| Wallfahrt: | Elbigenalp, Ölbergkapelle: historische Christus- und Kreuzwallfahrt, Votivbild, josephinische Aufhebung, Kriegsfrömmigkeit und Wallfahrtsgeschichte im Lechtal. |
| Status: | Historische Christus- und Kreuzwallfahrt; die Kapelle blieb trotz josephinischer Aufhebungsbestrebungen als Andachtsort erhalten. |
| Kultzentrum: | Verehrtes Kruzifix beziehungsweise Christusbild; Votivbilder dokumentieren Wallfahrt, Gelübde und Kriegsfrömmigkeit. |
| Ort: | Elbigenalp |
| Landesteil: | Tiroler Oberland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: bei Dorf 58, 6652 Elbigenalp. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre zum Hl. Nikolaus in Elbigenalp |
| • | Öffnungszeiten: |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Ölbergkapelle, auch Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz beziehungsweise Wallfahrtskirche zum Christus auf dem Ölberg, liegt nördlich von Elbigenalp auf einem Felsvorsprung am sogenannten Ölberg. Sie steht damit deutlich vom Dorf abgehoben und bildet einen kleinen Andachtsort über dem Lechtal. Vom Ortszentrum ist sie in wenigen Minuten erreichbar; der Weg führt vom Bereich der Freilichtbühne und Schnitzschule leicht ansteigend durch schattigen Mischwald hinauf zum Ölberg.
Die Baugeschichte wird in den Quellen nicht ganz einheitlich angegeben. Der Lechtaler Tourismus und die Denkmalliste nennen einen Bau zwischen 1670 und 1680, während die Pfarre Elbigenalp besonders das Jahr 1766 hervorhebt: Unter Frater Lucas Liskodin, der dort in einer Klause wirkte, sei die Kapelle aufgeführt worden. Das verehrte Christusbild, ein Kruzifix, wurde nach der Pfarrüberlieferung durch Pfarrer Mellson in Begleitung des Volkes zur Kapelle gebracht; am 3. Mai 1766 wurde dort die erste heilige Messe gefeiert.
Im Mittelpunkt stand also nicht ein Marienbild, sondern der leidende Christus, besonders im Zusammenhang mit Ölberg, Kreuz und Passion. Volkskundlich ist das wichtig, weil die Ölbergkapelle damit eher zu den Christus- und Kreuzwallfahrten gehört: Menschen kamen nicht nur zur stillen Andacht, sondern suchten vor dem Bild des leidenden Herrn Trost, Hilfe in Bedrängnis und Schutz in unsicheren Zeiten. Gerade im Lechtal, mit seiner alpinen Lage, seinen Naturgefahren und historischen Kriegszeiten, konnte eine solche Christuswallfahrt eine starke seelische Bedeutung haben.
Besonders wertvoll ist ein dreiteiliges Votivbild, das Kulturraum Tirol ausführlich beschreibt. Es zeigt unter anderem die Prozession mit der Übertragung des Kreuzes von einer hölzernen Kapelle in die 1766 erbaute steinerne Kapelle. Die dargestellten Personen tragen feierliche Lechtaler Tracht; dadurch wird die Übertragung nicht nur als kirchlicher Akt, sondern auch als gemeinschaftliches Ereignis der Dorfbevölkerung sichtbar.
Dieses Votivbild ist außergewöhnlich, weil es nicht nur Dankfrömmigkeit zeigt, sondern gleichsam eine kleine Chronik des Wallfahrtsortes bietet. Es berichtet von Bau- und Umbaugeschichte, von der Vergrößerung der Kapelle, vom Bau eines Pfarrhauses gegenüber und von der Entwicklung zu einem "prosperierenden Wallfahrtsort". Dadurch sieht man sehr schön, dass die Ölbergkapelle zeitweise mehr war als eine kleine Waldkapelle: Sie zog Gläubige an, wurde erweitert und erhielt durch Votivgaben eine festgehaltene Erinnerungskultur.
Ein besonders spannender Abschnitt betrifft die Zeit Kaiser Josephs II. Nach der Darstellung auf dem Votivbild sollte der "Ölberg" versteigert und abgebrochen werden. Vier wohltätige Männer kauften die Kapelle jedoch und verzögerten den Abbruch so lange, bis nach dem Tod Josephs II. nicht mehr daran gedacht wurde. Kulturraum Tirol deutet dies ausdrücklich als Widerstand gegen die Staatsgewalt und als Grund dafür, dass das Kirchlein der Bevölkerung erhalten blieb.
Auch die napoleonischen Kriegsjahre sind mit der Kapelle verbunden. Auf der Rückseite einer Votivtafel ist der Durchzug französischer Truppen im Jahr 1800 dargestellt; der Text berichtet, dass in den Kriegsjahren viele Gelübde auf den Ölberg gemacht wurden. Gerade diese Verbindung von Krieg, Besatzung, Gelübde und Votivbild ist volkskundlich sehr stark: Die Kapelle wurde als Zufluchtsort verstanden, an dem man in äußerer Gefahr religiösen Schutz suchte.
Im 19. Jahrhundert wurde die Kapelle weiter verändert. Nach der Votivtafel wurde sie 1829 nochmals vergrößert und mit Sakristei und zweiter Glocke ausgestattet; die Pfarre Elbigenalp nennt ebenfalls eine Erneuerung durch Wohltäter im Jahr 1829. Die Denkmalliste beziehungsweise spätere Zusammenfassungen geben außerdem an, dass die Kapelle auf einen dreijochigen Raum erweitert wurde und moderne Gewölbefresken von Wolfram Köberl aus dem Jahr 1974 besitzt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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