einem Zeichen kurzfristiger Lebensregung taufen zu können, ist für das 17. Jahrhundert überliefert; das zeigt die tiefe existenzielle Bedeutung des Ortes in der älteren Volksfrömmigkeit.

Zur Geschichte der Wallfahrt gehört auch ihre größere überregionale Ausstrahlung. Der Tourismusverband nennt für 1511 eine besondere Bedeutung Kaltenbrunns als Wallfahrt der Landsknechte "von Tirol bis zu den flämischen Niederlanden". Solche Hinweise zeigen, dass Kaltenbrunn nicht nur ein lokales Kaunertaler Heiligtum war, sondern zeitweise auch in weitere militärische und wandernde Bevölkerungsgruppen hineinwirkte.

Nach größeren Veränderungen im 19. Jahrhundert wurde die Kirche von 1976 bis 1982 umfassend restauriert und wieder stärker im barocken Charakter zur Geltung gebracht. Auch der Brunnen blieb für das Ortsverständnis wichtig: In der 1980 neu erbauten Brunnenkapelle fließt wieder das kalte Wasser von Kaltenbrunn, nachdem frühere Wasserläufe wegen der Hanggefährdung gefasst und abgeleitet worden waren.

Bis heute ist Kaltenbrunn ein lebendiger Wallfahrtsort. Die Kirche ist ganzjährig tagsüber geöffnet; von Mai bis Oktober findet sonntags eine Andacht statt, und jeden zweiten Freitag im Monat gibt es eine Nachtwallfahrt mit Lichterprozession von Nufels nach Kaltenbrunn und anschließender Messe.

Lage: Nufels, 6524 Kaltenbrunn.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Kaltenbrunn und Feichten
Geöffnet: zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten.
Außenansicht:

Wallfahrtskirche Kaltenbrunn

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Bild des Gnadenaltares in der Kirche:

Rietz - Wallfahrtskirche zum hl. Antonius von Padua

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Die Kerzenkapelle:

Rietz - Antoniuskirche Votivbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Literatur zur Wallfahrt:

- SAGEN.at - Die Wallfahrt Kaltenbrunn

- SAGEN.at - Das Marienbild zu Kaltenbrunn

- SAGEN.at-DOKU - Heilwasser Kaltenbrunn

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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