Wallfahrt Innsbruck, Jesuitenkirche zur Hl. Dreifaltigkeit

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marienwallfahrt zur Muttergottes von Foya, der "Mutter der Barmherzigkeit", in der Jesuitenkirche.
Status:Die Gnadenbildverehrung besteht fort, die frühere organisierte Wallfahrtstradition ist heute stark zurückgetreten.
Kultzentrum:Die 1639 nach Innsbruck gelangte kleine Foya-Statue im Glasschrein des Marienaltars.
Besonderheit:Übertragener Gnadenort aus dem internationalen Jesuitennetzwerk und enge Überlieferungsverbindung mit dem Lied "Maria, breit den Mantel aus".
Ort:Innsbruck, Karl-Rahner-Platz.
Bezirk:Innsbruck-Stadt.
Bundesland:Tirol.
Lage und Besuch
Lage: Karl-Rahner-Platz 2, 6020 Innsbruck.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Innsbruck
Ansicht in Street View
Web: Jesuitenkirche Innsbruck
Öffnungszeiten: täglich geöffnet, freier Eintritt.
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Ausführliche Beschreibung

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Innsbruck, Jesuitenkirche

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Innsbruck, Dom St. Jakob

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Gnadenbild:

Innsbruck,  Jesuitenkirche zur Hl. Dreifaltigkeit

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Ausführliche Beschreibung

Die Innsbrucker Jesuitenkirche ist ihrer Hauptfunktion nach keine klassische Wallfahrtskirche, beherbergt aber am Marienaltar mit der Muttergottes von Foya einen historisch belegten marianischen Gnadenort, der Ziel einer städtischen und regionalen Wallfahrt ist.

Die Muttergottes von Foya
Ursprung des Gnadenbildes

Der Ursprung des Kultes liegt nicht in Innsbruck, sondern im heutigen Belgien. In Foy beziehungsweise Foi, einem kleinen Ort bei Dinant, soll in einem verwachsenen Hohlraum einer mächtigen Eiche eine kleine steinerne Marienfigur entdeckt worden sein. Der Fund wurde als außergewöhnliches Zeichen verstanden; der Statue und dem Holz des Baumes wurden in Verbindung mit Gebet und gläubiger Berührung Wunderwirkungen zugeschrieben.

Aus dem Holz jener Eiche und später auch aus benachbarten Bäumen wurden kleine Nachbildungen der aufgefundenen Statue geschnitzt. Diese Figuren waren nicht bloße Erinnerungsstücke. Nach damaligem Verständnis konnten sie an der besonderen Gnadenwirkung des Urbildes teilhaben. Durch die Verbreitung der Kopien entstand ein weitgespanntes Netz von Foy-Gnadenbildern.

Eine solche Nachbildung gelangte in das 1632 gegründete Jesuitenkolleg von Breda in Brabant. Als die Festung Breda 1637 nach längeren Kämpfen an die niederländischen Calvinisten übergeben werden musste, verließen die Jesuiten die Stadt und nahmen die Marienstatue mit. Pater Wilhelm van Wael übergab sie 1639 Pater Reininger, der sie nach Innsbruck brachte.

Die Statue war damit zugleich Flüchtlingsgut, Ordensheiligtum und konfessionelles Erinnerungszeichen. Ihre Rettung aus einem an die Reformierten gefallenen Gebiet konnte im katholischen Verständnis als Bewahrung eines heiligen Bildes vor Entweihung oder Verlust erzählt werden. Das erhöhte ihren symbolischen Wert zusätzlich.

Aufstellung in der Jesuitenkirche

Heute steht die kleine Statue in einem reich verzierten Glasschrein auf dem Marienaltar. Das große Altarblatt dahinter zeigt die Verkündigung an Maria und wurde 1667 von Johann Christoph Storrer aus Konstanz geschaffen. An der Rückwand der Kapelle erinnert ein weiteres Gemälde an den legendären Fund der ursprünglichen Figur im Stamm der Eiche.

Die barocke Inszenierung ist kunst- und frömmigkeitsgeschichtlich bezeichnend: Das eigentliche Gnadenbild ist verhältnismäßig klein. Seine Bedeutung wird deshalb durch Schrein, Altararchitektur, Begleitgemälde und die räumliche Absonderung der Kapelle sichtbar gemacht. Wie bei vielen Gnadenbildern liegt die Wirkung nicht in monumentaler Größe, sondern in der zugeschriebenen Geschichte und der besonderen Nähe, die eine kleine Figur den Betenden ermöglicht.

"Mutter der Barmherzigkeit"

In Innsbruck erhielt die Statue vor allem die Bezeichnung "Mutter der Barmherzigkeit". Sie wurde also nicht lediglich als allgemeine Marienfigur verehrt, sondern als besonders zugängliche Helferin und Beschützerin in Notlagen.

Bereits 1644 erkundigte sich der Rektor des Jesuitenkollegs in Löwen bei den Innsbrucker Mitbrüdern, ob die Statue einen angemessenen Platz erhalten und bereits Wunder gewirkt habe. Diese Frage ist volkskundlich ausgesprochen aufschlussreich: Man erwartete von einem Gnadenbild nicht nur würdige Aufstellung und liturgische Verehrung, sondern konkrete Nachrichten über Gebetserhörungen.

Ob in Innsbruck eigene Mirakelbücher nach dem Vorbild des Domes zu St. Jakob geführt wurden, ist in den zugänglichen Quellen bislang nicht nachweisbar. Ebenso fehlen derzeit sichere Belege für einen umfangreichen Bestand an Votivtafeln oder genau geregelte jährliche Wallfahrten einzelner Gemeinden. Das unterscheidet die Quellenlage deutlich vom hervorragend dokumentierten Mariahilf-Gnadenort im Innsbrucker Dom.

Dennoch ist der Kultstatus eindeutig. Die eigene Kirche bezeichnet die Statue als wundertätiges Gnadenbild und als eines der vielbesuchten Gnadenbilder des Landes. Das ist ein wesentlich stärkerer Beleg als eine bloße fromme Tradition oder die nachträgliche Bezeichnung eines Kunstwerkes als "verehrt".

"Maria, breit den Mantel aus"

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung des Foya-Gnadenbildes mit dem bis heute bekannten Marienlied:

"Maria, breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schild für uns daraus …"

Nach der Überlieferung der Innsbrucker Jesuitenkirche entstand das Lied bereits 1640, also unmittelbar nach der Ankunft der Statue, aus der Verehrung der Mutter der Barmherzigkeit.

Das Lied übersetzt die Funktion des Gnadenbildes in eine leicht verständliche Schutzvorstellung. Der Mantel Mariens wird zum Dach, Schild und Zufluchtsraum für die gesamte Christenheit. Die Bildvorstellung knüpft an die mittelalterliche Schutzmantelmadonna an, bei der Maria ihren Mantel über Einzelne, Familien, Ordensgemeinschaften oder ganze Bevölkerungsgruppen ausbreitet.

Dabei muss die Statue selbst nicht notwendigerweise den Typus einer breit ausgebreiteten Schutzmantelmadonna darstellen. Entscheidend ist vielmehr, dass der Titel "Mutter der Barmherzigkeit" und die Vorstellung eines schützenden Marienmantels in der Frömmigkeit miteinander verbunden wurden.

Volkskundlich ist das Lied mindestens ebenso bedeutsam wie die Statue. Ein Kultbild bleibt an einen bestimmten Ort gebunden; ein Lied kann den Gnadenort verlassen. Es wird bei Prozessionen, Andachten, Hausgebeten, Beerdigungen und in Krisenzeiten gesungen. Auf diese Weise verbreitete sich die Innsbrucker Verehrung in einer Form, die auch Menschen erreichte, welche die kleine Foya-Statue niemals selbst gesehen hatten.

Belege für die Dauer des Kultes

Die Verehrung war nicht auf wenige Jahrzehnte nach der Übertragung beschränkt. Für Dezember 1739 verzeichnet die Innsbrucker Stadtchronik eine glänzend begangene Säkularfeier zu Ehren der Madonna von Foya. 1890 wurde vom 18. bis zum 26. September eine neuntägige Feier zum 250-jährigen Jubiläum des Gnadenbildes veranstaltet.

Diese Jubiläen sind wichtige Wallfahrtsindikatoren. Sie zeigen:

Der Kult besaß eine erinnerte Gründungsgeschichte, ein festes Übertragungsdatum, eine institutionelle Betreuung durch die Jesuiten und die Fähigkeit, über Jahrhunderte hinweg große öffentliche Festfeiern hervorzubringen.

Eine Jubiläumsoktav oder -novene ist zwar nicht automatisch eine Wallfahrt. In Verbindung mit der ausdrücklichen Bezeichnung als vielbesuchtes Gnadenbild ergibt sich jedoch ein klares Bild organisierter Gnadenortfrömmigkeit.

Heute scheint die Wallfahrtstradition stark zurückgetreten zu sein. In den von mir geprüften aktuellen kirchlichen Quellen wird keine regelmäßige Monats- oder Gruppenwallfahrt zur Muttergottes von Foya genannt. Die Statue wird weiterhin als Gnadenbild vorgestellt und verehrt, doch die Kirche tritt gegenwärtig hauptsächlich als Jesuiten- und Universitätskirche, Gottesdienstort und Zentrum der akademischen Seelsorge auf.

Volkskundliche Bedeutung der Wallfahrt
Ein übertragener Gnadenort

Im Gegensatz zu vielen ländlichen Wallfahrtsorten entstand die Innsbrucker Foya-Verehrung nicht aufgrund eines örtlichen Erscheinungs- oder Fundwunders. Das Ursprungswunder ereignete sich in Belgien; nach Innsbruck kam eine aus dem Eichenholz hergestellte Nachbildung.

Dies zeigt ein für die Barockzeit wichtiges Prinzip: Gnade konnte durch eine autorisierte Kopie räumlich übertragen werden. Die Nachbildung galt nicht als wertlose Wiederholung, sondern als materiell und erzählerisch mit dem Urbild verbunden. Das Holz stellte gewissermaßen die körperliche Verbindung zum Fundort her.

Das Netzwerk der Jesuiten

Die Geschichte der Statue ist ohne das internationale Netzwerk des Jesuitenordens kaum denkbar. Das Bild gelangte von Foy nach Breda, wurde von dort gerettet, innerhalb des Ordens weitergegeben und schließlich in Innsbruck aufgestellt. Als 1953 aus Breda um eine neue Kopie gebeten wurde, ließen die Innsbrucker Jesuiten eine Nachbildung anfertigen und zurücksenden. Damit schloss sich der Kreis zwischen dem Herkunftsraum und Innsbruck.

Wallfahrt und Bildverehrung wurden damit Teil einer internationalen Ordenskultur. Die Jesuiten verbreiteten nicht nur theologische Schriften und Schulmodelle, sondern auch Lieder, Heiligenkulte, Reliquien und Gnadenbilder.

Konfessionelle Bedeutung

Die Rettung der Statue aus Breda wurde vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen zwischen katholischen und reformierten Gebieten verstanden. Ein katholisches Gnadenbild wurde aus einer Stadt gerettet, die an die Calvinisten übergeben werden musste, und fand im katholischen Tirol eine neue Heimat.

Damit erhielt die Statue neben ihrer marianischen auch eine konfessionelle Aussage: Sie stand für die Bewahrung katholischer Bildfrömmigkeit in einer Zeit, in der der religiöse Gebrauch von Heiligenbildern zwischen den Konfessionen heftig umstritten war.

Eine urbane Wallfahrt

Wie beim Innsbrucker Dom handelt es sich um einen Gnadenort mitten in der Stadt. Die Besucher mussten keinen abgelegenen Bergweg bewältigen. Der Wallfahrtsbesuch konnte mit Markt, Schule, Studium, Amtsgeschäften oder einer Durchreise verbunden werden.

Die Lage neben Jesuitenkolleg, Gymnasium und später Universität verlieh dem Gnadenort eine besondere soziale Zusammensetzung. Zu den möglichen Verehrenden gehörten neben Stadtbewohnern und auswärtigen Pilgern auch Schüler, Studenten, Professoren, Ordensleute, Hofangehörige und Reisende. Die Wallfahrt war in das städtische und akademische Leben eingebettet.

Schutz in Krisenzeiten

Der Titel "Mutter der Barmherzigkeit" und das Lied vom ausgebreiteten Mantel boten ein starkes religiöses Deutungsmuster für Krieg, Seuche, Vertreibung und persönliche Not. Die Statue selbst war bereits durch Krieg und Flucht nach Innsbruck gelangt. Ihre Biographie verkörperte damit jene Schutzwirkung, die man von ihr erbat: Sie war bedroht gewesen, wurde gerettet und bot nun ihrerseits Schutz.

Weitere Verehrungsmittelpunkte der Kirche

Die Jesuitenkirche besitzt neben dem Foya-Gnadenbild zwei weitere religiöse Zentren, die man jedoch nicht ohne Weiteres als eigene Wallfahrten bezeichnen sollte.

In der vorderen linken Seitenkapelle ruhen seit 1575 die Reliquien des heiligen Pirmin. Seit 1611 zählt Pirmin zu den Stadtpatronen Innsbrucks und wurde besonders gegen die Pest angerufen. Der heutige Reliquienschrein wurde 1954 von Rudolf Millonig geschaffen. Ein eigener historischer Pilgerverkehr zu Pirmin ist denkbar, in den bisher geprüften Quellen aber nicht ausreichend als selbständige Wallfahrt dokumentiert.

Am Judas-Thaddäus-Altar befindet sich außerdem das bedeutende Innsbrucker Herz-Jesu-Bild von 1767. Vor diesem Bild wurden 1796 und 1809 die Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnisse erneuert. Hier handelt es sich um einen zentralen Ort politisch-religiöser Landesfrömmigkeit, aber nicht automatisch um einen Wallfahrtsort im engeren Sinn.

Die Kirche vereinigt somit drei unterschiedliche Kultformen:

die marianische Gnadenortfrömmigkeit um Foya, die Reliquienverehrung des Pestpatrons Pirmin und die politisch-religiöse Herz-Jesu-Verehrung des Landes Tirol.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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