| Wallfahrt: | Maria-Hilf-Kapelle in Arzl im Pitztal: Gnadenbild, Votivbilder, Totengedenken, Beinhaus und barocke Friedhofsfrömmigkeit. |
| Status: | Historischer Maria-Hilf-Gnadenort in der Totenkapelle; Votivbilder belegen persönliche Bitte und Danksagung. |
| Kultzentrum: | Mariahilfbild am Altar der Totenkapelle. |
| Ort: | Arzl im Pitztal |
| Landesteil: | Tiroler Oberland |
| Bundesland: | Tirol |
| • | Lage: bei Kirchgasse 8, 6471 Arzl im Pitztal |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tiroler Oberland |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Seelsorgeraum Vorderes Pitztal |
| • | Öffnungszeiten: tagsüber frei zugänglich |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Maria-Hilf-Kapelle, volkstümlich auch Totenkapelle genannt, steht im Friedhof östlich der Pfarrkirche Arzl im Pitztal. Die Pfarrkirche selbst ist den heiligen Ingenuin und Albuin geweiht und geht auf einen alten Kirchenort zurück; die Totenkapelle gehört zu diesem kirchlichen Ensemble am Hang über dem Ort. Die Gemeinde Arzl nennt für den Friedhof ausdrücklich die Errichtung einer zweigeschoßigen Totenkapelle im Jahr 1670. Auch über dem Spitzbogenportal der Kapelle steht die Jahreszahl 1670.
Im Inneren besitzt die Kapelle ein Tonnengewölbe mit Stichkappen und einen kleinen Chor mit dreiseitigem Schluss. Der Altar stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und zeigt das Gnadenbild Mariahilf, begleitet von den barocken Figuren der heiligen Sebastian und Rochus. Diese beiden Heiligen passen sehr gut zum Charakter des Ortes: Sebastian und Rochus wurden besonders in Pest- und Krankheitszeiten angerufen, während das Mariahilfbild die Bitte um Schutz, Trost und Hilfe in persönlichen Nöten verkörpert.
Besonders eindrucksvoll ist die Verbindung von Marienverehrung und Totengedenken. Die Westwand der Kapelle zeigt barocke Medaillons mit den Themen Jüngstes Gericht, Tod, Himmel und Hölle. Damit spricht der Raum eine deutliche barocke Sprache: Der Mensch soll an Sterben, Gericht und Ewigkeit erinnert werden, zugleich aber vor dem Mariahilfbild Trost und Fürsprache suchen. Die Bezeichnung "Totenkapelle" erklärt sich auch daraus, dass das Untergeschoß lange Zeit als Beinhaus diente.
Volkskundlich besonders wertvoll sind die Votivbilder. Bei Renovierungsarbeiten an der Friedhofskapelle wurden auf dem Dachboden bemerkenswerte Votivbilder gefunden, die mit 1799 datiert sind; sie erhielten später im Widum Arzl einen neuen Platz. Solche auf einfachen Holzbrettern gemalten Votivbilder zeigten gewöhnlich die Rettung aus einer konkreten Notlage und waren oft mit dem Hinweis "ex voto" versehen. Gerade sie belegen, dass die Arzler Maria-Hilf-Kapelle nicht nur Friedhofskapelle war, sondern tatsächlich als Ort persönlicher Bitte und Danksagung aufgesucht wurde.
Das Mariahilfbild in der Mitte des Altares zog nach lokaler Überlieferung die Gläubigen besonders an; oberhalb ist die Krönung Mariens dargestellt, und anstelle eines Tabernakels steht das Prager Jesukind in einem reich geschnitzten Schrein. In der Kapelle befinden sich außerdem ein Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert und ein Fastenkreuz mit Leidenswerkzeugen. Dadurch verbinden sich in diesem kleinen Raum Mariahilf-Frömmigkeit, Passionsandacht, Kind-Jesu-Verehrung und Totengedenken.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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