Schmirn, Wallfahrtskapelle zur "Kalten Herberge"

Schnellüberblick
Wallfahrt:Lebendige Marien- und Bergwallfahrt zur Mariahilf-Kopie; Bittgänge an jedem 13. von Mai bis Oktober und am Annatag.
Status:Lebendiger lokaler Wallfahrtsort mit regelmäßigen Bittgängen, Gottesdiensten und weiterhin gepflegter Wallfahrtstradition.
Kultzentrum:Kopie des Innsbrucker Mariahilfbildes von Lucas Cranach am Hochaltar; daneben ein historisch verehrtes Missionskreuz und die Quelle beim alten Kultplatz.
Ort:Schmirn
Region:Innsbruck-Land
Bundesland:Tirol
Lage und Besuch
Lage: Hochmark, 6154 Schmirn.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Tirol - Innsbruck-Land
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Schmirn
Öffnungszeiten: Keine verlässlichen täglichen Öffnungszeiten veröffentlicht; zu Wallfahrten und Gottesdiensten zugänglich.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Historische Ansichtskarte der Wallfahrtskirche "Kalte Herberge" in Schmirn, Tirol.

Historische Ansichtskarte der Wallfahrtskirche "Kalte Herberge", Schmirn, Tirol

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Ein Gnadenort in der Waldlichtung

Die Wallfahrtskirche "Maria zur Kalten Herberge" liegt oberhalb des Weilers Wildlahner auf einer Waldlichtung im Schmirntal. Der Platz gehört zu jenen kleinen Tiroler Wallfahrtsorten, bei denen Landschaft, Weg und religiöse Überlieferung besonders eng miteinander verbunden sind. Die Kirche steht nicht im Dorfzentrum, sondern abseits der Höfe am bewaldeten Hang; der Wallfahrer erreicht sie zu Fuß über einen Bitt- und Kreuzweg. Gerade diese Abgeschiedenheit wurde zum wesentlichen Bestandteil der Vorstellung von der "Kalten Herberge".

Im Mittelpunkt steht eine Kopie des berühmten Mariahilfbildes von Lucas Cranach, dessen Original im Innsbrucker Dom St. Jakob verehrt wird. Um dieses Bild entwickelten sich eine Gründungslegende, die Erinnerung an einen alten Kultbaum, die Verehrung einer Quelle und mehrere Rettungs- und Mirakelerzählungen. Die Kalte Herberge ist deshalb nicht nur ein Kirchenbau des 19. Jahrhunderts, sondern ein kleiner Gnadenort mit mehreren übereinanderliegenden Schichten religiöser Erinnerung.

Die Gründungslegende - Hirte, Jäger oder Holzfäller?

Die Entstehungslegende ist in mehreren Varianten überliefert. Eine neuere Schmirner Fassung erzählt von einem Hirten, der an einem stürmischen Herbsttag unter einer großen Fichte eine wunderschöne Frau mit einem Kind erblickte. Andere Überlieferungen machen aus ihm einen Jäger oder Holzfäller und verlegen die Begegnung in einen kalten Wintertag. Der Mann habe Mitleid mit der Frau empfunden und sinngemäß ausgerufen: "Da habt ihr aber eine kalte Herberge!" Darauf seien Frau und Kind verschwunden. Erst nachträglich habe man erkannt, dass es sich um Maria mit dem Jesuskind gehandelt habe.

Die Unterschiede sind volkskundlich wichtiger als eine künstliche Vereinheitlichung. Hirte, Jäger und Holzfäller gehören alle zur Lebenswelt eines Bergtales; Herbststurm und Winterschnee betonen jeweils die Unwirtlichkeit des Platzes. Gleich bleibt der Kern: Maria erscheint nicht in einem prächtigen Heiligtum, sondern als schutzbedürftige Mutter in einer kalten Waldlandschaft. Gerade aus diesem Gegensatz entsteht der Name des Wallfahrtsortes.

Der Kultbaum und das Mariahilfbild

Nach der örtlichen Überlieferung wurde zur Erinnerung an die Erscheinung eine Kopie des Innsbrucker Mariahilfbildes an jener Fichte angebracht, unter der Maria gesehen worden sein sollte. Damit wurde ein gewöhnlicher Baum zu einem konkreten Andachtsplatz. Der Bildtyp selbst war im Tirol des 17. und 18. Jahrhunderts bereits außerordentlich verbreitet: Cranachs innige Darstellung Mariens mit dem Kind wurde vielfach kopiert, und einzelne Kopien konnten wiederum zum Mittelpunkt eigenständiger lokaler Wallfahrten werden.

Der alte Baum blieb noch bis ins 20. Jahrhundert ein sichtbarer Bestandteil des Gnadenortes. Als er 1972 umstürzte, wurde sein Holz nach der überlieferten Darstellung nicht einfach beseitigt, sondern für einen Bildstock zu Ehren der Gottesmutter verwendet. Darin lebt ein alter religiöser Gedanke weiter: Ein Gegenstand, der lange mit einem Gnadenbild und mit Gebet verbunden war, behält auch nach seiner materiellen Veränderung Erinnerungswert.

1730 oder 1735? Zwei Überlieferungen zur Frühzeit

Die früheste Baugeschichte ist nicht vollständig widerspruchsfrei überliefert. Der Tiroler Kunstkataster beziehungsweise die heutige Denkmaldokumentation nennt bereits für 1730 eine hölzerne Kapelle im Hochwald. 1773 wurde sie durch ein gemauertes Kirchlein ersetzt; der heutige größere Bau entstand 1838.

Der Wallfahrtsbericht Josef Liensbergers von 1912 bewahrt dagegen eine etwas andere lokale Erinnerung. Nach seiner Darstellung sei 1735 zunächst ein Marienbild an der alten Fichte befestigt worden; bald danach habe man für das Bild eine Holzkapelle errichtet. Diese sei unter der Last großer Schneemassen eingestürzt, während das Marienbild unversehrt geblieben sei. Erst anschließend sei ein steinernes Kirchlein erbaut worden.

Beide Angaben lassen sich nicht ohne weiteres miteinander versöhnen. Die Denkmaldokumentation ist für die Bauchronologie die belastbarere Grundlage; Liensbergers Bericht ist dagegen eine wertvolle Quelle dafür, wie die Entstehung des Heiligtums im frühen 20. Jahrhundert erzählt wurde. Gerade diese Differenz zeigt, wie eng historische Baugeschichte und legendäre Kultgeschichte an Wallfahrtsorten ineinandergreifen können.

Der heutige Kirchenbau von 1838

Die heutige Wallfahrtskirche wurde 1838 errichtet. Es handelt sich um eine große zweijochige Kapelle mit stark eingezogenem, niedrigem Chor, Satteldach und Dachreiter. An der Eingangsfassade fällt eine gemalte Uhr von 1864 auf; eine von Säulen getragene Vorhalle schützt den Zugang.

Der Innenraum wird von einer Flachkuppel überspannt. Ein Deckenfresko von Franz Seelos junior aus dem Jahr 1940 zeigt die Krönung Mariens. Die Glasfenster stammen bereits von 1856 und stellen Szenen aus dem Leben Mariens dar. Josef Liensberger beschrieb sie 1912 als Darstellungen der Rosenkranzgeheimnisse. Damit wird der Besucher nicht nur am Hochaltar mit dem Gnadenbild konfrontiert, sondern von einer umfassenden marianischen Bildwelt umgeben.

Der neubarocke Hochaltar nimmt die Mariahilf-Kopie auf. Der Kirchenraum des 19. und 20. Jahrhunderts inszeniert damit einen Kult, dessen Anfänge in der Erinnerung noch an einen einfachen Baum im Wald gebunden waren.

Das Gnadenbild

Das eigentliche Gnadenbild ist eine Kopie des Mariahilfbildes von Lucas Cranach. Maria hält das Jesuskind eng an sich; Mutter und Kind berühren einander in einer besonders unmittelbaren und menschlich wirkenden Weise. Diese Bildform wurde seit dem 17. Jahrhundert zu einem der erfolgreichsten Marienbildtypen des Alpenraumes.

Für die Kalte Herberge ist gerade die Übertragung eines bereits berühmten Gnadenbildtypus charakteristisch. Die religiöse Bedeutung blieb nicht auf das Innsbrucker Original beschränkt. Eine Kopie konnte an einem neuen Ort in eine eigene Legende, Landschaft und Wallfahrt eingebunden werden. So entstand aus dem europaweit verbreiteten Mariahilfbild ein unverwechselbar Schmirner Gnadenort.

Ludwig Steub 1846 - ein früher Augenzeuge der Wallfahrt

Eine besonders wertvolle frühe Quelle liefert der Reiseschriftsteller Ludwig Steub. In seinem 1846 erschienenen Werk "Drei Sommer in Tirol" schildert er seinen Weg durch Schmirn. Der örtliche Geistliche begleitete ihn zur Kalten Herberge, die Steub ausdrücklich als "einer Wallfahrt, die sich erst in den neuesten Zeiten aufgethan" bezeichnete.

Diese Bemerkung ist für die Geschichte des Ortes wichtig. Sie zeigt, dass die Wallfahrt in den 1840er-Jahren als vergleichsweise junge, gerade erst stärker hervorgetretene Wallfahrt wahrgenommen wurde. Das passt zeitlich auffallend gut zum Neubau der größeren Kirche von 1838, ohne dass daraus allein ein unmittelbarer ursächlicher Zusammenhang abgeleitet werden darf.

Steub beschreibt das Kirchlein als sauber und weithin aus dem Wald leuchtend. Seine Aufmerksamkeit galt jedoch nicht zuerst dem Mariahilfbild, sondern einem ungewöhnlichen Kreuz, das bereits damals als besondere Merkwürdigkeit des Ortes gezeigt wurde.

Das Missionskreuz und die Peter-Miller-Erzählung

Nach Steubs Bericht lag beziehungsweise hing in der Kirche ein Kruzifix auf schwarzem Samt. Ein beigefügter Zettel erklärte, das Kreuz habe dem Missionar Peter Miller auf seinen Reisen in Amerika gehört. Im Jahr 1783 sei Miller gefangen genommen und zum Tod am folgenden Morgen bestimmt worden. Er habe vor dem Kreuz gebetet, sein Leben Gott anvertraut und um Rettung nur für den Fall gebeten, dass er weiter missionarisch wirken könne. Nach dem Einschlafen sei er, so die Erzählung, weit entfernt von seinen Gefangenen wieder erwacht.

Steub gibt diese Geschichte ausdrücklich als Inhalt eines beim Kreuz angebrachten Zettels wieder. Sie ist deshalb als historische Wallfahrtsüberlieferung außerordentlich interessant, darf aber nicht als überprüfter Tatsachenbericht behandelt werden. Bemerkenswert ist vor allem, dass diese Rettungserzählung bereits 1846 fest mit dem Kultinventar der Kalten Herberge verbunden war.

Eine andere Überlieferung nennt als Stifter eines Missionskreuzes den Jesuiten Christoph Müller. Josef Liensberger berichtet 1912, Müller habe während einer Volksmission in Schmirn sein Kreuzbild dem neuen Kirchlein geschenkt und ihm eine große Zukunft als Wallfahrtsort vorausgesagt. Ob beide Erzählungen dasselbe Kreuz meinen oder verschiedene Traditionen später miteinander verbunden wurden, lässt sich aus den zugänglichen Quellen nicht sicher entscheiden.

Josef Liensberger 1912 - eine seltene Wallfahrtsbeschreibung

Ein außergewöhnlich anschauliches Bild der Kalten Herberge bietet Josef Liensberger in seinem 1912 veröffentlichten Beitrag "Kalt Herberg, das Waldkirchlein in Tirol". Er kam über das Tuxer Joch aus dem Zillertal nach Schmirn und schilderte die Kirche als stilles Waldheiligtum, umgeben von Lärchen und Fichten. Im Inneren hob er die farbigen Glasfenster und das im Abendlicht leuchtende Mariahilfbild hervor.

Sein Text ist besonders wertvoll, weil er neben der Gründungsüberlieferung auch kleinere lokale Geschichten festhält. Dazu gehört die Erzählung, jemand habe die alte Fichte fällen wollen, sich jedoch bereits beim ersten Hieb am Fuß verletzt. Der Baum sei daraufhin stehen geblieben. Auch der Einsturz der hölzernen Kapelle unter großer Schneelast und die wunderbare Unversehrtheit des Marienbildes gehören zu dieser 1912 aufgezeichneten Tradition.

Liensberger berichtet außerdem, dass 1857 ein Neupriester seine erste Messe in der Kalten Herberge gefeiert habe und danach als Missionar nach Afrika gegangen sei. Für diese Einzelheit liegt bislang keine unabhängige Bestätigung vor; als Bestandteil der damaligen lokalen Erinnerung zeigt sie jedoch erneut, wie stark Mission, Marienverehrung und die Vorstellung göttlichen Schutzes miteinander verbunden wurden.

Die Rettung des Franz St. im Jahr 1893

Auf seinem Weg nach Schmirn sah Liensberger einen Bildstock mit einer Rettungsgeschichte aus dem Jahr 1893. Ein Mann namens Franz St. habe sich bei der Weißen Wand verirrt, sei abgestürzt und habe zwei Tage verletzt im alten Schnee gelegen. In seiner Not habe er die Gottesmutter angerufen. Schließlich sei er von einem Almhirt gefunden worden, der auf dem Weg zur Sonntagsmesse ausnahmsweise einen sonst nicht üblichen Steig genommen habe.

Liensbergers Begleiter kannte den Verunglückten nach eigener Aussage persönlich. Die Erzählung gehört damit zu jener Gruppe von Wallfahrtsgeschichten, in denen konkrete alpine Gefahr, Gebet und unerwartete Rettung miteinander verbunden werden. Sie zeigt zugleich, welche Nöte in einem Bergtal besonders naheliegend waren: Verirren, Absturz, Schnee und die Angst, unentdeckt zu bleiben.

Die Quelle bei der Kalten Herberge

Zur religiösen Landschaft der Kalten Herberge gehört auch eine Quelle. Neuere örtliche Darstellungen verbinden sie unmittelbar mit dem alten Kultbaum und erzählen, das Wasser sei bei dessen Wurzeln hervorgetreten. Die Quelle wird bis heute aufgesucht und ihr Wasser entnommen. Überlieferungen über eine besondere Wirkung des Wassers gehören zur religiösen Volkskultur des Gnadenortes; eine medizinische Wirkung ist damit nicht behauptet.

Annatag und die Wallfahrt am Dreizehnten

Die Kalte Herberge ist kein erloschener Wallfahrtsort. Der Annatag am 26. Juli wird als Kirchenpatrozinium beziehungsweise besonderer Festtag mit Bittgang und Gottesdienst begangen. Daneben findet von Mai bis Oktober jeweils am 13. des Monats eine Abendwallfahrt statt.

Eine diözesane Beschreibung nennt für diese monatlichen Bittgänge ausdrücklich das Gebet um Priesterberufungen. Der Weg beginnt bei der Kapelle in Toldern und führt betend hinauf zum Gnadenort; dort wird die Messe gefeiert. Der 13. als monatlicher Wallfahrtstag fügt die Kalte Herberge zugleich in eine im 20. Jahrhundert weit verbreitete marianische Frömmigkeitsform ein, die besonders durch die Erinnerung an die Erscheinungen von Fatima geprägt wurde.

Am Annatag wird außerdem ein Bergsegen gespendet. In einem Hochtal mit Viehwirtschaft, steilen Hängen, Unwettern und Lawinen besitzt ein solcher Segen eine besonders anschauliche Beziehung zur Lebenswelt der Bevölkerung.

Der Kreuzweg zum Gnadenort

Auch der Weg zur Kirche ist religiös gestaltet. Kreuzwegstationen begleiten den Aufstieg von Toldern zur Kalten Herberge. Die älteren, etwa in den 1970er-Jahren aus Lärchenholz errichteten Stationen waren durch die Witterung stark beschädigt worden. 2016 wurde der Kreuzweg erneuert.

Die neuen Stationen wurden bewusst entlang des ruhigeren Rodelweges von Toldern angelegt, damit Wallfahrer abseits des Straßenverkehrs beten können. Bronzegusstafeln wurden auf Steinen befestigt. Die Segnung erfolgte bei der monatlichen Abendwallfahrt am 13. September 2016, unmittelbar vor dem Fest Kreuzerhöhung. Damit wurde der historische Gnadenort um eine moderne, aber traditionsgebundene Form des Wallfahrtsweges ergänzt.

Restaurierung 2014

Eine umfassende Restaurierung wurde 2014 abgeschlossen. Decken- und Wandmalereien befanden sich zuvor in schlechtem Zustand, die Glasfenster wiesen Bruchstellen auf und mussten gesichert beziehungsweise farblich ausgebessert werden. Auch Altarstufen, Steinboden, Gestühl, Fundamente und Entwässerung wurden bearbeitet.

Neu entstand ein steinerner Ambo des Bildhauers Peter Kuttler. Seine Form nimmt das Motiv des Schutzmantels Mariens auf und verbindet die moderne liturgische Ausstattung unmittelbar mit der marianischen Tradition des Wallfahrtsortes. Gleichzeitig wurden die technische Infrastruktur und die Umfassung des Kirchleins erneuert. Die Arbeiten zeigen, dass die Kalte Herberge nicht nur als Denkmal erhalten, sondern weiterhin als genutzter religiöser Ort gepflegt wird.

Wallfahrt über die Berge

Die Lage des Heiligtums gehört wesentlich zu seiner Identität. Das Schmirntal war über das Tuxer Joch jahrhundertelang eng mit Hintertux und dem Zillertal verbunden. Liensberger erreichte die Kalte Herberge 1912 gerade über diesen alten Übergang. Auch in jüngerer Zeit wurden wieder Pilgerwege über das Tuxer Joch zur Kalten Herberge durchgeführt.

Damit besitzt die Wallfahrt neben dem lokalen Bittgang aus Schmirn auch den Charakter einer Bergwallfahrt. Der Weg über Joch, Wald und steile Talflanken macht das Unterwegssein selbst zu einem Teil der religiösen Erfahrung. Die "Kalte Herberge" erscheint am Ende dieses Weges tatsächlich als Schutz- und Zufluchtsort.

Volkskundliche Bedeutung

Volkskundlich ist die Kalte Herberge ungewöhnlich reich. Fast alle Elemente der Überlieferung sind eng mit der alpinen Lebenswelt verbunden: eine Frau mit Kind sucht Schutz im kalten Wald, ein Marienbild hängt an einer Fichte, Schnee bringt die erste Kapelle zum Einsturz, eine Quelle wird religiös gedeutet, Menschen geraten in Bergnot und werden nach Gebet gerettet, und am Festtag wird ein Segen über die Berge gesprochen.

Hinzu kommt die bemerkenswerte Verbindung eines international verbreiteten Bildtypus mit einem sehr lokalen Ort. Das Mariahilfbild Cranachs gelangte als Kopie aus Innsbruck in das entlegene Schmirntal und wurde dort mit einer eigenen Erscheinungslegende, einem Baum, einer Quelle und einem eigenen Wallfahrtsrhythmus verbunden. Gerade dieser Vorgang zeigt, wie aus einer Kopie eines berühmten Gnadenbildes ein selbständiger lokaler Gnadenort entstehen konnte.

Die seltenen Beschreibungen Steubs von 1846 und Liensbergers von 1912 machen die Kalte Herberge darüber hinaus zu einem besonders gut fassbaren Beispiel dafür, wie Wallfahrtsüberlieferung entsteht und weitergegeben wird. Beide Autoren beschreiben denselben Ort, setzen aber andere Schwerpunkte: Steub sieht eine junge Wallfahrt und staunt über das Missionskreuz; Liensberger erlebt Jahrzehnte später bereits einen fest etablierten marianischen Gnadenort mit eigener Geschichte, Rettungslegenden und ausgeprägter Atmosphäre. Zusammen ermöglichen diese Quellen einen ungewöhnlich tiefen Blick in die Entwicklung einer kleinen Tiroler Bergwallfahrt.

Literatur und Quellen

• Dollinger, Inge: Tiroler Wallfahrtsbuch. Die Wallfahrtsorte Nord-, Ost- und Südtirols. Tyrolia - Athesia, Innsbruck - Bozen 1982, S. 37-38.

• Dollinger, I. / Wiesauer: "Wallfahrtskapelle Maria zur Kalten Herberge, Kapelle Kalte Herberge." Tiroler Kunstkataster, TKK 19469; HERIS-ID 96639, Objekt-ID 112179.

• Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Tirol. Wien 1980, Schmirn, Kalte Herberge.

• Steub, Ludwig: Drei Sommer in Tirol. München: Verlag der literarisch-artistischen Anstalt 1846, S. 502-503. Frühe Beschreibung der Kalten Herberge als Wallfahrt und der Überlieferung zum Missionskreuz.

• Liensberger, Josef: "Kalt Herberg, das Waldkirchlein in Tirol." In: Ave Maria, Februar 1912, S. 29. Seltene ausführliche Schilderung des Gnadenortes und seiner Überlieferungen.

• Hasibeder, Herta: "Wallfahrtskapelle zur Kalten Herberge. Schmirn." Pfarrbrief Mariahilf, Winter 2018/2019.

• Österreichischer Alpenverein / Bergsteigerdörfer: St. Jodok, Schmirn- und Valsertal - Stolze Berge, sanfte Täler. 5., aktualisierte Auflage, Innsbruck 2024, Abschnitt "Bergwallfahrt zur Kalten Herberge".

• Beermeister, Helga: Alpingeschichte kurz und bündig - St. Jodok, Schmirn- und Valsertal. Innsbruck 2016.

• Hörtnagl, Lambert: "Kreuzwegstationen 'Kalte Herberge' neu errichtet." In: Pfarrblatt des Seelsorgeraumes Oberes Wipptal, 2016.

• Seelsorgeraum Oberes Wipptal / Pfarre Schmirn: Berichte zur Restaurierung der Wallfahrtskirche 2014 sowie zur gegenwärtigen Wallfahrtspraxis.

• Diözese Innsbruck / Tiroler Sonntag: Wallfahrtsübersichten und Hinweise zu den Abendwallfahrten Maria zur Kalten Herberge sowie zum Annatag.

• SAGEN.at-Fotogalerie: Historische Ansichtskarte "Wallfahrtskirche Kalte Herberge, Schmirn, Tirol".

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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