Galtür, Ehemalige Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt in Platz

Schnellüberblick
Wallfahrt:Galtür: historische Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt in Platz, Gnadenbild, Ablassbrief, Legende und alpine Volkskunde.
Status:Alter Marienwallfahrtsort; historischer Wallfahrtscharakter und Gnadenbild sind erhalten.
Kultzentrum:Gnadenbild "Maria, Fürsprecherin der Armen" bzw. "Maria, Königin der Armen".
Ort:Galtür
Landesteil:Tiroler Oberland
Bundesland:Tirol
Lage und Besuch
•Lage: gegenüber Galtür 34, 6563 Galtür.
•Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland
•Ansicht in Street View
•Web: Pfarre Galtür
•Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich.
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•Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt in Galtür, auch "Maria Geburt am Platz" genannt, steht im Kirchweiler Platz am westlichen Dorfrand von Galtür, auf einem kleinen Hügel im Friedhof. Sie ist der Geburt Mariens geweiht und gehört zu den wichtigen alten Wallfahrtsorten des Paznauntales. Der erste Kirchenbau ist seit 1359 belegt; am 24. Juli 1383 wurden Kirche und Friedhof vom Churer Bischof Johannes II. geweiht. Bis dahin mussten die Verstorbenen aus Galtür in der weit entfernten Mutterpfarre Ardez im Engadin bestattet werden — nach örtlicher Darstellung ein Fußmarsch von etwa acht Stunden.

Schon diese frühe Zugehörigkeit zum Engadin macht Galtür volkskundlich und siedlungsgeschichtlich interessant. In der Weiheurkunde werden nach Angaben des Seelsorgeraums mehrfach "incolae et vallenses", also Einwohner und Walser, unterschieden; die Walser hatten sich um 1320 in Galtür angesiedelt. Die Wallfahrtskirche steht damit nicht nur für Marienverehrung, sondern auch für die religiöse Selbstbehauptung einer abgelegenen Hochgebirgsgemeinde, die zwischen Tirol, Vorarlberg, Montafon und Engadin vermittelt war.

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht das Gnadenbild "Maria, Fürsprecherin der Armen" beziehungsweise "Maria, Königin der Armen". Nach der Legende soll dieses Marienbild schon vor dem Kirchenbau aufgefunden worden sein. Der heutige Hochaltar enthält das geschnitzte Mariengnadenbild, eine gotische Madonna in barocker Ummantelung, unter einem Baldachin. Gerade der Titel "Fürsprecherin der Armen" passt sehr gut zu einem hochalpinen Ort wie Galtür: Die Menschen kamen mit Krankheit, Armut, Wettergefahr, familiären Sorgen, Lebenskrisen und Dankanliegen zu Maria.

Im 15. Jahrhundert wurde die Kirche erweitert; 1483 konnten der neue Hochaltar und der rechte Seitenaltar geweiht werden. Ein wichtiger Hinweis auf die Wallfahrtsbedeutung ist der große Ablassbrief von 1500, durch den Kirche und Wallfahrt besondere Privilegien erhielten. Ein moderner Wallfahrtsveranstalter hebt hervor, dass dieser Ablassbrief von zwölf Kardinälen unterzeichnet gewesen sei und erneut großen Pilgerzustrom brachte; sicher ist jedenfalls, dass die Wallfahrt um 1500 über eine bloß lokale Dorfandacht hinaus Bedeutung hatte.

Ein einschneidendes Ereignis war der Engadiner Einfall von 1622. Dabei wurden neben 34 Häusern auch Kirche und Dorf schwer zerstört; die Kirche brannte nieder. Nach der örtlichen Überlieferung fand man in der Ruine jedoch das unversehrte Gnadenbild. Dieses Motiv ist volkskundlich sehr stark: Das Marienbild übersteht Feuer und Gewalt und bestätigt dadurch seine besondere Schutzkraft. Bis 1624 wurde die Kirche wieder aufgebaut.

Von 1777 bis 1779 wurde die Kirche erweitert, neu gewölbt und im spätbarocken Stil erneuert. Der Innenraum erhielt reichen vergoldeten Rokoko-Stuck und einen Freskenzyklus von Johann Wörle. Die Bilder zeigen unter anderem die Geburt, Himmelfahrt und Verkündigung Mariens sowie Szenen aus der Geschichte der Kirche: den Kirchenbau von 1380 und den Brand von 1622. Damit erzählt der Kirchenraum selbst die Geschichte des Gnadenortes — Entstehung, Zerstörung und Wiederherstellung werden in die religiöse Bildwelt aufgenommen.

Besonders bemerkenswert ist auch die Krieger-Gedächtniskapelle mit einer Kreuzigungsgruppe aus dem 19. Jahrhundert und bemalten beziehungsweise beschrifteten Totenköpfen. Sie wirken als eindringliches Memento mori und verbinden Wallfahrt, Totengedenken, Kriegserfahrung und Friedhofsfrömmigkeit. Der Friedhof mit seinen schmiedeeisernen Kreuzen gehört ebenfalls stark zum Gesamteindruck des Ortes.

In den Jahren 1966 bis 1968 wurde die Kirche unter der Leitung von Clemens Holzmeister erweitert, verlängert und renoviert. Trotz dieser modernen Eingriffe blieb der Charakter als alte Marienwallfahrtskirche erhalten. Heute erscheint Mariä Geburt in Galtür als Verbindung von mittelalterlicher Gnadenbildverehrung, Walser- und Engadinbezug, Brand- und Rettungsüberlieferung, barocker Ausstattung und alpinem Totengedenken.

Literatur zur Wallfahrt

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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