Trafoi – Marienwallfahrt zu den Heiligen Drei Brunnen

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Marien- und Quellwallfahrt im hinteren Trafoital. Die frühe Datierung auf 1229 gehört zur Gründungslegende; auch der in einer späteren Pfarrchronik genannte Kreuzgang von 1526 ist nicht durch eine zeitgenössische Quelle bestätigt. Sicher archivalisch fassbar ist unter anderem der Schludernser Kreuzgang von 1748.
Status:Lebendige Wallfahrt. Die große Prozession mit Übertragung des Gnadenbildes findet am Pfingstmontag statt; im Herbst wird das Bild für die Wintermonate in die Pfarrkirche von Trafoi zurückgebracht.
Kultzentrum:Bekleidetes und gekröntes Mariengnadenbild des 17. Jahrhunderts sowie die Heiligen Drei Brunnen. Nach altem Brauch soll aus allen drei sichtbaren Wasserläufen getrunken werden.
Ort:Heilige Drei Brunnen oberhalb von Trafoi am Ortler, auf rund 1.600 Metern Höhe im hinteren Trafoital.
Gemeinde:Stilfs / Stelvio.
Land:Südtirol, Italien.
Lage und Besuch
Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau zu den Heiligen Drei Brunnen, 39029 Trafoi am Ortler. Der Gnadenort liegt etwa drei Kilometer oberhalb des Dorfes Trafoi am Fuß der Ortlergruppe.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View – von der Abzweigung sind es nur wenige Minuten zu Fuß.
Seelsorge: Seelsorgeeinheit Ortlergebiet mit Prad-Agums, Lichtenberg, Stilfs, Sulden und Trafoi.
Zugang: Der Wallfahrtsort wird vor allem in den schneeärmeren Monaten besucht. Nach Starkregen, Muren oder Sicherungsarbeiten können Wege und Zufahrten kurzfristig gesperrt sein.
Wallfahrtsjahr: Das Gnadenbild wird am Pfingstmontag zum Sommeraufenthalt zu den Drei Brunnen getragen und im Herbst wieder in die Pfarrkirche Trafoi zurückgebracht.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Trafoi, Wallfahrtskirche zu den Heiligen Drei Brunnen am Fuß des Ortlers. Der hochalpine Gnadenort liegt oberhalb des Dorfes Trafoi in einer von Fels, Wald, Gletschern und Wildbächen geprägten Landschaft.

Trafoi, Marienwallfahrt zu den Heiligen Drei Brunnen - Wallfahrtskirche

Bildquelle: SAGEN.at

Innenraum der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung. Die barocke Ausstattung und die Ausmalung des Presbyteriums beziehen die Gründungslegende, den Gnadenbrunnen und den Schutz vor den Naturgewalten in das Bildprogramm ein.

Innenraum der Wallfahrtskirche zu den Heiligen Drei Brunnen in Trafoi

Bildquelle: SAGEN.at

Das Gnadenbild der Muttergottes von Trafoi. Die etwa 120 Zentimeter hohe, bekleidete und gekrönte Holzfigur gilt als italienische Arbeit des 17. Jahrhunderts; nach dem Pfarrinventar besitzt sie mehrere Kleider und Mäntel.

Gnadenbild der Muttergottes von Trafoi

Bildquelle: SAGEN.at

Votivgaben in der Wallfahrtskirche. Der Trafoier Bestand umfasst unter anderem Nachbildungen von Händen und Füßen, Prothesen, Beinschienen und die auffällige hölzerne Stachel- beziehungsweise Gebärkugel.

Votivgaben in der Wallfahrtskirche Trafoi

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Die Loretokapelle zwischen Wallfahrtskirche und Brunnenhaus. Sie wurde 1645 als steinerne Kapelle für das Gnadenbild errichtet und blieb auch nach dem Bau der größeren Kirche ein bevorzugter Ort persönlicher Marienandacht.

Loretokapelle bei den Heiligen Drei Brunnen in Trafoi

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Wallfahrtskirche und Loretokapelle. Das Ensemble macht sichtbar, dass der Gnadenort nicht aus einem einzigen Bau besteht, sondern aus mehreren sakralen Stationen mit unterschiedlichen Funktionen.

Wallfahrtskirche und Loretokapelle bei Trafoi

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Das Brunnenhaus mit den Heiligen Drei Brunnen. Sein Erscheinungsbild wurde mehrfach verändert; im 19. Jahrhundert wurde noch ein einfacher, teilweise verfallener Holzbau beschrieben.

Brunnenhaus der Heiligen Drei Brunnen in Trafoi

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Die Drei Heiligen Brunnen. Heute wird das Wasser einer höher gelegenen Hangquelle zugeführt und im Brunnenhaus in drei sichtbare Wasserläufe geteilt. Nach altem Brauch trinken Pilger aus allen drei Wassern.

Die Drei Heiligen Brunnen in Trafoi

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Gemalte Gründungslegende "Auffindung der drei Kreuze". Die Tafel verbindet die Jahreszahl 1229 mit dem Hirten Moritz, drei aus dem Felsen hervorbrechenden Wasserstrahlen und drei Kreuzen. Diese Erzählung gehört zur Gründungslegende und ist kein zeitgenössischer historischer Beleg.

Gemalte Gründungslegende der Heiligen Drei Brunnen in Trafoi

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Auffindungslegende des Gnadenbildes. Ein Holzhacker soll beim Fällen einer Tanne durch eine Stimme auf die im Baum verborgene Marienfigur aufmerksam geworden sein. Die Erzählung erklärt den konkreten Standort des Heiligtums.

Auffindungslegende des Gnadenbildes von Trafoi

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Gemalte Legende zu Johannes de Grava und Müstair. Die Legende verbindet den Trafoier Gnadenort mit dem Kloster Müstair; historische Wirtschaftsbeziehungen zwischen Trafoi und dem Kloster sind durch Urbare belegt, die konkrete Legendenhandlung hingegen nicht.

Legende zu Johannes de Grava und dem Gnadenbild von Trafoi

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Bild über dem Hochaltar: Drei Wasserstrahlen entspringen aus dem Berg, darüber spendet die Muttergottes ihren Segen. Die Darstellung verbindet Heilwasser und Mariengnade unmittelbar miteinander.

Hochaltarbild mit den drei Quellen in Trafoi

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Votivbild von 1693 mit der Auffindung der drei Kreuze. Es ist die älteste erhaltene und datierte Votivtafel des Trafoier Gnadenortes und zugleich ein frühes Zeugnis dafür, wie die Gründungslegende im Votivwesen weitergegeben wurde.

Ältestes Votivbild von 1693 bei den Heiligen Drei Brunnen

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Votivbild von 1977. Die Inschrift dankt der Muttergottes für die Rettung aus einer Lawine im Steintal. Das Bild führt ein altes Trafoier Wallfahrtsmotiv - Schutz vor den Naturgewalten - bis in die jüngere Vergangenheit fort.

Votivbild von 1977 zur Rettung aus einer Lawine bei Trafoi

Bildquelle: SAGEN.at

Die Heiligen Drei Brunnen nächst Trafoi im Ortlergebiet auf einer gelaufenen Ansichtskarte vom 29. Juli 1904. Historische Ansichten dokumentieren auch die bauliche Entwicklung des Wallfahrtsensembles.

Historische Ansichtskarte der Heiligen Drei Brunnen bei Trafoi von 1904

Bildquelle: SAGEN.at

Ausführliche Beschreibung

Die Wallfahrtsstätte Unsere Liebe Frau zu den Heiligen Drei Brunnen liegt im hinteren Trafoital am Fuß des Ortlers in einer hochalpinen Landschaft, in der Gletscher, Felswände, Moränen, Wildbäche und Wälder den Charakter des Ortes bestimmen. Zur Gnadenstätte gehören die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung, die kleinere Loretokapelle und das Brunnenhaus. Im Mittelpunkt der Verehrung stehen das Gnadenbild der Muttergottes und die drei heiligen Wasser. Gerade das Zusammenspiel von Marienbild, Heilwasser, Votivwesen, Prozession und bedrohlicher Natur hat Trafoi über Jahrhunderte zu einem der eigenartigsten Wallfahrtsorte im oberen Vinschgau gemacht.

Die besondere Lage ist nicht bloß landschaftlicher Hintergrund der Wallfahrt. Sie gehört zu ihrer religiösen Vorstellungswelt. Lawinen, Hochwasser, Muren, Feuer und andere Naturgewalten erscheinen immer wieder in Votivbildern und Legenden; selbst die Ausmalung der Kirche nimmt darauf Bezug. Die Bitte um Schutz vor einer als unmittelbar bedrohlich erfahrenen Natur gehört deshalb zu den prägenden Motiven der Trafoier Wallfahrt.

Gründungslegenden und historische Quellenlage

Die Gründungslegende setzt den Ursprung der Heiligen Drei Brunnen in das Jahr 1229. Nach der bekanntesten Legende soll ein Hirte namens Moritz damals beobachtet haben, wie drei Wasserstrahlen aus dem Felsen hervorbrachen und jeder von ihnen ein Kreuz mit sich führte. Zwei Kreuze konnte der Hirte ergreifen, während das dritte mit dem Wasser davonschwamm.

Die Legende wurde im 18. und 19. Jahrhundert ausführlich weitererzählt. Eine vermutlich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Fassung berichtet nicht nur von den drei Kreuzen, sondern bereits von Heilungen durch das Wasser: Menschen seien von Fieber und verschiedenen Krankheiten befreit worden; auch Schutz vor Feuer, Hochwasser und ungünstiger Witterung wird der Muttergottes zugeschrieben. Historisch darf diese Darstellung jedoch nicht mit einem Bericht aus dem Jahr 1229 verwechselt werden. Melanie Angerer konnte für den frühen Ansatz der Wallfahrt keine zeitgenössischen Quellen feststellen. Die Jahreszahl gehört damit zur Gründungslegende und nicht zur gesicherten Geschichte des Gnadenortes. (Angerer 2014, S. 64–69.)

Die Kreuze von Stilfs und Müstair

Nach der Legende bestimmte der Hirte Moritz eines der aufgefangenen Kreuze für die Ulrichskirche in Stilfs und ein weiteres für die Kirche St. Johann im Münstertal. Das dritte Kreuz sei ihm wieder im Wasser entglitten. Beda von Ballheim versuchte im 19. Jahrhundert diesen Teil der Erzählung nachzuprüfen. Das in Stilfs verehrte Kreuz war nach seiner Darstellung tatsächlich vorhanden; für das angeblich nach Müstair gelangte zweite Kreuz fand er dagegen keinen entsprechenden Beleg in den dortigen Klosterakten. Auch hier zeigt sich die notwendige Trennung zwischen dem tatsächlich vorhandenen Kultobjekt und der später entstandenen Legende. (Angerer 2014, S. 65–67.)

Johannes de Grava, Müstair und die Auffindung des Gnadenbildes

Eine zweite Legende erklärt die Herkunft des Marienbildes und führt nach Müstair. Der Geistliche Johannes de Grava soll von dort nach Trafoi gekommen sein und im hinteren Tal als Einsiedler gelebt haben. Mit ihm wurde eine weitere Legende verbunden, in deren Mittelpunkt ein Hostienwunder im Kloster Müstair steht. Unabhängig von der Historizität dieser Erzählung bestanden tatsächlich wirtschaftliche Beziehungen zwischen dem Trafoital und dem Kloster Müstair: Urbare des 14. und frühen 16. Jahrhunderts nennen Abgaben aus Trafoi an das Frauenkloster.

Die eigentliche Auffindungslegende erzählt, das Marienbild sei nach Johannes de Gravas Aufenthalt in Trafoi zurückgeblieben. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts habe ein Holzhacker eine Tanne fällen wollen und beim Einschlagen der Axt eine Stimme gehört. In den Ästen habe er daraufhin die geschnitzte Muttergottes mit dem Kind entdeckt; an dieser Stelle sei eine kleine Kapelle errichtet worden. Die Erzählung erklärt die Heiligkeit des konkreten Platzes und verbindet den Wald ebenso wie das Wasser mit der Entstehung des Gnadenortes. (Angerer 2014, S. 67–69.)

Wann begann die Wallfahrt tatsächlich?

Die genaue Entstehungszeit der Trafoier Wallfahrt lässt sich nicht bestimmen. Eine Abschrift der Pfarrchronik nennt für 1526 sowohl den Antrag auf Errichtung einer Holzkapelle als auch einen ersten Kreuzgang. Angerer weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass sich dieser behauptete Kreuzgang von 1526 bei ihrer Recherche nicht durch eine zeitgenössische Quelle bestätigen ließ. Der Satz, ein Bittgang sei 1526 sicher bezeugt, ist daher zu präzisieren. (Angerer 2014, S. 69–70.)

Für die weitere Entwicklung ist das Jahr 1645 von größerer Bedeutung. Damals wurde die steinerne Loretokapelle errichtet. Danach scheint die Wallfahrt deutlich zugenommen zu haben. Der erhaltene Votivbestand setzt im späteren 17. Jahrhundert ein; die älteste datierte Votivtafel trägt die Jahreszahl 1693. Die Pfarrchronik berichtet außerdem, der Stilfser Pfarrer sei seit dem frühen 17. Jahrhundert zu mehreren jährlichen Kreuzgängen zu den Drei Brunnen verpflichtet gewesen. Als eindeutig durch ein Originaldokument aus dem Archiv der Grafen Trapp auf der Churburg nachgewiesener Kreuzgang ist die Wallfahrt der Gemeinde Schluderns greifbar: Sie war 1748 gelobt worden und wurde alljährlich um die Zeit des Jakobitages durchgeführt. (Angerer 2014, S. 69–72.)

Der Schludernser Kreuzgang als gemeinschaftliches Gelübde

Der Schludernser Kreuzgang ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür, dass Wallfahrten nicht ausschließlich individuelle religiöse Reisen waren. Eine ganze Gemeinde konnte sich zu einem wiederkehrenden Gang zu einer Gnadenstätte verpflichten. Das erhaltene Schreiben des Organisten und Schullehrers Michael Morell behandelt sogar ausstehende Zehrungskosten für Schullehrer und Lohnträger. Damit wird die Wallfahrt zugleich in ihrem organisatorischen und wirtschaftlichen Alltag sichtbar: Prozession, Kreuz- und Fahnenträger, Geistliche, Musik, Verpflegung und Reiseaufwand bildeten gemeinsam die konkrete Form des religiösen Unternehmens. (Angerer 2014, S. 70–71; Churburg, Archiv der Grafen Trapp, E 100,161, nach Angerer.)

Vertrauen in die Gnadenmutter in Krieg und Gefahr

Die Trafoier Muttergottes wurde besonders in Zeiten kollektiver Bedrohung angerufen. Nach der Pfarrchronik stifteten die Bewohner von Trafoi 1704 eine Messe bei den Drei Brunnen. Als 1797 französische Truppen die weitere Region bedrohten, Trafoi aber verschont blieb, wurde dies in Trafoi dem Schutz der Muttergottes zugeschrieben und mit einem Kreuzgang beantwortet.

Besonders eindrücklich ist die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Trafoi lag unmittelbar im Bereich der Ortlerfront. Vor ihrer Evakuierung sollen Bewohner an zahlreichen Häusern Bilder der Gnadenmutter angebracht und das Dorf ihrem Schutz anvertraut haben. Nach Kriegsende wurde auf dem Dachboden der Kirche ein Geschoss gefunden, das das Dach durchschlagen hatte, am Gewölbe jedoch liegen geblieben war. Solche Berichte sind nicht als naturwissenschaftlicher Nachweis eines wunderbaren Eingreifens zu lesen; sie zeigen vielmehr, wie eine Dorfgemeinschaft außergewöhnliche Gefahr religiös deutete. (Angerer 2014, S. 72–73.)

Naturgefahren als historische Lebenswirklichkeit

Wie real die Gefahr durch Schnee, Lawinen und Muren für die Trafoier Bevölkerung war, zeigt ein Schreiben von 1778 aus dem Archiv der Grafen Trapp. Die Bewohner baten um einen eigenen Kuraten, weil Trafoi weit von der Pfarrkirche Stilfs entfernt lag und der Kirchweg im Winter durch Schnee und Lawinen, im Sommer durch Muren und herabstürzende Steine gefährlich war. Die Eingabe betont, dass selbst kräftige Männer den Weg zeitweise nicht wagen konnten und die Bevölkerung beim Kirchgang einer unmittelbaren Todesgefahr ausgesetzt war. (Angerer 2014, S. 74–76; Churburg, Archiv der Grafen Trapp, E 110,451, nach Angerer.)

Gerade dieses Dokument ist für die Wallfahrtsgeschichte von hoher Bedeutung. Die Naturgewalten, die später auf Votivbildern erscheinen und im Schutzglauben der Drei Brunnen religiös verarbeitet werden, waren keine abstrakten Vorstellungen, sondern bestimmten den Alltag der Bevölkerung.

Die Einsiedler der Heiligen Drei Brunnen

Ein außergewöhnlich gut dokumentierter Teil der Geschichte ist das Einsiedlerwesen. Angerer konnte mithilfe der Churburger Archivalien mehrere Eremiten des 18. Jahrhunderts sicher nachweisen, darunter Dominikus Cadella, Alexius Steiner, Sebastian Theiner und Alexius Theiner. Für 1732 ist nach dem Tod Dominikus Cadellas ein Ansuchen der Gemeinde Stilfs erhalten, den aus der Steiermark stammenden Johannes Kirchmayr als neuen Einsiedler aufzunehmen. Aus den Akten geht jedoch nicht hervor, ob Kirchmayr tatsächlich eingesetzt wurde.

Die Aufgabe eines Eremiten bestand keineswegs nur aus privatem Gebet. Er hatte den Gnadenort zu betreuen und konnte zugleich das Amt eines Schulmeisters für Trafoi übernehmen. Bewerber mussten ein einjähriges Noviziat absolvieren, in dem ihre religiöse und persönliche Eignung geprüft werden sollte. Die Quellen machen damit sichtbar, dass das Einsiedlerleben eine geregelte und von geistlicher wie weltlicher Obrigkeit kontrollierte Lebensform war. (Angerer 2014, S. 77–81.)

Holzklause, Eremitorium und Krautgarten

Über die ältesten Unterkünfte der Einsiedler ist wenig bekannt. Für 1741 werden zwei einfache hölzerne Zellen beschrieben, die bereits stark verfault waren. Wesentlich besser dokumentiert ist das spätere Eremitorium. Eine Churburger Quelle nennt 1745 ausdrücklich eine neu errichtete Behausung mit Krautgarten. Dieser Garten ist ein besonders schönes alltagsgeschichtliches Detail, denn er diente offenbar auch der Selbstversorgung. Für Haus und Garten war jährlich ein Geldzins an das landesfürstliche Kelleramt in Meran zu entrichten.

Das Einsiedlerhaus bestand bis in die Neuzeit. Im 19. Jahrhundert wurde berichtet, dass es später auch als Widum und zeitweise als Schule diente. Nach einer Angabe Oswald Graf Trapps wurde das Gebäude um 1911 entfernt. (Angerer 2014, S. 81–84.)

Ein beheizbarer Raum für die Wallfahrer

Besonders anschaulich ist eine Nachricht über Alexius Steiner, der ungefähr von 1740 bis 1753 bei den Drei Brunnen lebte. Er bemühte sich um den Bau einer kleinen Behausung aus Stein und Mörtel. Der Grund war nicht allein sein eigener Komfort: In der Quelle wird ausdrücklich erwähnt, dass sich dort ankommende Menschen erwärmen konnten. Selbst im Sommer musste wegen der Nähe zu den Gletschern geheizt werden. Vorher hätten die Wallfahrer unter den Bäumen lagern müssen; nun stand ihnen ein abgesonderter Raum zur Verfügung.

Damit besaß die Einsiedelei zumindest teilweise auch die Funktion einer elementaren Pilgerunterkunft. Wallfahrt bedeutete an diesem hochgelegenen Ort körperliche Belastung und Witterungsrisiko; die Betreuung des Gnadenortes umfasste deshalb neben religiösen auch sehr praktische Aufgaben. (Angerer 2014, S. 84–86.)

Der "heilige Stein" aus Rom

Mit Alexius Steiner wird auch ein ungewöhnlicher Berührungsgegenstand verbunden. Er soll einen kleinen Marmorstein aus Rom mitgebracht haben, der dort mit bedeutenden Heiligtümern in Berührung gebracht worden war. Dieser sogenannte "heilige Stein" wird in der Südwand der Wallfahrtskirche hinter einer hölzernen Abdeckung beschrieben.

Volkskundlich folgt die Vorstellung dem Prinzip der Berührungsreliquie: Heiligkeit wird nicht durch einen Körperteil eines Heiligen übertragen, sondern durch die Berührung eines Gegenstandes mit einem als heilig angesehenen Ort oder Objekt. Auf diese Weise wurde die große Pilgerlandschaft Roms symbolisch in den abgelegenen Trafoier Gnadenort einbezogen. (Angerer 2014, S. 86 und 111.)

Ein problematischer Einsiedler: Alexius Theiner

Die Churburger Akten gewähren ungewöhnlich lebendige Einblicke in das Einsiedlerleben. 1768 wurde Alexius Theiner angeklagt, die für Eremiten vorgeschriebene Ordnung nicht einzuhalten. Die Vorwürfe reichten vom Fernbleiben bei Visitationen und Zusammenkünften über Trunkenheit und Raufereien bis zu einem angeblichen Einbruch in den Keller eines Benefiziaten, aus dem Wein entwendet worden sein soll. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, das Eremitorium während der langen Winterzeit nicht zu bewohnen.

Die Angelegenheit war jedoch keineswegs eindeutig. Spätere Stellungnahmen bestätigten, dass Theiner einen Termin wegen eines zerstörten Weges nicht hatte erreichen können; nach weiterer Prüfung wurde er wieder aufgenommen, allerdings unter der Bedingung eines ordnungsgemäßen Lebenswandels. Der Vorgang ist sozialgeschichtlich wertvoll, weil er die Einsiedelei aus idealisierten Vorstellungen löst und ihre tatsächlichen Regeln, Konflikte und Kontrollmechanismen sichtbar macht. (Angerer 2014, S. 93–100.)

Die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung

Die kleine Loretokapelle konnte den zunehmenden Pilgerzustrom schließlich nicht mehr aufnehmen. In den Jahren 1701/02 wurde die heutige Wallfahrtskirche mit einem nördlichen Sakristeianbau errichtet. 1907 kam es zu größeren Veränderungen: Wegen der starken Bodenfeuchtigkeit wurde die nördliche Sakristei entfernt und südlich neu errichtet. Weitere Restaurierungen folgten im 20. und 21. Jahrhundert.

Der Bau ist einschiffig und besitzt eine spätbarocke Ausstattung. Charakteristisch sind das annähernd quadratische Schiff, die starken Mauern und das steile Dach, das der hochalpinen Witterung Rechnung trägt. (Angerer 2014, S. 103–105.)

Die Ausmalung von 1772 und die vier Elemente

Für die religiöse Deutung des Ortes ist die Ausmalung des Presbyteriums besonders wichtig. Ein Chronogramm weist auf das Jahr 1772. Die Fresken verbinden Szenen der Wallfahrtslegenden mit Darstellungen von Heilung, Marienleben und Allegorien. Von herausragender Bedeutung sind die vier Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser. Sie beziehen sich unmittelbar auf den Schutz, den die Gottesmutter nach dem Glauben der Wallfahrer über Natur und menschliches Leben ausüben sollte.

Eine erhaltene Inschrift fasst dieses Schutzmotiv zusammen: "Der Elementen Macht und Wuth Mariaschutz einschräncken thut." Damit formuliert der Kirchenraum selbst, was zahlreiche Votivtafeln und Legenden ausdrücken: Maria wird als Schutzmacht gegenüber jenen Naturgewalten verstanden, denen Trafoi in besonderer Weise ausgeliefert ist. (Angerer 2014, S. 105–108.)

Der Hochaltar und der Gnadenbrunnen

Der spätbarocke Hochaltar stammt aus dem Jahr 1762. Über ihm befindet sich eine bildliche Darstellung der Drei Brunnen, in der die heilende und rettende Wirksamkeit des Ortes dichterisch entfaltet wird. Die Bild- und Textkomposition verbindet Krankheit, Genesung, Sünde, Gnade und Wasser. Darüber hinaus zeigt eine Darstellung drei aus dem Berg hervortretende Wasserstrahlen, über denen die Muttergottes ihren Segen spendet.

Der Hochaltar ist dadurch mehr als ein allgemeiner Marienaltar. Seine Bildsprache fasst die religiöse Eigenart des Wallfahrtsortes zusammen: Quelle und Mariengnade werden als zwei eng aufeinander bezogene Bereiche des Heilsgeschehens verstanden. (Angerer 2014, S. 108–110.)

Das Gnadenbild

Das zentrale Kultobjekt der Wallfahrt ist eine etwa 120 Zentimeter hohe geschnitzte Marienstatue, die nach Angerers Quellen als italienische Arbeit des 17. Jahrhunderts gilt. Maria trägt Krone und Zepter; auf ihrem linken Arm steht das ebenfalls gekrönte Christkind mit Zepter und Weltkugel.

Die Figur ist bekleidet. Nach dem Inventar der Pfarre besitzt das Gnadenbild fünf Kleider und drei Mäntel. Für die große Prozession wurde es in ein weißes, goldbesticktes Seidenkleid und einen blauen Seidenmantel gekleidet. Für den Sommeraufenthalt bei den Drei Brunnen ist ein rotes Gewand dokumentiert, für die Winterzeit in der Dorfkirche ein beige-goldbesticktes Kleid. Das Bekleiden des Gnadenbildes ist damit selbst Teil des Kultes und macht den Wechsel von Fest, Jahreszeit und Aufenthaltsort sichtbar. (Angerer 2014, S. 113–114.)

Die Loretokapelle

1645 wurde links von der späteren Wallfahrtskirche eine eigene Kapelle für das Gnadenbild errichtet. Die kleine Loretokapelle bietet nur wenigen Personen Platz, blieb jedoch auch nach Errichtung der größeren Kirche ein bevorzugter Andachtsraum. Im Inneren befinden sich ein Marienaltar, Blumen und Votivgaben; Pilger entzünden dort Kerzen als Ausdruck von Bitte und Dank. Während die größere Kirche dem gemeinschaftlichen Gottesdienst dient, besitzt die Kapelle damit eine stärker persönliche Andachtsfunktion. (Angerer 2014, S. 115–116.)

Das Brunnenhaus

Das dritte zentrale Gebäude ist das Brunnenhaus. Sein Erscheinungsbild wurde mehrfach verändert. Als Beda von Ballheim 1881 nach Trafoi kam, beschrieb er die drei Brunnen noch in einem einfachen, bereits verfallenden Holzbau. Unter dem Trafoier Seelsorger Anton Schöpf wurde das Gebäude im ausgehenden 19. Jahrhundert verbessert. Nach dem Zweiten Weltkrieg renovierten Trafoier Kriegsheimkehrer das Brunnenhaus; 1963 und 2010 erfolgten weitere Umgestaltungen. (Angerer 2014, S. 117–119.)

Drei heilige Wasser - heute aus einer Quelle

Ein für die Dokumentation besonders wichtiger Befund betrifft die tatsächliche Wasserführung. Die sichtbaren "Drei Brunnen" sind heute keine drei voneinander unabhängigen natürlichen Quellen. Das Wasser stammt aus einer höher gelegenen Hangquelle und wird über eine Leitung zum Brunnenhaus geführt. Dort wird es in drei sichtbare Wasserläufe geteilt und damit die Gründungslegende der drei Wasser räumlich und rituell vergegenwärtigt.

Damit ist zwischen hydrologischer Realität und religiöser Darstellung zu unterscheiden. Die Dreizahl bleibt für den Gnadenort zentral, obwohl das heute zugeführte Wasser aus einer Quelle stammt. (Angerer 2014, S. 120–122.)

Der Trinkbrauch

Nach altem Volksglauben besitzt das Wasser besondere Heilkraft. Entscheidend ist der Brauch, aus allen drei Brunnen zu trinken. Wer Gesundheit bewahren oder Heilung erbitten wollte, sollte keinen der drei Wasserläufe auslassen. Dieser Brauch war keineswegs nur historische Erinnerung: Noch bei der großen Pfingstwallfahrt 1999 wurde beobachtet, dass Pilger vor oder nach dem Gottesdienst jeweils einen Schluck aus allen drei Wassern nahmen. (Angerer 2014, S. 122–123.)

Volkskundlich ist dieser körperliche Vollzug besonders bemerkenswert. Die Legende von den drei Wasserstrahlen wird nicht nur erzählt oder betrachtet; der Wallfahrer vollzieht die Dreizahl selbst durch das Trinken nach.

Heilwasser, Augen- und Frauenleiden

Die ältere volkskundliche Literatur nennt die Drei Brunnen besonders im Zusammenhang mit Augen- und Frauenleiden. Solche Angaben sind als historische Vorstellungen über die Wirkung des Wassers zu verstehen, nicht als medizinische Wirksamkeitsnachweise. Die Verbindung mit Frauenleiden erhält durch den erhaltenen Votivbestand zusätzliches Gewicht, weil sich in Trafoi auch eine Stachel- beziehungsweise "Gebärkugel" erhalten hat, die in der älteren Forschung mit weiblichen Unterleibsleiden in Verbindung gebracht wurde.

Die Sage vom unterirdischen See

Eine weitere Sage verbindet die Quellen unmittelbar mit der Gefahrenlandschaft des Ortlers. Im Inneren des Madatschmassivs soll sich ein großer unterirdischer See befinden. Eines Tages, so die Sage, könne dieser den Fels sprengen und seine Wassermassen über Trafoi und den Vinschgau ergießen. Das während der gefährlichen Jahreszeit bei den Drei Brunnen befindliche Marienbild halte diese Wasser nach der Vorstellung der Erzählung zurück. Naturbeobachtung, Angst vor Katastrophen und Marienverehrung werden damit zu einer einzigen Schutzlegende verbunden. (Angerer 2014, S. 123; nach Robert Winkler.)

Die Votivtafeln - ein außergewöhnliches Bildarchiv

Angerer dokumentierte bei ihren Aufnahmen im August 2013 insgesamt 29 Votivtafeln in der Wallfahrtskirche. Die älteste erhaltene datierte Tafel stammt von 1693 und zeigt die Gründungslegende des Hirten Moritz und der drei Kreuze. Die Sammlung ist von außergewöhnlichem volkskundlichem Wert, weil sie konkrete Notsituationen und religiöse Deutungen über mehrere Jahrhunderte bewahrt. Krankheit, Unfall, Feuer, Hochwasser, Lawinen, Kinderanliegen und allgemeine Schutzbitten treten darin ebenso hervor wie Hinweise auf Kleidung, Häuser, Handwerk und sozialen Stand. (Angerer 2014, S. 125–145.)

Heilung von schwerer Krankheit 1722/23

Eine Tafel berichtet von einer Person, die 1722 über längere Zeit schwer krank gelegen habe und anschließend wieder gesund geworden sei. Aus Dank wurde 1723 die Votivtafel gestiftet. Die konkrete Krankheit wird nicht genannt. Festgehalten wird vielmehr die religiöse Deutung der Genesung: Der Votant verstand sie als Hilfe der Gottesmutter und machte seinen Dank öffentlich sichtbar. (Angerer 2014, S. 130.)

Vater und Sohn unter einem einstürzenden Haus, 1760

Eine der eindrucksvollsten Tafeln zeigt einen schweren Unfall aus dem Jahr 1760. Beim Einsturz eines benachbarten Hauses wurden ein Vater und sein Sohn getroffen. Die Darstellung zeigt beide zunächst verletzt; später erscheint der Vater dankend, der Sohn mit Krücke und verbundenem Bein. Die Inschrift berichtet, beide seien am Leben geblieben und das verletzte Kind habe seine Gesundheit wiedererlangt.

Für die historische Forschung ist die Tafel besonders wertvoll, weil Bild, Inschrift und konkrete Notsituation zusammengehören. Sie dokumentiert beispielhaft den klassischen Ablauf von Gefahr, Anrufung, als Hilfe verstandener Rettung und anschließender Votivgabe. (Angerer 2014, S. 131–132.)

Pferdesturz und Beinbruch 1765

Ein weiteres Votivbild von 1765 schildert den Sturz eines Mannes vom Pferd. Dabei wurde sein rechter Fuß beziehungsweise sein Bein gebrochen; nach der Inschrift befand er sich auch in Lebensgefahr. Der Mann stellte sich unter den Schutz des Trafoier Gnadenbildes und schrieb seine Rettung und Genesung der Muttergottes zu. Die Tafel ist damit zugleich Quelle zur Unfall- und Alltagsgeschichte einer Zeit, in der das Pferd ein wesentliches Verkehrs- und Arbeitstier war. (Angerer 2014, S. 132.)

Rettung aus dem Wasser 1752

Eine Votivtafel von 1752 zeigt zwei Jugendliche, die ein Kind aus dem Wasser retten. Die Inschrift ist nur teilweise lesbar, doch das Bildmotiv lässt sich als Dank für eine Rettung vor dem Ertrinken verstehen. Gerade in Trafoi besitzt diese Szene eine besondere Bedeutung: Wasser ist am Wallfahrtsort gleichzeitig heilbringend und gefährlich. Die Quelle gilt als Gnadenwasser, während Wildbäche und Überschwemmungen Dorf und Heiligtum bedrohen. (Angerer 2014, S. 137.)

Schussverletzung und Heilung

Ein weiteres, nicht datiertes Votivbild berichtet von einem Mann, der sich versehentlich mit dem eigenen Gewehr angeschossen hatte. Nach Anrufung der Gnadenmutter von Trafoi sei er wieder geheilt worden. Der Unfall wird auf dem Bild unmittelbar sichtbar gemacht. Solche Votivtafeln sind deshalb nicht nur religiöse Zeugnisse, sondern zugleich Quellen der Alltags- und Unfallgeschichte. (Angerer 2014, S. 137–138.)

Krankheit und Sterbegefahr 1761

Auf einer Tafel von 1761 liegt eine Frau krank im Bett; auf einem Tisch stehen Gegenstände, die auf medizinische Behandlung verweisen. Neben dem Trafoier Gnadenbild erscheinen der heilige Josef und die heilige Barbara. Die Inschrift berichtet, dass die Frau bereits in Sterbegefahr gewesen sei und nach ihrem Gelübde wieder gesund geworden sei. Für die Medizingeschichte ist bemerkenswert, dass medizinische Behandlung und religiöses Gelübde auf demselben Bild erscheinen. Die Tafel zeigt damit nicht notwendig eine Ablehnung medizinischer Hilfe, sondern deren Ergänzung durch religiöse Hoffnung. (Angerer 2014, S. 138–139.)

Fatschenkinder und Kinderfürbitte

Ein außerordentlich wichtiges Votivbild wurde 1746 von Veronica Binggerin und Christian Nickhel gestiftet. Vor Maria, dem Jesuskind, dem heiligen Antonius und einem Schutzengel erscheinen sechs fest eingewickelte Neugeborene. Die Darstellung darf nicht überinterpretiert werden: Aus dem Bild allein lässt sich nicht sicher schließen, ob es sich um verstorbene Kinder, überstandene Geburten oder allgemein dem Schutz Mariens anvertraute Kinder handelt.

Gesichert ist dagegen, dass Fatschen- beziehungsweise Wickelkinder zur Trafoier Votivkultur gehörten. Für das 19. Jahrhundert nennt die ältere Literatur solche Nachbildungen aus Wachs oder Holz als Dank für glückliche Geburt und Genesung nach Kinderkrankheiten beziehungsweise als Bitte um Schutz und Gesundheit eines Kindes. (Angerer 2014, S. 139–140 und 146.)

Rettung aus Feuersgefahr 1766

Eine weitere Tafel aus dem Jahr 1766 erinnert an Johannes Trafoier, der sich durch die Fürsprache der Muttergottes aus einer Feuersgefahr gerettet glaubte. Das Bild zeigt nicht nur das brennende Haus, sondern auch den Wallfahrtsort mit Kirche, Wasser und Eremitorium. Solche Votivbilder besitzen daher neben ihrem religiösen Inhalt erheblichen dokumentarischen Wert für Bau-, Landschafts- und Alltagsgeschichte. (Angerer 2014, S. 141.)

Die Pfundser Holzknechte von 1716

Eine Votivtafel von 1716 wurde von fünf namentlich genannten Holzknechten aus Pfunds gestiftet. Sie widmeten die Tafel Gott, Maria und dem heiligen Antonius. Das Bild erweitert das bekannte Einzugsgebiet der Trafoier Wallfahrt weit über die unmittelbare Umgebung hinaus und dokumentiert zugleich eine konkrete Berufsgruppe. Wallfahrt wird damit auch als Teil der Frömmigkeits- und Sozialgeschichte von Holzarbeitern sichtbar. (Angerer 2014, S. 142.)

Ein Votivbild aus Wien von 1856

Unter den erhaltenen Tafeln befindet sich ein Ex-voto mit der Ortsangabe Wien aus dem Jahr 1856. Ein bürgerlich gekleidetes Paar kniet vor der Erscheinung des Gnadenbildes. Die Tafel beweist nicht, dass Trafoi ein bedeutender Wiener Wallfahrtsort gewesen wäre, zeigt aber, dass seine Verehrung zumindest einzelne Menschen weit außerhalb des Vinschgaus erreichte. (Angerer 2014, S. 136.)

Das Lawinenvotiv von 1977

Das jüngste von Angerer dokumentierte historische Votivbild stammt aus dem Jahr 1977. Es berichtet von der Rettung eines Menschen aus einer Lawine im Steintal. Gerade dieses Bild bildet eine Brücke zwischen älterer religiöser Vorstellungswelt und moderner Erfahrung. Die Gefahr, vor der die Menschen im 18. Jahrhundert Schutz erbaten, bestand auch im 20. Jahrhundert unverändert fort. (Angerer 2014, S. 144.)

Hand-, Fuß- und Bein-Votive

Neben den bemalten Tafeln bewahrt Trafoi ungewöhnliche plastische Votivgaben. Dazu gehören Nachbildungen von Händen und Füßen, Prothesen sowie Beinschienen. Solche Gegenstände können als Dank für die Genesung eines verletzten oder kranken Körperteils oder als stellvertretend dargebrachte Bitte verstanden werden. Sie stehen in unmittelbarer Beziehung zu mehreren Votivbildern mit Bein-, Fuß- und Knieverletzungen.

Angerer bezeichnet den Bestand aus realienkundlicher Sicht als besonderen Schatz, weil einfache und wenig haltbare Votivgegenstände vielerorts entfernt wurden. Gerade ihre materielle Schlichtheit macht sie jedoch zu unmittelbaren Zeugnissen körperlicher Erfahrung und religiöser Hoffnung. (Angerer 2014, S. 148–149.)

Die Stachel- oder "Gebärkugel"

Zu den ungewöhnlichsten Trafoier Votiven gehört eine hölzerne Stachelkugel. In älteren Quellen finden sich für diesen vor allem in Südtirol, im Trentino und vereinzelt in Nordtirol verbreiteten Typ Bezeichnungen wie "Muetter", "Bärmuetter", "Igel" oder "Stacheligel". Die ältere volkskundliche Forschung interpretierte solche Kugeln als Votive bei Frauen- und insbesondere Unterleibsleiden; die Stacheln wurden als sinnbildliche Darstellung von Schmerzen gedeutet.

Diese Interpretation ist wissenschaftsgeschichtlich mit Vorsicht zu behandeln und darf nicht als anatomisch eindeutige Bedeutung jedes einzelnen Objekts verstanden werden. Sicher ist jedoch, dass die Trafoier Stachelkugel zu einem regional charakteristischen Votivtyp gehört und in der älteren Wallfahrtsforschung mit Frauenleiden verbunden wurde. (Angerer 2014, S. 148–150.)

Weitere Votivgaben und Wandel des Brauches

Die Votivkultur beschränkte sich nicht auf Tafeln und Körpernachbildungen. Eine Quelle von 1863 berichtet von silbernen Gnadenpfennigen, die Tiroler Schützen als Dank in der Kirche aufgehängt hatten. Restaurierungen zwischen 1907 und 1957 führten zur Entfernung eines Teiles des älteren Votivbestandes. Ein Zeitungsbericht von 1976 nennt außerdem einen Diebstahl; bei einem früheren Einbruch waren unter anderem 58 gestiftete Kriegsmedaillen, Schmuck und weitere Votivgegenstände verschwunden.

Neuere Pilger hinterlassen Blumen, Rosenkränze, Briefe, Sterbebilder, Fotografien und beschriftete Steine. Damit hat sich das Material der Votive gewandelt, die Grundidee von Bitte, Dank und Erinnerung jedoch erhalten. (Angerer 2014, S. 124 und 146–148.)

Der jahreszeitliche Ortswechsel des Gnadenbildes

Eine der größten Besonderheiten Trafois ist die regelmäßige Übertragung des Gnadenbildes zwischen Dorfkirche und Wallfahrtskirche. Im 19. Jahrhundert wurde die Muttergottes am Michaelstag, dem 29. September, in die Dorfkirche zurückgebracht und am Pfingstdienstag wieder zu den Drei Brunnen getragen. Wann dieser Brauch begann, lässt sich nicht sicher feststellen; eine ältere Vermutung setzt ihn um 1786 an, ist jedoch nicht archivalisch belegt.

Heute erfolgt die sommerliche Übertragung am Pfingstmontag. Der Ortswechsel gliedert das Wallfahrtsjahr in eine Sommer- und Winterhälfte: Während der zugänglicheren Jahreszeit befindet sich Maria am Gnadenort unter dem Ortler, während sie den Winter im Dorf verbringt. Der Kult folgt damit unmittelbar dem Rhythmus und den Gefahren der hochalpinen Landschaft. (Angerer 2014, S. 150–152.)

Ablauf der Pfingstwallfahrt

Angerer dokumentierte den Ablauf der großen Pfingstwallfahrt ausführlich. Am Morgen treffen sich die Teilnehmer bei der Pfarrkirche von Trafoi. Weitere Gruppen kommen zu Fuß aus Prad, Stilfs und Sulden; der Prader Zug brach nach ihrer Beschreibung bereits gegen fünf Uhr morgens auf. An der Spitze des vereinigten Wallfahrtszuges gehen Fahnenträger, gefolgt von den Trägern des Gnadenbildes, dem Geistlichen und den Pilgern. Während des Weges wird der Rosenkranz gebetet, Musikkapellen begleiten die Prozession mit Kirchen- und Marienliedern.

Da die kleine Wallfahrtskirche die Menge der Pilger nicht aufnehmen kann, wird der Festgottesdienst bei großem Andrang im Freien gefeiert. Nach der Messe erhalten die Teilnehmer Gelegenheit, das Gnadenbild zu berühren. Auch dieser körperliche Kontakt gehört zur religiösen Praxis des Gnadenortes. (Angerer 2014, S. 152–155.)

Wallfahrt und gemeinschaftliches Fest

Zur Wallfahrt gehört traditionell auch die gemeinsame Labung. In neuerer Zeit übernimmt die Feuerwehr von Trafoi die Bewirtung; der Erlös dient dem Wallfahrtsort. Das Zusammenspiel von Gottesdienst, Prozession und anschließendem gemeinschaftlichem Essen sollte nicht als Gegensatz von Religion und Geselligkeit verstanden werden. Wallfahrten waren seit jeher zugleich soziale Ereignisse, in denen gemeinsames Gehen, Beten, Begegnung und Essen miteinander verbunden waren. (Angerer 2014, S. 155–156.)

Wallfahrtszahlen im 20. Jahrhundert

Historische Berichte geben einen Eindruck vom Umfang der Pfingstwallfahrt. Für 1957 wurden knapp 2.000 Pilger genannt, 1967 etwa 1.500 und 1988 ungefähr 5.000. Für 1999 wurden rund 3.000 Teilnehmer aus dem Vinschgau und auch aus der benachbarten Schweiz angegeben. Solche Zahlen sind Momentaufnahmen und keine fortlaufende Statistik; sie zeigen jedoch, dass die Drei Brunnen auch im 20. Jahrhundert keineswegs nur ein kleines örtliches Andachtsziel waren. (Angerer 2014, S. 156–157.)

Die Wallfahrt bis in die Gegenwart

Die Wallfahrt ist weiterhin lebendig. Auch 2026 zogen am Pfingstmontag zahlreiche Pilger aus nah und fern zu Fuß zum Gnadenort. Den Festgottesdienst feierte Pfarrer Konrad Gasser, Leiter der Seelsorgeeinheit Ortlergebiet; Musikkapellen, Schützen und Feuerwehr wirkten an der Feier mit. Der heutige Brauch sieht vor, das Gnadenbild im Herbst wieder in die Pfarrkirche von Trafoi zurückzubringen.

Muren und Hochwasser im 21. Jahrhundert

Die ältere Vorstellung von der Muttergottes als Beschützerin vor "wildem Wasser", Lawinen und anderen Elementargefahren erhält angesichts der jüngsten Ereignisse eine besondere kulturhistorische Aktualität. Am 27. August 2023 wurde der Wallfahrtsort bei einem schweren Unwetter von einer Mure aus dem Eiswandfernerbach getroffen. Nach Angaben des Landes Südtirol wurden damals etwa 150.000 bis 200.000 Kubikmeter Material mobilisiert; an der Kirche entstand erheblicher Sachschaden. Damit ist die ältere Behauptung, die Anlage sei bei allen Naturereignissen stets unbeschädigt geblieben, für die Gegenwart nicht mehr haltbar.

Im September 2024 kam es erneut zu einem Murgang, bei dem das Bachbett oberhalb der Fußgängerbrücke mit Geschiebe gefüllt wurde; die Kirche blieb diesmal unbeschädigt. Am 1. August 2026 ging im Pleisserbach wiederum eine große Mure ab. Am 20. August 2026 folgte ein weiterer Murgang; das Material staute den Eiswandfernerbach bis in den Bereich der Brücke zurück. Die Wallfahrtskirche blieb unversehrt. Die Wildbachverbauung führte die wiederkehrende Instabilität unter anderem auf Moränenfelder zurück, deren Untergrund durch auftauenden Permafrost instabiler wird.

Diese Ereignisse dürfen nicht als moderne Mirakel interpretiert werden. Volkskundlich verdeutlichen sie jedoch in außergewöhnlicher Weise, aus welcher konkreten Lebenswirklichkeit die älteren Schutzvorstellungen entstanden. Die Votivtafeln mit Überschwemmung, Lawine und Feuer berichten von derselben elementaren Unsicherheit, die in der hochalpinen Landschaft bis heute erfahrbar geblieben ist.

Volkskundliche Bedeutung

Die Heiligen Drei Brunnen gehören zu den komplexesten Wallfahrtsorten Südtirols. Die besondere Qualität des Ortes liegt im Zusammenwirken mehrerer Kultbereiche. Das Gnadenbild bildet das zentrale marianische Kultobjekt. Daneben besitzt das Wasser eine eigenständige religiöse Bedeutung. Die drei Wasserstrahlen werden durch die Gründungslegende mit drei Kreuzen erklärt, und der Pilger vollzieht diese Dreizahl durch das Trinken aus allen drei sichtbaren Wasserläufen selbst nach.

Das Votivwesen eröffnet einen unmittelbaren Blick auf die Lebenswelt der Wallfahrer. Krankheiten, Beinverletzungen, Arbeits- und Reitunfälle, Schussverletzungen, Feuer, Wasser, Lawinen, Kinderkrankheiten, Geburt und Frauenleiden erscheinen nicht abstrakt, sondern in Bildern und Gegenständen. Dadurch wird die Wallfahrtskirche zu einem Archiv menschlicher Gefährdung.

Hinzu kommt das Einsiedlerwesen. Die Churburger Quellen zeigen, dass der Eremit nicht nur religiöser Sonderling war, sondern Kirchenwächter, Pilgerbetreuer und zeitweise Schulmeister. Sein Eremitorium bot sogar einen beheizbaren Raum für Wallfahrer, die zuvor unter Bäumen Schutz gesucht hatten.

Der jahreszeitliche Wechsel des Gnadenbildes schließlich verbindet die Wallfahrt unmittelbar mit dem Rhythmus der hochalpinen Landschaft. Maria verbringt den Sommer am Gnadenort und den Winter im Dorf. Der Kult folgt damit den Möglichkeiten und Gefahren des Gebirges.

Trafoi ist deshalb nicht nur eine Kirche mit Heilquelle. Der eigentliche Wallfahrtsort besteht aus einem ganzen religiösen Handlungsraum: aus Weg, Wald, Fels und Wasser, aus Kirche und Loretokapelle, aus Gnadenbild und Brunnen, aus Prozession und Berührung, aus Votivgabe und gemeinschaftlichem Gelübde. Gerade die außergewöhnlich dichte Verbindung von erhaltenen Kultobjekten, schriftlichen Quellen und Legenden macht die Heiligen Drei Brunnen zu einem bedeutenden Forschungsort der religiösen Volkskunde.

Literatur und Quellen

- Melanie Angerer: Mikrostudie über "Die Wallfahrt zu den Heiligen Drei Brunnen in Trafoi". Eine Einbettung in das Wallfahrtswesen. Diplomarbeit, Universität Wien, Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, Wien 2014, 181 S.

- Georg Tinkhauser / Ludwig Rapp: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Diözese Brixen. Bd. 4, Brixen 1855–1891, Abschnitt über die Wallfahrtskirche zu den Heiligen Drei Brunnen.

- Beda von Ballheim: S. Maria ad tres Fontes. Die Gnadenstätte zu den heiligen drei Brunnen bei Trafoi in Tirol. Separatdruck aus dem illustrierten katholischen Familienblatt "Alte und neue Welt", Einsiedeln 1882.

- Die fünf Gnaden-Orte der hohen Himmelskönigin Mariä. Latsch, Tschengels, Schnals, Trafoi und Burgeis in Vinschgau. Brixen 1863.

- Georg Innerebner: "Die Quellheiligtümer Südtirols. VI. Die hl. Drei Brunnen in Trafoi." In: Der Schlern 21 (1947).

- Josef Pardeller: "Von den Einsiedlern bei den heiligen drei Brunnen in Trafoi." In: Der Schlern 41 (1967).

- Josef Pardeller: Die Grashöfe von Trafoi und deren Entwicklung zum Fremdenverkehrsort. Sonderdruck aus Der Schlern 45, Bozen 1971.

- Matthias Thöni: Die Marienwallfahrt zu den hl. Drei Brunnen in Trafoi. Selbstverlag der Wallfahrtskirche, 8. Auflage.

- Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Südtirols. Bd. 2, 7. Auflage, Bozen 1991, S. 867–868.

- Josef Rampold: Vinschgau. Landschaft, Geschichte und Gegenwart am Oberlauf der Etsch. Bozen 1991.

- Robert Winkler: Volkssagen aus dem Vinschgau. Bozen 1968.

- Agathe Gaisböck: "Über Wallfahrten und Wallfahrtsorte in Tirol." In: Tiroler Heimat 20 (1956).

- Karl Gruber / Hans Griessmair: Südtiroler Wallfahrten. Bozen, mehrere Auflagen.

- Lenz Kriss-Rettenbeck: Ex Voto. Zeichen, Bild und Abbild im christlichen Votivbrauchtum. Zürich 1972.

- Klaus Beitl: Volksglaube. Zeugnisse religiöser Volkskunst. Salzburg–Wien 1978.

- Hans Hipp: Lebzelten, Wachsstöcke, Votivgaben. Handwerk und Brauch. Pfaffenhofen 1982.

- Archiv der Grafen Trapp, Churburg: insbesondere E 100,161; E 102,241; E 110,441; E 110,448; E 110,451. Archivsignaturen, Transkriptionen und Auswertung nach Melanie Angerer 2014.

- Abschrift der Chronik der Pfarrgemeinde Trafoi, zusammengestellt 1966 von Pfarrer Franz Niederegger. Bei Angaben daraus ist zwischen der späteren Chronikabschrift und zeitgenössischen Archivalien zu unterscheiden.

Aktuelle Quellen zu Wallfahrt und Naturgefahren

- Pilgerprozession zu den Hl. 3 Brunnen in Trafoi, Vinschgerwind, Ausgabe 13/2026.

- Autonome Provinz Bozen - Südtirol: Berichte zu Murgängen und Schutzbauten bei den Heiligen Drei Brunnen 2023/2024.

- Autonome Provinz Bozen - Südtirol: Wildbachverbauung nach Murgang im Pleisserbach im Einsatz, August 2026.

Weitere SAGEN.at-Dokumentationen

- Die Heiligen Drei Brunnen bei Trafoi - Quellen- und Bilddokumentation auf SAGEN.at

- Die heiligen Drei Brunnen - Sage auf SAGEN.at

- Trafoi bei Ignaz Vinzenz Zingerle - SAGEN.at

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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