| Wallfahrt: | Lokaler städtischer Gnaden- und Andachtsort um das Schwarze Kreuz und die Mutter vom Guten Rat in der Innsbrucker Spitalskirche. |
| Status: | Die persönliche Verehrung besteht fort; Umfang und Organisation einer früheren Wallfahrt sind bislang nur lückenhaft dokumentiert. |
| Kultzentrum: | Das Schwarze Kreuz aus dem 16. Jahrhundert sowie eine Nachbildung des Gnadenbildes Maria, Mutter vom Guten Rat aus Genazzano. |
| Besonderheit: | Verbindung von historischer Spitalseelsorge, Christusverehrung und bis heute gepflegter persönlicher Bitte um Rat und Orientierung. |
| Ort: | Innsbruck, Maria-Theresien-Straße. |
| Bezirk: | Innsbruck-Stadt. |
| Bundesland: | Tirol. |
| • | Lage: Innsbruck, Maria-Theresien-Straße (Westseite) - Maria-Theresien-Straße 2, 6020 Innsbruck. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innsbruck |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Innsbruck-Altspitalkaplanei Hl. Geist |
| • | Öffnungszeiten: übliche Kirchenöffnungszeiten, kein Eintritt. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
• Außenansicht:
• Der Andachtsort:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Detailansicht des Bildes "Maria vom Guten Rat" am linken Seitenaltar der Spitalskirche zum hl. Geist in Innsbruck. Darüber das "Schwarze Kreuz".
Hier findet das Bild "Unsere Liebe Frau vom Guten Rat" auch in der Gegenwart besondere Verehrung.
Inschrift:
"S. Maria von gutem Rath so
verehret wird zu Genazzano"
Die Verehrung Mariens als Mutter vom guten Rat nimmt Bezug auf das Heiligtum "Unserer Lieben Frau vom Guten Rat" in der italienischen Ortschaft Genazzano im Latium. Die Wallfahrten zu dem mittelalterlichen Gnadenbild dort sind seit 1467 gut dokumentiert und wurden von vielen Päpsten gefördert.
• Gnadenbild:
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Detailansicht des Bildes "Maria vom Guten Rat" am linken Seitenaltar der Spitalskirche zum hl. Geist in Innsbruck.
Hier findet das Bild "Unsere Liebe Frau vom Guten Rat" auch in der Gegenwart besondere Verehrung.
Inschrift:
"S. Maria von gutem Rath so
verehret wird zu Genazzano"
Die Verehrung Mariens als Mutter vom guten Rat nimmt Bezug auf das Heiligtum "Unserer Lieben Frau vom Guten Rat" in der italienischen Ortschaft Genazzano im Latium. Die Wallfahrten zu dem mittelalterlichen Gnadenbild dort sind seit 1467 gut dokumentiert und wurden von vielen Päpsten gefördert.
Die Innsbrucker Spitalskirche zum Heiligen Geist ist keine ursprünglich als Wallfahrtskirche errichtete Kirche. Sie entwickelte sich jedoch um das am linken Seitenaltar verehrte "Schwarze Kreuz" zu einem lokalen städtischen Gnaden- und Andachtsort. Ergänzend wird dort eine Nachbildung des Gnadenbildes "Maria, Mutter vom Guten Rat" aus Genazzano verehrt, die bis heute von Menschen in persönlichen Entscheidungs- und Notlagen aufgesucht wird. Umfang und Organisation der früheren Wallfahrt sind bislang jedoch nur lückenhaft dokumentiert.
Die Kirche entstand im Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Innsbrucker Stadtspital. Dieses lag zunächst außerhalb der Stadtmauern, weil Kranke, Pflegebedürftige und möglicherweise ansteckende Personen von der dicht besiedelten Stadt getrennt untergebracht werden sollten. Das Spital ist seit dem frühen 14. Jahrhundert belegt; 1381 beziehungsweise 1389 wird die zugehörige Kapelle bereits ausdrücklich als Kirche bezeichnet. Ihr Heilig-Geist-Patrozinium verweist auf die mittelalterliche Verbindung von Hospitalwesen, Armenpflege und christlicher Barmherzigkeit.
1596 wurde der ältere Bau erweitert. Nach schweren Beschädigungen durch das Erdbeben von 1689 entstand um 1700 nach Plänen des Innsbrucker Hofbaumeisters Johann Martin Gumpp des Älteren die heutige barocke Kirche. Die Weihe nahm am 8. Juni 1705 der Brixner Fürstbischof Kaspar Ignaz Graf Künigl vor. Das Stadtspital wurde 1888 in den Bereich der heutigen Universitätsklinik verlegt; die Kirche blieb jedoch bestehen.
Seit 2018 wird sie als "Kirche im Herzen der Stadt" geführt. Sie ist heute weniger eine traditionelle Pfarrkirche als ein offener innerstädtischer Ort für Gebet, Stille, Gespräche, Kunst und niederschwellige Seelsorge.
Die Spitalskirche ist ein verhältnismäßig kleiner, aber außerordentlich geschlossen wirkender hochbarocker Sakralraum. Die Außenfassade ist durch rosafarbene Wandflächen, Natursteinrahmungen, ovale Oberfenster und reich verzierte Portale gegliedert. Der seitlich stehende Turm mit seiner geschweiften Haube bildet einen markanten Abschluss am Beginn der Maria-Theresien-Straße.
Im Inneren bestimmen weißer Stuck, Wandpfeiler, Gewölbeflächen und die drei großen Altaraufbauten den Raumeindruck. Der Hochaltar wurde 1705 von Cristoforo Benedetti geschaffen. Sein heutiges Altarbild mit der Herabkunft des Heiligen Geistes malte Caspar Jele 1848 im nazarenischen Stil. Die Seitenaltäre stammen von Michael Stippler. Die im Zweiten Weltkrieg beschädigten Deckenbilder wurden 1962 von Hans Andre neu gestaltet.
Am rechten Seitenaltar befindet sich das um 1709 von Ulrich Glantschnigg gemalte Bild der heiligen Anna und des heiligen Joachim mit ihrer Tochter Maria. Für die Wallfahrtsgeschichte ist jedoch vor allem der linke Seitenaltar wichtig.
Das dort angebrachte Kruzifix stammt aus dem 16. Jahrhundert und damit noch aus der Vorgängerkirche. Die stark nachgedunkelte Fassung des Christuskörpers führte zum volkstümlichen Namen "Schwarzes Kreuz". Es handelt sich also nicht um ein aus schwarzem Material geschaffenes Kreuz, sondern um ein ursprünglich farbig gefasstes Werk, dessen Oberfläche im Laufe der Zeit dunkel geworden ist.
Gerade diese Verdunkelung dürfte die Wirkung des Bildwerkes noch gesteigert haben. Der dunkle, leidende Christus hob sich eindrucksvoll vom hellen barocken Kirchenraum ab und erhielt im Volksmund einen eigenen Namen. Dass sich sowohl Hans Hörtnagl als auch die Denkmalpflegerin Johanna Gritsch eigens mit dem "Schwarzen Kreuz" beschäftigten, zeigt, dass es nicht bloß ein beliebiges Ausstattungsstück war, sondern ein über längere Zeit besonders wahrgenommenes und verehrtes Kultbild.
Die genaue ältere Entstehungs- und Mirakelüberlieferung bedarf anhand der Beiträge Hörtnagls und Gritschs sowie der Innsbrucker Spitalsakten noch eingehender Untersuchung. In den frei zugänglichen Quellen sind bislang weder ein Mirakelbuch noch ein fester jährlicher Wallfahrtstermin oder bestimmte Herkunftsgemeinden der Wallfahrer nachweisbar. Eine große organisierte Kreuzwallfahrt ist daher derzeit nicht belegbar.
Auf der Mensa des linken Seitenaltars befindet sich außerdem ein kleines Marienbild mit der Aufschrift:
"S. Maria von gutem Rath so verehret wird zu Genazzano."
Es handelt sich um eine Nachbildung des berühmten Gnadenbildes von Genazzano südöstlich von Rom. Dort entwickelte sich seit 1467 eine bedeutende Wallfahrt zur innig aneinander geschmiegten Muttergottes mit dem Jesuskind; noch im Jahr 1467 wurden zahlreiche als Wunder verstandene Gebetserhörungen aufgezeichnet.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Die seit 1467 belegte Wallfahrt betrifft zunächst Genazzano, nicht automatisch Innsbruck. Für das Innsbrucker Bild sind Verehrung und fortdauerndes persönliches Gebet belegt, jedoch bislang keine ebenso umfangreiche eigenständige Wallfahrtsorganisation.
Dass das Bild dennoch bis in die Gegenwart als besonderer Zufluchtsort erlebt wird, zeigt ein Bericht des früheren Leiters der Spitalskirche, Jakob Bürgler: In einer schwierigen Entscheidung suchte er die "Mutter vom guten Rat" auf, bat dort um Hilfe und verband eine unmittelbar danach gefundene Lösung mit diesem Gebet.
Die Verehrung ist somit keineswegs vollständig erloschen. Neben dem leidenden Christus des Schwarzen Kreuzes steht Maria als Ratgeberin in Unsicherheit, Ratlosigkeit und schwierigen Lebensentscheidungen.
Volkskundlich bemerkenswert ist zunächst die Verbindung von Spital und Gnadenort. Die Kirche war ursprünglich von Kranken, Alten, Armen und Sterbenden umgeben. Ein Bild des leidenden Christus erhielt in diesem Umfeld eine besondere Unmittelbarkeit: Die körperlichen Leiden der Spitalsbewohner konnten im gekreuzigten Christus wiedererkannt und religiös gedeutet werden.
Das Schwarze Kreuz war dabei nicht nur ein Kunstwerk, sondern ein personales Gegenüber. Menschen konnten vor ihm klagen, bitten, danken und ihre eigene Krankheit in Beziehung zur Passion Christi setzen. Der volkstümliche Name machte das Bild leicht benennbar und unterschied es von gewöhnlichen Kruzifixen. So wurde aus einem alten, nachgedunkelten Bildwerk ein besonderer Ort religiöser Nähe.
Die Mutter vom Guten Rat ergänzt diese Leidensfrömmigkeit um ein anderes Bedürfnis: Nicht Heilung, sondern Orientierung und Entscheidungshilfe stehen im Vordergrund. Der Mensch wendet sich an Maria, wenn er keinen Ausweg erkennt oder nicht weiß, welchen Weg er einschlagen soll.
Bemerkenswert ist schließlich die urbane Lage. Die Menschen mussten keinen Berg erklimmen und keine längere Reise unternehmen. Kranke aus dem Spital, Marktbesucher, Dienstboten, Reisende und Bewohner der Stadt konnten die Kirche im Vorübergehen aufsuchen. Diese Form der kleinen Stadtwallfahrt bestand vielfach aus einem persönlichen Bittgang, einer Kerze oder einem stillen Gebet und hinterließ daher weniger archivalische Spuren als große Prozessionen.
• Literatur zur Wallfahrt:
Hans Hörtnagl, Das schwarze Kreuz in der Spitalskirche, in: Innsprugg, Bürger, Bauten, Brauchtum; gesammelte heimatkundliche Schilderungen, Innsbruck 1932, S. 65 - 67.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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