| Wallfahrt: | Haiming-Ochsengarten: Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung in Wald, Kirchtag, Hochaltar und hochalpine Frömmigkeit. |
| Status: | Lokale Wallfahrtstradition mit jährlichem Kirchtag zu Mariä Heimsuchung. |
| Kultzentrum: | Hochaltarbild der Heimsuchung Mariens; im Aufsatz Maria vom Guten Rat. |
| Ort: | Haiming / Ochsengarten |
| Landesteil: | Tiroler Oberland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Ochsengarten 5, 6425 Haiming. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Ochsengarten |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung steht in der Rotte Wald in Ochsengarten, einer Fraktion der Gemeinde Haiming im Bezirk Imst. Ochsengarten liegt im Nedertal an der alten Verbindung vom Ötztal hinauf zum Kühtaisattel, in einer hochalpinen Streusiedlungslandschaft um etwa 1.500 Meter Seehöhe. Die Kirche steht direkt an der Kühtaistraße; westlich schließt der Friedhof an.
Der Ort selbst ist siedlungsgeschichtlich bemerkenswert. Ochsengarten wird bereits 1288 als Flur genannt; 1315 ist dort ein Schwaighof belegt, womit es sich um eine sehr alte hochalpine Dauersiedlung handelt. Der Name wird als "Ochsengehege" gedeutet und ging später auf die Siedlung über. Die Hauptsiedlung heißt Wald, weil dort auf einer Moräne die größte Rodungsinsel des einsamen Waldtales entstand.
Gerade aus dieser Lage erklärt sich die Kirchengeschichte. In älterer Zeit gehörte Ochsengarten zur Großpfarre Silz; der Kirchgang bedeutete aber einen Weg mit rund tausend Höhenmetern. 1612 wurde die Seelsorgegemeinde deshalb der Kuratie Ötz zugeteilt, doch auch dieser Weg blieb weit und besonders im Winter beschwerlich. Die Bewohner wünschten daher einen eigenen Priester und sammelten Geld für eine Kirche und ein Widum. 1777 gab das fürstbischöfliche Ordinariat Brixen diesem Wunsch statt; ab 1778 wirkte Pater Severin Erhart als erster Priester in Ochsengarten, hielt Gottesdienst und unterrichtete die Kinder.
Die Kirche wurde in den Jahren 1778 bis 1783 erbaut und ist ein schlichter spätbarocker beziehungsweise klassizistischer Saalbau. Besonders charakteristisch ist, dass Kirche, Widum und frühere Schulstube einen zusammenhängenden Bauverband bilden. Das zeigt sehr schön, welche Aufgabe dieser Ort hatte: Er war nicht nur Gotteshaus, sondern zugleich religiöser, schulischer und gemeinschaftlicher Mittelpunkt einer abgelegenen Bergsiedlung. 1785 wurde Ochsengarten zur Lokalkaplanei erhoben, 1891 schließlich zur selbständigen Pfarre.
Das Patrozinium Mariä Heimsuchung verweist auf den Besuch Marias bei Elisabeth und wird am 2. Juli gefeiert. Der Seelsorgeraum nennt den jährlichen Kirchtag zu Mariä Heimsuchung ausdrücklich als bedeutendes Ereignis im Dorfleben, bei dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner von Ochsengarten und aus umliegenden Gemeinden zum gemeinsamen Feiern und Beten versammeln. Gerade dieses Fest ist für die volkskundliche Einordnung wichtig: Die Wallfahrtsbedeutung liegt hier stark im lokalen Jahresbrauch, nicht in einer weithin bekannten Mirakellegende.
Im Inneren steht der Hochaltar von 1814. Das Altarbild zeigt die Heimsuchung Mariens, flankiert von den Figuren der heiligen Josef und Antonius. Im Aufsatz erscheint Maria vom Guten Rat; außerdem besitzt die Kirche ältere Leinwandbilder mit Ölbergszene und Kreuzigung. Die Ausstattung verbindet also Marienverehrung, Passionsfrömmigkeit und Heiligenverehrung in einer sehr bodenständigen Form.
Volkskundlich besonders interessant sind die vielen Bruderschaften und Bündnisse, die in Ochsengarten bestanden: eine Christenlehrbruderschaft, eine Herz-Mariä-Bruderschaft, eine Gebetsbruderschaft mit Anicii in Frankreich, mehrere Standesbündnisse für Jünglinge, Männer, Jungfrauen und Frauen sowie eine Herz-Jesu-Bruderschaft. Solche Bruderschaften zeigen, dass die Kirche trotz ihrer abgelegenen Lage in überregionale Frömmigkeitsformen eingebunden war und das religiöse Leben des Dorfes stark strukturierte.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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