Latsch - St. Martin im Kofel, Wallfahrt zum hl. Martin

Schnellüberblick
Wallfahrt: Bäuerliche Martinswallfahrt um Schutz und Segen für Vieh und Ernte
Status: Historischer Wallfahrtsort; der bisherige Quellenstand belegt vor allem die ältere Wallfahrtstradition
Kultzentrum: Gnadenbild des hl. Martin in der natürlichen Felsenhöhle
Ort: St. Martin im Kofel, Gemeinde Latsch
Bezirk: Vinschgau
Bundesland: Südtirol
Lage und Besuch
Lage: St. Martin i. K., 39021 St. Martin im Kofel, unmittelbar bei der Bergstation der Seilbahn.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View
Seelsorge: Seelsorgeeinheit Latsch-Martell
Öffnungszeiten: ganzjährig täglich von 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

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Außenansicht der Wallfahrtskirche St. Martin im Kofel.

Latsch, St. Martin im Kofel - Außenansicht der Wallfahrtskirche

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Innenansicht: Der beachtlich große Altarraum der Wallfahrtskirche; rechts ist die in den Kirchenraum einbezogene Felsenhöhle zu sehen.

Latsch, St. Martin im Kofel - Altarraum und Felsenhöhle

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Gnadenbild in der Felsenhöhle. Der Kirchenpatron ist mit dem Bettler dargestellt; nach einer Legende soll das Bild aus dem nahen Göflan auf wundersame Weise hierher "geritten" sein.

Latsch, St. Martin im Kofel - Gnadenbild in der Felsenhöhle

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St.-Martin-Relief in Laaser Marmor, datiert 1690.

Latsch, St. Martin im Kofel - St.-Martin-Relief in Laaser Marmor von 1690

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Votivbild in St. Martin im Kofel, datiert 1763.

Latsch, St. Martin im Kofel - Votivbild von 1763

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Ausblick von St. Martin im Kofel auf Latsch im Tal.

St. Martin im Kofel - Ausblick auf Latsch im Vinschgau

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Ausführliche Beschreibung

Hoch über Latsch, auf rund 1.740 Metern Höhe am steilen Vinschger Sonnenberg, liegt die kleine Bergsiedlung St. Martin im Kofel mit ihrer dem heiligen Martin geweihten Wallfahrtskirche. Der Ort gehört zu den charakteristischen bäuerlichen Heiligenwallfahrten des Vinschgaus. Im Mittelpunkt der älteren Wallfahrt standen Bitten um Schutz und Segen für Vieh und Ernte; der bisherige Quellenstand belegt vor allem diese historische Wallfahrtstradition.

Geschichte

Der heutige Kirchenbau stammt im Wesentlichen aus dem 16. Jahrhundert. Eine Besonderheit ist die natürliche Felsenhöhle, die unmittelbar in den Kirchenbau einbezogen wurde und in der sich der eigentliche Mittelpunkt der Wallfahrt, das verehrte Martinsbild, befindet. Die Bezeichnung "im Kofel" bezieht sich auf diese Lage im beziehungsweise am Felsen.

Nach der von Inge Dollinger wiedergegebenen Überlieferung soll der Bauer Georg Platzer in der Felsenhöhle ein Bild des heiligen Martin aufgestellt haben. Als immer mehr Menschen zu diesem Bild kamen, wurde zunächst vor der Höhle eine Kapelle und später die heutige Kirche errichtet. Damit hätte sich die Wallfahrtsstätte ähnlich wie andere alpine Gnadenorte aus einem zunächst sehr einfachen, unmittelbar an einen Naturraum gebundenen Andachtsplatz entwickelt.

Gelegentlich wird die Vermutung wiederholt, die Felsenhöhle könne bereits vor der Christianisierung als Kultplatz gedient haben. Dafür ist jedoch kein archäologischer oder historischer Nachweis bekannt. Von einem belegten vorchristlichen Höhlenheiligtum kann daher nicht gesprochen werden.

Das Gnadenbild und die Ausstattung

Das Gnadenbild befindet sich nicht am eigentlichen Hochaltar, sondern an einem kleinen Altar innerhalb der in den Kirchenraum einbezogenen Felsenhöhle. Dargestellt ist der heilige Martin gemeinsam mit dem Bettler. Die Figuren wurden im 18. Jahrhundert mit Gewändern versehen und gehören damit zugleich zur Tradition der bekleideten Gnadenbilder, bei denen die Verehrung durch textile Ausstattung und die Pflege des Kultbildes besonders sichtbar zum Ausdruck kam.

Daneben besitzt die Kirche einen Hochaltar vom Ende des 17. Jahrhunderts mit einer Schnitzfigur des Kirchenpatrons. Zur Ausstattung gehören außerdem ein St.-Martin-Relief aus Laaser Marmor von 1690 und ein Votivbild aus dem Jahr 1763. Gerade dieses Votivbild ist für die Wallfahrtsgeschichte bedeutsam, da es die ältere Dank- und Opferpraxis am Wallfahrtsort materiell bezeugt.

Legende und Überlieferung

Zur Entstehung des Kultes haben sich unterschiedliche Überlieferungsmotive erhalten. Nach einer Tradition stellte der Bauer Georg Platzer das Martinsbild in der natürlichen Felsenhöhle auf; der zunehmende Zustrom von Wallfahrern führte anschließend zum Bau einer Kapelle und schließlich der Kirche.

Daneben erzählt eine Legende, das Gnadenbild des heiligen Martin sei auf wunderbare Weise aus dem nahen Göflan nach St. Martin im Kofel "geritten". Die Erzählung nimmt unmittelbar auf die Darstellung des Heiligen als Reiter Bezug. Ob beide Überlieferungen ursprünglich zusammengehören oder unterschiedliche Erklärungstraditionen zur Herkunft des Kultbildes darstellen, lässt sich aus den bisher greifbaren Quellen nicht sicher entscheiden.

Volkskundlich gehört das Motiv des "selbsttätig" seinen Kultort aufsuchenden Gnadenbildes zu einem verbreiteten Typus von Wallfahrtslegenden: Der verehrte Gegenstand gelangt nicht zufällig an seinen Ort, sondern bestimmt diesen in der Erzählung gleichsam selbst. In St. Martin erhält dieses Motiv durch den reitenden Kirchenpatron eine besonders anschauliche lokale Form.

Wallfahrt und bäuerliche Frömmigkeit

Besonders wichtig ist die bäuerliche Ausrichtung der Wallfahrt. Nach der örtlichen Überlieferung pilgerten früher vor allem Bauern nach St. Martin, um den Heiligen um Schutz und Segen für Vieh und Ernte zu bitten. Eine ältere Beschreibung bezeichnet St. Martin im Kofel als vielbesuchtes Wallfahrtskirchlein und bringt die zahlreichen Opfergaben ausdrücklich mit der Verehrung Martins als Patron der Herden in Zusammenhang.

Damit gehört St. Martin im Kofel zu jener wichtigen Gruppe alpiner Wallfahrten, deren religiöse Anliegen unmittelbar aus der bäuerlichen Wirtschafts- und Lebensform hervorgingen. Krankheit oder Verlust eines Tieres konnten für einen Bergbauernhof eine existenzielle Bedrohung bedeuten; ebenso hing das Auskommen von einer guten Ernte ab. Die Wallfahrt zum hl. Martin verband daher religiöse Verehrung mit ganz konkreten Sorgen um die wirtschaftliche Grundlage der Familie.

Die überörtliche Bedeutung des Heiligtums zeigt besonders der früher am Martinstag, dem 11. November, abgehaltene große Bittgang, an dem nach der von Dollinger überlieferten Nachricht sieben Pfarrgemeinden teilnahmen. Der gemeinsame Zug mehrerer Gemeinden zum hoch gelegenen Wallfahrtsort machte aus der individuellen Bitte um Schutz für Hof und Vieh zugleich einen gemeinschaftlichen religiösen Akt.

Das erhaltene Votivbild von 1763 und die Hinweise auf zahlreiche Opfergaben ergänzen dieses Bild. Sie zeigen, dass die Beziehung zwischen Wallfahrern und Heiligem nicht mit der Bitte endete: Auf erfahrene oder als erfahren verstandene Hilfe folgte der Dank in Form von Votivgaben und Opfern.

Literatur und Quellen

- Hans Wielander: Latsch - Goldrain, Morter, Tarsch, St. Martin und Martell. Südtiroler Gebietsführer 4. Bozen 1975.

- Inge Dollinger: Angaben zur Wallfahrt und Überlieferung von St. Martin im Kofel, nach der im Artikel verwendeten Darstellung.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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