Sarnthein – Wallfahrt zum Putzer Kreuz

Schnellüberblick
Wallfahrt:Alpine Kreuzwallfahrt zum Putzer Kreuz oberhalb von Sarnthein.
Status:Die religiöse Tradition ist nicht völlig erloschen; Anfang September wird weiterhin der Putzer Kirchtag gefeiert.
Kultzentrum:Ein ursprünglich an einem Baum angebrachtes hölzernes Kruzifix, das später in den Altar der Kirche aufgenommen worden sein soll.
Besonderheit:Aus dem Kreuzkult entstanden 1822 eine Kapelle und 1835 bereits ein Gasthaus zur Aufnahme der Wallfahrer.
Ort:Putzer Kreuz bei Sarnthein.
Gebiet:Sarntal / Bozen und Umgebung.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Putzen 18, 39058 Sarnthein (Gasthaus).
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre Sarnthein, derzeit keine Webseite
Öffnungszeiten: das Putzer Kreuz ist jederzeit zugänglich, hier das Gasthaus Putzer Kreuz
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Ausführliche Beschreibung

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Geschichte

Hoch über dem Sarntal, oberhalb der Putzerhöfe auf etwa 1.622 Metern Höhe, liegt das Putzer Kreuz mit seiner kleinen Kirche und dem benachbarten Gasthaus. Der Platz befand sich an einem früher viel benutzten Übergang vom Sarntal über die Höhe in Richtung Flaas, Jenesien, Mölten und weiter ins Etschtal. Damit lag der spätere Wallfahrtsort nicht völlig abgeschieden, sondern an einem alten Verkehrs- und Übergangsweg durch die Berglandschaft.

Der Ursprung der Wallfahrt wird in das ausgehende 18. beziehungsweise beginnende 19. Jahrhundert zurückgeführt. Nach einer überlieferten Darstellung soll zunächst ein hölzernes Kruzifix an diesem Ort verehrt worden sein. Der zunehmende Besuch des Kreuzes führte schließlich 1822 zur Errichtung einer ersten Kapelle. Später wurde diese zu einer größeren Kirche erweitert. Wie bedeutend der Zustrom zeitweise gewesen sein muss, zeigt der Bau eines Gasthauses im Jahr 1835, das ausdrücklich der Unterkunft und Verköstigung der zahlreichen Wallfahrer diente.

Bis heute ist das Putzer Kreuz als Wallfahrtsort bekannt. Ein alter Pilgerweg führt von Sarnthein hinauf zum Heiligtum, und Anfang September wird dort der Putzer Kirchtag gefeiert. Damit ist die religiöse Tradition des Ortes nicht völlig erloschen, auch wenn das Putzer Kreuz heute zugleich ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel ist.

Das verehrte Kreuz und die Entstehungsüberlieferung

Nach einer in der Literatur wiedergegebenen Überlieferung soll gegen Ende des 18. Jahrhunderts einer der Hirten, die das ausgedehnte Almgebiet nutzten, ein hölzernes Kruzifix geschnitzt und an einem Baum befestigt haben. Das Kreuz wurde zunehmend von Menschen aufgesucht und entwickelte sich zum Mittelpunkt religiöser Verehrung. In der Überlieferung werden auch besondere Gebetserhörungen beziehungsweise Wunder mit dem Kreuz verbunden. Das ursprüngliche Kruzifix soll später in den Altar der Kirche aufgenommen worden sein.

Die Entstehungsgeschichte unterscheidet sich damit deutlich von den großen Marienwallfahrten Südtirols. Nicht ein kunstvolles Gnadenbild, eine Erscheinung oder eine wunderbare Auffindung steht am Anfang, sondern ein einfaches Kreuz in der freien Berglandschaft, das offenbar zunächst aus der Frömmigkeit der dort arbeitenden Hirten und Bauern hervorging.

Volkskundliche Bedeutung der Wallfahrt

Volkskundlich ist das Putzer Kreuz gerade wegen dieser bescheidenen Anfänge besonders interessant. Der Kult scheint aus der alltäglichen Arbeitswelt der alpinen Bevölkerung heraus entstanden zu sein. Ein Kreuz an einem Baum konnte für Hirten, Bauern, Reisende und Menschen, die die Bergübergänge benutzten, einen Ort des kurzen Gebetes und der Bitte um Schutz bilden. Aus einem solchen zunächst einfachen religiösen Zeichen entwickelte sich durch zunehmende Verehrung ein dauerhafter Gnaden- und Wallfahrtsort.

Bemerkenswert ist dabei die schrittweise Ausbildung einer regelrechten Wallfahrtsinfrastruktur: Auf das Kreuz folgte 1822 eine Kapelle, später eine größere Kirche und bereits 1835 ein Gasthaus zur Aufnahme der Wallfahrer. Diese Entwicklung zeigt besonders anschaulich, wie eine zunächst lokale Andachtsstätte durch den wachsenden Zustrom von Pilgern auch die unmittelbare Umgebung verändern konnte.

Auch der beschwerliche Weg war Teil der Wallfahrt. Der alte Pilgerweg verband den Hauptort Sarnthein mit dem mehr als 600 Höhenmeter höher gelegenen Putzer Kreuz. Das Hinaufsteigen zum Heiligtum bedeutete damit eine erhebliche körperliche Anstrengung. Gerade bei solchen Bergwallfahrten wird der Weg selbst zu einem Bestandteil der religiösen Handlung: Mühe, Zeit und körperliche Leistung können als Opfer, Buße oder Ausdruck der Ernsthaftigkeit einer Bitte verstanden werden. Der historische Pilgerweg ist bis heute erhalten beziehungsweise als solcher bekannt.

• Literatur zur Wallfahrt:

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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