St. Lorenzen – Wallfahrtskirche Heilig Kreuz auf der Fronwiese

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Christus- und Kreuzwallfahrt zur Heilig-Kreuz-Kirche auf der Fronwiese.
Status:Die einst bedeutende Wallfahrt ist weitgehend erloschen; die Kirche ist gewöhnlich verschlossen.
Kultzentrum:Verehrung des Heiligen Kreuzes beziehungsweise eines Gnadenkreuzes.
Besonderheit:Im 18. Jahrhundert Eremitentradition, im 19. Jahrhundert eigener Kaplan für die Betreuung der Pilger.
Ort:Fronwies bei St. Lorenzen.
Bezirk:Pustertal.
Bundesland:Südtirol.
Lage und Besuch
Lage: Heilig-Kreuz-Straße 6, 39030 St. Lorenzen (Fronwies).
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Südtirol
Ansicht in Street View
Web: Pfarrei St. Lorenzen
Öffnungszeiten: normalerweise geschlossen!
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Historisch

Die Heilig-Kreuz-Kirche auf der Fronwiese liegt zwischen St. Lorenzen und Bruneck und war über lange Zeit ein bedeutender Wallfahrtsort des Pustertales.

Die Heilig-Kreuz-Kirche war besonders im 18. und 19. Jahrhundert ein bedeutender und vielbesuchter Wallfahrtsort mit Eremiten, eigenem Kaplan und ausgeprägter Kreuzverehrung. Die Wallfahrt hat heute offenbar keine nennenswerte Bedeutung mehr; die Kirche ist nicht regulär zugänglich und gewöhnlich verschlossen.

Der heutige Kirchenbau wurde 1732 errichtet. Die Kirche besitzt einen an der Ostseite stehenden Fassadenturm mit Zwiebelhaube; Langhaus und gerade abschließender Chor sind tonnengewölbt. Die Freskenausstattung schuf Josef Renzler im Jahr 1835.

Einen besonders deutlichen Beleg für die Bedeutung der Wallfahrt liefert Beda Weber in seinem 1838 erschienenen Werk "Das Land Tirol". Er bezeichnet die Fronwiese ausdrücklich als einen "sehr berühmten und besuchten Wallfahrtsort". Die Kirche nennt er eine "Kirche des Erlösers", die vom Volk "zum heil. Kreuz" genannt werde. Neben der Kirche befand sich damals ein eigenes Haus für den jeweiligen Kaplan, dessen Aufgabe nach Webers Beschreibung ausdrücklich auch darin bestand, sich um die Bedürfnisse der Pilger zu kümmern. Damit ist für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts ein ausgeprägter Wallfahrtsbetrieb mit eigener seelsorglicher Betreuung unmittelbar belegt.

Der Mittelpunkt der Wallfahrt war die Verehrung des Heiligen Kreuzes beziehungsweise eines Gnadenkreuzes. Die heutige Kirche entstand somit als Zentrum einer Kreuzwallfahrt, bei der das Leiden und Erlösungswerk Christi im Mittelpunkt stand.

Die Eremiten auf der Fronwiese

Mit der Heilig-Kreuz-Kirche war im 18. Jahrhundert eine bemerkenswerte Eremitentradition verbunden. Georg Mutschlechner hat diese in seinem Aufsatz Die Eremiten von Fronwies im Pustertal, erschienen 1982 in Der Schlern, untersucht.

Nach der von Mutschlechner zusammengestellten Liste lebten beziehungsweise wirkten auf der Fronwiese:

Frater Anton Maria Lotter von 1737 bis 1741,
Frater Franz Spindler von 1741 bis 1743,
Frater Hilarius Ruets von 1743 bis 1745,
Frater Josaphat Sargant von 1745 bis 1774 und
Frater Benedikt Leitner ab 1774.

Damit lässt sich unmittelbar nach dem Kirchenbau von 1732 eine über Jahrzehnte bestehende Folge von Eremiten nachweisen.

Besonders aufschlussreich ist das Schicksal des letzten in dieser Reihe genannten Einsiedlers. Auf der von Dir vorgelegten Schlussseite des Aufsatzes berichtet Mutschlechner, dass das Kreisamt im Pustertal am 17. Februar 1782 einen Bericht nach Innsbruck vorlegte. Das Gubernium befasste sich am 26. Februar damit und ordnete an, dass dem als "Waldbruder" bezeichneten Benedikt Leitner angesichts seines bisher bewiesenen Fleißes das Mesneramt an der Heilig-Kreuz-Kirche auf der Fronwiese weiterhin belassen werden sollte.

Diese Nachricht zeigt, dass zumindest Benedikt Leitner nicht nur als zurückgezogen lebender Eremit in der Umgebung des Heiligtums wohnte, sondern unmittelbar in dessen Betreuung eingebunden war. Als Mesner gehörte er zum täglichen religiösen Leben der Wallfahrtskirche. Als Wallfahrtsseelsorger und die Betreuung der Pilger ist später ausdrücklich ein eigener Kaplan belegt.

Gerade das Nebeneinander von Eremit und Wallfahrtskaplan ist bemerkenswert. Im 18. Jahrhundert begegnen wir dem Eremiten als Hüter und Mesner des Heiligtums; Beda Weber beschreibt 1838 schließlich einen eigenen Kaplan, der sich der Pilger annahm. Damit lässt sich auf der Fronwiese eine ungewöhnlich differenzierte religiöse Infrastruktur eines vergleichsweise kleinen, außerhalb der geschlossenen Ortschaft gelegenen Wallfahrtsortes erkennen.

Legende und Überlieferung

Zur Entstehung des Gnadenkreuzes dürfte eine lokale Überlieferung bestanden zu haben, die uns im Augenblick nicht vorliegt. Ergänzende Hinweise sind willkommen!

Beda Weber verbindet die Fronwiese außerdem mit den Franzosenkriegen und berichtet, dass an diesem Ort der Mut der Tiroler beziehungsweise "hochländischen Scharfschützen" gestärkt worden sei.

Volkskundliche Bedeutung der Wallfahrt

Im Zentrum steht eine Christus- beziehungsweise Kreuzwallfahrt. Der Wallfahrtsort lag außerhalb des eigentlichen Siedlungskerns und entwickelte dadurch den Charakter eines eigenständigen sakralen Platzes in der Landschaft.

Dass die Wallfahrt tatsächlich eine größere Bedeutung besaß, belegt Beda Webers Beschreibung besonders eindrucksvoll. Noch 1838 war Fronwies für ihn nicht irgendeine kleine lokale Andachtsstätte, sondern ein weithin bekannter und stark besuchter Pilgerort. Das Vorhandensein eines eigenen Kaplans, der sich ausdrücklich um die Pilger kümmerte, spricht für einen zeitweise erheblichen Zustrom von Wallfahrern.

Hinzu kommt die außergewöhnliche Verbindung mit dem Eremitenwesen. Die seit 1737 nachweisbare Folge von Wald- und Einsiedlerbrüdern zeigt eine religiöse Lebensform, die im Umfeld alpiner Wallfahrtsstätten immer wieder begegnet: Der Eremit lebte in unmittelbarer Nähe eines Heiligtums, betreute es, versah praktische Dienste und konnte zugleich durch seine asketische Lebensweise selbst zur besonderen religiösen Atmosphäre des Ortes beitragen. Für Fronwies ist mit Benedikt Leitners Tätigkeit als Mesner diese unmittelbare Verbindung zwischen Eremitage und Heiligtum konkret nachweisbar.

Damit vereinigt die Fronwiese auf bemerkenswerte Weise Kreuzverehrung, Wallfahrt, Eremitentum und organisierte Pilgerseelsorge. Der Ort entwickelte sich offenbar von einer im 18. Jahrhundert von Eremiten mitbetreuten Heilig-Kreuz-Stätte zu einem im 19. Jahrhundert noch weithin bekannten Wallfahrtsort mit eigenem Kaplan.

Die Wallfahrtskirche Heilig Kreuz auf der Fronwiese gilt historisch und kunstgeschichtlich als bedeutendes Zeugnis der Region, im lebendigen religiösen Leben der Gemeinde hat sie ihre Rolle als klassisches Pilgerziel jedoch weitgehend verloren.

• Literatur zur Wallfahrt:

- Georg Mutschlechner, Die Eremiten von Fronwies im Pustertal, Der Schlern, Jg. 56 (1982), S. 395–397.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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