| Wallfahrt: | Hinterhornbach: Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau vom Guten Rat, Berührungsbild, Wassergefahr, Votivfrömmigkeit und Geschichte. |
| Status: | Historische lokale Marienwallfahrt; früher häufige Wallfahrten aus dem Lechtal. |
| Kultzentrum: | Gnadenbild "Maria vom Guten Rat", 1762 aus Stams nach Hinterhornbach gebracht. |
| Ort: | Hinterhornbach |
| Landesteil: | Tiroler Oberland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: bei Hinterhornbach 19, 6646 Hinterhornbach. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Hinterhornbach |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau vom Guten Rat steht in Hinterhornbach im Tiroler Außerfern, im engen Hornbachtal, auf etwa 1100 Metern Seehöhe. Der Ort war lange seelsorglich von anderen Pfarren abhängig: Zunächst gehörte Hinterhornbach zur Pfarre Elbigenalp, später wurde es von Elmen und Vorderhornbach aus betreut; erst 1758 wurde durch einen Stiftsbrief eine eigene Seelsorgestelle geschaffen. 1761 begannen die Bauarbeiten für Kirche und Widum, 1764 kam der erste Seelsorger in den Ort; 1891 wurde Hinterhornbach schließlich selbständige Pfarre.
Schon vor dem heutigen Kirchenbau soll in Hinterhornbach um 1660 eine erste Kapelle bestanden haben. Seit 1758 wirkten Jesuiten im Ort, und auf ihre Initiative hin wurde der größere Kirchenbau betrieben. Finanziell ermöglicht wurde die Kirche besonders durch die Stifter Josef/Johann Jakob Sterzinger aus Nassereith und Jakob Mang Amann aus Reutte. Damit entstand die Wallfahrtskirche nicht aus einer großen Erscheinungssage, sondern aus einer Mischung von lokaler Seelsorgsnot, Stifterfrömmigkeit und gezielter Förderung einer Marienwallfahrt.
Das eigentliche Gnadenbild "Maria vom Guten Rat" kam 1762 vom Kloster beziehungsweise Stift Stams nach Hinterhornbach. Nach der Überlieferung war das Bild im Besitz der Familie Sterzinger und zuvor am Gnadenbild von Stams berührt worden; dadurch erhielt es den Charakter einer Berührungsreliquie. Solche Berührungsbilder sind volkskundlich sehr aufschlussreich: Nicht nur das Originalbild war heilig, sondern auch eine Kopie konnte durch Berührung Anteil an der Gnadenkraft des verehrten Vorbildes erhalten.
Die Verehrung der Mutter vom Guten Rat gehört zur großen europäischen Genazzano-Tradition. Das Hochaltarbild von Johann Jakob Zeiller zeigt das Wunder von Genazzano: das Marienbild, das nach der Legende von Skutari in Albanien nach Genazzano in Italien schwebte. In Hinterhornbach wurde dieses Motiv auf die Bedürfnisse eines abgelegenen Gebirgstales übertragen: Maria erscheint hier als Ratgeberin, Helferin und Beschützerin in Nöten, in denen menschlicher Rat oft nicht mehr ausreichte.
Volkskundlich besonders wichtig ist der Hinweis, dass früher aus dem Lechtal häufig Wallfahrten zu diesem Bild stattfanden. Eine Zusammenstellung zur Wallfahrt nennt als besonderes Anliegen die Abwehr der im Gebiet häufig drohenden Wassergefahr. Das passt sehr gut zur Lage im engen Hornbachtal: Wildbach, Unwetter, Überschwemmung, Muren und die allgemeine Gefährdung alpiner Siedlungen prägten das religiöse Bedürfnis nach Schutz. Maria vom Guten Rat wurde also nicht nur abstrakt verehrt, sondern in sehr konkreten Lebens- und Naturgefahren angerufen.
Die Kirche selbst ist ein einheitlich barocker Bau aus den Jahren 1761 bis 1764, mit einjochigem Chor und Nordturm. Das kleine Gotteshaus wirkt äußerlich schlicht, besitzt aber eine bemerkenswerte Ausstattung: Das Hochaltarblatt stammt nach jüngerer lokaler Darstellung von Johann Jakob Zeiller, die Apostelfiguren schuf Martin Falbesoner 1765, und der Tabernakel wird Josef Georg Witwer zugeschrieben. Das Deckenfresko ist deutlich jünger; es wurde 1962 von Wolfram Köberl geschaffen.
Ein besonders schönes volkskundliches Detail ist das große Wandkreuz mit lebensgroßem Christus. Nach Angaben der Pfarre wurde es von einem Mann aus Elmen gestiftet, der beim Heuziehen in Lebensgefahr geraten war. Solche Stiftungen gehören unmittelbar in die Welt der Votivfrömmigkeit: Eine konkrete Gefahr wird überstanden, und aus Dankbarkeit bleibt ein sichtbares Zeichen in der Kirche zurück. Dadurch steht in Hinterhornbach neben der Marienwallfahrt auch eine Christusverehrung, die mit alpiner Arbeitswelt, Heugewinnung und Lebensgefahr verbunden ist.
Die Bedeutung des Wallfahrtsortes liegt weniger in großen Pilgerströmen als in der bodenständigen Verbindung von Gebirgstal, Naturgefahr, Ratlosigkeit, Dank und Vertrauen auf die Gottesmutter.
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt im Tiroler Oberland | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt |
Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
© www.SAGEN.at