| Wallfahrt: | Fendels und Wiesele: ehemalige Bergwallfahrt, wundertätiges Kreuz, Wallfahrtsruine, Votivzeugnisse und heutige Kapelle. |
| Status: | Historischer Wallfahrtsort Wiesele nach josephinischer Aufhebung erloschen; Kultzeichen und Erinnerung blieben erhalten. |
| Kultzentrum: | Das wundertätige Wiesele-Kreuz, heute in der Pfarrkirche Fendels. |
| Ort: | Fendels / Prutz |
| Landesteil: | Tiroler Oberland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: Wiesele, 6522 Prutz. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Seelsorgeraum Prutz-Fendels-Ried-Kauns |
| • | Öffnungszeiten: frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die Wallfahrt zum Kruzifix in Fendels hängt eng mit dem ehemaligen Wallfahrtsort Wiesele in Prutz zusammen, der eine gute Fußstunde nördlich von Fendels auf einer Waldlichtung in etwa 1.715 Metern Seehöhe liegt. Dort stehen heute die Mauerreste einer einst vielbesuchten Wallfahrtskirche mit angebautem Benefiziatenhaus beziehungsweise Einsiedelei. Der Ort war also ursprünglich kein Dorfkirchen-Wallfahrtsort, sondern ein abgelegener Wald- und Bergwallfahrtsplatz, an dem Rückzug, Gebet, Einsiedlerleben und der Weg hinauf wesentlich zur religiösen Wirkung gehörten.
Die erste Kirche "beim Wiesele" wird für 1641 genannt. Weil die ältere Wallfahrtskirche baufällig geworden war und dem Zustrom der Pilger nicht mehr genügte, entstand 1739 bis 1741 ein größerer Kirchenneubau. Ab 1737 waren Benefiziat und Einsiedelei ständig bewohnt; der Ort besaß damit eine feste geistliche Betreuung. Unter Kaiser Joseph II. wurde das kleine Kloster beziehungsweise die Einsiedelei 1788 aufgehoben; nach dem Abtragen der Dächer verfielen Kirche und Gebäude.
Das wichtigste Erinnerungsstück dieser alten Wallfahrt ist das wundertätige Kreuz, das heute in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Fendels am rechten Seitenaltar steht. Die Pfarre bezeichnet es als Wiesele-Kreuz und führt es auf die ehemalige, 1789 aufgelöste Einsiedelei Wiesele nördlich von Fendels zurück. Entgegen einem verbreiteten Volksglauben dürfte das Kreuz nach Angaben des Dekanats Prutz vom Fendler Bildhauer Andreas Kölle stammen.
Volkskundlich ist dieser Fall besonders reizvoll, weil die Wallfahrt durch die josephinische Aufhebung nicht einfach verschwunden ist, sondern sich gleichsam verlagert hat. Der ursprüngliche Ort — das Wiesele — wurde zur Ruine, das Gnadenzeichen aber blieb erhalten und wurde in die Pfarrkirche Fendels übertragen. So verbindet das Kreuz heute die Pfarrkirche im Dorf mit dem verlassenen Wallfahrtsplatz im Wald. Wer in Fendels vor dem Wiesele-Kreuz betet, steht damit zugleich in der Erinnerung an die alte Bergwallfahrt.
Dass das Wiesele tatsächlich ein lebendiger Gnadenort war, zeigen auch Votivzeugnisse. In einem Katalog des Österreichischen Museums für Volkskunde wird ein Votivbild genannt, "angeblich aus Wiesele bei Fendels", datiert 1797: Es zeigt oben ein Mariengnadenbild, darunter eine kranke Frau im Bett, Medikamente auf dem Tisch und die Inschrift "EX VOTO 1797". Auch wenn dieses Bild marianisch formuliert ist, belegt es sehr schön die frühere Dank- und Bittfrömmigkeit, die mit dem Wiesele verbunden war.
Die alte Wallfahrtslandschaft ist heute wieder besser erlebbar. Zwischen 1986 und 1994 wurden die Ruinen am Wiesele konserviert und teilweise restauriert; nach neueren Arbeiten konnten weitere Sanierungen 2023 abgeschlossen werden. Das Wiesele wird als eine der größten Einsiedlerkirchen Tirols beschrieben.
Auch die heutige Kapelle beim Wiesele hält den Ort religiös lebendig. Sie steht gleich hinter der Ruine, wurde 1850 erbaut und später renoviert. Nach der Beschreibung des Dekanats pilgern Menschen dorthin, wenn sie Stille und religiöse Einkehr suchen; am Annatag, dem 26. Juli, geht die Pfarrgemeinde Fendels betend zum Wiesele.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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