| Wallfahrt: | Hochalpine Heiligen- und Viehwallfahrt zur Kapelle St. Silvester auf der Alm. |
| Status: | Lebendige regionale Fußwallfahrt; die traditionelle Wallfahrt der Pfarrei Toblach besteht weiterhin. |
| Kultzentrum: | Verehrung des hl. Silvester als Schutzpatron des Viehs und der hochalpinen Herdenwirtschaft. |
| Besonderheit: | Spätmittelalterlicher Ablassort auf rund 1.900 Metern Höhe mit Überlieferung vom Heiligenlärch und votivartigen Tierfiguren. |
| Ort: | St. Silvester auf der Alm bei Winnebach. |
| Bezirk: | Pustertal. |
| Bundesland: | Südtirol. |
| • | Lage: St. Silvester auf der Alm, Silvestertal, 39038 Winnebach, Gemeinde Innichen. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrei Winnebach zum hl. Nikolaus – Seelsorgeeinheit Oberes Pustertal |
| • | Öffnungszeiten: Die Kapelle ist von Juni bis Oktober geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Wir haben leider noch keine Fotos dieses Wallfahrtsortes.
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Die Kapelle St. Silvester steht abgelegen auf einem bewaldeten Bergrücken im oberen Silvestertal, ungefähr auf 1.900 Metern Meereshöhe. Das Silvestertal verläuft nördlich des Pustertales zwischen Winnebach und Toblach; die Kapelle erhebt sich nahe der höchsten Stelle des Tales am Fuß des Toblacher Pfannhorns. Kirchlich gehört sie zur Pfarrei Winnebach, obwohl einer der gebräuchlichsten Zugangswege von Toblach beziehungsweise Wahlen aus hinaufführt.
Die Wallfahrtskapelle St. Silvester auf der Alm steht in rund 1.900 Metern Höhe auf einem bewaldeten Bergrücken im oberen Silvestertal zwischen Winnebach und Toblach. Das abgelegene Heiligtum ist nur zu Fuß oder mit dem Mountainbike erreichbar. Ein gebräuchlicher Zugang beginnt bei der Schnegger Säge oberhalb von Wahlen und führt auf dem Wanderweg Nr. 1 an der Silvesteralm vorbei zum Kirchlein.
Der Kern der Kapelle entstand um 1200. Um 1440 wurde das Gotteshaus erweitert und am 3. August 1441 neu geweiht. Im Jahr 1455 verlieh der Brixner Fürstbischof Nikolaus Cusanus der Kapelle Ablässe. Damit ist ihre Bedeutung als spätmittelalterlicher Wallfahrtsort eindeutig belegt.
Das Innere besteht aus einem rechteckigen Saal mit flacher Holzdecke und einer östlich anschließenden Apsis. Die um 1450 entstandenen Wandmalereien werden heute vielfach Leonhard von Brixen zugeschrieben; ältere Darstellungen ordnen sie allgemeiner der Brixner Schule beziehungsweise dem Umkreis des Meisters von Klerant zu. Das umfangreiche Bildprogramm umfasst Apostel und Brixner Diözesanpatrone sowie Szenen aus dem Marienleben und der Kindheitsgeschichte Christi.
St. Silvester wurde vor allem als Schutzpatron des Viehs verehrt. Hirten der hoch gelegenen Schwaighöfe und Bauern aus dem gesamten Hochpustertal zogen im Sommer zum Kirchlein, um Schutz vor Viehseuchen, Raubtieren, Unwettern und Unglück sowie Segen für Herden und Futterernte zu erbitten. Nach einer Überlieferung brachten Hirten zunächst eine Silvesterstatue aus der Innichner Stiftskirche auf die Alm und stellten sie unter einem Baum auf, bevor eine eigene Kapelle errichtet wurde.
Eine weitere Sage berichtet vom "Heiligenlärch", einer uralten Lärche neben dem Kirchlein, die von Hirten mit Figuren von Pferden, Kühen und Schafen geschmückt worden sei. Ein Toblacher Pfarrer habe den als heidnisch empfundenen Brauch missbilligt und den Baum fällen lassen. Die Tierfiguren können als votivartige Zeichen der Bitte um Schutz für die Herden verstanden werden. Die wiederholt geäußerte Vermutung, an dieser Stelle habe sich bereits eine vorchristliche Opferstätte befunden, ist jedoch nicht eindeutig bewiesen.
Im Zuge der josephinischen Reformen wurde das Kirchlein 1785 beziehungsweise 1786 geschlossen und verfiel. Nach seiner Wiederherstellung im Jahr 1899 wurden die Bittgänge erneut aufgenommen. Bis heute führt eine traditionelle Fußwallfahrt der Pfarrei Toblach zum Silvesterkirchl. St. Silvester auf der Alm ist damit kein erloschener historischer Kultort, sondern weiterhin eine lebendige regionale Alm- und Viehwallfahrtsstätte.
• Literatur zur Wallfahrt:
- Kühebacher, Egon: "St. Silvester auf der Alm und St. Salvator im Wildbad, zwei uralte Pustertaler Heiligtümer". In: Der Schlern, 61. Jahrgang, 1987, S. 5–21.
- Kühebacher, Egon: "St. Silvester auf der Alm". In: ders.: Kunst- und Kulturlandschaft des Gemeindegebietes von Innichen. 3., deutsch-italienische Auflage, Innichen 2003.
- Mairhofer, Hans: Toblach und Umgebung. Bozen: Athesia 1978.
- Helmrath, Johannes / Woelki, Thomas (Hrsg.): Acta Cusana. Quellen zur Lebensgeschichte des Nikolaus von Kues. Band II, Lieferung 4: 1455 Juni 1 bis 1456 Mai 31. Hamburg: Felix Meiner 2018, Nr. 4407.
- Gruber, Karl / Nothdurfter, Hans: Vor-Romanik in Südtirol. Kunst und Architektur von der Völkerwanderung bis 1150. Bozen: Athesia 2017, Abschnitt "Winnebach, St. Silvester auf der Alpe".
| |
Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Südtirol | |
Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt |
Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Fotozusendungen.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
© www.SAGEN.at