Wallfahrt Innsbruck, Wallfahrtskirche zur hl. Theresia vom Kinde Jesu - Theresienkirche

Schnellüberblick
Wallfahrt:Moderne Heiligenwallfahrt zur hl. Thérèse von Lisieux auf der Innsbrucker Hungerburg.
Status:Historischer Wallfahrtsort des 20. Jahrhunderts; die Kirche ist heute zugleich Gotteshaus und Seelsorgezentrum des Stadtteils Hungerburg.
Kultzentrum:Theresienbild und Reliquie der hl. Thérèse von Lisieux; Votivtafeln dokumentieren die frühere intensive Bitt- und Dankfrömmigkeit.
Besonderheit:Gemeinschaftliche "Ziegelaktion" beim Kirchenbau sowie der berühmte Kunststreit um die Fresken Max Weilers.
Ort:Innsbruck, Hungerburg.
Bezirk:Innsbruck-Stadt.
Bundesland:Tirol.
Lage und Besuch
Lage: Innsbruck, Stadtteil Hungerburg - Gramartstraße 4, 6020 Innsbruck.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innsbruck
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Hungerburg
Web: Karmel Innsbruck
Öffnungszeiten: übliche Kirchenöffnungszeiten, kein Eintritt.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Außenansicht 1950er Jahre, Innenansicht:

Innsbruck, Theresienkirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Fresko von Ernst Nepo:

Innsbruck, Theresienkirche, Fresko von Ernst Nepo

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Reliquienschrein der heiligen Thérèse von Lisieux:

Innsbruck, Theresienkirche, Reliquienschrein der heiligen Thérèse von Lisieux

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Votivtafel u. a. der Resi Monz:

Innsbruck, Theresienkirche, Votivtafel der Resi Monz

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Wallfahrt Innsbruck, Theresienkirche auf der Hungerburg

Wallfahrtskirche zur heiligen Theresia vom Kinde Jesu

Hoch über Innsbruck entstand auf der Hungerburg innerhalb weniger Jahre aus einer einfachen Notkapelle ein vielbesuchter Wallfahrtsort zur eben erst heiliggesprochenen Thérèse von Lisieux – eine moderne Heiligenwallfahrt, deren Geschichte von Reliquienverehrung, Votivgaben, gemeinschaftlichem Kirchenbau und einem der heftigsten Tiroler Kunststreite des 20. Jahrhunderts geprägt ist.

Historisch

Die Hungerburg entwickelte sich erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stärker zu einem Wohn- und Ausflugsgebiet. Einen entscheidenden Aufschwung brachte die 1905/06 eröffnete Hungerburgbahn. Bereits 1910 gründeten Bewohner einen Kirchenbauverein, weil auf dem Hochplateau noch kein eigenes Gotteshaus bestand. Die Umsetzung verzögerte sich jedoch über viele Jahre.

Bei der Datierung der ersten Notkapelle weichen die Darstellungen geringfügig voneinander ab: Das Innsbrucker Stadtarchiv nennt eine Einweihung im Jahr 1926, andere Darstellungen 1927; die heutige Pfarrgemeinde bezeichnet die Jahre 1928 bis 1932 als Nutzungszeit der Notkapelle. Sicher ist, dass gegen Ende der 1920er-Jahre ein von Leo Würth zur Verfügung gestelltes Gartenhaus als provisorische Kirche eingerichtet wurde. Die Kapelle wurde der erst 1925 heiliggesprochenen Thérèse von Lisieux geweiht.

In dieser Notkapelle befanden sich ein Bild und eine Reliquie der Heiligen. Die Verehrung muss sich außerordentlich rasch entwickelt haben, denn schon bald kamen so viele Pilger, dass der kleine Raum nicht mehr ausreichte. Damit ging der Bau der heutigen Kirche nicht lediglich auf den Bedarf der wachsenden Hungerburger Bevölkerung zurück: Der früh einsetzende Pilgerbesuch war ein wesentlicher Anlass für das größere Gotteshaus.

Im September 1931 wurde in Anwesenheit einer großen Menschenmenge der Grundstein gelegt. Nach einem Architektenwettbewerb entstand die Kirche schließlich nach dem Entwurf Siegfried Thurners. Am 19. Juni 1932 wurde sie durch den Wiltener Abt Heinrich Schuler eingeweiht; das verehrte Bild und die Reliquie wurden aus der provisorischen Kapelle in den Neubau übertragen. Die Pfarrgemeinde bezeichnet sie für diese Zeit als die einzige Theresienkirche Österreichs.

Der Bau als gemeinschaftliche Wallfahrt

Besonders bemerkenswert war die sogenannte Ziegelaktion. Menschen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten trugen die benötigten Ziegel von Innsbruck rund 300 Höhenmeter auf die Hungerburg hinauf. Die heutige Pfarrdarstellung und das Stadtarchiv sprechen von ungefähr oder mehr als 60.000 Ziegeln.

Diese Aktion war mehr als unentgeltliche Transportarbeit. Der Aufstieg mit einem oder mehreren Ziegeln konnte als persönliches Opfer, als Beitrag zur Verherrlichung der Heiligen und beinahe als Wallfahrtshandlung erlebt werden. Wer einen Ziegel hinauftrug, hinterließ einen realen Bestandteil seiner eigenen Frömmigkeit im Bauwerk. Die Kirche wurde dadurch buchstäblich von den späteren Betern und Wallfahrern miterrichtet.

Bedrohung während des Nationalsozialismus

1941 wurden Kirche und Widum zugunsten der NSDAP enteignet. Im folgenden Jahr gelangten die Gebäude an einen Innsbrucker Kaufmann und Ratsherrn, der eine Profanierung und Nutzung zu Wohnzwecken anstrebte. Kirchliche Interventionen verhinderten dies während des Krieges; langfristig war sogar ein Abbruch vorgesehen. Nach 1945 blieb das Gotteshaus erhalten und konnte seine kirchliche Funktion wieder uneingeschränkt aufnehmen.

Die Geschichte des Ortes enthält damit einen auffälligen Gegensatz: Eine von Gläubigen unter großen persönlichen Opfern erbaute Wallfahrtskirche sollte nur wenige Jahre später ihrer sakralen Funktion beraubt werden. Das Überleben der Kirche konnte nach dem Krieg selbst als eine Form der Bewahrung gedeutet werden.

Die heilige Theresia vom Kinde Jesu

Thérèse Martin wurde 1873 im französischen Alençon geboren und trat bereits als Fünfzehnjährige in den Karmel von Lisieux ein. Sie starb 1897 mit nur 24 Jahren an Tuberkulose. Ihre autobiografischen Aufzeichnungen wurden unter dem Titel Geschichte einer Seele verbreitet und machten ihre Spiritualität innerhalb kurzer Zeit international bekannt. 1923 wurde sie selig- und am 17. Mai 1925 heiliggesprochen; 1927 erklärte Papst Pius XI. sie gemeinsam mit Franz Xaver zur Patronin der Weltmission. 1997 erhob Johannes Paul II. sie zur Kirchenlehrerin.

Im Mittelpunkt ihrer Spiritualität steht der sogenannte "Kleine Weg". Thérèse suchte die Heiligkeit nicht in außergewöhnlichen Leistungen, sondern in Vertrauen, Liebe und der bewussten Annahme unscheinbarer Alltagshandlungen. Kleine Dienste, Verzicht, Geduld und Freundlichkeit konnten für sie Ausdruck einer umfassenden Hingabe an Gott sein.

Gerade diese Lehre erklärt einen wesentlichen Teil ihrer raschen volkstümlichen Wirkung. Thérèse war keine Heilige aus einer weit entfernten Epoche und keine mächtige Ordensgründerin oder Herrscherin. Sie war jung verstorben, lebte erst wenige Jahrzehnte vor ihren ersten Hungerburger Verehrern und bot einen geistlichen Weg an, der auch einfachen Menschen zugänglich erschien.

Rosen als Zeichen der Fürbitte

Besonders bekannt wurde ihre Vorstellung, nach dem Tod einen "Regen von Rosen" auf die Erde herabzusenden. Die Rose wurde deshalb zum wichtigsten Erkennungszeichen der Heiligen. Darstellungen zeigen sie meist im braunen Karmelitinnenhabit, mit einem Kruzifix und einem Rosenstrauß oder mit Rosen, die sie über die Welt ausstreut. Der "Rosenregen" wurde als Sinnbild der Gnaden und Gebetserhörungen verstanden, die durch ihre Fürbitte erlangt würden.

Für die Wallfahrt besaß dieses Bild eine besondere Anschaulichkeit. Eine erhaltene Hilfe konnte als eine der Rosen verstanden werden, welche die Heilige vom Himmel herabsende. Umgekehrt eigneten sich Rosenbilder, Blüten, gedruckte Andachtszettel und kleine Devotionalien besonders gut zur persönlichen Erinnerung an den Wallfahrtsort.

Eine Heilige des modernen Medienzeitalters

Die Hungerburger Wallfahrt entstand in einer Zeit, in der Fotografien, gedruckte Heiligenbilder, Zeitschriften, Lebensbeschreibungen und vervielfältigte Gebete bereits rasch verbreitet werden konnten. Der Ruf Thérèses musste nicht über Jahrhunderte langsam wachsen. Ihre Lebensgeschichte und ihr Bild gelangten innerhalb weniger Jahre in Pfarren, Klöster und Privathaushalte in ganz Europa. Ihre Heiligsprechung war erst ein Jahr vergangen, als auf der Hungerburg der Bau einer ihr gewidmeten Kapelle beschlossen wurde.

Die Theresienwallfahrt ist damit ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich ein moderner Heiligenkult unter den Bedingungen von Presse, Fotografie, internationaler Ordensvernetzung und massenhaft verbreiteten Andachtsbildern entwickeln konnte.

Bild, Reliquie und Votivtafeln

Der ursprüngliche Kult beruhte auf der Verbindung eines Theresienbildes mit einer Reliquie. Während ein Gnadenbild seine besondere Bedeutung häufig durch eine örtliche Erscheinungs-, Fund- oder Mirakelgeschichte erhält, schafft eine Reliquie nach katholischem Verständnis eine körperliche Verbindung zur verehrten Heiligen. Der Wallfahrer begegnet nicht nur ihrem Abbild, sondern einer materiellen Spur ihrer Person.

Die zahlreichen Votivtafeln im Eingangsbereich sind der deutlichste materielle Beleg für den Wallfahrtskult. Die Pfarrgemeinde erklärt ausdrücklich, dass sie von dankbaren Personen gestiftet wurden. Damit dokumentieren sie persönliche Bitten und die Überzeugung, durch die Fürsprache Thérèses Hilfe erfahren zu haben.

Die erhaltenen Tafeln datieren hauptsächlich in die Jahre 1933 bis 1959, ein Gnadenbuch soll geführt worden sein. Darin konnten Gebetserhörungen schriftlich festgehalten werden, ohne für jeden einzelnen Fall eine eigene Bildtafel anfertigen zu müssen.

Dieser Übergang von der gemalten Votivtafel zum geschriebenen Gnadenbuch ist volkskundlich aufschlussreich. Die religiöse Praxis verschwindet nicht notwendigerweise, sondern wechselt ihre Ausdrucksform. An die Stelle des öffentlich sichtbaren kleinen Bildes tritt der schriftliche Bericht, der gesammelt und im kirchlichen Rahmen bewahrt wird.

Die Votivtafeln verraten zugleich etwas über die soziale Reichweite des Kultes. Thérèse wurde offenbar nicht nur allgemein verehrt, sondern in konkreten Notlagen angerufen. Jede Tafel steht für eine persönliche Geschichte von Krankheit, Unfall, familiärer Sorge oder anderer Bedrängnis, auch wenn die einzelnen Hintergründe heute nicht immer vollständig bekannt sind.

Kunstgeschichtlich

Die Theresienkirche ist ein längsgerichteter Saalbau in schlichten, massiven Formen. Ihre weitgehend ungegliederten weißen Mauerflächen, die schmalen hohen Fenster und die flache Holzdecke verleihen ihr eine bewusste Strenge. Der kubische Turm an der Südwestecke ist gegenüber der Längsachse gedreht und besitzt eine Außenkanzel. Architektur und Ausstattung verzichten damit auf den reichen Schmuck älterer Tiroler Barock- und Rokokokirchen.

Die Schlichtheit hatte teilweise wirtschaftliche Gründe, erwies sich später aber als künstlerisch fruchtbar. Die großen Wandflächen bildeten einen nahezu idealen Bildgrund für die monumentalen Fresken Ernst Nepos und Max Weilers.

Ernst Nepo

1935 erhielt Ernst Nepo den Auftrag zur ersten bildlichen Ausgestaltung. Von ihm stammt das weithin sichtbare Fassadenfresko über dem Eingang, das Thérèse von Lisieux im Karmelitinnenhabit zeigt. Im Inneren malte er am Triumphbogen die Heilige Familie, Christus, Engel und Szenen beziehungsweise Gestalten aus dem Leben der Kirchenpatronin.

Diese Malereien entsprechen noch weitgehend der Erwartung an ein klar erkennbares, würdiges kirchliches Heiligenbild. Die Patronin erscheint als Identifikationsfigur der Kirche und empfängt die Besucher bereits an der Außenfassade.

Max Weiler und der Hungerburger "Bilderstreit"

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Wettbewerb zur weiteren Ausmalung der Kirche ausgeschrieben. Das Thema war das 150-jährige Jubiläum des Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnisses von 1796. Den Wettbewerb gewann der damals noch wenig bekannte Tiroler Maler Max Weiler, der 1946 und 1947 mehrere großflächige Fresken ausführte.

Weiler übertrug biblische Szenen in eine erkennbar Tiroler Umwelt. Menschen in Tracht, Tiroler Landschaften, Tiere und zeitgenössisch wirkende Figuren begegnen Christus nicht als Zuschauer einer fernen Vergangenheit, sondern als Beteiligte des Heilsgeschehens. Zu den Werken gehören unter anderem die Verehrung des Herzens Jesu, der Lanzenstich, die Herz-Jesu-Sonne, die Johannesminne und die Ölbergszene.

Gerade diese Vergegenwärtigung löste heftige Ablehnung aus. Beim Fresko des Lanzenstichs sind Tiroler nicht nur als fromme Verehrer dargestellt: Ein berittener Tiroler gibt den Befehl, die Seite Christi zu öffnen, während andere Menschen scheinbar gleichgültig unter dem Kreuz stehen. Dazu kamen das berühmt gewordene blaue Pferd und eine Malweise, die viele Betrachter als roh, unfertig oder respektlos empfanden.

Der Streit eskalierte bis zu Gerichtsverfahren, Polizeischutz und Eingaben an den Vatikan. Teile der Fresken blieben von 1950 bis 1958 verhüllt. Was heute als bedeutendes Werk der österreichischen Nachkriegskunst gilt, wurde damals von vielen Gläubigen als Angriff auf religiöse Gefühle und Tiroler Identität wahrgenommen.

Volkskundliche Bedeutung des Kunststreits

Der Konflikt war nicht lediglich ein Streit um "schöne" oder "hässliche" Kunst. Weiler berührte einen empfindlichen Punkt der Tiroler religiösen Selbstdarstellung. Die Herz-Jesu-Verehrung war eng mit der Vorstellung Tirols als besonders katholischem und glaubensfestem Land verbunden. Nun zeigte ein Künstler Tiroler nicht nur als Verteidiger Christi, sondern auch als Menschen, die an seinem Leiden beteiligt sind oder ihm gleichgültig gegenüberstehen.

Damit stellte Weiler die beruhigende Trennung zwischen den "bösen Menschen damals" und den "frommen Tirolern heute" infrage. Das biblische Geschehen wurde zur Frage an die Gegenwart: Auf welcher Seite stünden wir selbst?

Der Volksmund eignete sich die Bilder seinerseits an. Die kreisende Engelgruppe der Herz-Jesu-Sonne, deren Gestalten an Geistliche erinnerten, erhielt beispielsweise den spöttischen Namen "Pfaffenkarussell". Solche Benennungen sind ein klassischer volkskultureller Vorgang: Ein schwer verständliches Kunstwerk wird durch einen einprägsamen, oft humorvollen Ausdruck in die Alltagssprache aufgenommen.

Volkskundliche Bedeutung der Wallfahrt

Eine Wallfahrt des 20. Jahrhunderts

Die Theresienkirche widerlegt die Vorstellung, echte Wallfahrtsorte müssten immer mittelalterlich oder barock sein. Ihre Wallfahrt entstand erst in der Zwischenkriegszeit und erreichte trotzdem innerhalb weniger Jahre alle typischen Kennzeichen eines Gnadenortes:

  • ein besonders verehrtes Bild und eine Reliquie,
  • zahlreiche Pilger,
  • einen wegen des Besucherandrangs notwendig gewordenen Kirchenneubau,
  • persönliche Opferleistungen,
  • Votivtafeln,
  • Dankberichte und ein Gnadenbuch.

Der Ort zeigt damit, dass Wallfahrt keine abgeschlossene historische Erscheinung war, sondern auch unter modernen gesellschaftlichen Bedingungen neu entstehen konnte.

Die "kleine Heilige" als nahbare Helferin

Thérèse wurde häufig als "kleine heilige Theresia" bezeichnet. Das Wort "klein" verweist nicht nur auf ihr junges Alter und ihre körperliche Gestalt, sondern auf ihren geistlichen Weg der kleinen, unscheinbaren Handlungen. Diese Kleinheit machte sie für viele Menschen besonders zugänglich.

In der Wallfahrt erschien sie nicht als unerreichbare Himmelskönigin oder strenge Märtyrerin. Sie war eine junge Frau der jüngsten Vergangenheit, deren Fotografie bekannt war und deren eigene Worte gelesen werden konnten. Die Verehrer konnten den Eindruck gewinnen, einer beinahe zeitgenössischen Person gegenüberzutreten.

Das Hinauftragen der Ziegel

Der wohl eigenständigste volkskundliche Vorgang der Hungerburger Wallfahrt ist der Ziegeltransport. Hier wurden körperliche Mühe, gemeinschaftliche Arbeit und religiöses Opfer miteinander verbunden. Der Weg bergauf war zugleich Arbeitsweg und Pilgerweg.

Anders als bei einem gewöhnlichen Kirchenbau endete die Gabe nicht in einer anonymen Geldspende. Der einzelne Ziegel konnte getragen, berührt und am Ziel abgelegt werden. Die Handlung war sichtbar und erinnerbar: "Auch mein Ziegel steckt in dieser Kirche."

Damit erhielt der Bau eine soziale Bindungskraft. Menschen unterschiedlicher Herkunft waren durch dieselbe körperliche Leistung miteinander verbunden. Die Kirche wurde zum gemeinsamen Werk und die Wallfahrt zugleich zu einer Form des örtlichen Gemeinschaftsaufbaus.

Votivtafeln als Lebenszeugnisse

Die Votivtafeln machen private Not öffentlich, ohne sie vollständig preiszugeben. Der Name, eine Jahreszahl, ein Bild oder ein kurzer Dank konnten genügen, um eine persönliche Krise in die gemeinschaftliche Erinnerung des Wallfahrtsortes einzuschreiben.

Wie bei älteren Gnadenorten wirkten die Tafeln zugleich als Glaubenszeugnisse für nachfolgende Besucher. Wer sie betrachtete, sah, dass andere Menschen bereits auf Thérèses Hilfe vertraut hatten. Die Dankeszeichen verstärkten damit fortwährend den Ruf der Heiligen.

Wallfahrtskirche und Stadtteilkirche

Die Theresienkirche war von Anfang an beides: Ziel auswärtiger Besucher und Gotteshaus der Hungerburger Bevölkerung. Aus der Wallfahrtskapelle entwickelte sich schrittweise eine reguläre seelsorgliche Gemeinde; 1973 wurde die Hungerburg zum Pfarrvikariat erhoben. Seit 1983 wurde die seelsorgliche Verbindung mit dem Teresianischen Karmel besonders eng.

Diese Doppelfunktion kann den Wallfahrtscharakter langfristig verändern. Für die Bewohner wird die ehemalige Pilgerkirche zur vertrauten Tauf-, Trauungs-, Begräbnis- und Sonntagskirche. Die außeralltägliche Wallfahrt und der gewöhnliche pfarrliche Lebenslauf gehen ineinander über.

Literatur zur Wallfahrt:

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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